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Gewaltsame Entfernung eines Schutzwalls in Oberartelshofen durch den Richter von Vorra nebst Differenzen mit dem Pflegamt Hartenstein
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Enthält:
1640 Juli 23: Kopie einer Beschwerde des Caspar Melchior Fuchs, Pflegers zu Hartenstein, an die Kurfürstliche Regierung in Amberg.
Heute erschienen die Untertanen des Schreibers aus Artelshofen und brachten vor: Der Tetzelische Richter zu Vorra ist mit 2 Musketieren ins Dorf eingefallen und hat den Untertanen ein gegen die Überschwemmung aufgeworfenes Wehr, oder eine Schütte, eingerissen. Die Bauern wurden mit vorgehaltener Waffe gezwungen, im Haus zu bleiben.
Weitere Beschwerden gegen Herrn (Johann) Jacob Tetzel, u.a. wegen der Schafweide.
1640 Juli 28: Schreiben des Carl Ludwig Ernst, Graf zu Sulz, Landgrafen in Kleggau, und Vicedoms, an den Rat der Stadt Nürnberg. Gez.: Prantstetter (= F. Brandstädter, s. Nr. 2955).
Anbei die obige Kopie nebst Ersuchen, Herrn Tetzel dahingehend zu instruieren, dass solches nicht mehr geschieht.
1640 Juli 31: Schreiben des G. Khönig aus Befehl des Herrn Deputierten an Israel Lauterbach.
Anbei die obigen Stücke mit der Bitte um Weiterleitung an Frau Tetzel, damit sie diese ihrem Mann nach Regensburg senden kann.
1640 August 2: Schreiben des M(ag.) Georgius Mair, stud. theol., aus V. (= Vorra) an Johann Jacob Tetzel, des Innern Rats und Kriegsrats, derzeitigem Legaten auf dem Reichstag in Regensburg.
Bestätigung des Erhalts der Schreiben vom 27. und 29. Juli, dessen Themen Frau Tetzel mit Schreiber teilweise umgesetzt hat. Der Paulus, welcher sonst schreibt, ist wegen einer Gevatterschaft verhindert. Das Zehntkorn wird nächste Woche hier (= Vorra) und in Artelshofen gedroschen werden. J(unker) Philipp Jacob war auf dem Deckersberg, um nach dem Rechten zu sehen. Carl Erasmus (Tetzel) erwähnt. (Am Seitenende: Semel Hans Zehend ) Der Schmied Gerg erwähnt. Weitere Notizen zur Gutsverwaltung. Beiliegend die obigen Schreiben und ein Ratsverlass (hier nicht enthalten). Der gnädige Herr weiß selbst schon, dass es sich um lauter Unwahrheiten handelt. Die Soldaten hatte der Richter nur mitgenommen, weil ihm vorher mit Erschießen gedroht worden war.
1640 August 6: Bericht (Konzept) der Magdalena Tetzel, Ehefrau des Johann Jacob Tetzel, geb. Schwab.
Hartenstein hat nur 3 Untertanen in Oberartelshofen, nämlich Jobst Pambler, Hans und Georg Scharrer. Schreiberin vermutet einen Racheakt, weil gegen einen der 3 eine Strafe wegen Holzfrevels verhängt worden war, und zwar gegen Hans Scharrer. Dieser ist laut Malefizbuch Tetzels seit längerem bekannt als gottloser Mensch, der nur Ärger bereitet.
Der Wall war schon vor 2 Jahren aus Steinen errichtet worden, allerdings waren die Marksteine, die den Gemeindegrund bezeichnen, nicht beachtet worden. Die 2 Soldaten aus Velden waren zufällig mit einem Konvoi anwesend. Die Frau des Richters, die um ihren Mann fürchtete, schickte diese zu ihm. Hans Scharrer trägt übrigens den Beinamen Flecken Bub.
Weitere Ausführungen zum Schafweidestreit.
