D 160 Fotonachlass Paul Sinner (Bestand)
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D 160
Stadtarchiv Tübingen (Archivtektonik) >> D: Sammlungen
Form und Inhalt: Zur Person des Fotografen
Paul Sinner ist sicherlich der bedeutendste unter den Tübinger Fotografen des 19. und des frühen 20. Jahrhunderts. Keiner seiner Kollegen erreichte eine ähnlich große Spannbreite der dargestellten Themen. Keiner vertrieb wie er seine Abzüge verlagsmäßig. Seine Motive fand er nicht nur in Tübingen sondern in ganz Württemberg. Viele seiner Arbeiten erschienen in den illustrierten Zeitungen vor der Jahrhundertwende.
1838 in Ludwigsburg geboren, kam er bereits 1840 mit seinen Eltern in seine Vaterstadt Tübingen. Nach Schulzeit und Konfirmation absolvierte er zunächst eine Bäckerlehre, später begann er eine Schlosserlehre. Schließlich erhielt er eine gründliche Ausbildung im Fotografenhandwerk im renommierten Atelier von Friedrich Brandseph in Stuttgart.
1865 eröffnete Sinner zusammen mit dem Maler Wilhelm Hornung in der Nähe des Bahnhofs in Tübingen ein gemeinsames Fotoatelier. Schon zwei Jahre später trennten sich die Kompagnons und Sinner machte sich daraufhin selbständig. Am 5.11.1867 eröffnete er im Gebäude Gartenstraße 7 ein modernes Atelier, wo er bis in den Ersten Weltkrieg hinein arbeitete. Schon früh mit der Medaille für Kunst und Wissenschaft des württembergischen Königs dekoriert und durch Ehrenmitgliedschaften verschiedener Vereine ausgezeichnet, starb Paul Sinner im hohen Alter von fast 90 Jahren im März 1925.
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Zum Bestand
Bei dem Bestand handelt es sich um einen Selektbestand der städtischen Fotosammlung, der in den 1980er-Jahren gebildet wurde. Damals wurden beim Kulturamt alle Fotos von Sinner aus dem Hauptbestand aussortiert. Im Oktober 1990 wechselte er zusammen mit der allgemeinen Fotosammlung in den Zuständigkeitsbereich des Stadtarchivs, wo er als eigenständiger Bestand beibehalten wurde und die Bestandssignatur D 160 erhielt. Der Bestand erhielt im Stadtarchiv keinen Zuwachs mehr. Neuzugänge werden in die Fotosammlung (D 150) eingereiht.
Der Selektbestand enthält ausschließlich Fotoabzüge. Unter den insgesamt 2056 Abzügen befinden sich sowohl ältere Albuminpapiere als auch moderne Reproduktionen oder Rückvergrößerungen von Glasnegativen. Sie gelangten nach und nach in den Besitz der Stadtverwaltung. So sind einige noch Schenkungen von Paul Sinner selbst, andere wurden im Antiquariatshandel oder von diversen Privatpersonen erworben. Am Ende des Jahres 1961 erhielt die Stadt schließlich den unveräußerlichen Rest des Fotografen-Nachlasses[1] aus der Obhut seiner Tochter Mathilde Sinner. Dazu zählten auch über 400 Glasnegative, die unter der Signatur S in der Datenbank zur Fotosammlung erfasst sind.[2] Abzüge der Glasplatten befinden sich im Selektbestand und in der Fotosammlung (D 150).
Die Ordnung des Selektbestandes erfolgte in den achtziger Jahren in elf Hauptgruppen:
1:Tübingen
1G:Tübingen, Großformate
2: Militär/ Kriege
3:Trachten
4:Porträts/ Personengruppen
5: Kunst/ Kunsthandwerk
6:Orte ohne Tübingen
6G:Orte ohne Tübingen, Großformate
7:Genre
11:Großformate
alb (früher 10): Alben
Innerhalb dieser Hauptgruppen erhielt jede Aufnahme eine einfache fortlaufende Nummer, ohne dass eine weitere Untergliederung erkennbar wäre. Aus der Hauptgruppen-Nummer und der laufenden Nummer setzt sich jeweils die noch heute gültige Signatur der Fotos zusammen. Eine Ausnahme bildet die Gruppe der Alben, die statt der Nummer 10 nun die Signatur alb trägt.
