Schreiben von Ernst Bayreuther an seine Eltern in Minden
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Stadt Minden WN 37 Nachlass Ernst Bayreuther, Nr. 3
Stadt Minden WN 37 Nachlass Ernst Bayreuther Nachlass Ernst Bayreuther
Nachlass Ernst Bayreuther
1937
Enthält: u.a.: [Frühj. 1937]: Kur für Mutter; Werklehrer-Examen bestanden; Idee einer Reise nach Frankreich; Plan einer Reise nach Worpswede [= „Dorf“?]; Trachtengruppe, bekannt aus Minden, nun in Berlin; 9.1.1937: Zeitung hat Zeichnung nicht gedruckt; besucht Kunsterzieherschule und Uni gleichzeitig; Plan für Italienreise, auch Sizilien, zu Ostern mit Verkauf von Skizzen; [Briefschluss fehlt]; 16.1.1937: Päckchen mit Lexikon eingetroffen (Ausarbeitung für Bruder Helmut); bei Fascio, der italienischen Jugendorganisation, gewesen wegen Reise nach Italien; Ehre, als Student zur Aufnahme in Partei vorgeschlagen worden zu sein, wohl wegen Studentenring; für 31.1. in Berlin geplanter Vorbeimarsch am Führer, B. muss deshalb Exerzieren üben; kommenden Sonntag im Funkhaus eine Veranstaltung mit Rosenberg und Hierrl, B. wird dabei sein; Wohnungswechsel zum 1.2.1937; Vortrag des Rektors der finnischen Uni Helsinki über Bedeutung der deutschen für die finnische Kultur; 27.1.1937: Teilnahme am Fackelzug am Samstag; dann Gemeinschaftsempfang; dieses Jahr kein eigenes Maskenfest, sondern schließen sich der Akademie an; am Montag überreicht der japanische Botschafter ca. 100 japanische Schülerarbeiten der Kunsterzieherschule als Geschenk; 16.2.1937: Tagung über künftige Gestaltung des Studentenbundes und der Deutschen Studentenschaft; am 1.4.1937 erscheint Ehrenordnung der Studenten: jeder Student wird satisfaktionsfähig, d.h. „er ist berechtigt und verpflichtet, seine Ehre mit der blanken Waffe zu verteidigen. Da man das Pistolenduell nicht für Studenten einführen will, wird jeder Student, der den Kameradschaften und Stamm-Mannschaften des NSD-Student4nbundes [!] angehört im Fechten ausgebildet werden. Die Anschaffung des Paukgerätes, wie die umgefährlichen [!] Übungssäbel heissen, kommt allein auf eine Mill[i]on RM. Allein aus diesem Grunde dürfte sich die Einführung des Fechtens noch einige Semester hinziehen. Vor allen Dingen will man ein Ausarten der Fechterei verhindern. Ehe ein Zweikampf stattfinden kann, wird erst ein Ehrenrat mit der Angelegenheit beauftragt, dieser oder wohl auch schon vorher der Student4führer [!] entscheidet, ob es sich um eine Ehrenamgelegenheit [!] handelt oder ob ein Disziplinarverfahren einzuleiten ist. Es wird also nur in verhältnismäßig wenigen Fällen zu einem Zweikampf kommen. Im Hintergrund scheint man vorzuhaben, eine ähnliche Ehrenordnung für alle Pg. und später für das ganze Volk ei[n]zuführen.“; „Mein Studentenring liegt in den letzten Zügen. Die Kulturgemeinde will die Gelder nicht mehr aufbringen, die ihr dieser ‚Verein‘ verschluckt. Daher konnte man den Vertrag nicht erneuern, der jetzt mit dem Ende der Winterspielzeit abläuft. Es wird eine Reichskulturtagung in Dresden stattfinden, auf der die Leute des Kulturamtes der Reichsführung, die Kulturreferenten der Gauleitungen und die Studentenführer der Kunst- und Musikhochschulen erscheinen werden. An Stelle unseres Hochschulführers fährt sein Stabsleiter. Und das bin ich.!,. Ja. Da werdet Ihr staunen. Heute Abend in der Sitzung der Hochschulführung wird der Studentenführer mich zu seinem Stellvertreter und Stabsleiter ernennen. Verschiedene Referenten die sich nicht bewährt haben, werden an die frische Luft gesetzt werden. [...] Was nun im besonderen meine Arbeit seien [!] wird, steht noch nicht ganz fest. Bestimmt ist, daß mir der gesamte Stab des Hochschulführers unterstellt ist, und daß ich dafür zu sorgen habe, daß diese Leute Betrieb in ihre Gebiete bringen. Es kommt vor allem jetzt darauf an, daß der Studentenbumd [!] in Ordnung kommt, daß die jungen Studenten, die zur Hochschule kommen sich sagen, Mensch dat Ding is in Ordnung, und sich freiwillig in den Studentenbumd [!] einreihen. Denn das