In addition to the technically required cookies, our website also uses cookies for statistical evaluation. You can also use the website without these cookies. By clicking on "I agree" you agree that we may set cookies for analysis purposes. You can see and change your cookie settings here.
A Rep. 003-04-07 Rudolf-Virchow-Krankenhaus (Bestand)
Landesarchiv Berlin (Archivtektonik) >> A Bestände vor 1945 >> A 2 Magistrat der Stadt Berlin >> A 2.4 Nachgeordnete städtische Behörden und Einrichtungen >> A Rep. 003-04-ff. Städtische Krankenhäuser sowie Heil- und Pflegeanstalten
1920 - 1945
Vorwort: A Rep. 003-04-07 Rudolf-Virchow-Krankenhaus
1. Behördengeschichte
Die Stadt Berlin wuchs seit 1871 rasant und erreichte um 1900 eine Zahl von 1,9 Millionen Einwohner. Die Kapazität des 1700 Betten zählenden Charité-Krankenhaus reichte schon lange nicht mehr aus. Deshalb wurden seit 1872 mehrere städtische Krankenhäuser errichtet (Krankenhaus Moabit mit ca. 500 Betten 1872, Krankenhaus Friedrichshain mit 600 Betten 1874 und Krankenhaus "Am Urban" mit ca. 500 Betten 1890).
Als viertes und größtes Krankenhaus kam 1906 das "Rudolf-Virchow-Krankenhaus" mit 1600 Betten hinzu. Die Krankenhäuser wurden alle im sogenannten Pavillonstil gebaut, da die Idee darin bestand, dass in licht- und luftdurchfluteten Pavillons der Gefahr der Verbreitung von Krankheiten durch die Luft entgegengewirkt werden würde. Das Rudolf-Virchow-Krankenhaus wurde von Stadtbaurat Ludwig Hoffmann auf einem ehemaligen Exerzierplatz der Artillerie am Augustenburger Platz errichtet. In einer parkartigen Landschaft bildeten die 60 Gebäude eine Gesamtheit, die von einer zeitgenössischen Architekturzeitung als "barocke Stadt" gepriesen wurden. Den Eingang bildete eine heute noch imponierende Flügelanlage mit begrüntem Innenhof, in der heute das "Deutsche Herzzentrum Berlin" angesiedelt ist. Nach Westen hin gruppierten sich entlang einer Mittelallee 21 eingeschossige, flurlose Krankenpavillons. Auf der nördlichen Alleeseite reihten sich zehn Pavillons für die konservativen Fächer, auf der südlichen elf Pavillons für die chirurgischen Abteilungen. Sie hatten in der Mitte einen zweigeschossigen Teil und zwei einstöckige Seitenflügel. Im Mittelbau waren die Funktionsräume untergebracht, die Seitenflügel beherbergten je einen Krankensaal mit 20 Betten auf gefliestem Fußboden und mit großen Fenstern, die sogar im Oberteil mit Kippanlagen ausgestattet waren. Lampen gab es an jedem Bett! Auf dem Gelände des Krankenhauses befanden sich außerdem Operationsgebäude, Apotheke, Wirtschaftsgebäude, Badehaus, Wasserturm und eine Infektionsabteilung für 176 Patienten. Diese Infektionsabteilung lag in unmittelbarer Nähe zum Robert-Koch-Institut. Damit konnte sich im Laufe der nächsten Jahrzehnte eine enge Zusammenarbeit zwischen den beiden Instituten etablieren.
Ca. 900 Mitarbeiter, (Ärzte, Apotheker, Pfleger und Schwestern sowie Handwerker) waren für die Patienten tätig. Die ersten Patienten waren 70 Geschlechtskranke, die mit der gesamten Abteilung aus dem Urban-Krankenhaus dorthin verlegt wurden. Damit wurde der Grundstein zur Hautklinik gelegt. Als weitere Abteilungen wurden die chirurgische und die geburtshilflich-gynäkologische Abteilung eingerichtet. Durchschnittlich wurden 1906: 589, 1907: 1047, 1908: 1293, 1909: 1501, 1910: 1605 Personen behandelt. 1907 wurde die erste städtische Augenabteilung mit 25 Betten eingerichtet.
