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Jürgen P. Wallmann (Bestand)
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Bestandsbeschreibung: Umfangreiche Korrespondenzen mit Schriftstellern, Verlagen, Redaktionen; Sammlungen zu Schriftstellern und literarischen Themen; Belege von Veröffentlichungen; Manuskripte zu journalistischen und wissenschaftlichen Beiträgen, Rezensionen, Vorträgen.
Form und Inhalt: Der Nachlass des Publizisten und Literaturkritikers Jürgen Peter Wallmann wurde aufgrund von zwei Depositalverträgen - vom 01./08.02.2002 und 04./07.10.2010 - in das Westfälische Literaturarchiv im LWL-Archivamt für Westfalen übernommen. Der Nachlass umfasst 357 Verzeichnungseinheiten mit Unterlagen von 1913 bis 2010. Der Bestand ist entsprechend der aktuell gültigen Benutzungsordnung für das Archiv des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe im Lesesaal des LWL-Archivamtes einsehbar und zu bestellen bzw. zu zitieren als: Westfälisches Literaturarchiv im LWL-Archivamt für Westfalen (WLA), Bestand 1002/Nr. [...]. Für einige Verzeichnungseinheiten sind besondere Fristen für schutzwürdige Belange einer oder mehrerer natürlicher Personen eingetragen und entsprechend im Findbuch ausgewiesen.
1. Biographische Anmerkungen
Jürgen P. Wallmann wurde am 15. Juli 1939 als Sohn eines Volksschullehrers in Essen geboren. Er besuchte dort das Staatliche Burggymnasium, das er zu Ostern 1959 mit dem Abiturzeugnis verließ. Schon während seiner Schulzeit war er Mitarbeiter und Redakteur von Schülerzeitungen und arbeitete regelmäßig für die Lokalredaktionen und Feuilletons der in Essen erscheinenden Zeitungen "Westdeutsche Allgemeine", "Neue Ruhr Zeitung" und "Ruhr-Nachrichten".
Ab dem Sommersemester 1959 studierte Jürgen P. Wallmann, der auch unter dem Namen "Peter W. Gerhard" veröffentlichte, an den Universitäten Tübingen und Münster evangelische Theologie und Germanistik; an beiden Studienorten war er Redakteur der Studentenzeitungen "Notizen" und "Semesterspiegel". Neben seinem Dissertationsvorhaben "Untersuchungen zu den Briefen Gottfried Benns" (bei Klaus Günther Just, Westfälische Wilhelms-Universität Münster) - das er wegen seiner beruflichen Beanspruchung nicht zum Abschluss brachte - wurde er 1963/64 Kulturredakteur beim Hessischen Rundfunk; danach freiberuflicher Publizist und Literaturkritiker, ab 1973 mit Wohnsitz in Münster.
Am 12. Januar 2010 ist Jürgen P. Wallmann in seinem Haus in Münster-Wolbeck verstorben.
Ausgehend von einer intensiven Lektüre Gottfried Benns beschäftigte er sich als Kritiker und Herausgeber zunächst vor allem mit Werken zeitgenössischer Lyriker; mit vielen stand er in persönlichem, oft auch freundschaftlichem Kontakt, gespiegelt in z. T. intensiven Korrespondenzen etwa mit Rose Ausländer, Paul Celan, Hilde Domin, Walter Helmut Fritz, Margarete Hannsmann, Karl Krolow, Wilhelm Lehmann, Ernst Meister, Johannes Poethen, Peter Rühmkorf, Nelly Sachs. Für die von Karl Krolow begründete renommierte Lyrik-Reihe "Das Neueste Gedicht" im Bläschke Verlag, Darmstadt, gab er 1970 einige Gedichtsammlungen, u. a. von Johannes Poethen, heraus; für Poethen besorgte er später auch eine Gesamtausgabe seiner Gedichte 1946 bis 1971 (Düsseldorf: Claassen, 1973).
Bemerkenswert ist Wallmanns Interesse und Engagement für regimekritische DDR-Autoren wie Peter Huchel, Bernd Jentzsch, Wulf Kirsten und Reiner Kunze; zu ersten persönlichen Kontakten kam es in der Regel auf den Leipziger Buchmessen gegen Ende der 1960er Jahre. Die freundschaftliche Nähe vor allem zu dem 1977 in die Bundesrepublik übergesiedelten Reiner Kunze ist dokumentiert in einer umfangreichen Korrespondenz (1969 bis 2010) und begleitenden Sammlungen: 1975/76 gab Reiner Kunze das Manuskript und die Originaldokumente zu seinem Prosaband "Die wunderbaren Jahre" noch aus Greiz im Vogtland auf den innerdeutschen Postweg an Wallmann (vgl. 1002/67 und 1002/68). Die Texte thematisieren das Leben junger Leute in der DDR; erstveröffentlicht wurden sie dann 1976 im S. Fischer Verlag, was dazu führte, dass Reiner Kunze aus dem DDR-Schriftstellerverband ausgeschlossen, eine schon gedruckte Ausgabe von "Der Löwe Leopold" im Ostberliner Kinderbuchverlag zurückgezogen wurde, und Kunze im Frühjahr 1977 einen Aussiedelungsantrag stellte. Im selben Jahr erschien im S. Fischer Verlag ein von J. P. Wallmann herausgegebener Materialienband zu Reiner Kunze.
