F 38 - Evangelisches Dekanatamt Ravensburg (Bestand)
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F 38
Landeskirchliches Archiv Stuttgart (Archivtektonik) >> F - Dekanatsarchive
1561-1991
Einleitung: ===== Zur Kirchengeschichte von Ravensburg =====
Die Reformation fand spät Eingang in die Reichsstadt Ravensburg. Die Patrizier, die das Stadtregiment ausübten, blieben überwiegend beim alten Glauben; erst mit der Wahl eines Nicht-Patriziers zum Bürgermeister 1544 (Bartholomäus Hensler) gelangte ein evangelisch gesinnter Bürger in ein einflussreiches Amt. Gemeinsam mit dem ebenfalls evangelisch gesinnten Stadtschreiber Gabriel Krötlin förderte er die reformatorischen Bestrebungen. Am 29. Juni 1544 wurde die erste evangelische Predigt in der Pfarrkirche "Zu unserer Lieben Frau" gehalten. Da auch die Bürgerschaft zwischenzeitlich zu einem Großteil dem neuen evangelischen Glauben aufgeschlossen war, wurden die Geistlichen in der Stadt aufgefordert, nach der neuen Form "das Wort rein" zu predigen. Allerdings formierten sich auch die Gegner der evangelischen Lehre, die mit Abt Gerwig Blarer von Weingarten (ein Onkel des württembergischen Reformators Ambrosius Blarer), dem Konstanzer Bischof und dem Landrichter Kaspar Klöckler mächtige Unterstützer hatten. Von Abt und Bischof wurden altgläubige Prediger eingesetzt. Allerdings konnten sich die Anhänger des neuen Glaubens durchsetzen: 1546 trat Ravensburg in den Schmalkaldischen Bund ein, dem Verteidigungsbündnis der evangelischen Reichsstände, die Abhaltung eines katholischen Gottesdienstes wurde verboten, der Besuch der katholischen Messe außerhalb der Stadt unter Strafe gestellt. Gleichzeitig wurde eine neue Kirchenordnung eingeführt; die Prediger, die beim alten Glauben bleiben wollten, wurden entlassen. Kurz darauf fügte der verlorene Schmalkaldische Krieg und in der Folge das Interim der jungen evangelischen Gemeinde einen empfindlichen Rückschlag zu. Mit dem Augsburger Religionsfrieden 1555 etablierte sich der evangelische Glaube endgültig dauerhaft in Ravensburg. Künftig wurde die Kirche des Karmeliterklosters von beiden Konfessionen benutzt. Der Chor stand den Karmelitern zu, das Schiff den evangelischen Bürgern.
Mit dem Ausbruch des Dreißijährigen Krieges wurde der konfessionelle Frieden in Ravensburg erneut zerstört. Ab 1628 konnten die evangelischen Gottesdienste nicht mehr in der Karmeliterkirche abgehalten werden. Den Evangelischen wurde das "Kornhaus zum Rappen" zugewiesen, das sie zu einer Kirche ausbauten (Dreifaltigkeitskirche). Im Pestjahr 1635 starben beide evangelischen Prediger, beide evangelischen Schullehrer und über 100 evangelische Schulkinder. Das Ende des Dreißigjährigen Krieges und der "Westfälische Frieden" brachten 1649 eine neue Regelung zwischen den Konfessionen: Ravensburg wurde zur paritätischen Stadt erklärt, d.h. beide Konfessionen standen gleichberechtigt nebeneinander. Der evangelische Gottesdienst wurde wieder im Schiff der Karmeliterkirche abgehalten; die Dreifaltigkeitskirche war bis zu ihrem Abbruch nach 1812 zweite evangelische Pfarrkirche. Die gemeinsame Nutzung der Karmeliterkirche führte jedoch regelmäßig zu kleineren oder größeren Reibereien. Nach der Mediatisierung der Reichsstädte wurde wie in den anderen paritätischen Städten (wie beispielsweise Biberach) auch in Ravensburg die Parität aufgelöst und die Karmeliterkirche ganz den Evangelischen zugesprochen. Seitdem ist sie ununterbochen die ev. Stadtpfarrkirche von Ravensburg. Das Karmeliterkloster wurde 1806 aufgehoben.
Mit dem Reichsdeputationshauptschluss wurden die Reichsstädte mediatisiert und Ravensburg 1803 zunächst Bayern zugeschlagen, 1810 schließlich fiel die ehemalige Reichsstadt dem Königreich Württemberg zu. 1829 wurde die erste Stadtpfarrstelle in Ravensburg provisorisch mit einem Dekanatamt verbunden, 1843 wurde die Dekansstelle dauerhaft besetzt. Zuvor war Ravensburg dem Dekanat Biberach eingegliedert. Von Ravensburg aus wurde die evangelische Diasporapflege betrieben. So existierte von 1869 bis 1896 ein Diaspora-Pfarramt, das die in den umliegenden katholischen Orten lebenden Evangelischen versorgte.
