Nachlass Segieth, Johannes (Bestand)
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NL Segieth Johannes
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1958-2001
Vorwort: Kurfürst Max Emanuel, Nofretete und Tutanchamun ... Anmerkungen zum Nachlass des Ausstellungsgestalters Johannes Segieth (* 24. Oktober 1922 in München, + 11. August 2007 in Samerberg) im Bayerischen Hauptstaatsarchiv Der Münchner Ausstellungsgestalter, Kunstmaler und Graphiker Johannes Segieth hat im Zeitraum von 1957 bis 2001 mit annähernd 300 Präsentationen nicht nur die meisten Ausstellungsgestaltungen und Museumseinrichtungen für staatliche, städtische, kirchliche, selbständige und private Institutionen realisiert. Mit seinen Inszenierungen betrat der ausgebildete akademische Kunstmaler Neuland, hinterließ bleibende Spuren in der Museumslandschaft und professionalisierte einen bis dahin weder existierenden noch erlernbaren Beruf. Seine Arbeit wurde vier Jahrzehnte von den Medien begleitet und mehrfach ausgezeichnet. Von 1977 bis 1981 war er Dozent für Ausstellungsgestaltung an der Akademie der Bildenden Künste in München. Segieths Nachlass mit an die 3.000 Architekturplänen, Skizzen und Studien und einer Vielzahl von schriftlichen Dokumenten, der 1998 vom Bayerischen Hauptstaatsarchiv erworben und kürzlich erfasst wurde, bietet sowohl einen repräsentativen Einblick in sein Schaffen als Ausstellungsgestalter, als auch in den Gestaltungsprozess einzelner Projekte, und liefert damit einen wichtigen Beitrag zur Erforschung der Entwicklung der Ausstellungsgestaltung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, einer noch jungen Disziplin. Der Nachlass lässt zudem vielfache signifikante Seitenblicke auf das Ausstellungs- und Museumswesen in einer Phase zu, als dieses ab den 1970er Jahren zunehmend an Dynamik gewann, die Museen sich öffneten, mit publikumswirksamen Themen und/oder attraktiven Leihgaben aus den großen Sammlungen der Welt ein Millionenpublikum ansprachen, und neue Wege und Strategien der wissenschaftlichen, didaktischen und gestalterischen Vermittlung erprobt und entwickelt wurden. Segieth trug diese Entwicklung nachhaltig mit. Bei vielen Ausstellungsprojekten, deren Gestaltung ihm angetragen wurde, verfolgten die Initiatoren innovative Ideen und Konzepte. Groß angelegte Ausstellungsunternehmungen wie „Bayerische Frömmigkeit“ (1960), „Passavia sacra“ (1975), „Kurfürst Max Emanuel. Bayern und Europa um 1700“ (1976), „Nofretete – Echnaton“ (1976), „Tibet - Kunst des Buddhismus“ (1977), „Götter und Pharaonen“ (1978/79), „Tutanchamun“ (1980/81; 667.000 Besucher), „Die Isar. Ein Lebenslauf“ (1983), „Shogun. Kunstschätze und Lebensstil eines japanischen Fürsten der Shogun-Zeit“ (1984/85), „Nofret - Die Schöne“ (1984/85), „Das Automobil in der Kunst 1886 - 1986“ (1986), „Gold und Macht. Spanien in der Neuen Welt“ (1987), „Die Bajuwaren“ (1988), „Afrikanische Kunst aus der Sammlung Barbier-Mueller“ (1989), „Die Mongolen“ (1989), „Der Inn“ (1989) und „Das keltische Jahrtausend“ (1993) sowie die Gestaltung der KZ-Gedenkstätte Dachau (Erstgestaltung 1965; Neugestaltung erster Bauabschnitt 1998 - 2000), der Torhalle Frauenchiemsee (1979 -1981), der Dauerausstellung „Erster Weltkrieg“ im Reduit Tilly des Bayerischen Armeemuseums in Ingolstadt (1991-1994) sowie die Gesamteinrichtung des Buchheim Museums am Starnberger See (2000/2001) gehören zu den Höhepunkten von Segieths Schaffen. Dazu dokumentiert der Nachlass auch den Entstehungsprozess von Projekten für den öffentlichen Raum wie etwa Segieths visueller Gestaltung des Neubaus des U-Bahnhofs Königsplatz in München (1977-1980), des ersten „Museumsbahnhofs“ in Deutschland. Nach einem Studium der Malerei an der Akademie der Bildenden Künste in München (1946-48) war Segieth zunächst als freiberuflicher Kunstmaler tätig. 1957 begann seine Karriere als Ausstellungsgestalter im Münchner Stadtmuseum, wo er bis Mitte der 1980er Jahre rund 130 Expositionen inszenierte und Sammlungseinrichtungen (u.a. Foto- und Filmmuseum, Musikinstrumentenmuseum, Puppentheatermuseum) schuf. Im Zuge dieser Arbeit eignete er sich rasch einen spezifischen Umgang mit verschiedensten Themen und Materialien an und bildete dabei differenzierte Formen der Präsentation aus, die sich an den jeweiligen Ausstellungsinhalten orientierten, aber auch das Besucherverhalten in Betracht zogen. Dieser Ansatz war für Segieths Schaffen grundlegend: Seine Begeisterung für Kunst und Weltkultur und seine Offenheit befähigten und beflügelten ihn über vier Dezennien hinweg mit ideenreichen, überraschenden, teils kühnen und unkonventionellen Ausstellungsinszenierungen zu überzeugen. Die Gestaltung von Ausstellungen und Museumseinrichtungen beschränkte sich bei Segieth jedoch nicht nur auf das Innere von Museen: Er schuf werbewirksame Fassadengestaltungen für die großen Schauen im Haus der Kunst, bespielte Außengelände und war bei vielen Projekten auch für das Design von Katalogen, Plakaten, Einladungen und Werbemitteln verantwortlich. Der Nachlass gibt ferner darüber Auskunft, dass Segieth nicht nur im Kulturbetrieb bestens vernetzt war, sondern dass er das kulturelle Leben in München und Bayern durch eigene Initiativen und Vorschläge bereicherte: Zum Beispiel entdeckte er 1979 im Zuge seiner U-Bahnhofgestaltung am Königsplatz das Zwischengeschoß, das heute dem Lenbachhaus als Kunstbau dient, und reklamierte es als Kunsthalle. 