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200,119/Nachlass Hermann Petri (Bestand)
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Stadtarchiv und Landesgeschichtliche Bibliothek Bielefeld (Archivtektonik) >> Nichtamtliches Schriftgut >> Familienarchive und Nachlässe
Form und Inhalt: Vorwort zum Bestand 200,119/Nachlass Hermann Petri
Biographie
Moritz Reinhold Carl Hermann Petri (1859-1946) wurde am 26. Oktober 1859 als Sohn des Gymnasialdirektors Johann Hermann Theodor Petri (1831-1906) und der Amalie Christiane Auguste Petri geb. Winzer (1832-1897) in Herford geboren. 1875 wurde er an der St. Kilians-Kirche in Höxter, wohin die Familie verzogen war, konfirmiert. Das Reifezeugnis erhielt er am 1. März 1878 am König-Wilhelms-Gymnasium in Höxter, das er seit 1869 besuchte und dessen Leiter sein Vater war. Hermann Petri studierte anschließend in Bonn und Berlin Theologie und Philologie und erhielt am 13. März 1886 die Lehramtszulassung für Religion, Latein und Griechisch, am 18. Dezember 1886 die für Hebräisch.
Seinen Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger leistete er vom 1. Oktober 1882 bis 30. September 1883 beim 2. Lothringischen Infanterieregiment 131 in Höxter. Von 1883 bis 1885 war er am Kandidatenkonvikt in Magdeburg, 1885 bis 1886 Hilfslehrer am Kloster Unserer Lieben Frau in Magdeburg, vom 1. April bis 15. August 1886 Alumnatsinspektor und Hilfslehrer am Gymnasium Höxter und direkt anschließend bis zum 31. März 1887 Lehrer am Schullehrer-Seminar in Ratzeburg.
Vom 1. Juli 1887 bis 30. Juli 1901 war er an der Landesschule Pforta bei Naumburg als Oberlehrer tätig, wo er seine spätere Frau Eva Bertha Pauline Zimmermann (1870-1950) kennenlernte und heiratete. Aus der am 18. Juli 1890 in Pforta geschlossenen Ehe gingen die vier Söhne Hermann (1891-1972; Stadtoberbaurat in Bielefeld), Walther (1896-1964; zuletzt Pastor in Götterswickerhamm), Wolfgang (1898-1992; zuletzt Pastor in Voerde) und Heinrich (1901-1971; Gärtner in Volmarstein) sowie die Tochter Ilse (1893-1894) hervor, die aber früh verstarb.
Zum 1. Oktober 1901 wechselte er als Studienrat an das Ratsgymnasium in Bielefeld und arbeitete dort bis zu seiner zum 1. Mai 1924 wirksamen Versetzung in den einstweiligen Ruhestand, die mit den Finanznöten der Weimarer Republik gesetzlich begründet worden war. Zum 1. April 1925 folgte die Versetzung in den regulären Ruhestand. 1914 war er stellvertretender Direktor der Cecilienschule in Bielefeld gewesen.
Petri veröffentlichte wiederholt zur Sprachgeschichte, Besonderheiten und Lehre des Hebräischen und zu religiösen Themen. In Bielefeld war er Gründer und Vorsitzender der Bielefelder Ortsgruppe der Gesellschaft der Freunde Wilhelm Raabes. Im November 1945 gab er gegenüber dem städtischen Personalamt an, nicht Mitglied der NSDAP oder von NS-Gliederungen gewesen zu sein.
Hermann Petri verstarb am 28. Juni 1946 im Städtischen Krankenhaus in Bielefeld an einer Lungenentzündung.