Seit der Reformation verfügten die Evangelischen in Ravensburg über vier Predigerstellen. 1811 wurde die vierte Predigerstelle nicht mehr besetzt, 1814 die dritte für mehrere Jahre nicht. Bis 1903 war ein Predigtamt auch mit einem Lehramt an der seit dem Dreißigjährigen Krieg paritätisch geführten Lateinschule verbunden. Der zweite Pfarrer betreute auch die Heil- und Pflegeanstalt Weißenau. Der spätere erste Landesbischof Theophil Wurm war von 1913 bis 1920 zweiter Stadtpfarrer in Ravensburg. Die Filiale Mochenwangen wurde 1884/85 gegründet und war zunächst Weingarten zugeteilt. Seit 1905 versorgte jedoch der dritte Stadtpfarrer von Ravensburg die Gemeinde.
===== Bestandsgeschichte =====
Das Archiv des Ev. Dekanatamts Ravensburg lagerte an mehreren Standorten: Im Dekanatsgebäude im Sekretariat und auf der Bühne und in der Sakristei der Stadtkirche. Da eine sachgemäße Unterbringung des Archivs vor Ort immer schwieriger wurde, beschlossen Gesamtkirchengemeinderat und Kirchenbezirksausschuss 1999, das Archiv an das Landeskirchliche Archiv Stuttgart abzugeben, um es dort zentral verwalten und verwahren zu lassen. Die Abgabe umfasste das Schriftgut bis einschließlich 1966. Ausgenommen wurden die Kirchenbücher, die sich weiterhin im Kirchengeregisteramt befinden, und die Kirchenpflegrechnungen ab 1954, die bei der Ev. Kirchenpflege aufbewahrt werden. Teile der Akten und Bände waren durch die schlechte Lagerung durch Schimmelbefall kontaminiert, wurden jedoch behandelt und können nun für eine Benutzung freigegeben werden. Da die Beilagen zu den Rechnungen so stark schimmelbefallen waren, dass eine Gesundheitsgefährdung bei der Bearbeitung nicht auszuschließen war, wurden sie ab 1901 vollständig kassiert. Die Hauptbücher sowie einige ausgewählten Beilagen wurden behandelt und können nun ebenfalls gefahrlos benutzt werden. 1961 wurde der Archivbestand zum ersten Mal verzeichnet, dabei wurden die Akten bis ca. 1938 erfasst. Durch die Neuverzeichnung ist der gesamte Archivbestand des Ev. Dekanatamts Ravensburg bis 1966 erschlossen und steht für die Benutzung zur Verfügung. Aus datenschutzrechtlichen Gründen, sind bestimmte Akten gesperrt, da sie personenbezogenes Schriftgut enthalten. Dies ist bei der jeweiligen Akte im Inventar angegeben.
Der Bestand wurde 2005 von Corinna Schneider, Andrea Hoffmann und Stefanie Palm verzeichnet; die Endbearbeitung und Redaktion des Findbuches übernahm Dorothea Reuter.
Eine Nachlieferung wurde 2021 an das Landeskirchliche Archiv abgegeben (Überleiferung vor 1967, v.a. Rechnungsunterlagen, altes Gemeindezentrum; am Ende des Bestandes eingestellt.).
===== Charakter des Bestands =====
Das verzeichnete Archiv umfasst gut 20 laufende Regalmeter und setzt im 19. Jahrhundert ein. Der Bestand kann als "normal" bezeichnet werden, sowohl hinsichtlich des Umfangs als auch des Inhaltes. Er weist keine herausragenden Besonderheiten auf. Erwähnenswert sind die wenigen Akten aus der reichsstädtischen Zeit; dabei handelt es sich vornehmlich um Akten des Konsistoriums bzw. Ehegerichts aus der Zeit von 1650 bis 1807 (Nr. 43-45 und 136-152). Insgesamt scheint der Aktenbestand nicht oder nur in geringem Umfange gestört zu sein, d.h. er scheint vollständig ohne größere Lücken überliefert zu sein.
Gut dokumentiert sind beispielsweise die Baumaßnahmen an der Stadtkirche (Nr. 316-359). Sehr gut dokumentiert ist auch die Geschichte des Vereinshauses des Ev. Vereins, dem heutigen Matthäus-Gemeindehaus.
Zu beachten ist, dass innerhalb der dekanatamtlichen Ortsakten keine spezielle Ortsakte für Ravensburg geführt wurde. Alle Akten, die das erste Pfarramt Ravensburg betreffen, finden sich also in den pfarramtlichen Akten.
