Urteilsbrief des Reichskammergerichts in Speyer im Prozess Raban von Holzheim als Kläger gegen die Stadt Halle in Sachsen als Beklagte
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Archiv des Landeswohlfahrtsverbandes Hessen, Urk., Nr. 2
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Speyer 1557 Oktober 20
Ausfertigung, Pergament, anhängendes Siegel
Urkunde
Identifikation (Urkunde): Originaldatierung: Geben in unser unnd des Reichs Statt Speier am zwantzigsten tage des monats Octobris nach Christus unnß lieben Herrn Gepurdt fünffzehenhundert unnd im siebenunfünffzigsten, unseren Reiche des Römischen im neununndreissigsten unnd der andern aller im zwey unnd viertzigsten Jahre
Vermerke (Urkunde): (Voll-) Regest: Am 25. Juni 1550 ließ Raban von Holzheim durch seinen Anwalt Dr. Adam Werner von Themar Klage gegen die Stadt Halle in Sachen beim Reichskammergericht in Speyer einreichen. Grund für die Klage war, dass die Stadt Halle dem Kläger die Zinszahlung für ein Darlehn verweigerte, das der Leipziger Bürger und Fernhändler Kilian Rietwieser der Stadt Halle am 2. Mai 1530 gewährt hatte. Der Darlehnsbetrag belief sich auf 3000 Gulden rheinischer Währung. Im Gegenzug hatte sich die Stadt Halle zur Zahlung eines jährlich zum 1. Mai fälligen Zinses in Höhe von 150 Gulden verpflichtet. Am 1. Mai 1533 hatte Rietwieser das Darlehn mit Wissen der Stadt Halle an Agnes Pless weiterverkauft. Bis zu ihrem Tod am 4. März 1547 war ihr der jährliche Zins vertragsgemäß gezahlt worden. Zwei Wochen vor ihrem Tod hatte Agnes Pless den hessischen Adeligen Raban von Holzheim geheiratet. Da Raban von Holzheim im Ehevertrag vom 17. Februar 1547 und im Testament seiner Ehefrau vom 24. Februar 1547 im Fall der Kinderlosigkeit als Alleinerbe eingesetzt worden war, ging der Witwer davon aus, dass der von der Stadt Halle jährlich zu zahlende Darlehnszins nunmehr ihm zukam. Die Stadt Halle jedoch stellte die Zinszahlung mit dem Argument ein, dass die 3000 Gulden, mit denen das Darlehen von Rietwieser erworben wurde, nicht aus dem Vermögen der Agnes Pless bezahlt, sondern aus dem Vermögen des Erzstifts Magdeburg und der heiligen Kirche stammten. Daraufhin hatte sich der Witwer zunächst schriftlich an die Stadt Halle gewandt, von dieser jedoch am 10. Oktober 1548 die Nachricht erhalten, dass ihr die Zahlung von ihrem Fürsten und Landesherrn, Johann Albrecht (1499–1550) von Brandenburg, Erzbischof von Magdeburg und Bischof von Halberstadt, verboten worden sei. Johann Albrecht war der Vetter seines Vorgängers im Amt als Erzbischof von Magdeburg und Bischof von Halberstadt, Albrecht von Brandenburg (1490–1545), dessen Geliebte Agnes Pless seinerzeit war. In der Folge bevollmächtige Raban von Holzheim seinen Vetter Konrad von Rodenhausen mit der Erhebung der Zinsen. In einem Schreiben an Konrad von Rodenhausen vom 17. Oktober 1548 und einem weiteren vom 12. Januar 1549 an Raban von Holzheim erklärte Johann Albrecht von Brandenburg, das Verbot nicht aufheben zu können. Hierauf wandte sich Raban von Holzheim am 5. März 1550 an das Reichskammergericht in Speyer. Die Einreichung der Klage durch seinen Anwalt, den Advokat und Prokurator Dr. Adam Werner von Themar, folgte am 25. Juni 1550. Die Stadt Halle wurde durch den Advokat und Prokurator Dr. Leopold Diek vertreten. Am 20. Oktober 1557 gab das Reichskammergericht dem Kläger Recht und verurteilte die Stadt Halle zur Zahlung der rückständigen Darlehnszinsen von Jahr 1547 an und zur künftigen Zahlung Zinsen an Raban von Holzheim bis zu Ablösung der Hauptschuld. Die Gerichtskosten waren von der Stadt Halle zu tragen.
Vermerke (Urkunde): Unterschriften: Ad mandatum d[omi]ni Imperatoris proprium Wendilinus Hessus L[egum] L[icentatius] Judicii, Camerae Imperialis Prothonotarius manu propria
Vermerke (Urkunde): Siegler: Kaiser Karl V.
