NL Familie Backofen (Bestand)
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E 10/73
Stadtarchiv Nürnberg (Archivtektonik) >> Stadtarchiv Nürnberg >> Bestandsgruppe E: Dokumentationsgut privater Provenienz >> E 10 - Nachlässe >> E 10/73 - Nachlass / Familie Backofen
Zur Familie:Der Großhändler Johann Georg Backofen (*1832, +1881) hatte Amalia Satzinger (+1890) geheiratet. Er gründete 1862 eine Großhandelsfirma für Kolonialwaren und Landesprodukte und erwarb, damit zusammenhängend, das Nürnberger Bürgerrecht. Der älteste Sohn Johann Leonhard, geb. 1856, wurde ebenfalls Kaufmann. Er lebte in Rangoon/Burma, wo er eine Import- und Exportfirma betrieb. 1897 starb Leonhard Backofen an den Folgekrankheiten der Malaria in Rangoon. Georg Karl Andreas Backofen wurde 1858 als 2. Sohn geboren. Er verließ mit 14 Jahren das Elternhaus und ging nach Hamburg auf die Seemannsschule. Er beendete die Schule vorzeitig ohne Abschluss und führte in den folgenden Jahren ein unstetes Leben: Als Seemann kam er nach Nord- und Südamerika, später nach Australien und Schanghai; dabei desertierte er mehrfach von seinen Schiffen, arbeitete unter schweren Bedingungen in Amerika in einem Silberbergwerk, ging zur amerikanischen Armee und beteiligte sich an Kämpfen gegen die Indianer in Arizona. 1881 erreichte ihn die Nachricht vom Tod des Vaters in Singapur, daraufhin ging er nach Rangoon zu seinem Bruder. Geschäftlich erreichte er nichts: Der Plan, eine Kaffeeplantage zu errichten, scheiterte an fehlendem Kapital. Auch Versuche, bei der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft in Afrika als Siedler oder in einem Bergwerk zu arbeiten, liessen sich nicht realisieren (hauptsächlich wegen fehlender Fachkenntnisse). Anfang der 1890er Jahre übernahm er das väterliche Geschäft in Nürnberg und brachte es "zur Blüte" (Brief von Leonhard). Karl Backofen erweiterte es um einen Fettgroßhandel und exportierte bis Rangoon. 1894 heiratete Karl Backofen in erster Ehe Johanna Seßner (geb. 1875). Sie hatten vier Kinder. 1906 starb Johanna an den Folgen der Tuberkulose. In zweiter Ehe, die sehr unglücklich verlief und 1915 geschieden wurde, war er mit Helene Welz verheiratet. Offensichtlich wegen schlechten Geschäftsganges stand 1913 ein Konkurs kurz bevor, jedoch blieb die Firma erhalten. 1924 starb Karl Backofen einsam und verbittert in Nürnberg. Die Firma wurde unter dem Namen Georg Backofen und C.F. Dietz -"Backdie" - weiter geführt.Zum Bestand:Der Nachlass enthält neben Unterlagen zur Familie (Stammbäume zurückreichend bis ca. 1730, zahlreiche Geburts- und Todesbescheinigungen, Fotos und Reproduktionen von Stichen Familienangehöriger) vor allem Schriftwechsel zwischen den Brüdern sowie Reiseberichte und Schiffstagebücher. Er gliedert sich in drei Bereiche: I. Zur Familie, II. Zur Person Karl Backofen und III. Zur Person Leonhard Backofen. Dem StadtAN von im Juli 2000 übergeben. Verzeichnung und Datenbankeingabe 2001.
lfd. Meter: 0,50; Einheiten: 44
Bestand
Deutsch
Australien
Backdie
Backofen, Georg Karl Andreas
Backofen, Johann Georg
Backofen, Leonhard
Backofen (Nachlass)
Burma
Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft
Familienunterlagen
Fettgroßhandel
Fotos
Georg Backofen und C. F. Dietz, Fa.
Indianer
Kaufmann
Kolonialwarenhandel
Nachlässe (Einzelbestände)
Nordamerika
Rangoon/Burma
Reiseberichte
Schanghai
Schiffstagebücher
Seemann
Silberbergwerk
Stammbäume
Südamerik
Angaben zum entzogenen Vermögen
Weitere Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgt“ meint eine Person oder Organisation, die im Nationalsozialismus verfolgt wurde. Sie konnte im Rahmen der Wiedergutmachung Entschädigung oder Rückerstattung beantragen. Wenn der Antrag nicht von dem oder der Verfolgten selbst, sondern von einer anderen Person (zum Beispiel dem Sohn oder der Tochter) oder einer Organisation gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ bezeichnet und ihre Beziehung zu dem oder der Verfolgten soweit bekannt vermerkt. In den Quellen wird für die Verfolgten auch der Begriff „Geschädigte“ und für die Antragstellenden der Begriff „Anspruchsberechtigte“ verwendet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person oder Organisation über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.
05.06.2025, 11:18 MESZ