Einleitung: ===== Zur Kirchengeschichte von Ravensburg =====
Die Reformation fand spät Eingang in die Reichsstadt Ravensburg. Die Patrizier, die das Stadtregiment ausübten, blieben überwiegend beim alten Glauben; erst mit der Wahl eines Nicht-Patriziers zum Bürgermeister 1544 (Bartholomäus Hensler) gelangte ein evangelisch gesinnter Bürger in ein einflussreiches Amt. Gemeinsam mit dem ebenfalls evangelisch gesinnten Stadtschreiber Gabriel Krötlin förderte er die reformatorischen Bestrebungen. Am 29. Juni 1544 wurde die erste evangelische Predigt in der Pfarrkirche "Zu unserer Lieben Frau" gehalten. Da auch die Bürgerschaft zwischenzeitlich zu einem Großteil dem neuen evangelischen Glauben aufgeschlossen war, wurden die Geistlichen in der Stadt aufgefordert, nach der neuen Form "das Wort rein" zu predigen. Allerdings formierten sich auch die Gegner der evangelischen Lehre, die mit Abt Gerwig Blarer von Weingarten (ein Onkel des württembergischen Reformators Ambrosius Blarer), dem Konstanzer Bischof und dem Landrichter Kaspar Klöckler mächtige Unterstützer hatten. Von Abt und Bischof wurden altgläubige Prediger eingesetzt. Allerdings konnten sich die Anhänger des neuen Glaubens durchsetzen: 1546 trat Ravensburg in den Schmalkaldischen Bund ein, dem Verteidigungsbündnis der evangelischen Reichsstände, die Abhaltung eines katholischen Gottesdienstes wurde verboten, der Besuch der katholischen Messe außerhalb der Stadt unter Strafe gestellt. Gleichzeitig wurde eine neue Kirchenordnung eingeführt; die Prediger, die beim alten Glauben bleiben wollten, wurden entlassen. Kurz darauf fügte der verlorene Schmalkaldische Krieg und in der Folge das Interim der jungen evangelischen Gemeinde einen empfindlichen Rückschlag zu. Mit dem Augsburger Religionsfrieden 1555 etablierte sich der evangelische Glaube endgültig dauerhaft in Ravensburg. Künftig wurde die Kirche des Karmeliterklosters von beiden Konfessionen benutzt. Der Chor stand den Karmelitern zu, das Schiff den evangelischen Bürgern.
Mit dem Ausbruch des Dreißijährigen Krieges wurde der konfessionelle Frieden in Ravensburg erneut zerstört. Ab 1628 konnten die evangelischen Gottesdienste nicht mehr in der Karmeliterkirche abgehalten werden. Den Evangelischen wurde das "Kornhaus zum Rappen" zugewiesen, das sie zu einer Kirche ausbauten (Dreifaltigkeitskirche). Im Pestjahr 1635 starben beide evangelischen Prediger, beide evangelischen Schullehrer und über 100 evangelische Schulkinder. Das Ende des Dreißigjährigen Krieges und der "Westfälische Frieden" brachten 1649 eine neue Regelung zwischen den Konfessionen: Ravensburg wurde zur paritätischen Stadt erklärt, d.h. beide Konfessionen standen gleichberechtigt nebeneinander. Der evangelische Gottesdienst wurde wieder im Schiff der Karmeliterkirche abgehalten; die Dreifaltigkeitskirche war bis zu ihrem Abbruch nach 1812 zweite evangelische Pfarrkirche. Die gemeinsame Nutzung der Karmeliterkirche führte jedoch regelmäßig zu kleineren oder größeren Reibereien. Nach der Mediatisierung der Reichsstädte wurde wie in den anderen paritätischen Städten (wie beispielsweise Biberach) auch in Ravensburg die Parität aufgelöst und die Karmeliterkirche ganz den Evangelischen zugesprochen. Seitdem ist sie ununterbochen die ev. Stadtpfarrkirche von Ravensburg. Das Karmeliterkloster wurde 1806 aufgehoben.
Mit dem Reichsdeputationshauptschluss wurden die Reichsstädte mediatisiert und Ravensburg 1803 zunächst Bayern zugeschlagen, 1810 schließlich fiel die ehemalige Reichsstadt dem Königreich Württemberg zu. 1829 wurde die erste Stadtpfarrstelle in Ravensburg provisorisch mit einem Dekanatamt verbunden, 1843 wurde die Dekansstelle dauerhaft besetzt. Zuvor war Ravensburg dem Dekanat Biberach eingegliedert. Von Ravensburg aus wurde die evangelische Diasporapflege betrieben. So existierte von 1869 bis 1896 ein Diaspora-Pfarramt, das die in den umliegenden katholischen Orten lebenden Evangelischen versorgte.