Vermerke (Urkunde): Deskriptoren: Konrad von Rodenhausen, Vetter des Klägers, Zeuge des Testaments von Agnes von Holzheim
Vermerke (Urkunde): Deskriptoren: Agnes von Holzheim, verwitwete Plesse, geborene Strauß, verstorbene Ehefrau des Klägers
Vermerke (Urkunde): Deskriptoren: Raban (Rabe, Rab) von Holzheim, Kläger
Vermerke (Urkunde): Deskriptoren: Stadt Halle, Beklagte
Vermerke (Urkunde): Deskriptoren: Margraf Johann Albrecht von Brandenburg, Beklager
Vermerke (Urkunde): Deskriptoren: Kilian Rietwieser, Fernhändler aus Leipzig
Vermerke (Urkunde): Deskriptoren: Graf Wilhelm Werner von Zimmern, Kammerrichter
Vermerke (Urkunde): Deskriptoren: Graf Friedrich von Löwenstein, Kammerrichter
Vermerke (Urkunde): Deskriptoren: Dr. Adam Werner von Themar, Advokat und Prokurator, Anwalt des Klägers
Vermerke (Urkunde): Deskriptoren: Dr. Leopold Diek, Advokat und Prokurator, Anwalt des Beklagten
Vermerke (Urkunde): Deskriptoren: Dr. Johann Portius, Advokat und Prokurator, Anwalt des Klägers
Vermerke (Urkunde): Deskriptoren: Dr. Konrad Visch
Vermerke (Urkunde): Deskriptoren: Dr. Caspar Hamerstetter
Vermerke (Urkunde): Deskriptoren: Dr. Wendel Heß
Vermerke (Urkunde): Deskriptoren: Gilbracht (Gilbert, Gilbrecht) von Rodenhausen (Radenhausen), Zeuge des Ehevertrags und des Testaments von Agnes von Holzheim
Vermerke (Urkunde): Deskriptoren: Reichard Rink (Rinck, Ring), Zeuge des Ehevertrags und des Testaments von Agnes von Holzheim
Vermerke (Urkunde): Deskriptoren: Georg Krengel, Zeuge des Ehevertrags und des Testaments von Agnes von Holzheim Peter von Dernbach, genannt Graul (Grauel), Zeuge des Testaments von Agnes von Holzheim
Vermerke (Urkunde): Deskriptoren: Philipp von Linsingen, Zeuge des Testaments von Agnes von Holzheim
Vermerke (Urkunde): Deskriptoren: Christoff von Linsingen, Zeuge des Testaments von Agnes von Holzheim
Vermerke (Urkunde): Deskriptoren: Caspar von Rodenhausen, Zeuge des Testaments von Agnes von Holzheim
Vermerke (Urkunde): Deskriptoren: Jakob Rüffer, Pfarrer
Vermerke (Urkunde): Deskriptoren: Wilhelm Schaffenrath (Schaffenrodt), Pfarrer
Vermerke (Urkunde): (Voll-) Regest: Am 25. Juni 1550 ließ Raban von Holzheim durch seinen Anwalt Dr. Adam Werner von Themar Klage gegen die Stadt Halle in Sachen beim Reichskammergericht in Speyer einreichen. Grund für die Klage war, dass die Stadt Halle dem Kläger die Zinszahlung für ein Darlehn verweigerte, das der Leipziger Bürger und Fernhändler Kilian Rietwieser der Stadt Halle am 2. Mai 1530 gewährt hatte. Der Darlehnsbetrag belief sich auf 3000 Gulden rheinischer Währung. Im Gegenzug hatte sich die Stadt Halle zur Zahlung eines jährlich zum 1. Mai fälligen Zinses in Höhe von 150 Gulden verpflichtet. Am 1. Mai 1533 hatte Rietwieser das Darlehn mit Wissen der Stadt Halle an Agnes Pless weiterverkauft. Bis zu ihrem Tod am 4. März 1547 war ihr der jährliche Zins vertragsgemäß gezahlt worden. Zwei Wochen vor ihrem Tod hatte Agnes Pless den hessischen Adeligen Raban von Holzheim geheiratet. Da Raban von Holzheim im Ehevertrag vom 17. Februar 1547 und im Testament seiner Ehefrau vom 24. Februar 1547 im Fall der Kinderlosigkeit als Alleinerbe eingesetzt worden war, ging der Witwer davon aus, dass der von der Stadt Halle jährlich zu zahlende Darlehnszins nunmehr ihm zukam. Die Stadt Halle jedoch stellte die Zinszahlung mit dem Argument ein, dass die 3000 Gulden, mit denen das Darlehen von Rietwieser erworben wurde, nicht aus dem Vermögen der Agnes Pless bezahlt, sondern aus dem Vermögen des Erzstifts Magdeburg und der heiligen Kirche stammten. Daraufhin hatte sich der Witwer zunächst schriftlich an die Stadt Halle gewandt, von dieser jedoch am 10. Oktober 1548 die Nachricht erhalten, dass ihr die Zahlung von ihrem Fürsten und Landesherrn, Johann Albrecht (1499–1550) von Brandenburg, Erzbischof von Magdeburg und Bischof von Halberstadt, verboten worden sei. Johann Albrecht war der Vetter seines Vorgängers im Amt als Erzbischof von Magdeburg und Bischof von Halberstadt, Albrecht von Brandenburg (1490–1545), dessen Geliebte Agnes Pless seinerzeit war. In der Folge bevollmächtige Raban von Holzheim seinen Vetter Konrad von Rodenhausen mit der Erhebung der Zinsen. In einem Schreiben an Konrad von Rodenhausen vom 17. Oktober 1548 und einem weiteren vom 12. Januar 1549 an Raban von Holzheim erklärte Johann Albrecht von Brandenburg, das Verbot nicht aufheben zu können. Hierauf wandte sich Raban von Holzheim am 5. März 1550 an das Reichskammergericht in Speyer. Die Einreichung der Klage durch seinen Anwalt, den Advokat und Prokurator Dr. Adam Werner von Themar, folgte am 25. Juni 1550. Die Stadt Halle wurde durch den Advokat und Prokurator Dr. Leopold Diek vertreten. Am 20. Oktober 1557 gab das Reichskammergericht dem Kläger Recht und verurteilte die Stadt Halle zur Zahlung der rückständigen Darlehnszinsen von Jahr 1547 an und zur künftigen Zahlung Zinsen an Raban von Holzheim bis zu Ablösung der Hauptschuld. Die Gerichtskosten waren von der Stadt Halle zu tragen.
