Kurfürst Philipp von der Pfalz gebietet allen zu Heidelberg, wie mit der Syphilis umzugehen ist: [1.] Gott hat eine schwere, anhängliche, langwierige Krankheit derzeit über die Menschen der Gegend verhängt, die um sich greift, Franzosenkrankheit [= Syphilis] genannt wird und seit Jahren nicht aufhört. [2.] Etliche beklagen sich darüber, dass sie diese in den offenen Bädern von Schermessern, Schröpfen, Salben (Selbenn) und auch Lasseisen (Laßyssenn) bekommen haben, außerdem in Wirtshäusern, wo sie aus dem Geschirr mit dem Gesinde essen und trinken. Andere bekommen sie, da sie mit den Kranken Geschlechtsverkehr (bulschafft) hatten. [3.] Der Pfalzgraf befindet, dass die Krankheit stets weiter um sich greift und zu viele Leute damit befleckt werden, weshalb er die Doktoren der Arznei um Rat gefragt hat. Diese erachten es für gut, dass man die obgenannten Dinge vermeide und das Gegenteil tue. [4.] Daher gebietet der Pfalzgraf allen Badhaltern in offenen Bädern, Barbieren (Balbiernn), Gastwirten (Gasthalternn) und jedem, den es betrifft, sowie den Leuten, die die Krankheit haben, dass keiner andere verderbe und die Gesunden mit dem Werkzeug, das er für die Kranken gebraucht hat, behandle. [5.] Übertritte werden bei Vermögenden an ihren Gütern, bei Unvermögenden an ihrem Leib gestraft. [6.] Wem dies unterkomme, der hat es pflichtgemäß dem Vogt, Landschreiber, Schultheiß oder Bürgermeister zu Heidelberg vorzubringen, die sie der Bestrafung zuführen.