Vereinbarungen / Vertragsklauseln für das Ausleihen von Altertümern aus den Sammlungen in Schwerin
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LLA 028/014
LLA Lindenschmit, Ludwig d. Ä.
Lindenschmit, Ludwig d. Ä. >> Korrespondenz >> Korrespondenz Georg Christian Friedrich Lisch
1858-11-02
Inhalt/Beschreibung/Darin: "Schwerin den 2 Novbr. 1858
Lieber Lindenschmit.
Dein lieber Brief hat mich sehr erfreut. Ich
hätte zwar schon längst antworten sollen; die
kleinen Vorbereitungen zur Erfüllung Deiner
Wünsche und vielfache Störungen und Zöge-
rungen haben aber meine eigenen Wünsche
etwas in den Hintergrund gedrängt. Jetzt
bin ich aber mit meinen Ansichten und Vor-
bereitungen fertig, und nun kann die
Sache in Bewegung kommen.
Ich habe nun folgende Ansicht und Vorbereitung
getroffen:
1, sende ich zur Zeit immer nur wenige
Alterthümer und zwar zum Theil aus der
Vereins-, zum Theil aus der großherzoglichen
Sammlung, damit für den Fall eines Unglücks
nicht zu viel verloren geht.
2, die Sendung mache ich immer in Doppel-
verpackung. Ich habe eine Kiste machen laßen,
deren Einschiebedeckel für beide Seiten zu
gebrauchen ist, die ich gleich beide signiert habe.
Jeder braucht also nur den Deckel einfach
um zukehren, und die äußere Ausstattung
ist für jedes Mal gleich fertig. In dieser
Kiste steht fest paßend eine zweite mit
einem Deckel, der ebenfalls für uns beide
bezeichnet ist. Die äußere Kiste ist durch
zwei Schrauben verschloßen, die unter Riegel
gesetzt werden. So ist bis auf das Einpacken
alles leicht und bequem gemacht.
3, Diese Sendung machen wir mit der Post,
da ich dergleichen Sachen mit der Eisenbahn
zu senden sehr bedenken trage, indem
Kisten von weit her oft Monate lang an
fernen Orten ähnlichen Namens liegen
bleiben, mitunter gar nicht ankommen.
Deshalb bitte ich den Briefe und der [...-]
tion jedes Mal den Namen Schwerin noch
die Worte in Meklenburg hinzuzufügen.
4, Bin ich wegen des Porto's verlegen, um
aufrichtig zu sein. Der Betrag wird am
Ende und im Ganzen nicht unbedeutend sein
und ich werde ohne besondere Autorisation
den Vertrag nicht machen dürfen, wenigstens
nicht vor einer Quartalsversammlung, da
unsere Mittel sehr beschränkt sind. Nun
weiß ich nicht, ob Eure Anstalt zu dergleichen
Kosten hinreichend Mittel hat. Ich bitte
Dich, daß du Dich offen hierüber aussprichst
und etwaige Vorschläge machst. Die "Ver-
packungskosten", von denen du schreibst,
tragen wir natürlich sehr genau. Für
dies Mal mache ich die Kiste frei, und
einen Maaßstab zu gewinnen. Dies
Mal ist die Kiste auch schwer, da einige
selten schwere Sachen darin sind.
5, Muß ich die Bedingung machen, daß Du
mir jedesmal nach Empfang der Kiste die
glückliche Ankunft der Sachen bei Dir
gleich meldest. Ich werde immer nach
kurzer Zeit die Kiste mit anderen Sachen
zurücksenden.
6, Muß ich bedingen, daß ich die Sachen
möglichst bald zurückerhalte.
Unter diesen Einrichtungen und Wünschen
sende ich eine Kiste mit 7 großen und
schweren Sachen an dich ab, welche ich in
der Anlage verzeichnet habe, und erwarte
baldigst Antwort.