Nach Übernahme des Bestandes vom Kulturamt ins Stadtarchiv wurden verschiedene Maßnahmen zur Sicherung und Erschließung der wertvollen Fotos getroffen. Als erstes erfolgte die Umbettung der Ansichten in weichmacherfreie Klarsichthüllen. Als nächster Schritt wurden 1994/95 über 1500 Abzüge (mit Ausnahme einer Reihe von Dubletten) durch die Firma Hermann & Kraemer sicherungsverfilmt, um die Originale zu schonen bzw. sie aus der Benutzung herauszunehmen. Die dabei entstandenen neuen s/w-Negative (Format: 10x14 cm) sind mit einem entsprechenden Kontaktabzug unter der Signatur 928 in die Fotosammlung fortlaufend eingeordnet und stehen der Benutzung zur Verfügung. Dagegen werden die Originalvorlagen getrennt von den Repros aufbewahrt und seither nur noch in Ausnahmefällen benötigt.
Die Neuverzeichnung der Sinneraufnahmen war zugleich verknüpft mit einem Pilotprojekt im Stadtarchiv. Erstmals wurde ein Bestand mit Hilfe eines Scanners digital erfasst und zugleich der Bildinhalt über ein Datenbankprogramm erschlossen. Die Ersterfassung der Bilder erfolgte über die Software HydView. Dann wurden die Datensätze im Jahr 2000 auf das Programm Fotostation 4.0 übertragen
[1] Aus Altersgründen bot Sinner um 1918 seinen Verlag und seine Negative zum Verkauf an. Größere Bestände an Positiven wie Negativen befinden sich heute bekanntermaßen auch im Stadtarchiv Reutlingen, in der Universitätsbibliothek Tübingen, im Württ. Landesmuseum , in der Württ. Landesbibliothek, in der Landesstelle für Volkskunde und beim Landesdenkmalamt in Stuttgart. Rund 200 Negative, die sich 1962 noch in Tübinger Privatbesitz befanden, müssen heute als verloren gelten.
[2] Nach den Negativplatten hergestellte Rollfilmnegative sowie entsprechende Kontakte sind in der Fotosammlung unter RF 88 und RF 120 vorhanden.
Paul Sinner ist sicherlich der bedeutendste unter den Tübinger Fotografen des 19. und des frühen 20. Jahrhunderts. Keiner seiner Kollegen erreichte eine ähnlich große Spannbreite der dargestellten Themen. Keiner vertrieb wie er seine Abzüge verlagsmäßig. Seine Motive fand er nicht nur in Tübingen sondern in ganz Württemberg. Viele seiner Arbeiten erschienen in den illustrierten Zeitungen vor der Jahrhundertwende.
1838 in Ludwigsburg geboren, kam er bereits 1840 mit seinen Eltern in seine Vaterstadt Tübingen. Nach Schulzeit und Konfirmation absolvierte er zunächst eine Bäckerlehre, später begann er eine Schlosserlehre. Schließlich erhielt er eine gründliche Ausbildung im Fotografenhandwerk im renommierten Atelier von Friedrich Brandseph in Stuttgart.
1865 eröffnete Sinner zusammen mit dem Maler Wilhelm Hornung in der Nähe des Bahnhofs in Tübingen ein gemeinsames Fotoatelier. Schon zwei Jahre später trennten sich die Kompagnons und Sinner machte sich daraufhin selbständig. Am 5.11.1867 eröffnete er im Gebäude Gartenstraße 7 ein modernes Atelier, wo er bis in den Ersten Weltkrieg hinein arbeitete. Schon früh mit der Medaille für Kunst und Wissenschaft des württembergischen Königs dekoriert und durch Ehrenmitgliedschaften verschiedener Vereine ausgezeichnet, starb Paul Sinner im hohen Alter von fast 90 Jahren im März 1925.
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Zum Bestand
Bei dem Bestand handelt es sich um einen Selektbestand der städtischen Fotosammlung, der in den 1980er-Jahren gebildet wurde. Damals wurden beim Kulturamt alle Fotos von Sinner aus dem Hauptbestand aussortiert. Im Oktober 1990 wechselte er zusammen mit der allgemeinen Fotosammlung in den Zuständigkeitsbereich des Stadtarchivs, wo er als eigenständiger Bestand beibehalten wurde und die Bestandssignatur D 160 erhielt. Der Bestand erhielt im Stadtarchiv keinen Zuwachs mehr. Neuzugänge werden in die Fotosammlung (D 150) eingereiht.