Für Verwundete des Krieges wurden 24 Baracken 1914-1918 eingerichtet. Von 1918 bis 1920 wurden 25.581 Männer, 33.336 Frauen und 5258 Kinder aufgenommen und behandelt. 1921 begann der Zahnarzt Martin Wassmund mit dem Aufbau einer kieferchirurgischen Abteilung, deren Anlass die Behandlung der zahlreichen Kriegsverletzungen der ehemaligen Soldaten war. 1927 wurde diese Abteilung als 1. Kieferchirurgische Fachklinik Berlins eröffnet. Die Krankenverpflegung wurde weiter verbessert, Auswahlessen und eine Diätküche eingeführt. Das Krankenhaus belegte nunmehr 2600 Betten. Nach 1925 fanden Betriebsratswahlen in Berliner Betrieben statt. Im Rudolf-Virchow-Krankenhaus traten oppositionelle Listen der KPD an, die in den kommenden Jahren die meisten Stimmen erhielten. 1926 wurde eine für ganz Berlin arbeitende Blutspendezentrale eröffnet.
Mit der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten 1933 wurden die jüdischen Ärzte entlassen und dafür Ärzte, die im nationalsozialistischen Sinne wirkten eingesetzt. So betrieb Berthold Ostertag, der ab 1934 als neuer Leiter der Pathologie fungierte, erbbiologische Forschung. Die urologische Abteilung wurde 1933 mit zwei Stationen von den chirurgischen Abteilung getrennt. Das Städtische Rudolf-Virchow-Krankenhaus verüfgte 1941 über ein planmäßige Bettenzahl von 2003 Betten mit 45 Säuglingsbetten. Es wurde in vier Hauptabteilungen untergliedert. Zur Hauptabteilung A gehörten die I. Abteilung (mit Homöopathischer Abteilung und Diätetischer Staion), die II. Innere Abteilung mit Kinderstation, die Dermatologische Abteilung, die Psychiatrisch-neurologische Abteilung (mit 134 Betten) und die Abteilung für physikalische Therapie. In der Hauptabteilung B gab es die Äußere Abteilung, die Geburtshilflich-gynäkologische Abteilung (mit den 45 Säuglingsbetten), die urologische Abteilung, die Abteilung für Zahnkrankheiten und Kieferchirurgie, die Hals-Nasen-Ohren-Abteilung und die Augen-Abteilung. Die Hauptabtelung C war das Allgemeine Institut gegen die Geschwulstkrankheiten (mit u.a. seinen Strahlenabteilungen) und das Röntgeninstitut. In der Hauptbatelung D waren die Pathologische Abteilung, die Apotheke, die Staatlich anerkannte Krankenpflegeschule mit 82 Lernschwestern, die Staatlich anerkannte medizinisch-technische Lehranstalt, die Staaltich anerkannte Diätschule und der Blutspendernachweis zusammengefasst. Darüber hinaus waren zahlreiche Ambulatorien für die nichtstationäre gesundheitliche Versorgung vorhanden. In seinem Standort Augustenburger Platz 1 hatten die Leitung die beiden Ärztlichen Direktoren Prof. Dr. Dr. Horsters und Prof. Dr. Fick, der Direktor Prof. Dr. Cramer sowie der Verwaltungsdirektor Oehler inne.
Von 1934 bis 1943 war eine Psychiatrisch-neurologische Abteilung vorhanden, die aus der Beobachtungsstation für Nervenkranke des Hufeland-Hospitales und einer Station für unruhige Kranke entstand und 1943 nach der Zerstörung der Abteilung durch einen Bombenangriff nicht wieder aufgebaut wurde. Fast 70% der bebauten Fläche des RVK wurden ab 1943 durch Bomben zerstört.
Nach dem Zweiten Weltkrieg waren nur noch ein Viertel der Betten und die Hälfte der Pavillons erhalten geblieben. 1973 wurde ein achtgeschossiger Neubau für die "Innere Medizin" errichtet, der heute als Verwaltungsgebäude genutzt wird. Im März 1986 beschloss der Berliner Senat, die Universitätsmedizin der Freien Universität aus dem damaligen Klinikum Charlottenburg in das Städtische Rudolf-Virchow-Krankenhaus zu verlagern. Dies setzte dort eine rege Um- und Neubautätigkeit in Gang, die erst 1998 abgeschlossen wurde. Im Jahre 1995 wechselte das Rudolf-Virchow-Klinikum von der Freien Universität zur Humboldt-Universität und 1997/1998 fusionierten zunächst die medizinischen Fakultäten und die Klinika (Klinikum Charité Mitte und Rudolf-Virchow-Klinikum) sowie zwei Forschungskliniken in Berlin-Buch zur "Medizinischen Fakultät Charité der Humboldt-Universität zu Berlin". Im Jahre 2003 wuchs die Charité durch Fusion mit dem Universitätsklinikum Benjamin Franklin zur "Charité - Universitätsmedizin Berlin" und damit zu Europas größtem Klinikum.
