Kirchengemeinde Rünthe (Bestand)
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4.246
Landeskirchliches Archiv der Evangelischen Kirche von Westfalen (Archivtektonik) >> 04. Deposita von Kirchenkreisen und Kirchengemeinden >> 04.2. KG Kirchengemeinden >> 04.2.25. Kirchenkreis Unna
1651 - 2005
Geschichte der KirchengemeindeAm 1. Oktober 1905 wurde die Evangelische Kirchengemeinde Rünthe errichtet. Ist man mit der Geschichte der Kirchengemeinde nicht weiter vertraut, erwartet man, dass die Aktenüberlieferung dieser Gemeinde im 20. Jahrhundert einsetzt. Umso überraschender, dass die ältesten im Archiv der Kirchengemeinde überlieferten Aktenstücke bis ins 17. Jahrhundert zurückreichen. Es handelt sich dabei um Unterlagen, die zur Verwaltung der Pfarrstelle des Hauses Reck dienten, die 1905 auf die Kirchengemeinde Rünthe übertragen wurde.Zunächst hielt sich das Haus Reck, dessen Besitzer 1552 zur evangelischen Religion übertrat, wie die Gemeinde Lerche zur größeren evangelischen Gemeinde Kamen. Noch bis 1789 wurden Familienmitglieder der Familie von der Reck in einem Grabgewölbe in der Kirche zu Kamen beigesetzt. 1620 wurde auf der Burg zu Reck eine Kapelle erbaut, in der Betstunden von den Kamener Pastoren abgehalten wurden. Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde zur Förderung dieser Hausgottesdienste eine eigene reformierte Hauspredigerstelle auf Haus Reck gestiftet. Das Einkommen der Pfarrstelle wurde durch spätere Stiftungen und die Einkünfte aus den Vikarien St. Mariae zu Camen und St. Annae zu Herringen noch vermehrt. Zu Problemen führte immer wieder die Parochialabgrenzung zwischen der Pfarrstelle zu Reck und der Kirchengemeinde Kamen, in deren Pfarrsprengel sich das Haus Reck befand. Daher wurde 1833 durch die Königliche Regierung der Sprengel der Reckschen Kirche auf folgende Häuser festgelegt: das adlige Haus Reck, das innerhalb der Ringmauern liegende Halfenhaus (Halfen=Pächter), das Pfarrhaus, das Küsterhaus, die Schäferwohnung, das alte Gerichtsgebäude. Pfarrer der Hausgemeinde zu Reck 1649-1655 Johannes Neuhaus zu Kamen1955-1684 Theodor Neuhaus (Sohn von 1.), ordiniert am 20.1.1655, seit 1674 Pfarrer zu Kamen, versah die Versorgung der Reckschen Pfarrstelle weiterhin1684-1697 Theodor Neuhaus (Sohn von 2.), danach Pfarrer zu Kamen1697-1727 David Grellius aus St. Gallen1727 Heinrich Jacob Conte aus Duisburg (verstarb kurz nach Antritt der Stelle)1728-1777 Gerhard Diedrich Küper aus Dortmund1777-1822 Gerhard Anton Senger 1853-1865 Wilhelm Bäumer (vorher in Bodelschwingh), Besetzungsrecht Patron zu Reck (Freiherr von Vincke)1867-1894 Gerhard Heinrich Mellmann (vorher Pfarrer zu Böhle bei Hagen)1895-1905 Hermann GoßlichNach dem Tod Pfarrer Stengers bezog dessen Witwe bis zu ihrem Ableben die Einkünfte aus der Pfarrstelle. Die Predigten wurden mit Genehmigung des Besitzers von Haus Reck von ihrem Sohn Rektor Senger zu Kamen verrichtet. 1816 musste für das durch Feuer zerstörte Pfarrhaus ein neues Pfarrhaus errichtet werden. 1873 wurde im Beisein von Konsistorialrat Niemann, Superintendent Polscher und Patron Freiherr Gisbert von Vincke eine neue Hauskirche eingeweiht. Nach häufigen Besitzerwechseln kaufte 1896 die Gewerkschaft Monopol bei Kamen das Haus Reck. Die dortige Pfarrstelle wurde nach jahrelangen Verhandlungen auf die neu errichtete Kirchengemeinde Rünthe übertragen, die Kirche ging laut Verfügung des Konsistoriums vom 1.3.1907 an die größere Kirchengemeinde Kamen über, das Pfarrhaus in Overberge wurde 1909 verkauft. Die Evangelischen in Rünthe und Heil wurden bis 1905 von der Kirchengemeinde Herringen aus versorgt. Seit 1885 gab es bereits Überlegungen zur