1988/89 machte sich Segieth um das Zustandekommen einer Wanderausstellung durch Japan mit Meisterwerken aus Münchner staatlichen und städtischen Museen verdient. 1992 schlug er eine Kunsthalle an der Münchner Freiheit vor. Seine weitblickende Forderung von 1981, an der Akademie der Bildenden Künste einen speziellen Lehrstuhl für Ausstellungswesen einzurichten, blieb ohne Widerhall. Segieth engagierte sich zudem von 1965 bis 1992 in der Ausstellungsleitung Haus der Kunst e.V. (Präsident 1982, 1985, 1988), die bis 1989 eigenverantwortlich das Haus leitete und das Ausstellungsprogramm des Hauses bestimmte. In den Jahren der Umstrukturierung war er vier Jahre in Folge (1989 - 1992) Präsident der Ausstellungsleitung und sicherte den Erhalt der „Großen Kunstausstellung“ als autonomer Einrichtung. Von 1981 bis 1994 stand Segieth als Präsident der „Münchener Secession“ mit Sitz im Haus der Kunst vor. Die Öffnung nach außen, der internationale Austausch, die freie künstlerische Selbstbestimmung, Pluralität und Qualität gehörten dabei zu seinen vordringlichsten Anliegen. Eine wissenschaftliche Untersuchung zum Gesamtschaffen von Johannes Segieth als Ausstellungsgestalter steht noch aus. Einzig Martin Schmidl setzte sich in einer profunden Analyse im Kontext seiner Untersuchung „Postwar Exhibition Design - Displaying Dachau“ (2010) mit einem Werk auseinander, das im Oeuvre Segieths eine Sonderstellung einnimmt und für ihn selbst von zentraler Bedeutung war: die Erstgestaltung der Dauerausstellung in der KZ-Gedenkstätte Dachau (1965). Der im Bayerischen Hauptstaatsarchiv vorliegende Nachlass von Johannes Segieth gliedert sich in drei Kapitel: Teil I enthält persönliche Dokumente, u.a. ein von Segieth verfasstes Werkverzeichnis sowie eine Vita, und eine Sammlung ausgewählter Presseartikel. Letztere vergegenwärtigen nicht nur die Resonanz insbesondere auf Segieths Ausstellungsgestaltungen, sondern belegen, dass die Inszenierung per se seinerzeit in den Blickpunkt geraten war und als gewichtiger Teil des Ausstellungswesens wahrgenommen wurde. An Auszeichnungen und Würdigungen schließen sich Unterlagen zu Segieths Mitgliedschaften an. Teil II umfasst Skizzen, Entwürfe und Architekturpläne im DIN A4-Format sowie Arbeitsunterlagen und Korrespondenz insbesondere zu Ausstellungsgestaltungen und Museumseinrichtungen in München, Bayern, Deutschland und im Ausland aus dem Zeitraum von 1957 bis 2001. Teil III ist mit an die 3.000 Architekturplänen und Studien das umfangreichste Kontingent des Nachlasses. Es dokumentiert die Entstehung einer Vielzahl von Ausstellungsgestaltungen und Museumseinrichtungen. Die Dokumente zu den einzelnen Projekten sind zu Konvoluten zusammengefasst und befinden sich in Rollen, die eine unbestimmte Anzahl von Planzeichnungen enthalten. Dr. Clelia Segieth M.A., August 2017
Nachlass Segieth, Johannes
Dr. Clelia Segieth, Dr. Johann Pörnbacher
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Bestand
Akten
ger
Das Findbuch ist online über die Findmitteldatenbank verfügbar. Benutzungseinschränkungen: Archivgesetzliche Schutzfristen (allgemeine Schutzfrist und personenbezogene Schutzfristen) gelten noch. 39 Datensätze sind aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht für die Onlinestellung geeignet. Eine Einsichtnahme in das vollständige Findbuch in den Räumen des Bayerischen Hauptstaatsarchivs ist möglich.
Angaben zum entzogenen Vermögen
Weitere Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgt“ meint eine Person oder Organisation, die im Nationalsozialismus verfolgt wurde. Sie konnte im Rahmen der Wiedergutmachung Entschädigung oder Rückerstattung beantragen. Wenn der Antrag nicht von dem oder der Verfolgten selbst, sondern von einer anderen Person (zum Beispiel dem Sohn oder der Tochter) oder einer Organisation gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ bezeichnet und ihre Beziehung zu dem oder der Verfolgten soweit bekannt vermerkt. In den Quellen wird für die Verfolgten auch der Begriff „Geschädigte“ und für die Antragstellenden der Begriff „Anspruchsberechtigte“ verwendet.
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Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.
03.04.2025, 11:05 MESZ