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210,60/Kaufhaus Alsberg (Bestand)
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Form und Inhalt: Vorwort zum Bestand 210,60/Kaufhaus Alsberg
Unternehmensgeschichte
Das Kaufhaus Alsberg wurde um 1870 von den aus Sendenhorst stammenden Gebrüdern Siegfried und Louis Alsberg in der Obernstr. 4 gegründet, später entstanden Filialen in Hamm und Hagen. Im Oktober 1897 übernahm der am 12. Juli 1874 im thüringischen Vacha geborene Benjamin ("Benno") Katz nach seinem Zuzug von Hagen das Kaufhaus Alsberg an der Niedernstraße und wurde 1910 alleiniger Eigentümer. Vermutlich war Katz zuvor in der Hagener Alsberg-Filiale beschäftigt.
Aus der von Benno Katz am 12. Februar 1903 mit Laura Katz geb. Hoffmann (1878-1941) in Oelde geschlossenen Ehe gingen die Kinder Willy (1902-1941), Gertrud (verh. Michel; 1903-1957) und Elisabeth (verh. Haas; 1913-1966) hervor.
Das Geschäft florierte derart, dass 1900 das Haupthaus an der Ecke Jahnplatz/Niedernstraße mit großzügigen Schaufensterfronten und 36 Spezialabteilungen entstand, 1911 weitere Flächen an der Niedernstraße angegliedert wurden und später noch einmal ein Areal am Niederwall. Der gesamte Komplex umfasste schließlich Niedernstr. 30, 32, 36/38 und 43 sowie Niederwall 13a und dominierte den Platz bis zu seiner Zerstörung bei den Luftangriffen 1944.
Flankiert wurde der Geschäftserfolg durch die am 22. Januar 1923 gegründete Katz Textil-Aktiengesellschaft (KATAG), am 1. April 1923 folgte eine eigene Wäschefabrikation. Die KATAG vermittelte darüber hinaus Versicherungen und unterhielt eine eigene Buchbinderei und -druckerei. Die um die 100 Betriebe zählende Einkaufsgenossenschaft vereinigte die alten Alsberg-Niederlassungen und neuen Katz-Gründungen, die gemeinsam ein dichtes Filialnetz vor allem in Westfalen mit Lippe (Hörde, Bottrop, Kamen, Lünen, Münster, Siegen, Neheim und Detmold) und Ablegern in Süd-Niedersachsen (Osnabrück, Bückeburg) und dem nördlichen Rheingebiet (Sterkrade, Hamborn) bildeten, sowie weitere Kaufhäuser außerhalb der Gruppe. Um 1926 beschäftigte der Standort Bielefeld bereits 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, vor allem im Verkauf und in der Verwaltung, aber auch in einem eigenen Werbebüro, einer Tischlerei und Technikabteilung.
Nachdem William Mühlfelder (1876-1952) bereits 1922 Miteigentümer geworden war, traten 1930 Willy Katz und Benno Katz´ Schwiegersohn und Prokurist Dr. Kurt Michel (1901-1972) als Teilhaber ein. Ein für 1932 projektierter Neubau, mit dem der Architekt Fritz Nathan (1891-1960) beauftragt wurde, kam vor dem Hintergrund des Wahlerfolgs der NSDAP bei den preußischen Landtagswahlen nicht mehr zustande.
