G 581 - Evangelisches Pfarramt Pfäffingen (Bestand)
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G 581
Landeskirchliches Archiv Stuttgart (Archivtektonik) >> G - Pfarrarchive >> Orte mit Pf
1600-1985
Einleitung: ===== Ortsgeschichte =====
Die Ortsnamenendung '-ingen' deutet auf eine alemannische Siedlung hin, ebenso wie die Reihengräber aus dem 6. und 7. Jahrhundert. Erstmals urkundlich erwähnt wird 'Pfaffingen' 1188. Zur gleichen Zeit tritt ein nach Pfäffingen benanntes Adelsgeschlecht auf, welches bis 1319 bezeugt ist und im Dienste der Pfalzgrafen zu Tübingen stand. Beerbt wurden die Edelfreien von Calw, welche sich seit 1315 bereits 'von Pfäffingen' nannten, jedoch nach 1345 den Tübinger Raum verließen. Aufgrund unklarer Herrschaftsverhältnisse erhoben im 18. Jahrhundert sowohl Österreich als auch die Reichsritterschaft Anspruch auf das württembergische Kameralamt, dessen Kollektationsrecht letztlich 1754 der Reichsritterschaft zugesprochen wurde. Als herzogliches Kammergut gehörte Pfäffingen bis 1813 zum Oberamt Tübingen, wurde dann aber dem Oberamt Herrenberg, bis zu dessen Auflösung 1938, zugeordnet. Seit dem 1. Dezember 1971 bildet Pfäffingen, das bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs eine rein evangelische Gemeinde geblieben war, gemeinsam mit Altingen, Breitenholz, Entringen, Poltringen und Reusten die neue Gemeinde Ammerbuch.
Ursprünglich standen in Pfäffingen drei Schlösser, darunter eine Wasserburg der Ortsherrschaft, welche aufgrund ihrer Baufälligkeit 1699 abgebrochen wurde. Hier standen im Mittelalter auch die Kirche mit Friedhof, das Pfarrhaus und zwei Zehntscheuern. Die Kirche St. Michael wird erstmals 1275 erwähnt. Ob bereits davor eine eigene Pfarrei bestanden hatte, worauf der Kirchenpatron Michael, der zu einer der ältesten Patrozinienschichten gehört, hinweisen könnte, oder ob Pfäffingen nur eine Filiale war, lässt sich nicht abschließend klären. 1359 wurde die Kirche dem Kloster Blaubeuren inkorporiert, welches aber bereits 1378 aufgrund hoher Schulden den Lasthof samt Kirchensatz an Theoderich Last von Tübingen für 500 Gulden wieder veräußern musste. In Folge des päpstlichen Inkorporationsprivilegs erlangte das Kloster den Besitz 1398 zurück, verkaufte ihn aber wieder 1440 an Domherr Dietrich Last. Über die Zeit während der Reformation ist wenig bekannt, lediglich die Übernahme des Patronats durch Württemberg nach der Reformation ist gesichert.
Bis 1717 lebte der Pfarrer im Pfarrhaus neben der alten Kirche, welches aber aufgrund der Verschuldung für einen Kirchenneubau verkauft werden musste. Danach wohnte dieser übergangsweise im Schloss der Herren von Remchingen-Diemar, bis das heutige Pfarrhaus 1752 errichtet worden war. Der Kirchenneubau 1711 beim 'Oberen Schloss' wurde notwendig, da durch den Abriss der Wasserburg der Dorfkern vor der übertretenden Ammer nicht mehr geschützt war. Die regelmäßigen Überschwemmungen von Kirche und Friedhof behinderten den Besuch des Gottesdienstes in einem nicht mehr vertretbaren Maße. Der Neubau erinnerte kaum noch an die ursprüngliche Kirche und orientierte sich architektonisch an der Gotik. Umfangreiche Renovierungen erfolgten erst wieder 1911.
Ab 1559 ist die Anstellung eines Schulmeisters belegt, der zugleich das Amt des Mesners bekleidete. Der Unterricht fand bis 1717 in einem Haus 'jenseits der Ammer' statt, danach im Privathaus des Lehrers. Erst 1793 wurde im alten Rathaus ein Klassenzimmer eingerichtet; 1828 wurde dieses in das 1811 neu errichtete Rathaus verlegt. Die Schule verblieb dort bis 1960.