Seit der Reformation verfügten die Evangelischen in Ravensburg über vier Predigerstellen. 1811 wurde die vierte Predigerstelle nicht mehr besetzt, 1814 die dritte für mehrere Jahre nicht. Bis 1903 war ein Predigtamt auch mit einem Lehramt an der seit dem Dreißigjährigen Krieg paritätisch geführten Lateinschule verbunden. Der zweite Pfarrer betreute auch die Heil- und Pflegeanstalt Weißenau. Der spätere erste Landesbischof Theophil Wurm war von 1913 bis 1920 zweiter Stadtpfarrer in Ravensburg. Die Filiale Mochenwangen wurde 1884/85 gegründet und war zunächst Weingarten zugeteilt. Seit 1905 versorgte jedoch der dritte Stadtpfarrer von Ravensburg die Gemeinde.
===== Bestandsgeschichte =====
Das Archiv des Ev. Dekanatamts Ravensburg lagerte an mehreren Standorten: Im Dekanatsgebäude im Sekretariat und auf der Bühne und in der Sakristei der Stadtkirche. Da eine sachgemäße Unterbringung des Archivs vor Ort immer schwieriger wurde, beschlossen Gesamtkirchengemeinderat und Kirchenbezirksausschuss 1999, das Archiv an das Landeskirchliche Archiv Stuttgart abzugeben, um es dort zentral verwalten und verwahren zu lassen. Die Abgabe umfasste das Schriftgut bis einschließlich 1966. Ausgenommen wurden die Kirchenbücher, die sich weiterhin im Kirchengeregisteramt befinden, und die Kirchenpflegrechnungen ab 1954, die bei der Ev. Kirchenpflege aufbewahrt werden. Teile der Akten und Bände waren durch die schlechte Lagerung durch Schimmelbefall kontaminiert, wurden jedoch behandelt und können nun für eine Benutzung freigegeben werden. Da die Beilagen zu den Rechnungen so stark schimmelbefallen waren, dass eine Gesundheitsgefährdung bei der Bearbeitung nicht auszuschließen war, wurden sie ab 1901 vollständig kassiert. Die Hauptbücher sowie einige ausgewählten Beilagen wurden behandelt und können nun ebenfalls gefahrlos benutzt werden. 1961 wurde der Archivbestand zum ersten Mal verzeichnet, dabei wurden die Akten bis ca. 1938 erfasst. Durch die Neuverzeichnung ist der gesamte Archivbestand des Ev. Dekanatamts Ravensburg bis 1966 erschlossen und steht für die Benutzung zur Verfügung. Aus datenschutzrechtlichen Gründen, sind bestimmte Akten gesperrt, da sie personenbezogenes Schriftgut enthalten. Dies ist bei der jeweiligen Akte im Inventar angegeben.
Der Bestand wurde 2005 von Corinna Schneider, Andrea Hoffmann und Stefanie Palm verzeichnet; die Endbearbeitung und Redaktion des Findbuches übernahm Dorothea Reuter.
Eine Nachlieferung wurde 2021 an das Landeskirchliche Archiv abgegeben.
===== Charakter des Bestands =====
Das verzeichnete Archiv umfasst gut 20 laufende Regalmeter und setzt im 19. Jahrhundert ein. Der Bestand kann als "normal" bezeichnet werden, sowohl hinsichtlich des Umfangs als auch des Inhaltes. Er weist keine herausragenden Besonderheiten auf. Erwähnenswert sind die wenigen Akten aus der reichsstädtischen Zeit; dabei handelt es sich vornehmlich um Akten des Konsistoriums bzw. Ehegerichts aus der Zeit von 1650 bis 1807 (Nr. 43-45 und 136-152). Insgesamt scheint der Aktenbestand nicht oder nur in geringem Umfange gestört zu sein, d.h. er scheint vollständig ohne größere Lücken überliefert zu sein.
Gut dokumentiert sind beispielsweise die Baumaßnahmen an der Stadtkirche (Nr. 316-359). Sehr gut dokumentiert ist auch die Geschichte des Vereinshauses des Ev. Vereins, dem heutigen Matthäus-Gemeindehaus.
Zu beachten ist, dass innerhalb der dekanatamtlichen Ortsakten keine spezielle Ortsakte für Ravensburg geführt wurde. Alle Akten, die das erste Pfarramt Ravensburg betreffen, finden sich also in den pfarramtlichen Akten.