Veröffentlichungen (Auswahl)
- Das Verbum mit Suffixen im Hebräischen, 2. Teil, in: Beilage zum Jahresbericht der Königlichen Landesschule Pforta 1890
- Wittenberger Stammbuchblätter aus dem 16. Jahrhundert, in: Beilage zum Jahresbericht der Königlichen Landesschule Pforta 1893, S. 63-80
- Wie ist die Geschichte vom Sündenfall (Gen. 3) auf den verschiedenen Stufen des Religionsunterrichts auf höheren Schulen zu behandeln?, in: Zeitschrift für den evangelischen Religionsunterricht 4 (1893), S. 213-222 u. 303-307
- Artikel "Hebräisch", in: Enzyklopädisches Handbuch der Pädagogik, Bd. VII, Langensalza 1899
- Artikel "Evangelische Religionslehre", in: Jahresberichte über das höhere Schulwesen 20 (1906)
- Lamping-Jubiläum 1886-1911, hg. vom Vorstand des Musikvereins Bielefeld, Bielefeld 1911 (Autorenschaft nicht ausgewiesen)
- 100 Jahre Bielefelder Musikverein 1820-1920, Bielefeld 1920
- Artikel "Hebräischer Unterricht", in: Pädagogisches Lexikon, Bielefeld 1929
- Mitwirkung an Hermann L. Strack, Biblisches Lesebuch, Leipzig 1913
Bestandsgeschichte und -inhalte
Die Verzeichnungseinheiten Nr. 1 bis 4 sind vor 2006 ohne weitere Hinweise auf die Hintergründe oder Form der Übergabe übernommen worden. Die Nr. 5 bis 14 hat Hermann Petris Enkel Wolfgang Petri (Herford) am 26. Januar 2021 dem Stadtarchiv als Schenkung überlassen. Im Rahmen der Verzeichnung beider Nachlass-Bestandteile durch den Unterzeichneten im Januar 2021 wurden gelegentlich wurden Dokumente vice versa ausgetauscht, um die Verzeichnungseinheiten sinnvoll zu ergänzen, zumal beide Abgaben eine innere Ordnung nicht erkennen ließen. Es liegen lediglich Korrespondenzsplitter (Nr. 11) vor.
Von besonderem stadtgeschichtlichem Wert für Bielefeld sind die drei Tagebücher 1920 bis 1947 (Nr. 6 bis 8). Die Tagebücher sind nicht herkömmlich jahrweise angelegt, sondern verzeichnen unter jeweils einem Blatt pro Kalendertag Notizen mehrerer Jahre, die zumeist mit Wetterbeobachtungen eingeleitet werden, Besuche vermerken, vor allem aber auch Tagesereignisse festhalten und z. T. kurz kommentieren (Auswahl):
- 30. Januar 1933: "Hitler Kanzler! wenn das nur gut geht! doch Hugenberg, Stadt[t]ler dabei";
- 1. April 1933: "Judengeschäfte gesperrt, Menschenmassen auf d. Straße; Nazis machen s. nun unangenehm breit";
- 10. November 1938: "Die Synagoge brennt! Hingegangen [...] schauerlich [...] Wieder Synagoge, die noch in lodernden Flammen brannte [...], allgem. Entrüstung"
- 1. September 1939: "´Krieg?´(Änne), kein Krieg (Hanna, Dietmar), unbehagl. Situation, - die s. aber bald klärt: Mobilmachung, Angriff gegen Polen. Danzig. ´Reichstag´, Hitler-Rede, sehr deutlich";
- 30. September 1944: "Bald Alarm. Terrorangriff [...] Spät aber das H. total erschöpft u. durchnäßt. Kein Wasser, kein Licht, kein Gas! 1. Bombenangriff. Unsere Wohnung demoliert.";
- 4. April 1945: "Sehr unruhiger Tag: jammervolle Soldaten, Amerikaner in B[ielefeld]? B übergeben! Gottlob, was nun",
- 5. April 1945: "Was wird der Tag bringen?! [...] Verpflichtung auf d. Amerikaner, die B. besetzt haben, der Stadtkom. Jude; Demokratische Grundlagen. Den ganzen Tag kein Ab. [Artilleriebeschuß?] sehr beruhigend. Noch viel Unruhen."
Ergänzende Überlieferung
Das Landesarchiv (LAV) NRW, Abteilung Ostwestfalen-Lippe, bewahrt einen aus mehreren Provenienzen zusammengesetzten Bestand D 72/Nachlass Wolfgang Petri auf, der unter Nr. 9 einige wenige Dokumente zu Hermann Petri (1859-1946) enthält:
- Nachprüfungszeugnis der Königlich Wissenschaftlichen Prüfungskommission zu Kiel, 1886
- Ernennung zum Oberlehrer, 1901
- Ehrenurkunde des Regimentsbundes des ehem. 2. Lothringer Infanterieregiments 131, 1937.