Nach dem Tod von Benno Katz am 12. Juli 1934 in Berlin, eine Bielefelder Tageszeitung schaltete noch einen wohlwollenden, wenn auch kurzen Nachruf, übernahm sein Sohn Willy die Geschäfte, die bereits unter wirtschaftlichem Druck stand. Im Gefolge der 1933 einsetzenden Boykottaktionen gegen das Kaufhaus, das größte seiner Art in Bielefeld, begannen 1935 Planungen der NSDAP Alsberg zu zerschlagen, um damit freiwerdende Nachfragekapazitäten auf "arische" Unternehmen zu übertragen und den Verband des Einzelhandels zur Übernahme der Arbeitskräfte zu verpflichten. Im September 1938 schließlich kaufte die Firma Kurt Opitz das Kaufhaus Alsberg, die Familie Banning-Berckemeyer-Terberger dagegen die KATAG. Den jüdischen Eigentümern gelang die Flucht in die USA, wobei auch hier Reichsfluchtsteuer und die im Juni 1938 auf 90% erhöhte Dego-Abgabe den Verkaufserlös nahezu vollständig entwerteten. Inzwischen befanden sich die Verkaufspreise unter dem Einfluss der NSDAP-Gauwirtschaftsberater allgemein auf dem Sinkflug, da die zuvor als "good-will" bilanzierten eigentlichen Firmenwerte - Marktposition, Produktpalette, Kundenstamm, Geschäftsverbindungen, Absatzwege und Reputation, aber auch "stille Reserven" und Außenstände/Forderungen - keinen Eingang mehr in die finanzielle Bewertung des Arisierungs-Objekts fanden und zwischen den Partnern ausgehandelte und anders lautende Vertragsentwürfe verworfen wurden. In die Berechnung gingen nunmehr allein das Warenlager, betriebliche Anlagen und das Inventar ein, meist mit dem Konkurswert. Im August 1939 wurde die Gesellschaft Alsberg aufgelöst, tatsächlich als erloschen galt die Firma Alsberg erst nach der Liquidation im August 1942.
Die Witwe Laura Katz wanderte am 10. Juni 1941 zusammen mit ihrer Tochter Gertrud Michel und deren Familie in die USA aus. Laura Katz starb im Dezember 1944 in Detroit, ihr Sohn Willy, der letzte Geschäftsinhaber aus der Familie, drei Jahre zuvor in Cleveland.
Mit einem "gewaltige[n] Opitz-Jubiläumsverkauf" vom 29. September bis 12. Oktober 1988 wollte die Firma Kurt Opitz in Bielefeld das 50-jährige Bestehen feiern, und handelte sich damit öffentliches Aufsehen und Kritik ein - es war der Jahrestag der Arisierung der Firma Alsberg.
Bestandsgeschichte
Die Archivalien Nr. 1 bis 4 wurden am 7. März 2013 durch die Fa. Kurt Opitz, Kurt Opitz, Textilvertrieb GmbH & Co. KG, Niedernstr. 5-7, 33602 Bielefeld, vertreten durch Hans-Jürgen Möller als Schenkung übergeben.
Benutzungshinweise
- Archivalienbestellungen: 210,60/Kaufhaus Alsberg, Nr.
- Zitation: Stadtarchiv Bielefeld oder StArchBI, Best. 210,60/Kaufhaus Alsberg, Nr.
Literatur
- Das Kaufhaus S. Alsberg & Co. in Bielefeld, in: Magistrat der Stadt Bielefeld (Hg.), Das Buch der Stadt, Bielefeld 1926, S. 568 f.
- Gojny, Jürgen, Die Alsbergs. Eine jüdische Familie aus dem Kreis Warendorf, in: Münsterland - Jahrbuch des Kreises Warendorf 58 (2009), S. 70-80
- Rath, Jochen, "Arisierung" und Zerstörung von Geschäften, in: Johannes Kistenich (Red.), 9.11.1938 - Reichspogromnacht in Ostwestfalen-Lippe, Detmold 2008, S. 12-15 (nicht als eigener Aufsatz gekennzeichnet)
- Schenk, Andreas/Roland Behrmann, Fritz Nathan, Architekt. Sein Leben und Werk in Deutschland und im amerikanischen Exil, Basel 2015, hier S. 69 u. 76
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgte Person“ meint eine Person, die einen Entschädigungsanspruch für einen Schaden durch NS-Verfolgung geltend machte. Wenn der Antrag nicht von der verfolgten Person selbst, sondern von einer anderen Person gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ angegeben und ihre Beziehung zur verfolgten Person, soweit vorhanden, vermerkt. In den Quellen wird die verfolgte Person mitunter als „Geschädigter“, die antragstellende Person als „Anspruchsberechtigter“ bezeichnet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.