Freiwilligkeitsprinzip soll auf alle Fälle gewahrt werden. Hoffen wir, daß ich mich zur Zufriedenheit der Vorgesetzten bewähre. Ich hätte mir wirklich nicht träumen lassen, als ich vor einem guten Jahre schüchtern das erste Atelier betrat, dass ich am Ende des 3. Semesters schon so hoch in der Studentenführung stehen würde. Zuerst wollte man mich ja überhaupt zum neuen Studentenführer machen, das habe ich aber glattweg abgelehnt. Es zieht einen zu sehr von der Arbeit weg und bringt nur Ärger, nun haben wir diese Lösung gefunden. Ich bitte mir mitzubringen: Hitler und Rosenberg, nichtgebundene Noten (Schubert genügt)“; 22.2.1937: „Mein Gesuch, das ich auf Vorschlag des Studentenführers um Aufnahme in die Partei einreichte, ist nun schon unterwegs.“; 1.4.1937: Lager in den Wäldern nördlich von Berlin; Plan Aug./Sept. Gottschee, deutsches Gebiet in Südslawien; in Ferien Fähigkeiten im Töpfern verbessern; in Gottschee Töpferei lehren, damit vor Ort deutsche Töpferware gekauft wird; „Gestern in der Studentenführungssitzung bin ich vom Studentenführer Schuster offfiziell [!] als sein Vertreter mit allen Machtbefugnissen eingesetzt worden. Und heute habe ich bereits die Semestervollversammlung der Gesamtstudentenschaft geleitet, eine Angelegenheit, die sonst der Studentenführer der Hochschule selbst macht. [...] Wenn mir die Sache gefällt, kann ich im Wintersemester Studentenführer der Hochschule für Kunsterziehung sein. - Ich habe ferner den Plan, mich nach Ablauf meiner jetzigen Beurlaubung in der SA in die HJ überweisen zu lassen. Mehrer[e] Kameraden sind bereits in den Reihen der HJ tätig als Arbei[ts]führer bei der Ausgestaltung der Heime. Ich glaube, daß man daran seine Freude haben kann; auch wird es für den späteren Beruf nicht gerade schädlich sein[,] wenn man in der Arbeit der HJ gestanden hat.“; 24.4.1937: Plan zum Besuch der Weltausstellung in Paris; Ostern in Rom gewesen; 12.6.1937: Ansichtskarte „Staatl. Hochschule f. Kunsterziehung[,] Berlin-Schöneberg“]: Abschlussprüfung / Staatsexamen am 23. [Juni]; 19.6.[1937]: muss nicht zum Landdienst; Fahrt nach Gottschee zu 99% sicher; Ende nächstes Semester Abschlussprüfung in Englisch; Cranach-Ausstellung; 22.10.1937: Philharmonie-Konzert mit Dirigent Furtwängler, diesen währenddessen porträtiert; „Meine Wehrdienstzurückstellung werde ich in den nächsten Tagen hier einreichen. - Ich werde wohl in den nächsten Wochen anfangen in Öl zu malen. Einmal muß es ja richtig los gehen.“; 27.11.1937: Grundsteinlegung zur wehrtechnischen Fakultät im Grunewald, B. war als Ehrengast in Zivil eingeladen; 3.12.1937: „Schickt mir doch bitte den braunen SA binder [!] Habe ich nicht eigentlich noch eine braune Stiefelhose, die einer von uns mal in der HJ oder SA getragen hat? Ich benötige nämlich so eine für meine SA-Ausrüstung. [...] Einen SAMantel [!] zu 20 Mark müßte ich mir eigentlich auch kaufen, doch schiebe ich zunächst Geldknappheit vor.“; Ölgemälde des großväterlichen Geburtshauses in Spandau zu dessen Geburtstag
Akten
Angaben zum entzogenen Vermögen
Weitere Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
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Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgt“ meint eine Person oder Organisation, die im Nationalsozialismus verfolgt wurde. Sie konnte im Rahmen der Wiedergutmachung Entschädigung oder Rückerstattung beantragen. Wenn der Antrag nicht von dem oder der Verfolgten selbst, sondern von einer anderen Person (zum Beispiel dem Sohn oder der Tochter) oder einer Organisation gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ bezeichnet und ihre Beziehung zu dem oder der Verfolgten soweit bekannt vermerkt. In den Quellen wird für die Verfolgten auch der Begriff „Geschädigte“ und für die Antragstellenden der Begriff „Anspruchsberechtigte“ verwendet.
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Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.
09.01.2026, 12:12 MEZ
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