Die Akte des Betriebsrates wurde 2006 vom Bundesarchiv Berlin im Rahmen der Provenienzabgrenzungen dem Landesarchiv Berlin übergeben. Die Personalakten fanden sich im Zugang Acc. 4315 des Landesarchivs Berlin an und wurden 2008 tektonisch diesem Bestand zugeordnet.
2. Bestandsgeschichte
Der Bestand umfasst 10 Akten (0,15 lfm). Er enthält eine Akte des Betriebsrates (1920-1932) und neun Personalakten (1926-1945).
Die Akten wurden mit der Software Augias-Archiv 8.3. verzeichnet und sind nun über die Findmittel Datenbank und Findbuch zugänglich.
Zahlreiche Akten sind auf Grund archivgesetzlicher Bestimmungen bzw. der EU-Datenschutz-Grundverordnung für die Benutzung befristet gesperrt. Eine Verkürzung der Schutzfristen kann auf Antrag erfolgen. Dazu bedarf es der besonderen Zustimmung des Landesarchivs.
Der Bestand ist wie folgt zu zitieren: Landesarchiv Berlin, A Rep. 003-04-07, Nr. ...
3. Korrespondierende Bestände
A Pr.Br.Rep. 030 Polizeipräsidium Berlin
A Pr.Br.Rep. 030-03 Zentralkartei für Mordsachen und Lehrmittelsammlung
A Rep. 000-02-01 Stadtverordnetenversammlung zu Berlin
A Rep. 001-02 Magistrat der Stadt Berlin, Generalbüro
A Rep. 001-06 Magistrat der Stadt Berlin, Personalbüro
A Rep. 003-03 Magistrat der Stadt Berlin, Deputation für das Gesundheitswesen / Hauptgesundheitsamt
A Rep. 003-04-01 Heil- und Pflegeanstalt Buch
A Rep. 003-04-03 Städtisches Krankenhaus Moabit
A Rep. 003-04-04 Wittenauer Heilstätten
A Rep. 003-04-11 Heil- und Pflegeanstalt Wuhlgarten
A Rep. 013-01-11 Magistrat der Stadt Berlin, Lebensmittelversorgungsstellen - Zuckerversorgung
A Rep. 013-04-05 Magistrat der Stadt Berlin, Kriegsversorgungsstellen - Abteilung für Seifenversorgung
A Rep. 033-08 Bezirksamt Wedding
A Rep. 042-08 Bezirksamt Steglitz
A Rep. 352 Amtsgericht Wedding
B Rep. 080 Landesverwaltungsamt Berlin
B Rep. 400 Rudolf-Virchow-Krankenhaus
F Rep. 270 A Allgemeine Kartensammlung
F Rep. 290 Allgemeine Fotosammlung
4. Literatur- und Quellenverzeichni
1906 - Rudolf-Virchow-Krankenhaus - 1981, Hrsg. vom Rudolf-Virchow-Krankenhaus, Berlin 1981.
50 Jahre Rudolf-Virchow-Krankenhaus Berlin - Festschrift, In: Berliner Medizin - Sonderheft, Berlin 1956.
50 Jahre Rudolf-Virchow-Krankenhaus, Hrsg. Von der Verwaltung des Rudolf-Virchow-Krankenhauses, Berlin 1956.
60 Jahre Rudolf Virchow-Krankenhaus, In: Forschung, Praxis, Fortbildung, 17. Jg. Heft 20, Berlin 1966.
Gottwald, Franz: Das Rudolf-Virchow-Krankenhaus am Augustenburger Platz, In: Heimatbuch vom Wedding, Berlin 1924.
Heim, Wilhelm: 1906 - RVK - 1981. 75 Jahre Rudolf-Virchow-Krankenhaus in Berlin, Erinnerung und Ausblick. Berlin 1981.
Peters, Dietlinde: Das Rudolf-Virchow-Krankenhaus, Augustenburger Platz 1, In: Geschichtslandschaft Berlin - Orte und Ereignisse Wedding, Hrsg. Von der Historischen Kommission zu Berlin, Berlin 1990.
Berlin, im Juli 2012/ Juni 2017 Kerstin Bötticher
Fußnoten:
Rudolf Ludwig Karl Virchow (* 13. Oktober 1821 in Schivelbein, Pommern; † 5. September 1902 in Berlin) war ein deutscher Arzt an der Berliner Charité, Archäologe und Politiker (Deutsche Fortschrittspartei). Er gilt unter anderem als Gründer der modernen Pathologie. Er war Vertreter einer streng naturwissenschaftlich und sozial orientierten Medizin.
