A: Johann Benjamin Hopfner, kurfürstlicher Regierungsadvokat und kaiserlicher Notar in Amberg. S: A. E: Abt Dominikus (Caesar) des Klosters Oberalteich und Administrator des Klosters Michelfeld. Betreff: Protokollierung der eidlichen Aussagen von 5 Zeugen wegen des vom Landrichteramt Auerbach beanspruchten Kirchweihschutzes zu Michelfeld, den ihm das Kloster bestreitet. 1) Aussage des Zeugen Hans Wisent, Hofmarksuntertan des Klosters Michelfeld: Er sei 59 Jahre alt, versteuere sein Vermögen mit 100 Gulden an das Kloster, sei noch niemals rentmeisterisch abgestraft worden und in der Streitsache ganz unparteiisch. Sagt aus, dass vor etlichen und 40 Jahren, als er das erste Mal in das Land gekommen sei, das Landrichteramt Auerbach den Kirchweihschutz in Michelfeld nicht länger als bis 6 Uhr abends abgewartet und dann seinen Abzug genommen habe. Von der 6. Stunde abends bis zum Sonnenuntergang habe das Kloster den Kirchweihschutz allein behauptet und ihn ohne eine einzige Einrede der Gegenpartei solange kontinuiert, bis vor ungefähr 30 Jahren Herr Pretzner und dann Herr Prunner die Klosterverwaltung in Michelfeld angetreten haben, zu welcher Zeit dann auch der Streit zwischen beiden Gerichten angefangen und sich bis dato meist jährlich wiederholt habe. Er wisse auch, wie er als kleiner Bauernjunge während der Michelfelder Kirchweih von seinem verstorbenen Vetter Lorenz Paur, Bürger und Leineweber zu Auerbach, der damals den Kirchweihschutz des Landrichteramts zu beobachten mitgeholfen und etliche Male Braunbier und Wein auf einen Platz nahe bei der St. Lorenz-Kapelle zu Michelfeld habe holen müssen, und anderen vom Landrichteramt Auerbach bestellten Kirchweihschützern jederzeit "diese Formalia" gehört habe, man solle sie fleissig mahnen, wenn die 6. Stunde abends vorbeigegangen sei, weil sie um diese Zeit als Kirchweihschützer des Landrichteramts weichen und den Kirchweihschutz dem Kloster überlassen müssten. 2) Aussage des Zeugen Georg Lippert, Hofmarksuntertan des Klosters Michelfeld: Er sei 69 Jahre alt, versteuere sein Vermögen mit 400 Gulden an das Kloster Michelfeld, sei noch niemals rentmeisterisch abgestraft worden und in der Streitsache ganz unparteiisch. Er sei in Michelfeld geboren und erzogen worden und habe sein Leben lang gesehen und von alten Männern gehört, dass besonders zu den Zeiten, als Johann Wilhelm Greill (Greul), Johann Gnodt (Knott) und Melchior Lois das Richteramt zu Micheldfeld versehen haben, das Landgericht Auerbach den Kirchweihschutz bis 6 Uhr abends behauptet, dann aber dem Kloster Michelfeld übergeben habe. Seit etlichen und 30 Jahren, nämlich zu Zeiten des Herrn Pretzner, seit welchen sich dieser Streit erhoben hat, sei von Seite des Klosters immer protestiert und resistiert worden, als das Landrichteramt den Kirchweihschutz zweimal mit Gewalt abgehalten habe. 3) Aussage des Georg Paulus, Hofmarksuntertan des Klosters Michelfeld: Er sei 68 Jahre alt, versteuere sein Vermögen mit 100 Gulden an das Kloster Michelfeld, sei noch nie rentmeisterisch abgestraft worden und in der Streitsache ganz unparteiisch. Er gedenke sein Leben lang, dass das Landrichteramt Auerbach den Kirchweihschutz zu Michelfeld bis 6 Uhr abends manuteniert und dann an die Michelfelder Kirchweihschützer überlassen habe, besonders zu den Zeiten des Herrn Gnodt (Knott) und des Herrn Loisen. In den 30 Jahren, seit denen der Kirchweihschutz strittig sei, habe man von Seite des Klosters dem Landrichteramt nichts zugestanden, wenn dieses nach der 6. Stunde abends den Kirchweihschutz mit Gewalt abgehalten habe. Dass man von Seite des Landrichteramts gelegentlich über 6 Uhr abends hinaus geblieben sei, sei aus dem Grund geschehen, dass beide Streitparteien diese Zeit "mit einem nachbarlichen Trunk" miteinander "bis an die Nacht verzehrt haben". 4) Aussage des Hans Müller, Weber und Hofmarksuntertan des Klosters Michelfeld: Er sei 63 Jahre alt, versteuere sein Vermögen mit 150 Gulden an das Kloster Michelfeld, sei noch niemals rentmeisterisch abgestraft worden und in der Streitsache ganz unparteiisch. Er habe sein Leben lang gesehen und von alten bedachtsamen Mannspersonen gehört, dass das Landrichteramt Auerbach den Kirchweihschutz bis 6 Uhr abends behauptet, danach aber dem Kloster abgetreten habe. Er selbst sei vor 30 Jahren vier Jahre lang Kirchweihschützer in Michelfeld gewesen. Seit 30 Jahren werde wegen des Kirchweihschutzes gestritten, doch habe das Kloster dem Landgericht nichts eingeräumt oder zugestanden. Vor 28 Jahren, zur Zeit des Herrn Prunner, sei beinahe ein gefährlicher Streit zwischen den beiderseitigen Kirchweihschützern entstanden, weil der Herr Pfarrer den "Mißverstand" nicht vermittelt habe. 5) Aussage des Zeugen Michael Rau, Hofmarksuntertan des Klosters Michelfeld: Er sei 78 Jahre alt und halte sich seit 54 Jahren in Michelfeld auf. Sein Sohn, dem er wegen seines "höchsten" Alters sein Vermögen und seine "Armutei" überlassen habe, versteuere es mit 100 Gulden an das Kloster Michelfeld. Er sei noch niemals rentmeisterisch abgestraft worden und in der Streitsache ganz unparteiisch. Er gedenke sein Leben lang, dass das Landrichteramt Auerbach mit seinem Kirchweihschutz in Michelfeld um 6 Uhr abends abgezogen sei und ihn von da an bis Sonnenuntergang dem Kloster überlassen habe. Seit 30 Jahren sei der Kirchweihschutz zwischen beiden Parteien strittig, doch habe das Kloster dem Landrichteramt diesbezüglich nicht das geringste eingeräumt, sondern beständige Protestation und Gegenresistenz getan.
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