Die Reformation fand spät Eingang in die Reichsstadt Ravensburg. Die Patrizier, die das Stadtregiment ausübten, blieben überwiegend beim alten Glauben; erst mit der Wahl eines Nicht-Patriziers zum Bürgermeister 1544 (Bartholomäus Hensler) gelangte ein evangelisch gesinnter Bürger in ein einflussreiches Amt. Gemeinsam mit dem ebenfalls evangelisch gesinnten Stadtschreiber Gabriel Krötlin förderte er die reformatorischen Bestrebungen. Am 29. Juni 1544 wurde die erste evangelische Predigt in der Pfarrkirche "Zu unserer Lieben Frau" gehalten. Da auch die Bürgerschaft zwischenzeitlich zu einem Großteil dem neuen evangelischen Glauben aufgeschlossen war, wurden die Geistlichen in der Stadt aufgefordert, nach der neuen Form "das Wort rein" zu predigen. Allerdings formierten sich auch die Gegner der evangelischen Lehre, die mit Abt Gerwig Blarer von Weingarten (ein Onkel des württembergischen Reformators Ambrosius Blarer), dem Konstanzer Bischof und dem Landrichter Kaspar Klöckler mächtige Unterstützer hatten. Von Abt und Bischof wurden altgläubige Prediger eingesetzt. Allerdings konnten sich die Anhänger des neuen Glaubens durchsetzen: 1546 trat Ravensburg in den Schmalkaldischen Bund ein, dem Verteidigungsbündnis der evangelischen Reichsstände, die Abhaltung eines katholischen Gottesdienstes wurde verboten, der Besuch der katholischen Messe außerhalb der Stadt unter Strafe gestellt. Gleichzeitig wurde eine neue Kirchenordnung eingeführt; die Prediger, die beim alten Glauben bleiben wollten, wurden entlassen. Kurz darauf fügte der verlorene Schmalkaldische Krieg und in der Folge das Interim der jungen evangelischen Gemeinde einen empfindlichen Rückschlag zu. Mit dem Augsburger Religionsfrieden 1555 etablierte sich der evangelische Glaube endgültig dauerhaft in Ravensburg. Künftig wurde die Kirche des Karmeliterklosters von beiden Konfessionen benutzt. Der Chor stand den Karmelitern zu, das Schiff den evangelischen Bürgern.
Mit dem Ausbruch des Dreißijährigen Krieges wurde der konfessionelle Frieden in Ravensburg erneut zerstört. Ab 1628 konnten die evangelischen Gottesdienste nicht mehr in der Karmeliterkirche abgehalten werden. Den Evangelischen wurde das "Kornhaus zum Rappen" zugewiesen, das sie zu einer Kirche ausbauten (Dreifaltigkeitskirche). Im Pestjahr 1635 starben beide evangelischen Prediger, beide evangelischen Schullehrer und über 100 evangelische Schulkinder. Das Ende des Dreißigjährigen Krieges und der "Westfälische Frieden" brachten 1649 eine neue Regelung zwischen den Konfessionen: Ravensburg wurde zur paritätischen Stadt erklärt, d.h. beide Konfessionen standen gleichberechtigt nebeneinander. Der evangelische Gottesdienst wurde wieder im Schiff der Karmeliterkirche abgehalten; die Dreifaltigkeitskirche war bis zu ihrem Abbruch nach 1812 zweite evangelische Pfarrkirche. Die gemeinsame Nutzung der Karmeliterkirche führte jedoch regelmäßig zu kleineren oder größeren Reibereien. Nach der Mediatisierung der Reichsstädte wurde wie in den anderen paritätischen Städten (wie beispielsweise Biberach) auch in Ravensburg die Parität aufgelöst und die Karmeliterkirche ganz den Evangelischen zugesprochen. Seitdem ist sie ununterbochen die ev. Stadtpfarrkirche von Ravensburg. Das Karmeliterkloster wurde 1806 aufgehoben.
Mit dem Reichsdeputationshauptschluss wurden die Reichsstädte mediatisiert und Ravensburg 1803 zunächst Bayern zugeschlagen, 1810 schließlich fiel die ehemalige Reichsstadt dem Königreich Württemberg zu. 1829 wurde die erste Stadtpfarrstelle in Ravensburg provisorisch mit einem Dekanatamt verbunden, 1843 wurde die Dekansstelle dauerhaft besetzt. Zuvor war Ravensburg dem Dekanat Biberach eingegliedert. Von Ravensburg aus wurde die evangelische Diasporapflege betrieben. So existierte von 1869 bis 1896 ein Diaspora-Pfarramt, das die in den umliegenden katholischen Orten lebenden Evangelischen versorgte.
Seit der Reformation verfügten die Evangelischen in Ravensburg über vier Predigerstellen. 1811 wurde die vierte Predigerstelle nicht mehr besetzt, 1814 die dritte für mehrere Jahre nicht. Bis 1903 war ein Predigtamt auch mit einem Lehramt an der seit dem Dreißigjährigen Krieg paritätisch geführten Lateinschule verbunden. Der zweite Pfarrer betreute auch die Heil- und Pflegeanstalt Weißenau. Der spätere erste Landesbischof Theophil Wurm war von 1913 bis 1920 zweiter Stadtpfarrer in Ravensburg. Die Filiale Mochenwangen wurde 1884/85 gegründet und war zunächst Weingarten zugeteilt. Seit 1905 versorgte jedoch der dritte Stadtpfarrer von Ravensburg die Gemeinde.