Verselbständigung von Rünthe, Heil und Werne, die jedoch an der geringen Seelenzahl scheiterten. Erst durch die Errichtung einer Bergmannssiedlung in Rünthe im Jahr 1900 nahmen diese Pläne konkrete Formen an. Zunächst wurde der Gemeindebezirk Heil-Rünthe-Werne noch von einem Hilfsprediger versorgt. Am 4. Dezember 1902 konnte die Christuskirche an der Werner Straße, am 17. Mai 1904 eine Kapelle in Werne eingeweiht werden. Zum 1. Oktober 1905 wurden die Evangelischen von Rünthe und Heil aus der Kirchengemeinde Herringen ausgepfarrt mit den Evangelischen aus Derne Stadt, Werne Land und Stockum zur Kirchengemeinde Rünthe vereinigt (1133 Gemeindeglieder). Pfarrer Goßlich, der bisherige Hausgeistliche zu Reck, wurde erster Pfarrer der neuen Kirchengemeinde und blieb drei Jahrzehnte ihr Seelsorger. Sehr schnell entwickelt sich in den beiden Gemeindeteilen Rünthe und Werne ein reges Vereinsleben mit Arbeitervereinen, Frauenhilfen, Jünglingsverein und Jungfrauenverein. An die Christuskirche wurde 1906 ein Gemeindesaal (Konfirmandensaal) angebaut. 1914 stellte die Gemeinde die erste Gemeindeschwester Frieda Gössing (Diakonissenhaus Witten) ein, für die die Zeche Werne unentgeltlich eine Wohnung zur Verfügung stellte. Im selben Jahr erhielt der Gemeindeteil Werne mit Ernst Stock seinen ersten Hilfsprediger. Seit dem 1. Oktober 1925 bildeten die Evanglischen von Werne und Stockum zwar die selbständige Ev. Kirchengemeinde Werne a. d. Lippe, blieben jedoch noch lange Zeit pfarramtlich mit der Kirchengemeinde Rünthe verbunden und wurden durch Hilfsprediger /Pfarrverwalter versorgt. Nach jahrzehntelangen Verhandlungen wurde 1948 eine 2. Pfarrstelle in der Kirchengemeinde Rünthe für die Versorgung der Kirchengemeinde Werne errichtet, in die der bisherige Pfarrverwalter Eberhard Hoerster 1948 gewählt und berufen wurde. Die pfarramtliche Verbindung mit der Kirchengemeinde Rünthe wurde erst zum 1.4.1954 aufgehoben: die 2. Pfarrstelle der Kirchengemeinde Rünthe ging als 1. Pfarrstelle auf die Kirchengemeinde Werne über. In den 1930er Jahren hatte Rünthe unter der hohen Arbeitslosigkeit zu leiden, die durch die Schließung von Schacht III in Rünthe ausgelöst wurde. Zur Versorgung der Armen wurde eine Volksküche eingerichtet. Die Kirchengemeinde, die sich durch die Gründung der Siedlung Rünthe-West 1922 sehr vergrößert hatte, musste die Pläne zum Bau einer Kleinkinderschule aufgrund der herrschenden Not aufgeben. Zu kirchenpolitischen Auseinandersetzungen kam es in Rünthe abgesehen von Beschwerden aus Werne gegen den der Bekennenden Kirche angehörenden Pfarrer Mühlinghaus nicht. Lediglich das Vereinsleben kam wie in vielen anderen Gemeinden wenigstens teilweise zum Erliegen. Nachdem Pfarrer Mühlinghaus 1943 zum Kriegsdienst eingezogen wurde, regelte zunächst Superintendent Torhorst die kirchliche Versorgung von Rünthe. Gegen Ende des Krieges war Rünthe im Kampf um den Ruhrkessel jedoch so sehr von der Umgebung abgeschnitten, dass die Ehefrau des Pfarrers Mühlinghaus, der seit 1944 in Russland als vermisst galt, pfarramtliche Aufgaben übernahm. Im Oktober 1945 siedelte der Vater von Frau Mühlinghaus Pfarrer i. R. Karl Kurz nach Rünthe über, um die Versorgung der Pfarrstelle (unterstützt von Pastor Schindler und Diakon Hesse) und die Durchführung von Religionsunterricht gemeinsam mit seiner Tochter zu übernehmen. Erst nachdem man Mühlinghaus, der aus dem Krieg nicht zurückkehrte, 1949 offiziell in den Wartestand versetzt hatte, konnte die Pfarrstelle mit Wilhelm Hellinger wieder besetzt werden. Durch den Bau von sog. Nissenhütten in Heil, stieg die Zahl der Gemeindeglieder durch den Zuzug von Flüchtlingen stark an. In Heil wurden vorerst in einer Gastwirtschaft Gottesdienste abgehalten, am 2. Advent 1957 konnte schließlich die Kapelle in Heil eingeweiht werden. 