Dieser LAV-Bestand enthält vor allem Dokumente zu Wolfgang Petri (1898-1992), weshalb 2021 von seinem Sohn Wolfgang Petri, Herford, dem Stadtarchiv Bielefeld übergebene Dokumente mit dessen Einverständnis am 2. Februar 2021 an die LAV-Abteilung Ostwestfalen-Lippe abgegeben wurden:
- Kriegsgefangenschafts-Tagebücher Wolfgang Petri, 1918-1919
- Kriegsgefangenschafts-Brieftagebuch Wolfgang Petri, 1918
- Feldpost Wolfgang Petri, 1939-1945
- Frankreich-Feldzug-Fotoalbum Wolfgang Petri, 1939-1941
- Korrespondenz vor allem der Ehefrau Erna Petri geb. Pottharst (1901-19??), 1920-1945 (u.a. Wandervogel-Bewegung)
- Einzeldokumente: Bekennende Kirche, 1935; Front-Itinerar 1939-1945, Entlassungsschein, 1946 etc.
Im Stadtarchiv Bielefeld liegt weitere "Petri"-Überlieferung vor:
- Bestand 103,4/Personalakten, Nr. A 987: Personalakte Hermann Petri, 1900-1950
- Bestand 150,14/Ratsgymnasium, Nr. 1664: Personalakte Hermann Petri, 1914-1928
- Bestand 300,6/Autographen, Nr. 703-709: Briefe Hermann Petri (Höxter, Vater des Lehrers Hermann Petri) an August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (Corvey), 1867-1869
- Bestand 300,7/Kleine Erwerbungen, Nr. 691: Persönliche Dokumente des Hermann Petri (Kopien der Dokumente im LAV NRW, Abtlg. OWL, D 72/Wolfgang Petri, Nr. 9, s.o.)
- Bestand 300,7/Kleine Erwerbungen, Nr. 922: Gesellschaft der Freunde Wilhelm Raabes, Ortsgruppe Bielefeld, 1926-1948
- 400,10/Zeitgeschichtliche Sammlung, Nr. 347: Westfalen-Blatt, Die alten Lehrer leben im Spiegel der Erinnerung ihrer ehemaligen Schüler, Bielefeld 1958 (S. 27 f.: Hermann Petri)
- 400,10/Zeitgeschichtliche Sammlung, Nr. 4263,22: Ortsgruppe Bielefeld der Gesellschaft der Freunde Wilhelm Raabes, Jahreshauptversammlung, 1927
Hinweise zur Benutzung
- Archivalienbestellungen: Bestand 200,119/NL Petri, Nr.
- Zitation: Stadtarchiv Bielefeld oder StArchBI, Bestand 200,119/Nachlass Hermann Petri, Nr.
Literatur
- Bauks, Friedrich Wilhelm, Die evangelischen Pfarrer in Westfalen von der Reformationszeit bis 1945, Bielefeld 1980
- Jahresbericht der Königlichen Landesschule Pforta v. 21. Mai 1902, S. XX (Kurzvita Hermann Petri anlässlich des Wechsels von Pforta nach Bielefeld 1901)
- Petri, Wolfgang, Stammfolge Petri I, in: Deutsches Geschlechterbuch, Bd. 130, Limburg/Lahn, S. 73-144
- Westfälische Zeitung v. 26. Oktober 1934 (75. Geburtstag)
- Westfalen-Blatt, Die alten Lehrer leben im Spiegel der Erinnerung ihrer ehemaligen Schüler, Bielefeld 1958 (S. 27 f.: Hermann Petri)
- Westfalen-Zeitung v. 5. Juli 1946 (Tod)
Dr. Jochen Rath
Archivdirektor
Bielefeld, 2. Februar 2021
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgte Person“ meint eine Person, die einen Entschädigungsanspruch für einen Schaden durch NS-Verfolgung geltend machte. Wenn der Antrag nicht von der verfolgten Person selbst, sondern von einer anderen Person gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ angegeben und ihre Beziehung zur verfolgten Person, soweit vorhanden, vermerkt. In den Quellen wird die verfolgte Person mitunter als „Geschädigter“, die antragstellende Person als „Anspruchsberechtigter“ bezeichnet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.