===== Bestandsgeschichte =====
Das Archiv des Ev. Dekanatamts Ravensburg lagerte an mehreren Standorten: Im Dekanatsgebäude im Sekretariat und auf der Bühne und in der Sakristei der Stadtkirche. Da eine sachgemäße Unterbringung des Archivs vor Ort immer schwieriger wurde, beschlossen Gesamtkirchengemeinderat und Kirchenbezirksausschuss 1999, das Archiv an das Landeskirchliche Archiv Stuttgart abzugeben, um es dort zentral verwalten und verwahren zu lassen. Die Abgabe umfasste das Schriftgut bis einschließlich 1966. Ausgenommen wurden die Kirchenbücher, die sich weiterhin im Kirchengeregisteramt befinden, und die Kirchenpflegrechnungen ab 1954, die bei der Ev. Kirchenpflege aufbewahrt werden. Teile der Akten und Bände waren durch die schlechte Lagerung durch Schimmelbefall kontaminiert, wurden jedoch behandelt und können nun für eine Benutzung freigegeben werden. Da die Beilagen zu den Rechnungen so stark schimmelbefallen waren, dass eine Gesundheitsgefährdung bei der Bearbeitung nicht auszuschließen war, wurden sie ab 1901 vollständig kassiert. Die Hauptbücher sowie einige ausgewählten Beilagen wurden behandelt und können nun ebenfalls gefahrlos benutzt werden. 1961 wurde der Archivbestand zum ersten Mal verzeichnet, dabei wurden die Akten bis ca. 1938 erfasst. Durch die Neuverzeichnung ist der gesamte Archivbestand des Ev. Dekanatamts Ravensburg bis 1966 erschlossen und steht für die Benutzung zur Verfügung. Aus datenschutzrechtlichen Gründen, sind bestimmte Akten gesperrt, da sie personenbezogenes Schriftgut enthalten. Dies ist bei der jeweiligen Akte im Inventar angegeben.
Der Bestand wurde 2005 von Corinna Schneider, Andrea Hoffmann und Stefanie Palm verzeichnet; die Endbearbeitung und Redaktion des Findbuches übernahm Dorothea Reuter.
Eine Nachlieferung wurde 2021 an das Landeskirchliche Archiv abgegeben (Überleiferung vor 1967, v.a. Rechnungsunterlagen, altes Gemeindezentrum; am Ende des Bestandes eingestellt.).
===== Charakter des Bestands =====
Das verzeichnete Archiv umfasst gut 20 laufende Regalmeter und setzt im 19. Jahrhundert ein. Der Bestand kann als "normal" bezeichnet werden, sowohl hinsichtlich des Umfangs als auch des Inhaltes. Er weist keine herausragenden Besonderheiten auf. Erwähnenswert sind die wenigen Akten aus der reichsstädtischen Zeit; dabei handelt es sich vornehmlich um Akten des Konsistoriums bzw. Ehegerichts aus der Zeit von 1650 bis 1807 (Nr. 43-45 und 136-152). Insgesamt scheint der Aktenbestand nicht oder nur in geringem Umfange gestört zu sein, d.h. er scheint vollständig ohne größere Lücken überliefert zu sein.
Gut dokumentiert sind beispielsweise die Baumaßnahmen an der Stadtkirche (Nr. 316-359). Sehr gut dokumentiert ist auch die Geschichte des Vereinshauses des Ev. Vereins, dem heutigen Matthäus-Gemeindehaus.
Zu beachten ist, dass innerhalb der dekanatamtlichen Ortsakten keine spezielle Ortsakte für Ravensburg geführt wurde. Alle Akten, die das erste Pfarramt Ravensburg betreffen, finden sich also in den pfarramtlichen Akten.