1954 begann man unterstützt von zahlreichen Jugendlichen aus verschiedenen Nationen (Jugendaufbaulager) mit dem Bau des Martin-Luther-Hauses, das 1957 als Kirchraum umgestaltet und 1959 als Lutherkirche eingeweiht wurde. Für diesen Lutherkirchenbezirk wurde 1959 erneut eine 2. Pfarrstelle errichtet. Auch für die Christuskirche gab es in den 1960er umfangreiche Um- und Neubauplanungen, die jedoch bis auf einige Renovierungsarbeiten nicht umgesetzt wurden. Stattdessen konzentrierte man sich mit dem Bau des Gemeindezentrums "Haus der Mitte" (Grundsteinlegung 14.12.1975) auf eine Zentralisierung der Gemeindearbeit am geographischen Zentrum der Kirchengemeinde gegenüber der Lutherkirche. Im Jahr 1989 musste die vom Hausschwamm befallene Christuskirche zum Leidwesen vieler Gemeindeglieder abgerissen werden. Daher stimmte die Gemeinde 2008 nach der Vereinigung mit der Kirchengemeinde Oberaden gerne dem Vorschlag der Superintendentin zu, zur Vermeidung von Verwechslungen der Lutherkirche in Rünthe mit der Martin-Luther-Kirche in Oberaden, die Lutherkirche umzubenennen, und gab ihrer Kirche den Namen der 1989 abgerissenen Christuskirche. Nachdem Rünthe kommunal Stadtteil der neugegründeten Stadt Bergkamen geworden war, beschloss man zum 1. Januar 1971 den Wechsel der Kirchengemeinde Rünthe vom Kirchenkreis Hamm zum Kirchenkreis Unna. Zum 1. Januar 2002 wurde die 1. Pfarrstelle der Kirchengemeinde Rünthe mit der 2. Pfarrstelle der Kirchengemeinde Oberaden pfarramtlich verbunden. Fünf Jahre später zum 1.9.2007 wurden die beiden Kirchengemeinden zur Ev. Martin-Luther-Kirchengemeinde Bergkamen vereinigt. Die pfarramtlich verbundene Pfarrstelle wurde 2. die 2. Pfarrstelle Rünthe 1. und die 1. Pfarrstelle Oberaden 3. Pfarrstelle der neuen Kirchengemeinde. Pfarrer der Kirchengemeinde Rünthe1. Pfarrstelle (seit 2002 pfarramtlich verbunden mit der 2. Pfarrstelle Oberaden) 1905-1935 Hermann Goßlich1935-1949 Friedrich Mühlinghaus (seit 1944 vermisst, 1945-1949 Pfr. i. R. Karl Kurz)1950-1961 Wilhelm Hellinger1961-1967 Volksmissionar/Pastor Werner Zandereit1967-1981 Prediger/Pastor Hans Joerdens 1982-2001 Hüffmeier (1982 Pastor i. H., 1984 Pfarrer)2002-2007 Sabine Sarpe2. Pfarrstelle, Werne (1948-1954)1948-1954 Eberhard Hoerster2. Pfarrstelle (err. 1959)1959-1963 Pamp1963-1983 Hobel1984-1999 Horst-Wilhelm Loos (seit 1981 Kirchenkreispfst. an der Bergberufsschule Rünthe)2001-2007 Uwe RimbachBearbeitung und Benutzung des BestandesDas Archiv der Ev. Kirchengemeinde Rünthe (Ev. Kirchenkreis Unna) wurde 2012 im Landeskirchlichen Archiv der Evangelischen Kirche von Westfalen verzeichnet. Es umfasst insgesamt 365 Verzeichnungseinheiten, die sich über den Zeitraum von 1691 bis 2005 erstrecken.Nach der Vereinigung der Kirchengemeinde Rünthe mit der Kirchengemeinde Oberaden wurden die Akten der Kirchengemeinde geschlossen und das archivwürdige Schriftgut als Depositum dem Landeskirchlichen Archiv übergeben. Das Archiv umfasst die Überlieferung der Kirchengemeinde Rünthe (1905-2007) und einzelne Aktenstücke der ehemaligen Hausgemeinde Reck. Zu der Reckschen Überlieferung ist ergänzend das Archiv des Hauses Reck zu beachten, das unter den Bestandsnummern A 459 I (Urkunden) und A 459 II (Akten) im Landesarchiv NRW, Abteilung Westfalen in Münster deponiert ist. Den Schwerpunkt des Rünther Gemeindearchivs bilden die Bauakten, die die rege Bautätigkeit der Gemeinde vor und seit Gründung belegen.Bei der Verzeichnung erhielten die Akten fortlaufende Nummern, die als gültige Archivsignaturen im Findbuch ganz