Französisch-reformiertes (Ober-) Konsistorium (Bestand)
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I. HA Rep. 244
Tektonik >> ZENTRALE VERWALTUNGS- UND JUSTIZBEHÖRDEN BRANDENBURG-PREUSSENS BIS 1808 >> Weitere selbständige bzw. im Umkreis des Geheimen Rats, des Kabinetts oder des Generaldirektoriums ressortierende Verwaltungs- und Justizbehörden (z. T. mit über 1808 hinausreichender Laufzeit) >> Kultus
Laufzeit: 1689 - 1881
Findmittel: Datenbank; Findbuch, 1 Bd.
Einleitung
1. Behördengeschichte
Seit der Aufhebung des Ediktes von Nantes 1685 wanderten in mehreren Migrationswellen verschiedene Gruppen von Glaubensflüchtlingen nach Brandenburg-Preußen ein. Es entstand das spezifische Rechtsgebilde einer Französische Kolonie' (M. Asche) mit dem Potsdamer Edikt von 1685 als Rahmengesetzgebung. Rechtlich, aber auch religiös erlangte diese Kolonie eine Sonderstellung, die ihr Aufgehen im Untertanenverband verhinderte.
Die synodal-presbyteriale Kirchenverfassung ihrer Heimatländer konnten die Glaubensflüchtlinge in Brandenburg-Preußen jedoch nicht durchsetzen. Denn die Hohenzollern strebten von Anfang an danach, die Kolonisten dem landesherrlichen Kirchenregiment zu unterwerfen, wenngleich reformierte Gemeindeämter (Anciens, Diacres) und Gremien (Compagnien, Präsbyterien, Konsistorien) durchaus vorhanden waren. Dementsprechend wurde eine Commission Ecclésiastique geschaffen, die "als höchste kirchliche Appellationsinstanz Entscheidungen im Sinne des Landesherrn treffen, aber auch Visitationen in den einzelnen französisch-reformierten Kirchengemeinden durführen [sollte]." Am 26. Juli 1701 wurde die Commission Ecclésiastique dem lutherischen Konsistorium gleichgestellt und firmierte fortan als Französisches Ober-Konsistorium bzw. als Consistoire français superieur oder Tribunal ecclésiastique et consistorial sur les Colonies François. Es war dem Geheimen Rat, seit den 1730er Jahren dem Geistlichen Departement nachgeordnet. 1808 wurde es im Zuge der Stein-Hardenbergschen Verwaltungsreform aufgelöst.
2. Bestandsgeschichte
Der Bestand wurde im Zuge der Retrokonversion der Findmittel zu den zentralen Kirchenbehörden des 18. Jahrhunderts neu gebildet. Er umfasst in erster Linie die zuvor im Bestand I. HA Rep. 76 Alt Ältere Oberbehörden für Wissenschaft, Kunst, Kirchen- und Schulsachen unter der Ziffer VI Französische Oberkonsistorium aufgestellten Akten sowie einzelnen aus dem Bestand I. HA Rep. 99/X. HA Rep. 40 (Ober-) Konsistorium herausgelöste Akten.
3. Literatur
Asche, Matthias, Neusiedler im verheerten Land. Kriegsfolgenbewältigung, Migrationssteuerung und Konfessionspolitik im Zeichen des Landeswiederaufbaus. Die Mark Brandenburg nach den Kriegen des 17. Jahrhunderts, Münster 2006, S. 501-552.
Hintze, Otto, Die Epochen des evangelischen Kirchenregiments in Preußen, in: Historische Zeitschrift 97 (1911), S. 69-118.
4. Verweise auf andere Bestände und Archive
GStA PK
I. HA Rep. 99 (Ober-) Konsistorium
I. HA Rep. 243 Evangelisch-reformiertes Kirchendirektorium
I. HA Rep. 213 A Hôtel de Refuge
IV. HA Rep. 17 Oberkriegskonsistorium
XX. HA, Rep. 67 Konsistorium zu Königsberg
Brandenburgisches Landeshauptarchiv
Rep. 40 A Kurmärkisches Konsistorium
Rep. 40 B Neumärkische Konsistorium
Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen
A 203 II Evangelisch-Reformiertes Kirchendirektorium zu Berlin
A 203 III Französisches Oberkonsistorium zu Berlin
A 202 I Minden-Ravensberg, Konsistorium
Staatsarchiv Stettin
0040 Französische Reformierte Kirche zu Stettin
Dr. Leibetseder
Berlin, 05.01.2012
Zitierweise: GStA PK, I. HA Rep. 244
Einleitung
1. Behördengeschichte
Seit der Aufhebung des Ediktes von Nantes 1685 wanderten in mehreren Migrationswellen verschiedene Gruppen von Glaubensflüchtlingen nach Brandenburg-Preußen ein. Es entstand das spezifische Rechtsgebilde einer Französische Kolonie' (M. Asche) mit dem Potsdamer Edikt von 1685 als Rahmengesetzgebung. Rechtlich, aber auch religiös erlangte diese Kolonie eine Sonderstellung, die ihr Aufgehen im Untertanenverband verhinderte.
