Nachlass Esser, Hermann (Bestand)
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NL Esser Hermann
Bayerisches Hauptstaatsarchiv (Archivtektonik) >> Beständetektonik des Bayerischen Hauptstaatsarchivs >> 5 Abteilung V: Nachlässe und Sammlungen >> 5.1 Nachlässe und Familienarchive >> 5.1.2 Nachlässe >> Nachlässe A - E
1963-1981
Vorwort: Hermann Esser (29.7.1900-7.2.1981), der als Freiwilliger noch am Ersten Weltkrieg teilnahm, trat zunächst kurzzeitig in die USPD ein und beteiligte sich dann aber als Freikorpsmitglied an der Niederschlagung der Räterepublik in Bayern. Er zählt zu den frühesten Gefolgsleuten der Nationalsozialisten und wurde bereits 1920 Redakteur des Völkischen Beobachters. Ein begonnenes Studium der Zeitungswissenschaften hatte er zugunsten eines journalistischen Volontariats und seiner politisch-publizistischen Tätigkeit schnell abgebrochen. Esser beteiligte sich jedoch nicht nur publizistisch am Aufstieg der NSDAP, sondern brachte sich auch programmatisch ein und zählte zum engsten Personenkreis um Adolf Hitler. In der NSDAP bekleidete er neben seiner Tätigkeit als Schriftleiter des Völkischen Beobachters bzw. des Illustrierten Beobachters zeitweilig das Amt des Propagandaleiters bzw. Reichspropagandaleiters. Ab Ende der 1920er Jahre erhielt er für die NSDAP verschiedene Mandate, etwa 1928 für den damaligen Kreistag von Oberbayern und 1929 für den Münchener Stadtrat, wo er einer der Fraktionsvorsitzenden wurde. Im Jahr 1932 wurde er in den Bayerischen Landtag gewählt; von 1933 bis zur Aufhebung des Landtags durch das Gesetz über den Neuaufbau des Reiches bekleidete er das Amt des Landtagspräsidenten. Ab 1933 bis 1945 war er auch Mitglied des Reichstags und einer von dessen Vizepräsidenten. 1933 wurde er zunächst als Staatskommissar zur besonderen Verwendung auch Mitglied der bayerischen Staatsregierung und bekleidete dann auch die Ämter des Leiters der Bayerischen Staatskanzlei sowie des Wirtschaftsministers. 1935 trat er – auch wegen persönlicher Differenzen mit hohen NSDAP-Vertretern und einem gerichtlich geführten Scheidungskrieg – aus der bayerischen Staatsregierung zurück. Er wechselte in den Bereich Tourismus, wo er ab 1936 als Präsident des Reichsfremdenverkehrsverbandes und ab 1939 zusätzlich als Staatssekretär für Fremdenverkehr im Reichspropagandaministerium zentrale Stellen innehatte. Nach 1945 wurde er von den Amerikanern zunächst interniert, 1948 aber nur als Mitläufer eingestuft und entlassen. Von deutschen Stellen wurde er 1949 erneut in Haft genommen und in einem neuen Verfahren als Hauptschuldiger zu fünf Jahren Arbeitslager verurteilt. Unter Anrechnung seiner Internierungshaft wurde er 1952 entlassen. Er lebte bis zu seinem Tod 1981 unbehelligt in München, wo er weiterhin im Tourismusbereich tätig war. Als einer der wenigen überlebenden Vertrauten Hitlers wurde er später ein vielgesuchter Zeitzeuge und Interviewpartner. Für die Geschichte der frühen nationalsozialistischen Bewegung, aber auch für den Alltag im Umfeld Hitlers etwa auf dem Berghof konnte er viel Hintergrundwissen beibringen, das er offenkundig auch gerne mitteilte. Dabei gelang es ihm allerdings stets, seine eigene Rolle konsequent herunterzuspielen. Der kleine Nachlassbestand, der nur wenige persönliche Unterlagen aus der Zeit nach 1945 enthält, spiegelt vor allem seine Rolle als Zeitzeuge wieder. Der Bestand konnte – nach Bemühungen seit 1981 – erst 2004 von der Familie übernommen werden. Allerdings wurden dort wichtige Dokumente, u.a. das Manuskript zu Essers Lebenserinnerungen, vorerst zurückbehalten. Der Bestand wurde noch durch weiteres Material ergänzt, das Otto Gritschneder zur Person Esser zusammengetragen und dem Bayerischen Hauptstaatsarchiv 2004 zur Ergänzung des Nachlasses zur Verfügung gestellt hatte. Die Erschließung erfolgte im Jahr 2021. 30.9.2021 Dr. Thomas Paringer
Nachlass Esser, Hermann
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Bestand
Akten
ger
Angaben zum entzogenen Vermögen
Weitere Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgt“ meint eine Person oder Organisation, die im Nationalsozialismus verfolgt wurde. Sie konnte im Rahmen der Wiedergutmachung Entschädigung oder Rückerstattung beantragen. Wenn der Antrag nicht von dem oder der Verfolgten selbst, sondern von einer anderen Person (zum Beispiel dem Sohn oder der Tochter) oder einer Organisation gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ bezeichnet und ihre Beziehung zu dem oder der Verfolgten soweit bekannt vermerkt. In den Quellen wird für die Verfolgten auch der Begriff „Geschädigte“ und für die Antragstellenden der Begriff „Anspruchsberechtigte“ verwendet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person oder Organisation über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.
03.04.2025, 11:05 MESZ