1640 August 9: Mair, Vorra, an Tetzel, Regensburg.
Anbei die Widerlegung der Lügen des Pflegers. Der Vorwurf des Jagens auf Hartensteinischer Wildbahn ist eine Calvinische Warheit, denn der Fall hängt ja noch beim Kaiserlichen Kammergericht. Der Schäfer versichert, heuer gar nicht in der Nähe von Hartenstein gehütet zu haben. Der Vorwurf, man habe dem Müller und anderen die Fluchtmöglichkeit ins Schloss verweigert [30-jähriger Krieg!], stimmt natürlich auch nicht. Hier ist wohl eine Racheakt des Müllers gegeben, der glaubt, allein das Recht auf Bierzapfen zu haben, das aber doch jedem in der Gemeinde erlaubt ist.
Nachtrag: Probleme wegen des Zehnten mit dem Semmelhans.
PS: Es geht das Gerücht, der Samuel Beer von Ehmau wolle nach Hartenstein ziehen und dort Amtsschreiber werden. Der Pfleger soll öfter gesagt haben, er gebe 100 Dukaten, wenn der Samuel katholisch wäre.
1640 August 21: Schreiben des Rates der Stadt Nürnberg an die Regierung in Amberg.
Anbei die Darstellung der Angelegenheit, wie Frau Tetzel sie abgegeben hat (hier nicht vorhanden). Man hofft, dass die Sache damit erledigt ist. Der Pfleger von Hartenstein wäre anzuweisen, sich künftig direkt an die Herrschaft des Richters (von Vorra) zu wenden.
1640 September 7: Mair, Vorra, an Tetzel, Regensburg.
Gestern nachmittag sind der Pfleger von Hartenstein und seine Frau, der Leutnant von der Finstermühl und Herr Peypuß von Velden beim Müller in Artelshofen zur Kirchweih eingekehrt. Die Pflegerin bat mehrfach, ob Frau Tetzel sie nicht empfangen, oder sich hierher begeben wolle. Schließlich erschien Frau Tetzel zusammen mit dem Richter von Vorra und dem Schreiber. Der Pfleger begrüßte den Richter mit den Worten: Kombt herein, Herr Richter, wir müßen wieder guete Freundte werdten. Es fielen von Seite des Pflegers und seiner Frau überhaupt nur süße Worte. Frau Tetzel kürzte die Unterhaltung ab, indem sie den Pfleger fragte, wieso er sich nicht zuerst an ihren Mann gewandt habe. Die Pflegerin antwortete, dies sei geschehen, aber keine Antwort erfolgt. Frau Tetzel widersprach, da ihr Mann vor seiner Abreise kein Schreiben unbeantwortet zurückgelassen hatte. Man ging in bester Freundschaft dem ansehen nach auseinander.
Verhandlungen wegen Futters mit Michel Schmidt in Alfalter. Für ein Stallgebäude auf dem Klingenhof wurden Bretter in der Mühle in Engelthal bestellt. Georg Barth soll Fuhren besorgen. Frau Peller wurde deswegen um Hilfe gebeten.
Archivale
Indexbegriff Person: Barth, Georg
Indexbegriff Person: Beer, Samuel
Indexbegriff Person: Brandstädter, F
Indexbegriff Person: Fleckenbub = Scharrer, Hans
Indexbegriff Person: Fuchs, Caspar Melchior
Indexbegriff Person: König, G
Indexbegriff Person: Lauterbach, Israel
Indexbegriff Person: Mair, Georg
Indexbegriff Person: Pammler, Jobst
Indexbegriff Person: Peller, N
Indexbegriff Person: Peypus, N
Indexbegriff Person: Scharrer, Georg
Indexbegriff Person: Scharrer, Hans
Indexbegriff Person: Schmidt, Michael
Indexbegriff Person: Schmied, Georg
Indexbegriff Person: Semmelhans = Scharrer, Hans
Indexbegriff Person: Sulz, Carl Ludwig Ernst Graf zu
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgte Person“ meint eine Person, die einen Entschädigungsanspruch für einen Schaden durch NS-Verfolgung geltend machte. Wenn der Antrag nicht von der verfolgten Person selbst, sondern von einer anderen Person gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ angegeben und ihre Beziehung zur verfolgten Person, soweit vorhanden, vermerkt. In den Quellen wird die verfolgte Person mitunter als „Geschädigter“, die antragstellende Person als „Anspruchsberechtigter“ bezeichnet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.