Nachlass Schühle, Hugo (Bestand)
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NL Schühle Hugo
Bayerisches Hauptstaatsarchiv (Archivtektonik) >> Beständetektonik des Bayerischen Hauptstaatsarchivs >> 5 Abteilung V: Nachlässe und Sammlungen >> 5.1 Nachlässe und Familienarchive >> 5.1.2 Nachlässe >> Nachlässe Q - S
1926-1962
Vorwort: Anfang des Jahres 2020 erwarb das Bayerische Hauptstaatsarchiv von einem privaten Sammler historischer Dokumente einige Nachlassfragmente des Münchener Großhandelskaufmanns, Firmeninhabers und Hausbesitzers Hugo Schühle (* 09.08.1892 im badischen Langenhart, +18.10.1954 in München). Diese Dokumente hatte genannter Sammler von einem Verwandten erhalten, der in der Firma von Hugo Schühle gearbeitet und nach dessen Auswanderung in die USA die auf dem Dachboden verbliebenen Dokumente an sich genommen haben soll. Der kleine „Nachlass Hugo Schühle“ beinhaltet drei Schwerpunkte: Zum einen sind dies private und vor allem geschäftliche Papiere von Hugo Schühle - dieser war Inhaber u.a. der Firmen „Hugo Schühle“ und „Süddeutsches Ölwerk“ in München - bzw. seiner beiden Söhne Norbert (*10.5.1917) und Erich (*25.4.1918). Zweiter Schwerpunkt ist die Vermietung und Hausverwaltung des Hauses Prinzregentenplatz 16 in München u.a. mit der Wohnung von Adolf Hitler, denn Hugo Schühle war bis Oktober 1938 Eigentümer dieses Hauses. Diese Schriftstücke bieten einige bisher unbekannte oder zumindest unbeachtete Einblicke in die Banalität der Lebensführung Hitlers (z.B. dessen regelmäßige Mietzahlungen sowie Wohlfahrts- und Feuerschutzabgaben) und lassen auch einzelne Rückschlüsse auf die besondere Stellung des Wohnungsmieters zu (z.B. Rechnungen für Blumenschmuck am Standort der „Führerwohnung“ zum Tag der Deutschen Kunst oder Hinweise auf Wachmannschaftsräume im Haus). Übrigens war genannter Sammler auch der Vorbesitzer des Original-Mietvertrags zwischen Adolf Hitler und Hugo Schühle, den das Bayerische Hauptstaatsarchiv bei einer Auktion im Jahr 2019 zusammen mit weiteren Dokumenten zur Ausstattung von Hitlers Wohnung (BayHStA, Nachlass Adolf Hitler 72-74) käuflich erwerben konnte und der nun unter der Signatur „BayHStA, Nachlass Adolf Hitler 71“ hier verwahrt wird. Am 17. November 1938 verkaufte Hugo Schühle das komplette Anwesen Haus Nr. 16 am Prinzregentenplatz in München an Adolf Hitler. Die betreffende Original-Notariatsurkunde wird im Staatsarchiv München unter der Signatur „Staatsarchiv München Notariat München V (Dr. Walter Bader), Jahrgang 1938, G.R.Nr. 4860“ verwahrt. Einen letzten Schwerpunkt des kleinen Nachlasses bilden Dokumente, die die Expansion der Firma „Otto Schühle“ im Oktober des Jahres 1938 durch den Erwerb der arisierten Firma „Otto Herr & Co.“ in Hamburg (nur Direktion und Verwaltung) mit seinem Dachpappenwerk in Malliß (Mecklenburg-Vorpommern) von dem Gesellschafter Ludwig Schwabe sowie der Kommanditistin Elsa Kaufmann zum Inhalt haben. Zu nennen sind u.a. Kaufverträge, Einheitswertfestschreibungen, Korrespondenzen zwischen München, Hamburg und Malliß, einige Fotografien der Fabrik in Malliß sowie Abschriften aus Gerichtsakten zur Vermögensverwaltung und Wiedergutmachung. Allerdings war nach späterer Aussage des langjährigen Handelsbevollmächtigten und Prokuristen der Firma Hans Ramroth die Firma durch die immer härter werdenden Repressalien des NS-Regimes gegen die Juden schon soweit heruntergewirtschaftet, dass Hugo Schühle die unrentabel gewordene Firma bereits im August 1940 weiterverkaufte. Ab diesem Zeitpunkt gehörte die Firma „Otto Herr & Co.“ offensichtlich zur „Dach- und Isolierstoffe GmbH Berlin“, das Werk in Malliß firmierte unter der Bezeichnung „O.T. Wirtschaftsbetrieb Otto Herr & Co.“ Allerdings scheint das Werk in Malliß nicht mehr Dachpappe produziert zu haben, sondern – wie die umfangreiche Korrespondenz mit der „Handelsgesellschaft für Chemikalien und Teererzeugnisse Seefried & Cie, München“ durchblicken lässt – verschiedenste Chemikalien. In einem Schreiben vom 23.8.1946 nennt sich die Firma entsprechend „Otto Herr & Co. Chemische Fabrik“. Als Geschäftsführer scheint spätestens ab Oktober 1945 Norbert Schühle, der Sohn von Hugo Schühle, in die Firma eingestiegen zu sein, was erklären könnte, warum Firmendokumente nach dem Verkauf im Jahr 1940 in die Hände der Familie Schühle gelangten und somit Bestandteil des Nachlasses wurden. Der mit dem Nachlass Schühle übernommene Ordner mit dem Rückenaufdruck „NSDAP Reichsleitung. Der Reichsschatzmeister. Hauptamt 1. Zentral-Kassen-und Vermögensverwaltung“ wurde in die Sammlung Varia eingereiht unter der Nummer 2116. Sept. 2020 Joachim Glasner
Nachlass Schühle, Hugo
20
Bestand
Akten
ger
Angaben zum entzogenen Vermögen
Weitere Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgt“ meint eine Person oder Organisation, die im Nationalsozialismus verfolgt wurde. Sie konnte im Rahmen der Wiedergutmachung Entschädigung oder Rückerstattung beantragen. Wenn der Antrag nicht von dem oder der Verfolgten selbst, sondern von einer anderen Person (zum Beispiel dem Sohn oder der Tochter) oder einer Organisation gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ bezeichnet und ihre Beziehung zu dem oder der Verfolgten soweit bekannt vermerkt. In den Quellen wird für die Verfolgten auch der Begriff „Geschädigte“ und für die Antragstellenden der Begriff „Anspruchsberechtigte“ verwendet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person oder Organisation über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.
03.04.2025, 11:05 MESZ