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Die Journalisten
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Weimarische Zeitung, Nr. 5, 19.01.1853, S. 40: „[…] Wir freuen uns, dießmal einen entschiedenen und wohlverdienten Erfolg constatiren zu können. Der Name Freitags hat von der Valentine und dem Waldemar einen guten Klang bei dem deutschen Theaterpublicum. Originalität der Erfindung, Richtigkeit der Charakterentwickelung, Klarheit und Gewandtheit des Ausdrucks und Feinheit der Ausführung überhaupt zeichneten die frühern Arbeiten Freitags aus. Man war daher mit Recht gespannt auf dieses neue Product, um so mehr, als man, nach mehrjährigem Stillschweigen des Dichters, annehmen durfte, daß es einen namhaften Fortschritt bekunden werde. Diese Erwartung ist nicht getäuscht worden. Das neue Lustspiel übertrifft nicht nur seine ältern Geschwister, sondern muß überhaupt zu den besten Erzeugnissen gerechnet werden, die wir in diesem Gebiet besitzen. Die Charactere sind für die Bühne neu und dennoch Typen des wirklichen Lebens, die Situationen originell und doch dabei ungezwungen herbeigeführt, die Sprache frisch und vor allen Dingen wahrer, als wir sie zeither auf der Bühne zu hören gewohnt waren, das Ganze im höchsten Grade unterhaltend. Einzelne kleine Verbesserungen werden sich bei einer Wiederholung des Stückes anbringen lassen. Dahin rechnen wir namentlich die Scene des 3. Acts zwischen Bolz und dem Obersten, wo deutlicher hervorgehoben werden muß, daß die Ehrenbezeigungen, welche das Publicum dem Letzteren erweist, wenngleich von Bolz hervorgerufen, dennoch aus dem freien Willen der Betheiligten hervorgehn. Wenn es uns der Raum gestattet, belegen wir nach einer zweiten Aufführung unser Urtheil durch eine eingehendere Besprechung, die das Stück wohl verdient. Heute müssen wir uns nur noch auf eine Bemerkung beschränken, die, wie uns scheint, für die Beurtheilung maßgebend ist. Der Einfluß der modernen französischen Bühne auf unsre neuere Lustspiel-Litteratur ist unerkennbar. Bisher hatten die Autoren denselben bald mehr, bald weniger bewußt, bald mit Widerstreben, bald mit Entgegenkommen auf sich einwirken lassen, aber immer war er ihnen ein fremdartiges Element in ihren Dichtungen geblieben. In dem Journalisten sehen wir diesen Einfluß zum ersten Male vollständig verarbeitet, so daß kein Stück mit französischer Etikette, sondern ein wirkliches deutsches Originalstück herausgekommen ist. Das ist unsres Erachtens nach ihr Hauptverdienst, das ihnen einen sehr bestimmten Platz in der Geschichte des deutschen Schauspiels anweisen wird. Die Aufführung war eine sehr erfreuliche. Das Arrangement, das nicht geringe Schwierigkeiten bot – wir erinnern nur an die Schlußscene des 2. Acts – zeichnete sich durch Geschick und Geschmack aus, das Zusammenspiel ging meistentheils vorzüglich. Herr Marr lieferte in seinem Obersten wieder eine meisterhafte Leistung; Frau Don-Lebrün war als Adelheit außerordentlich liebenswürdig – wie immer; Hr. Grans bewies als Bolz, daß er mehr zu geben vermag, als die eigene Persönlichkeit. Wir gratulieren ihm aufrichtig zu seiner Darstellung. – Unter den Nebenrollen verdient der Piepenbrink des Herrn Genast eine besonders auszeichnende Erwähnung . – Die übrigen Darsteller zeigten fast insgesammt, daß sie mit Lust und Liebe bei ihrer Aufgabe waren und die Mitarbeiter der Union hatten daher die Austern wohl verdient, die sie im 4. Acte mit so sichtbarem Behagen verzehrten. Mögen sie ihnen gut bekommen.“