Einleitung: ===== Zur Kirchengeschichte von Ravensburg =====
Die Reformation fand spät Eingang in die Reichsstadt Ravensburg. Die Patrizier, die das Stadtregiment ausübten, blieben überwiegend beim alten Glauben; erst mit der Wahl eines Nicht-Patriziers zum Bürgermeister 1544 (Bartholomäus Hensler) gelangte ein evangelisch gesinnter Bürger in ein einflussreiches Amt. Gemeinsam mit dem ebenfalls evangelisch gesinnten Stadtschreiber Gabriel Krötlin förderte er die reformatorischen Bestrebungen. Am 29. Juni 1544 wurde die erste evangelische Predigt in der Pfarrkirche "Zu unserer Lieben Frau" gehalten. Da auch die Bürgerschaft zwischenzeitlich zu einem Großteil dem neuen evangelischen Glauben aufgeschlossen war, wurden die Geistlichen in der Stadt aufgefordert, nach der neuen Form "das Wort rein" zu predigen. Allerdings formierten sich auch die Gegner der evangelischen Lehre, die mit Abt Gerwig Blarer von Weingarten (ein Onkel des württembergischen Reformators Ambrosius Blarer), dem Konstanzer Bischof und dem Landrichter Kaspar Klöckler mächtige Unterstützer hatten. Von Abt und Bischof wurden altgläubige Prediger eingesetzt. Allerdings konnten sich die Anhänger des neuen Glaubens durchsetzen: 1546 trat Ravensburg in den Schmalkaldischen Bund ein, dem Verteidigungsbündnis der evangelischen Reichsstände, die Abhaltung eines katholischen Gottesdienstes wurde verboten, der Besuch der katholischen Messe außerhalb der Stadt unter Strafe gestellt. Gleichzeitig wurde eine neue Kirchenordnung eingeführt; die Prediger, die beim alten Glauben bleiben wollten, wurden entlassen. Kurz darauf fügte der verlorene Schmalkaldische Krieg und in der Folge das Interim der jungen evangelischen Gemeinde einen empfindlichen Rückschlag zu. Mit dem Augsburger Religionsfrieden 1555 etablierte sich der evangelische Glaube endgültig dauerhaft in Ravensburg. Künftig wurde die Kirche des Karmeliterklosters von beiden Konfessionen benutzt. Der Chor stand den Karmelitern zu, das Schiff den evangelischen Bürgern.
Mit dem Ausbruch des Dreißijährigen Krieges wurde der konfessionelle Frieden in Ravensburg erneut zerstört. Ab 1628 konnten die evangelischen Gottesdienste nicht mehr in der Karmeliterkirche abgehalten werden. Den Evangelischen wurde das "Kornhaus zum Rappen" zugewiesen, das sie zu einer Kirche ausbauten (Dreifaltigkeitskirche). Im Pestjahr 1635 starben beide evangelischen Prediger, beide evangelischen Schullehrer und über 100 evangelische Schulkinder. Das Ende des Dreißigjährigen Krieges und der "Westfälische Frieden" brachten 1649 eine neue Regelung zwischen den Konfessionen: Ravensburg wurde zur paritätischen Stadt erklärt, d.h. beide Konfessionen standen gleichberechtigt nebeneinander. Der evangelische Gottesdienst wurde wieder im Schiff der Karmeliterkirche abgehalten; die Dreifaltigkeitskirche war bis zu ihrem Abbruch nach 1812 zweite evangelische Pfarrkirche. Die gemeinsame Nutzung der Karmeliterkirche führte jedoch regelmäßig zu kleineren oder größeren Reibereien. Nach der Mediatisierung der Reichsstädte wurde wie in den anderen paritätischen Städten (wie beispielsweise Biberach) auch in Ravensburg die Parität aufgelöst und die Karmeliterkirche ganz den Evangelischen zugesprochen. Seitdem ist sie ununterbochen die ev. Stadtpfarrkirche von Ravensburg. Das Karmeliterkloster wurde 1806 aufgehoben.
Mit dem Reichsdeputationshauptschluss wurden die Reichsstädte mediatisiert und Ravensburg 1803 zunächst Bayern zugeschlagen, 1810 schließlich fiel die ehemalige Reichsstadt dem Königreich Württemberg zu. 1829 wurde die erste Stadtpfarrstelle in Ravensburg provisorisch mit einem Dekanatamt verbunden, 1843 wurde die Dekansstelle dauerhaft besetzt. Zuvor war Ravensburg dem Dekanat Biberach eingegliedert. Von Ravensburg aus wurde die evangelische Diasporapflege betrieben. So existierte von 1869 bis 1896 ein Diaspora-Pfarramt, das die in den umliegenden katholischen Orten lebenden Evangelischen versorgte.
Seit der Reformation verfügten die Evangelischen in Ravensburg über vier Predigerstellen. 1811 wurde die vierte Predigerstelle nicht mehr besetzt, 1814 die dritte für mehrere Jahre nicht. Bis 1903 war ein Predigtamt auch mit einem Lehramt an der seit dem Dreißigjährigen Krieg paritätisch geführten Lateinschule verbunden. Der zweite Pfarrer betreute auch die Heil- und Pflegeanstalt Weißenau. Der spätere erste Landesbischof Theophil Wurm war von 1913 bis 1920 zweiter Stadtpfarrer in Ravensburg. Die Filiale Mochenwangen wurde 1884/85 gegründet und war zunächst Weingarten zugeteilt. Seit 1905 versorgte jedoch der dritte Stadtpfarrer von Ravensburg die Gemeinde.