Der Selektbestand enthält ausschließlich Fotoabzüge. Unter den insgesamt 2056 Abzügen befinden sich sowohl ältere Albuminpapiere als auch moderne Reproduktionen oder Rückvergrößerungen von Glasnegativen. Sie gelangten nach und nach in den Besitz der Stadtverwaltung. So sind einige noch Schenkungen von Paul Sinner selbst, andere wurden im Antiquariatshandel oder von diversen Privatpersonen erworben. Am Ende des Jahres 1961 erhielt die Stadt schließlich den unveräußerlichen Rest des Fotografen-Nachlasses[1] aus der Obhut seiner Tochter Mathilde Sinner. Dazu zählten auch über 400 Glasnegative, die unter der Signatur S in der Datenbank zur Fotosammlung erfasst sind.[2] Abzüge der Glasplatten befinden sich im Selektbestand und in der Fotosammlung (D 150).
Die Ordnung des Selektbestandes erfolgte in den achtziger Jahren in elf Hauptgruppen:
1:Tübingen
1G:Tübingen, Großformate
2: Militär/ Kriege
3:Trachten
4:Porträts/ Personengruppen
5: Kunst/ Kunsthandwerk
6:Orte ohne Tübingen
6G:Orte ohne Tübingen, Großformate
7:Genre
11:Großformate
alb (früher 10): Alben
Innerhalb dieser Hauptgruppen erhielt jede Aufnahme eine einfache fortlaufende Nummer, ohne dass eine weitere Untergliederung erkennbar wäre. Aus der Hauptgruppen-Nummer und der laufenden Nummer setzt sich jeweils die noch heute gültige Signatur der Fotos zusammen. Eine Ausnahme bildet die Gruppe der Alben, die statt der Nummer 10 nun die Signatur alb trägt.
Nach Übernahme des Bestandes vom Kulturamt ins Stadtarchiv wurden verschiedene Maßnahmen zur Sicherung und Erschließung der wertvollen Fotos getroffen. Als erstes erfolgte die Umbettung der Ansichten in weichmacherfreie Klarsichthüllen. Als nächster Schritt wurden 1994/95 über 1500 Abzüge (mit Ausnahme einer Reihe von Dubletten) durch die Firma Hermann & Kraemer sicherungsverfilmt, um die Originale zu schonen bzw. sie aus der Benutzung herauszunehmen. Die dabei entstandenen neuen s/w-Negative (Format: 10x14 cm) sind mit einem entsprechenden Kontaktabzug unter der Signatur 928 in die Fotosammlung fortlaufend eingeordnet und stehen der Benutzung zur Verfügung. Dagegen werden die Originalvorlagen getrennt von den Repros aufbewahrt und seither nur noch in Ausnahmefällen benötigt.
Die Neuverzeichnung der Sinneraufnahmen war zugleich verknüpft mit einem Pilotprojekt im Stadtarchiv. Erstmals wurde ein Bestand mit Hilfe eines Scanners digital erfasst und zugleich der Bildinhalt über ein Datenbankprogramm erschlossen. Die Ersterfassung der Bilder erfolgte über die Software HydView. Dann wurden die Datensätze im Jahr 2000 auf das Programm Fotostation 4.0 übertragen
[1] Aus Altersgründen bot Sinner um 1918 seinen Verlag und seine Negative zum Verkauf an. Größere Bestände an Positiven wie Negativen befinden sich heute bekanntermaßen auch im Stadtarchiv Reutlingen, in der Universitätsbibliothek Tübingen, im Württ. Landesmuseum , in der Württ. Landesbibliothek, in der Landesstelle für Volkskunde und beim Landesdenkmalamt in Stuttgart. Rund 200 Negative, die sich 1962 noch in Tübinger Privatbesitz befanden, müssen heute als verloren gelten.
[2] Nach den Negativplatten hergestellte Rollfilmnegative sowie entsprechende Kontakte sind in der Fotosammlung unter RF 88 und RF 120 vorhanden.
Bestand
Angaben zum entzogenen Vermögen
Weitere Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgt“ meint eine Person oder Organisation, die im Nationalsozialismus verfolgt wurde. Sie konnte im Rahmen der Wiedergutmachung Entschädigung oder Rückerstattung beantragen. Wenn der Antrag nicht von dem oder der Verfolgten selbst, sondern von einer anderen Person (zum Beispiel dem Sohn oder der Tochter) oder einer Organisation gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ bezeichnet und ihre Beziehung zu dem oder der Verfolgten soweit bekannt vermerkt. In den Quellen wird für die Verfolgten auch der Begriff „Geschädigte“ und für die Antragstellenden der Begriff „Anspruchsberechtigte“ verwendet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person oder Organisation über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.
29.04.2025, 08:21 MESZ