Im Jahre 1429, am 14. September ('in dem hirbstmandt') um die Vesperzeit, im Haus und in der Stube des unten genannt Testators, in der 7. Indiktion, im 12. Jahr von Papst Martin V., vor Notar und Zeugen, die unten genannt sind, stand Herr Heinrich Lucke, Kanoniker und Kantor ('senger') zu Weilburg, und machte zum Heil seiner Seele und seiner Vorfahren ('alle siner eldern') sein Testament. Er setzte 200 Gulden dem St. Nikolausaltar in der Pfarrkirche St. Martin zu Weilburg aus zum Ankauf von 10 Gulden ewiger Gülte für den Altar und die Frühmesse. Auch gab er demselben Altar seinen Weingarten zu Weilburg, genannt der 'Truernit', den er mit seinem eignen Geld gekauft hat. Jeder Vikar soll davon am Montag, Mittwoch und Freitag jeder Woche früh morgens bei Tagesanbruch eine Messe zu Lob und Ehre des allmächtigen Gottes, seiner Mutter Maria und aller Heiligen zum Seelenheil seiner Eltern und aller gläubigen Christen lesen. Bevor er die Messe beginnt und wenn er sich zu ihr angetan hat, soll der Vikar mit gebeugten Knien vor dem Altar zu Ehren der Jungfrau Maria die Antiphon: 'Salve regina', mit einer Kollekte sprechen und nach der Messe den Psalm 'de profundis' mit der Kollekte: 'Fidelium deus omnium conditor'. Auch soll sein Bruder, Herr Friedrich Lucke, für seine Jahrzeit ein Passionale ins Stift Weilburg kaufen. Er hat zur Präsenz 18 Tournosen ewiger Gülte ausgesetzt, von denen 12 Tournosen aus Junker Eckart Kloppels Garten zu Elkerhausen und 6 Tournosen von Erwin zu Weilburg aus dessen Weingarten 'off der Hoelen' fallen, damit die zwei Feste St. Katharinen und St. Pauli Bekehrung begangen werden. Er vermachte ferner: dem Konvent zu Wetzlar 20 Gulden, die dieser ihm schuldig war; dem Konvent zu Arnsburg 20 Gulden nebst dem, was dieser ihm schuldig war; Herrn Eckart Beyer 8 Gulden und Herrn Johann Hottorffer, der ihm diese 12 Gulden schuldig ist, 4 Gulden; Herrn 'Clais' Prusße 7 Gulden, die diesem an seiner Rechnung abgehen sollen; Herrn Walter, Dekan zu Wetzlar, seinen besten gefütterten Rock; Herrn Eckart den nächstbesten; Herrn 'Claisen' den danach besten. Seinem vorgenannten Bruder, Herrn Friedrich Lucke, Pfarrer zu Weilburg, überließ er all sein bewegliches ('gereide') Hab und Gut und seine Schuld, auch allen Hausrat; er soll dies für die Seele des Testators anlegen. Der Testator erbat hierüber ein oder mehrere Notariatsinstrumente. - Geschehen unter dem Datum und an dem Ort, wie oben genannt, vor Herrn Eckart Beyer, Vikar zu Weilburg, Henne, Knecht des vorgenannten Kantors, und Gele, seiner Magd. - Nikolaus Prusße, Kleriker Leslauer ('Wladislaviensis') Diözese und Vikar zu Weilburg, kaiserlicher Notar, (bezeugt seine Anwesenheit und die Niederschrift durch Unterschrift und Signet).