Vermerke (Urkunde): Unterschriften: Ad mandatum d[omi]ni Imperatoris proprium Wendilinus Hessus L[egum] L[icentatius] Judicii, Camerae Imperialis Prothonotarius manu propria
Vermerke (Urkunde): Siegler: Kaiser Karl V.
Vermerke (Urkunde): Deskriptoren: Konrad von Rodenhausen, Vetter des Klägers, Zeuge des Testaments von Agnes von Holzheim
Vermerke (Urkunde): Deskriptoren: Agnes von Holzheim, verwitwete Plesse, geborene Strauß, verstorbene Ehefrau des Klägers
Vermerke (Urkunde): Deskriptoren: Raban (Rabe, Rab) von Holzheim, Kläger
Vermerke (Urkunde): Deskriptoren: Stadt Halle, Beklagte
Vermerke (Urkunde): Deskriptoren: Margraf Johann Albrecht von Brandenburg, Beklager
Vermerke (Urkunde): Deskriptoren: Kilian Rietwieser, Fernhändler aus Leipzig
Vermerke (Urkunde): Deskriptoren: Graf Wilhelm Werner von Zimmern, Kammerrichter
Vermerke (Urkunde): Deskriptoren: Graf Friedrich von Löwenstein, Kammerrichter
Vermerke (Urkunde): Deskriptoren: Dr. Adam Werner von Themar, Advokat und Prokurator, Anwalt des Klägers
Vermerke (Urkunde): Deskriptoren: Dr. Leopold Diek, Advokat und Prokurator, Anwalt des Beklagten
Vermerke (Urkunde): Deskriptoren: Dr. Johann Portius, Advokat und Prokurator, Anwalt des Klägers
Vermerke (Urkunde): Deskriptoren: Dr. Konrad Visch
Vermerke (Urkunde): Deskriptoren: Dr. Caspar Hamerstetter
Vermerke (Urkunde): Deskriptoren: Dr. Wendel Heß
Vermerke (Urkunde): Deskriptoren: Gilbracht (Gilbert, Gilbrecht) von Rodenhausen (Radenhausen), Zeuge des Ehevertrags und des Testaments von Agnes von Holzheim
Vermerke (Urkunde): Deskriptoren: Reichard Rink (Rinck, Ring), Zeuge des Ehevertrags und des Testaments von Agnes von Holzheim
Vermerke (Urkunde): Deskriptoren: Georg Krengel, Zeuge des Ehevertrags und des Testaments von Agnes von Holzheim Peter von Dernbach, genannt Graul (Grauel), Zeuge des Testaments von Agnes von Holzheim
Vermerke (Urkunde): Deskriptoren: Philipp von Linsingen, Zeuge des Testaments von Agnes von Holzheim
Vermerke (Urkunde): Deskriptoren: Christoff von Linsingen, Zeuge des Testaments von Agnes von Holzheim
Vermerke (Urkunde): Deskriptoren: Caspar von Rodenhausen, Zeuge des Testaments von Agnes von Holzheim
Vermerke (Urkunde): Deskriptoren: Jakob Rüffer, Pfarrer
Vermerke (Urkunde): Deskriptoren: Wilhelm Schaffenrath (Schaffenrodt), Pfarrer
Enthält: Klageschrift
Enthält: Schreiben des Klägers und der Beklagten sowie der Anwälte der Klägers und der Beklagten
Enthält: Abschrift des Ehevertrags zwischen Agnes von Holzheim, verwitwete Pless, geborene Strauß, und Raban von Holzheim
Enthält: Abschrift des Testaments der Agnes von Holzheim, verwitwete Pless, geborene Strauß
Umfang: 25 Blatt
Enthält: Schreiben des Klägers und der Beklagten sowie der Anwälte der Klägers und der Beklagten
Enthält: Abschrift des Ehevertrags zwischen Agnes von Holzheim, verwitwete Pless, geborene Strauß, und Raban von Holzheim
Enthält: Abschrift des Testaments der Agnes von Holzheim, verwitwete Pless, geborene Strauß
Umfang: 25 Blatt
14.11.2023, 11:35 MEZ