Martin Waßmund (* 7. September 1892 in Witzmitz (Ploty), Kreis Regenwalde in Pommern, heute Wicimice, Woiwodschaft Westpommern, Polen; † 4. April 1956 in Berlin) war ein deutscher Chirurg, Zahnarzt, Hochschullehrer und Facharzt für Zahn-, Mund- und Kieferkrankheiten.
Dr. Berthold Ostertag (* 28.02.1895 - † 1975) war ein deutscher Pathologe und erbbiologischer Forscher. Er leitete von 1925 bis 1933 das neuropatholgische Institut in Buch und das Institut für allgemeine Pathologie der heil- und pflegeanstalten in Buch, sowie 1933/1934 das pathologische Institu des Krankenhauses Moabitsowie von 1934 bis 1945 das patholgische Institut des RVK. Nach 1958 war er Leiter des Instituts für Neuropathologie in Tübingen.
Bestand
Verwandte Verzeichnungseinheiten: A Pr.Br.Rep. 030 Polizeipräsidium Berlin
A Pr.Br.Rep. 030-03 Zentralkartei für Mordsachen und Lehrmittelsammlung
A Rep. 000-02-01 Stadtverordnetenversammlung zu Berlin
A Rep. 001-02 Magistrat der Stadt Berlin, Generalbüro
A Rep. 001-06 Magistrat der Stadt Berlin, Personalbüro
A Rep. 003-03 Magistrat der Stadt Berlin, Deputation für das Gesundheitswesen / Hauptgesundheitsamt
A Rep. 003-04-01 Heil- und Pflegeanstalt Buch
A Rep. 003-04-03 Städtisches Krankenhaus Moabit
A Rep. 003-04-04 Wittenauer Heilstätten
A Rep. 003-04-11 Heil- und Pflegeanstalt Wuhlgarten
A Rep. 013-01-11 Magistrat der Stadt Berlin, Lebensmittelversorgungsstellen - Zuckerversorgung
A Rep. 013-04-05 Magistrat der Stadt Berlin, Kriegsversorgungsstellen - Abteilung für Seifenversorgung
A Rep. 033-08 Bezirksamt Wedding
A Rep. 042-08 Bezirksamt Steglitz
A Rep. 352 Amtsgericht Wedding
B Rep. 080 Landesverwaltungsamt Berlin
B Rep. 400 Rudolf-Virchow-Krankenhaus
F Rep. 270 A Allgemeine Kartensammlung
F Rep. 290 Allgemeine Fotosammlung
Zugangsbestimmungen: Einige Akten sind aufgrund archivgesetzlicher Bestimmungen bzw. der EU-Datenschutz-Grundverordnung für die Benutzung befristet gesperrt. Eine Verkürzung der Schutzfristen kann auf Antrag erfolgen. Dazu bedarf es gesonderter Zustimmung des Landesarchivs.
The Bundeszentralkartei (BZK) is the central register of the federal government and federal states for completed compensation proceedings. When a claim is entered into the BZK, a number is assigned for unique identification. This BZK number refers to a compensation claim, not to a person. If a person has made several claims (e.g. for themselves and for relatives), each claim generally has its own BZK number. Often, the file number of the respective compensation authority is used as the BZK number.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
Delict according to Nazi judicial system
Conduct that was first criminalized under National Socialism (e.g. the Treachery Act, ‘Judenbegünstigung’) or which the Nazi judiciary prosecuted more severely (e.g. high treason).
Reason for persecution
The reasons provided here are based on the wording in the reasons for persecution stated in the sources.
Role in the proceeding
‘Verfolgt’ refers to a person who submitted a compensation claim for damage caused by Nazi persecution. If the application was submitted by a person other than the persecuted person, this other person is designated as ‘antragstellend’ and their relationship to the persecuted person, if there is one, is noted. In the sources, the persecuted person is sometimes referred to as ‘Geschädigter’ (aggrieved party) and the applicant as ‘Anspruchsberechtigter’(claimant).
Search in Archivportal-D
You may find additional archival material on this person not related to Wiedergutmachung in the Archivportal-D.
Additional information on reason for persecution
Additional or more specific information on membership and group affiliation which were the reason for the persecution.
Für nähere Informationen zu Nutzungs- und Verwertungsrechten kontaktieren Sie bitte info@landesarchiv.berlin.de.