Die synodal-presbyteriale Kirchenverfassung ihrer Heimatländer konnten die Glaubensflüchtlinge in Brandenburg-Preußen jedoch nicht durchsetzen. Denn die Hohenzollern strebten von Anfang an danach, die Kolonisten dem landesherrlichen Kirchenregiment zu unterwerfen, wenngleich reformierte Gemeindeämter (Anciens, Diacres) und Gremien (Compagnien, Präsbyterien, Konsistorien) durchaus vorhanden waren. Dementsprechend wurde eine Commission Ecclésiastique geschaffen, die "als höchste kirchliche Appellationsinstanz Entscheidungen im Sinne des Landesherrn treffen, aber auch Visitationen in den einzelnen französisch-reformierten Kirchengemeinden durführen [sollte]." Am 26. Juli 1701 wurde die Commission Ecclésiastique dem lutherischen Konsistorium gleichgestellt und firmierte fortan als Französisches Ober-Konsistorium bzw. als Consistoire français superieur oder Tribunal ecclésiastique et consistorial sur les Colonies François. Es war dem Geheimen Rat, seit den 1730er Jahren dem Geistlichen Departement nachgeordnet. 1808 wurde es im Zuge der Stein-Hardenbergschen Verwaltungsreform aufgelöst.
2. Bestandsgeschichte
Der Bestand wurde im Zuge der Retrokonversion der Findmittel zu den zentralen Kirchenbehörden des 18. Jahrhunderts neu gebildet. Er umfasst in erster Linie die zuvor im Bestand I. HA Rep. 76 Alt Ältere Oberbehörden für Wissenschaft, Kunst, Kirchen- und Schulsachen unter der Ziffer VI Französische Oberkonsistorium aufgestellten Akten sowie einzelnen aus dem Bestand I. HA Rep. 99/X. HA Rep. 40 (Ober-) Konsistorium herausgelöste Akten.
3. Literatur
Asche, Matthias, Neusiedler im verheerten Land. Kriegsfolgenbewältigung, Migrationssteuerung und Konfessionspolitik im Zeichen des Landeswiederaufbaus. Die Mark Brandenburg nach den Kriegen des 17. Jahrhunderts, Münster 2006, S. 501-552.
Hintze, Otto, Die Epochen des evangelischen Kirchenregiments in Preußen, in: Historische Zeitschrift 97 (1911), S. 69-118.
4. Verweise auf andere Bestände und Archive
GStA PK
I. HA Rep. 99 (Ober-) Konsistorium
I. HA Rep. 243 Evangelisch-reformiertes Kirchendirektorium
I. HA Rep. 213 A Hôtel de Refuge
IV. HA Rep. 17 Oberkriegskonsistorium
XX. HA, Rep. 67 Konsistorium zu Königsberg
Brandenburgisches Landeshauptarchiv
Rep. 40 A Kurmärkisches Konsistorium
Rep. 40 B Neumärkische Konsistorium
Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen
A 203 II Evangelisch-Reformiertes Kirchendirektorium zu Berlin
A 203 III Französisches Oberkonsistorium zu Berlin
A 202 I Minden-Ravensberg, Konsistorium
Staatsarchiv Stettin
0040 Französische Reformierte Kirche zu Stettin
Dr. Leibetseder
Berlin, 05.01.2012
Zitierweise: GStA PK, I. HA Rep. 244
Umfang: 3,2 lfm (237 VE); Angaben zum Umfang: 3,2 lfm (237 VE)
Bestand
deutsch
Information on confiscated assets
Additional information
BZK no.
The Bundeszentralkartei (BZK) is the central register of the federal government and federal states for completed compensation proceedings. When a claim is entered into the BZK, a number is assigned for unique identification. This BZK number refers to a compensation claim, not to a person. If a person has made several claims (e.g. for themselves and for relatives), each claim generally has its own BZK number. Often, the file number of the respective compensation authority is used as the BZK number.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
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Delict according to Nazi judicial system
Conduct that was first criminalized under National Socialism (e.g. the Treachery Act, ‘Judenbegünstigung’) or which the Nazi judiciary prosecuted more severely (e.g. high treason).
Reason for persecution
The reasons provided here are based on the wording in the reasons for persecution stated in the sources.
Role in the proceeding
‘Verfolgt’ refers to a person or organization that was persecuted under National Socialism. They could file a claim for compensation or restitution as part of the Wiedergutmachung policy. If the application was submitted by another person or organization than the persecutee (for example, their son or daughter), this other person or organization is designated as ‘antragstellend’ and their relationship to the persecutee is noted, if known. In the sources, the persecutee is sometimes referred to as ‘Geschädigter’ (aggrieved party) and the applicant as ‘Anspruchsberechtigter’(claimant).
Search in Archivportal-D
You may find additional archival material on this person or organization not related to Wiedergutmachung in the Archivportal-D.
Additional information on reason for persecution
Additional or more specific information on membership and group affiliation which were the reason for the persecution.
19.08.2025, 12:19 PM CEST
Hierarchy
Hierarchy detail view
- Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz
- Tektonik
- ZENTRALE VERWALTUNGS- UND JUSTIZBEHÖRDEN BRANDENBURG-PREUSSENS BIS 1808 (Archival tectonics)
- Weitere selbständige bzw. im Umkreis des Geheimen Rats, des Kabinetts oder des Generaldirektoriums ressortierende Verwaltungs- und Justizbehörden (z. T. mit über 1808 hinausreichender Laufzeit) (Archival tectonics)
- Kultus (Archival tectonics)
- Französisch-reformiertes (Ober-) Konsistorium (Archival holding)