J. P. Wallmann war auch wichtigster Rezensent, Förderer und Herausgeber westfälischer Autoren; vor allem die Werke von Ernst Meister und Hans Dieter Schwarze hat er u. a. mit Sammelbänden und der Herausgabe von Texten aus dem Nachlass begleitet. Zusammen mit dem Münsteraner Germanisten Helmut Arntzen begründete er 1976 einen literarischen Zirkel westfälischer Autoren, den "Kartoffelfeuer"-Kreis.
Auf Vorschlag von Karl Schwedhelm und Johannes Poethen wurde Wallmann 1976 als Mitglied des westdeutschen P.E.N. zugewählt, und war seitdem engagiert und kritisch beteiligt an Themen und Debatten des Internationalen PEN-Clubs sowie des erst 1998 geeinten gesamtdeutschen PEN-Zentrums. An seinem Wohnsitz in Münster war Wallmann als Jurymitglied und Moderator von Einzelveranstaltungen beteiligt an den 1979 von der Stadt Münster und der Annette von Droste-Gesellschaft begründeten, überregional bedeutenden "Lyrikertreffen".
2. Zum Bestand: Hinweise zur Bearbeitung und inhaltliche Schwerpunkte
Der Nachlass Jürgen P. Wallmanns wurde ab 2002, zunächst mit der Abgabe von Veröffentlichungsbelegen übernommen.
Die im Bestand besonders wichtigen Korrespondenzen waren zum Teil schon vorgeordnet und abgelegt nach sachlich-thematischen Betreffen (v. a. Korrespondenz zu einzelnen Veröffentlichungen) oder alphabetisch nach Körperschaften (Korrespondenz mit Verlagen und Redaktionen). Der Briefwechsel mit Autoren war hingegen durchweg in Konvoluten abgelegt ("Schriftstellerbriefe"), deren Ordnung - alphabetisch nach Verfassern und darin jeweils chronologisch - noch herzustellen war. Briefkonzepte und -durchschläge Wallmanns waren mit den eingegangenen Briefen überliefert und wurden in dieser Ordnung belassen.
Auch die umfangreichen Sammlungen, die Wallmann mit inhaltlichen Betreffen und zu einzelnen Autoren angelegt hatte, waren großenteils noch chronologisch zu ordnen. In den Sammlungen enthaltene Korrespondenzen und Werkmanuskripte Wallmanns (Einzelbesprechungen und -kritiken, auch Vortrags- und Rundfunkmanuskripte) vor allem zu Autoren, für die er auch als Herausgeber tätig war, wurden in der sachlich-thematischen Ordnung der Sammlung belassen.
Die mit Einzelsignaturen versehenen Belege selbständiger und unselbständiger Veröffentlichungen sind ebenfalls chronologisch erfasst.
Die der Bestandsklassifikation vorangestellte Ordnungsgruppe 1.0 Werkmanuskripte enthält nur zwei Verzeichnungseinheiten: Manuskripte zu Gottfried Benn (1002/181) und zu einem von J. P. Wallmann besorgten Nachwort einer deutschen Ausgabe von Thornton Wilders Roman "Die Frau von Andros" (1002/247). Alle anderen im Nachlass überlieferten Werkmanuskripte Wallmanns zu Besprechungen, Kritiken, Vorträgen, Rundfunksendungen etc. wurden im vorgefundenen Ordnungszusammenhang, vor allem in den Sammlungen, belassen und sind dort entsprechend ausgewiesen.
Es folgen die Klassifikationsgruppen 2.0 Korrespondenzen, 3.0 Sammlungen, 4.0 Belegexemplare Veröffentlichungen, jeweils in der schon beschriebenen, während der Bearbeitung hergestellten Ordnung. Unter 5.0 befinden sich Belege aus Zeitschriften und Rundfunkprotokolle, die zum Teil einzeln in Aktenordnern abgelegt waren, oder in gesammelten Zeitschriften und Publikationen vorhanden sind.
3. Literaturhinweis
Als umfassendster bio-bibliographischer Nachweis sei verwiesen auf den Eintrag zu Jürgen P. Wallmann in der Datenbank "Lexikon Westfälischer Autorinnen und Autoren" (www.lwl.org/literaturkommission/alex/index.php) auf der Grundlage und in Fortführung des vierbändigen "Westfälischen Autorenlexikons 1750-1950", im Auftrag des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe hrsg. und bearb. von Walter Gödden und Iris Nölle-Hornkamp (Paderborn: Schöningh, 1993-2002).
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgte Person“ meint eine Person, die einen Entschädigungsanspruch für einen Schaden durch NS-Verfolgung geltend machte. Wenn der Antrag nicht von der verfolgten Person selbst, sondern von einer anderen Person gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ angegeben und ihre Beziehung zur verfolgten Person, soweit vorhanden, vermerkt. In den Quellen wird die verfolgte Person mitunter als „Geschädigter“, die antragstellende Person als „Anspruchsberechtigter“ bezeichnet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.