links neben dem jeweiligen Aktentitel aufgeführt sind. Unterhalb des Aktentitels geben die Vermerke "Enthält, Enthält nur, Enthält u.a., Enthält v.a., Enthält auch" eingrenzende oder weiterführende Auskünfte über den Inhalt. Unter "Darin" sind besondere Schriftgutarten wie Druckschriften, Presseberichte, Bauzeichnungen oder Fotos aufgelistet. Nach den Erschließungsvermerken folgt das Registraturzeichen, falls es auf der Akte vermerkt war. Ganz rechts schließen sich die Laufzeiten der Archivalien an. Zu beachten sind hier zwei verschiedene Arten von Klammern: ( ) verweisen bei Abschriften auf das Datum des Originals, [ ] kennzeichnen erschlossene Jahresangaben undatierter Schriftstücke. Sofern die Benutzung nicht zu Verwaltungszwecken erfolgt, unterliegen gemäß ᄃ 7 (1) Kirchengesetz zur Sicherung und Nutzung von kirchlichem Archivgut in der Evangelischen Kirche der Union (Archivgesetz - ArchG) vom 6.5.2000 sämtliche Archivalien einer 30-jährigen Sperrfrist (gerechnet nach dem Ende ihrer Laufzeit). Für personenbezogene Akten gelten laut ᄃ 7 (2) ArchG zusätzlichen Schutzfristen. Diese Archivalien dürfen auch nach Ablauf der allgemeinen Sperrfrist erst 10 Jahre nach dem Tod der betreffenden Person eingesehen werden. Ist das Todesdatum nicht feststellbar, bemisst sich diese Frist auf 90 Jahre nach der Geburt. Kassiert wurde nicht archivwürdiges Schriftgut im Rahmen der Aufbewahrungs- und Kassationsordnung der Evangelischen Kirche von Westfalen vom 20.2.2003 bzw. des Aufbewahrung- und Kassationsplans vom 19.12.2006.Bei der Zitierung des Archivbestandes ist anzugeben: LkA EkvW 4.246 Nr. ... (hier folgt die Archivsignatur der entsprechenden Archivalie). Das Kürzel steht in dieser Reihenfolge für "Landeskirchliches Archiv der Evangelischen Kirche von Westfalen, Bestand 4.246 Nr. ...".
Bestand
Information on confiscated assets
Additional information
BZK no.
The Bundeszentralkartei (BZK) is the central register of the federal government and federal states for completed compensation proceedings. When a claim is entered into the BZK, a number is assigned for unique identification. This BZK number refers to a compensation claim, not to a person. If a person has made several claims (e.g. for themselves and for relatives), each claim generally has its own BZK number. Often, the file number of the respective compensation authority is used as the BZK number.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
Delict according to Nazi judicial system
Conduct that was first criminalized under National Socialism (e.g. the Treachery Act, ‘Judenbegünstigung’) or which the Nazi judiciary prosecuted more severely (e.g. high treason).
Reason for persecution
The reasons provided here are based on the wording in the reasons for persecution stated in the sources.
Role in the proceeding
‘Verfolgt’ refers to a person or organization that was persecuted under National Socialism. They could file a claim for compensation or restitution as part of the Wiedergutmachung policy. If the application was submitted by another person or organization than the persecutee (for example, their son or daughter), this other person or organization is designated as ‘antragstellend’ and their relationship to the persecutee is noted, if known. In the sources, the persecutee is sometimes referred to as ‘Geschädigter’ (aggrieved party) and the applicant as ‘Anspruchsberechtigter’(claimant).
Search in Archivportal-D
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Additional information on reason for persecution
Additional or more specific information on membership and group affiliation which were the reason for the persecution.
05.11.2025, 1:59 PM CET