===== Der Archivbestand =====
Aufgrund eines Kirchengemeinderatsbeschlusses wurde am 17. März 2015 das Pfarrarchiv der Kirchengemeinde Pfäffingen dem Landeskirchlichen Archiv zur Verwahrung und Verwaltung übergeben. Ein Großteil des Bestandes musste vor der Magazinierung wegen Schimmelbefalls sterilisiert werden. Im Auftrag der Kirchengemeinde hat im Sommer 2015 Beate Dettinger das Pfarrarchiv geordnet und verzeichnet. Dabei wurden Mehrfachüberlieferungen und Generalia ausgesondert; teilweise wurde die Aktenüberlieferung nach Vorgängen geordnet und erfasst. Die Abschlussredaktion übernahm Bertram Fink (Index und Klassifikation). Der Bestand besteht aus 258 Bestellnummern und er erstreckt sich über 6 laufende Regalmeter.
Die historische Überlieferung gliedert sich in die drei Hauptgattungen Amtsbücher, Akten und Rechnungsunterlagen. Bei den Akten wird eine ältere und jüngere Abteilung unterschieden, da die Akten von 1901 bis 1966 nach dem Registraturplan für die Pfarrämter vorgeordnet waren. Das älteste Archivale, ein Kirchenbuch, wurde im Jahr 1600 angelegt. Besonders hervorzuheben ist die reichhaltige Überlieferung zu den Kirchenbausachen, insbesondere zu den Umbaumaßnahmen 1893/1911.
Die Ortsnamenendung '-ingen' deutet auf eine alemannische Siedlung hin, ebenso wie die Reihengräber aus dem 6. und 7. Jahrhundert. Erstmals urkundlich erwähnt wird 'Pfaffingen' 1188. Zur gleichen Zeit tritt ein nach Pfäffingen benanntes Adelsgeschlecht auf, welches bis 1319 bezeugt ist und im Dienste der Pfalzgrafen zu Tübingen stand. Beerbt wurden die Edelfreien von Calw, welche sich seit 1315 bereits 'von Pfäffingen' nannten, jedoch nach 1345 den Tübinger Raum verließen. Aufgrund unklarer Herrschaftsverhältnisse erhoben im 18. Jahrhundert sowohl Österreich als auch die Reichsritterschaft Anspruch auf das württembergische Kameralamt, dessen Kollektationsrecht letztlich 1754 der Reichsritterschaft zugesprochen wurde. Als herzogliches Kammergut gehörte Pfäffingen bis 1813 zum Oberamt Tübingen, wurde dann aber dem Oberamt Herrenberg, bis zu dessen Auflösung 1938, zugeordnet. Seit dem 1. Dezember 1971 bildet Pfäffingen, das bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs eine rein evangelische Gemeinde geblieben war, gemeinsam mit Altingen, Breitenholz, Entringen, Poltringen und Reusten die neue Gemeinde Ammerbuch.
Ursprünglich standen in Pfäffingen drei Schlösser, darunter eine Wasserburg der Ortsherrschaft, welche aufgrund ihrer Baufälligkeit 1699 abgebrochen wurde. Hier standen im Mittelalter auch die Kirche mit Friedhof, das Pfarrhaus und zwei Zehntscheuern. Die Kirche St. Michael wird erstmals 1275 erwähnt. Ob bereits davor eine eigene Pfarrei bestanden hatte, worauf der Kirchenpatron Michael, der zu einer der ältesten Patrozinienschichten gehört, hinweisen könnte, oder ob Pfäffingen nur eine Filiale war, lässt sich nicht abschließend klären. 1359 wurde die Kirche dem Kloster Blaubeuren inkorporiert, welches aber bereits 1378 aufgrund hoher Schulden den Lasthof samt Kirchensatz an Theoderich Last von Tübingen für 500 Gulden wieder veräußern musste. In Folge des päpstlichen Inkorporationsprivilegs erlangte das Kloster den Besitz 1398 zurück, verkaufte ihn aber wieder 1440 an Domherr Dietrich Last. Über die Zeit während der Reformation ist wenig bekannt, lediglich die Übernahme des Patronats durch Württemberg nach der Reformation ist gesichert.
