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Stauf und Welf
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Die Deutsche Schaubühne, Bd. 8 (1867), Heft 3, S. 83f.: „Als erste Novität von 1867 erschien am 12. Januar: „Stauf und Welf“ […] von Albert Lindner, dem Verfasser des Trauerspiels „Brutus und Collatinus“, welches am jüngsten Schillertage als beste dramatische Dichtung des letztverflossenen Trienniums den vom preußischen König Wilhelm I am Schiller-Jubiläum 1859 gestifteten Tausend-Thaler-Preis nebst der zugehörigen großen goldenen Medaille erhielt. Wenn die in Folge dessen begreiflicherweise mit großer Spannung und hohen Anforderungen an ihren dramatischen Werth erwartete Dichtung den letzteren nun auch keineswegs entsprach, indem sie nur die Vorzüge einer außergewöhnlich schwungvollen, kräftigen und schönen Jambendiktion, sowie einer frischen Begeisterung an dem national-geschichtlichen Stoff (dem Conflikt zwischen dem deutschen Kaiser Friedrich Barbarossa und dem Sachsenherzog Heinrich dem Löwen) geltend machte, in der dramatischen Composition dagegen sich sehr ungenügend erwies und, ohne besondere psychologische und poetische Vertiefung der politischen Motive des Bruches, wie der schließlich folgenden Versöhnung zwischen beiden Helden, überwiegend den Charakter des einfach nur die historischen Thatsachen illustrirenden Epos zeigte: so war doch die äußerliche Aufnahme des Stücks seitens des überfüllten Hauses eine ungemein günstige, denn der anwesende Verfasser wurde nach jedem der fünf Akte durch stürmischen Beifall auf die Bühne citirt. Welchen Antheil an dieser, dem preisgekrönten jugendlichen Dichter, der, gegenwärtig Oberlehrer am Gymnasium im benachbarten Rudolstadt, nicht blos thüringisches, sondern auch, in dem Städtchen Sulza geboren, speziell Weimarisches Landeskind ist und im Ilm-Athen selbst seine Gymnasilabildung empfing, so freigiebig dargebrachten Ovation der Partikularismus der Landsmannschaft gehabt haben mag, muß übrigens dahingestellt bleiben; eine Wiederholung des Stücks, die bis jetzt noch nicht erfolgt ist, dürfte ohnehin das Zuviel in dieser Beziehung auf ein richtiges Maß zurückführen, namentlich was die besonders schwach ausfallenden beiden letzten Akte betrifft. Immerhin verdient unsere umsichtige Bühnenleitung Dank dafür, daß sie uns, und zwar vor allen andern zuerst, dies neueste Werk einer jungen dramatischen Celebrität, wie solche sich durch den preisgekrönten, allerdings ungleich höher stehenden „Brutus und Collatinus“ manifestirt, vorführte; sie hat damit einen neuen Beweis von der nicht hoch genug anzuschlagenden Förderung des nationalen historischen Drama’s gegeben […]. Die Darstellung […] war im Ganzen genommen eine gute, besonders bezüglich der beiden, das ganze Stück auf ihren Schultern tragenden Haupthelden, wenn wir davon absehen wollen, daß der „Barbarossa“ des Hrn. Grans dem „Löwen“ des Hrn. Lehfeld gegenüber zu jugendlich erschien, während das Verhältnis gerade ein umgekehrtes sein muß, indem der Kaiser acht Jahre älter war, als der beim Beginn der Handlung in der Mitte der Vierziger stehende Herzog.“ Die Wiederholung des Stücks am 07.02.1867 bestätigt die Annahme des Rezensenten, "daß der der ersten Aufführung zu Theil gewordene überschwängliche Beifall nicht den richtigen Maßstab für den Erfolg dieses Stückes abgeben könne. Hervorruf nach dem Fallen des Vorhangs erzielte diesmal nur der dritte Akt; die merklich reducirten Applause in den übrigen Akten galten offenbar den Abgängen der Hauptdarsteller Hr. Lehfeld, Hr. Grans, Fr. Hettstedt.“ (Vgl. Die Deutsche Schaubühne, Bd. 8 (1867), Heft 4, S. 83)