===== Bestandsgeschichte =====
Das Archiv des Ev. Dekanatamts Ravensburg lagerte an mehreren Standorten: Im Dekanatsgebäude im Sekretariat und auf der Bühne und in der Sakristei der Stadtkirche. Da eine sachgemäße Unterbringung des Archivs vor Ort immer schwieriger wurde, beschlossen Gesamtkirchengemeinderat und Kirchenbezirksausschuss 1999, das Archiv an das Landeskirchliche Archiv Stuttgart abzugeben, um es dort zentral verwalten und verwahren zu lassen. Die Abgabe umfasste das Schriftgut bis einschließlich 1966. Ausgenommen wurden die Kirchenbücher, die sich weiterhin im Kirchengeregisteramt befinden, und die Kirchenpflegrechnungen ab 1954, die bei der Ev. Kirchenpflege aufbewahrt werden. Teile der Akten und Bände waren durch die schlechte Lagerung durch Schimmelbefall kontaminiert, wurden jedoch behandelt und können nun für eine Benutzung freigegeben werden. Da die Beilagen zu den Rechnungen so stark schimmelbefallen waren, dass eine Gesundheitsgefährdung bei der Bearbeitung nicht auszuschließen war, wurden sie ab 1901 vollständig kassiert. Die Hauptbücher sowie einige ausgewählten Beilagen wurden behandelt und können nun ebenfalls gefahrlos benutzt werden. 1961 wurde der Archivbestand zum ersten Mal verzeichnet, dabei wurden die Akten bis ca. 1938 erfasst. Durch die Neuverzeichnung ist der gesamte Archivbestand des Ev. Dekanatamts Ravensburg bis 1966 erschlossen und steht für die Benutzung zur Verfügung. Aus datenschutzrechtlichen Gründen, sind bestimmte Akten gesperrt, da sie personenbezogenes Schriftgut enthalten. Dies ist bei der jeweiligen Akte im Inventar angegeben.
Der Bestand wurde 2005 von Corinna Schneider, Andrea Hoffmann und Stefanie Palm verzeichnet; die Endbearbeitung und Redaktion des Findbuches übernahm Dorothea Reuter.
Eine Nachlieferung wurde 2021 an das Landeskirchliche Archiv abgegeben.
===== Charakter des Bestands =====
Das verzeichnete Archiv umfasst gut 20 laufende Regalmeter und setzt im 19. Jahrhundert ein. Der Bestand kann als "normal" bezeichnet werden, sowohl hinsichtlich des Umfangs als auch des Inhaltes. Er weist keine herausragenden Besonderheiten auf. Erwähnenswert sind die wenigen Akten aus der reichsstädtischen Zeit; dabei handelt es sich vornehmlich um Akten des Konsistoriums bzw. Ehegerichts aus der Zeit von 1650 bis 1807 (Nr. 43-45 und 136-152). Insgesamt scheint der Aktenbestand nicht oder nur in geringem Umfange gestört zu sein, d.h. er scheint vollständig ohne größere Lücken überliefert zu sein.
Gut dokumentiert sind beispielsweise die Baumaßnahmen an der Stadtkirche (Nr. 316-359). Sehr gut dokumentiert ist auch die Geschichte des Vereinshauses des Ev. Vereins, dem heutigen Matthäus-Gemeindehaus.
Zu beachten ist, dass innerhalb der dekanatamtlichen Ortsakten keine spezielle Ortsakte für Ravensburg geführt wurde. Alle Akten, die das erste Pfarramt Ravensburg betreffen, finden sich also in den pfarramtlichen Akten.
25 lfd. m
Bestand
Ravensburg, Landkreis Ravensburg
Information on confiscated assets
Additional information
BZK no.
The Bundeszentralkartei (BZK) is the central register of the federal government and federal states for completed compensation proceedings. When a claim is entered into the BZK, a number is assigned for unique identification. This BZK number refers to a compensation claim, not to a person. If a person has made several claims (e.g. for themselves and for relatives), each claim generally has its own BZK number. Often, the file number of the respective compensation authority is used as the BZK number.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
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Delict according to Nazi judicial system
Conduct that was first criminalized under National Socialism (e.g. the Treachery Act, ‘Judenbegünstigung’) or which the Nazi judiciary prosecuted more severely (e.g. high treason).
Reason for persecution
The reasons provided here are based on the wording in the reasons for persecution stated in the sources.
Role in the proceeding
‘Verfolgt’ refers to a person or organization that was persecuted under National Socialism. They could file a claim for compensation or restitution as part of the Wiedergutmachung policy. If the application was submitted by another person or organization than the persecutee (for example, their son or daughter), this other person or organization is designated as ‘antragstellend’ and their relationship to the persecutee is noted, if known. In the sources, the persecutee is sometimes referred to as ‘Geschädigter’ (aggrieved party) and the applicant as ‘Anspruchsberechtigter’(claimant).
Search in Archivportal-D
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Additional information on reason for persecution
Additional or more specific information on membership and group affiliation which were the reason for the persecution.
11.08.2025, 11:05 AM CEST