Bis 1717 lebte der Pfarrer im Pfarrhaus neben der alten Kirche, welches aber aufgrund der Verschuldung für einen Kirchenneubau verkauft werden musste. Danach wohnte dieser übergangsweise im Schloss der Herren von Remchingen-Diemar, bis das heutige Pfarrhaus 1752 errichtet worden war. Der Kirchenneubau 1711 beim 'Oberen Schloss' wurde notwendig, da durch den Abriss der Wasserburg der Dorfkern vor der übertretenden Ammer nicht mehr geschützt war. Die regelmäßigen Überschwemmungen von Kirche und Friedhof behinderten den Besuch des Gottesdienstes in einem nicht mehr vertretbaren Maße. Der Neubau erinnerte kaum noch an die ursprüngliche Kirche und orientierte sich architektonisch an der Gotik. Umfangreiche Renovierungen erfolgten erst wieder 1911.
Ab 1559 ist die Anstellung eines Schulmeisters belegt, der zugleich das Amt des Mesners bekleidete. Der Unterricht fand bis 1717 in einem Haus 'jenseits der Ammer' statt, danach im Privathaus des Lehrers. Erst 1793 wurde im alten Rathaus ein Klassenzimmer eingerichtet; 1828 wurde dieses in das 1811 neu errichtete Rathaus verlegt. Die Schule verblieb dort bis 1960.
===== Der Archivbestand =====
Aufgrund eines Kirchengemeinderatsbeschlusses wurde am 17. März 2015 das Pfarrarchiv der Kirchengemeinde Pfäffingen dem Landeskirchlichen Archiv zur Verwahrung und Verwaltung übergeben. Ein Großteil des Bestandes musste vor der Magazinierung wegen Schimmelbefalls sterilisiert werden. Im Auftrag der Kirchengemeinde hat im Sommer 2015 Beate Dettinger das Pfarrarchiv geordnet und verzeichnet. Dabei wurden Mehrfachüberlieferungen und Generalia ausgesondert; teilweise wurde die Aktenüberlieferung nach Vorgängen geordnet und erfasst. Die Abschlussredaktion übernahm Bertram Fink (Index und Klassifikation). Der Bestand besteht aus 258 Bestellnummern und er erstreckt sich über 6 laufende Regalmeter.
Die historische Überlieferung gliedert sich in die drei Hauptgattungen Amtsbücher, Akten und Rechnungsunterlagen. Bei den Akten wird eine ältere und jüngere Abteilung unterschieden, da die Akten von 1901 bis 1966 nach dem Registraturplan für die Pfarrämter vorgeordnet waren. Das älteste Archivale, ein Kirchenbuch, wurde im Jahr 1600 angelegt. Besonders hervorzuheben ist die reichhaltige Überlieferung zu den Kirchenbausachen, insbesondere zu den Umbaumaßnahmen 1893/1911.
Evangelisches Pfarramt Pfäffingen
6 lfd. m
Bestand
800 Jahre Pfäffingen 1188-1988. Ein Geschichts- und Heimatbuch, hrsg. von der Ortsverwaltung Ammerbuch-Pfäffingen aus Anlaß des 800jährigen Jubiläums 1988, Ammerbuch-Pfäffingen 1988
Pfäffingen, in: Der Landkreis Tübingen, Bd. 2, hrsg. von der Staatlichen Archivverwaltung Baden-Württemberg in Verbindung mit dem Landkreis Tübingen, Stuttgart 1972, S. 539-556
Pfäffingen, in: Der Landkreis Tübingen, Bd. 2, hrsg. von der Staatlichen Archivverwaltung Baden-Württemberg in Verbindung mit dem Landkreis Tübingen, Stuttgart 1972, S. 539-556
Pfäffingen
Pfäffingen, Ammerbuch, Landkreis Tübingen
Angaben zum entzogenen Vermögen
Weitere Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgt“ meint eine Person oder Organisation, die im Nationalsozialismus verfolgt wurde. Sie konnte im Rahmen der Wiedergutmachung Entschädigung oder Rückerstattung beantragen. Wenn der Antrag nicht von dem oder der Verfolgten selbst, sondern von einer anderen Person (zum Beispiel dem Sohn oder der Tochter) oder einer Organisation gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ bezeichnet und ihre Beziehung zu dem oder der Verfolgten soweit bekannt vermerkt. In den Quellen wird für die Verfolgten auch der Begriff „Geschädigte“ und für die Antragstellenden der Begriff „Anspruchsberechtigte“ verwendet.
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Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.
11.08.2025, 11:05 MESZ