So eben wie ich Deinen Brief durchlese, sehe
ich mit Schrecken, daß ich Dir (wenigstens)
Urnenscherben der Eisenperiode mit ein-
zupacken vergeßen habe. Doch darfst Du
vertrauen, daß Du sie in einer der näch-
sten Sendungen, [überhaupt?] daß Du sie daher
erhalten wirst.
Es hat mich sehr gefreut, daß du auf dei-
ner nordischen Reise in jeder Hinsicht be-
günstigt gewesen bist. Ich hätte nur mehr
davon gehört. Daß dich die Kopenhagener
Sammlung auf das höchste überraschen
würde, habe ich vorher gewußt. Es geschieht
dort, außer Berlin, nirgends so viel, und
für die vaterländischen Alterthümer mehr, als
irgendwo, selbst in Berlin, wo die vaterländischen
Sammlungen verhältnißmäßig unbedeutend sind
und nicht besonders gut verwaltet werden, daher
dann auch der Schwede Bruzelius im Stillen dar-
über sehr unwillig war. - Auf welchem Wege
seid Ihr zurückgereiset? Ich habe darüber schweren
Aerger gehabt. Ich berechnete genau die Rückkehr
des Dampfschiffes und die Dauer der Fahrt von
14 Stunden, berechnete dann sehr schlau, daß
wenn das Dampfschiff Nachmittags von Kopen-
hagen abgehe, die Passagiere nach 24 Stunden
hier durchkommen müßten. Ich schlage mich
also Abends 7 Uhr auf dem Bahnhofe ab, aber
da war weder Lindenschmit, noch Grotefend zu
finden, bis mich der Betriebsdirector darauf
aufmerksam machte, daß 24 Stunden - nicht
14 Stunden seien und Ihr also schon am Morgen
durchgefahren sein müßtet. Mein Aerger über
meine steif eingebildete Dummheit, daß 14 Stunden
durchaus 24 Stunden sein sollten, war grenzenlos
und zu Hause ward ich bedauert und ausgelacht!
So kann man sich verirren!
Von Grotefend habe ich heute einen Gruß durch den
[unaus...] Leinenwandfabrikanten Wester-
mann aus Bielefeld, der Dich wieder bestens
grüßen läßt.
Mit den herzlichsten Grüßen von mir, meiner
Frau und meinen Kindern bleibe ich
Dein aufrichtiger
Dr. G. Lisch
PS. Wo und wie habt Ihr in Kopenhagen gewohnt?"
Lieber Lindenschmit.
Dein lieber Brief hat mich sehr erfreut. Ich
hätte zwar schon längst antworten sollen; die
kleinen Vorbereitungen zur Erfüllung Deiner
Wünsche und vielfache Störungen und Zöge-
rungen haben aber meine eigenen Wünsche
etwas in den Hintergrund gedrängt. Jetzt
bin ich aber mit meinen Ansichten und Vor-
bereitungen fertig, und nun kann die
Sache in Bewegung kommen.
Ich habe nun folgende Ansicht und Vorbereitung
getroffen:
1, sende ich zur Zeit immer nur wenige
Alterthümer und zwar zum Theil aus der
Vereins-, zum Theil aus der großherzoglichen
Sammlung, damit für den Fall eines Unglücks
nicht zu viel verloren geht.
2, die Sendung mache ich immer in Doppel-
verpackung. Ich habe eine Kiste machen laßen,
deren Einschiebedeckel für beide Seiten zu
gebrauchen ist, die ich gleich beide signiert habe.
Jeder braucht also nur den Deckel einfach
um zukehren, und die äußere Ausstattung
ist für jedes Mal gleich fertig. In dieser
Kiste steht fest paßend eine zweite mit
einem Deckel, der ebenfalls für uns beide
bezeichnet ist. Die äußere Kiste ist durch
zwei Schrauben verschloßen, die unter Riegel
gesetzt werden. So ist bis auf das Einpacken
alles leicht und bequem gemacht.
3, Diese Sendung machen wir mit der Post,
da ich dergleichen Sachen mit der Eisenbahn
zu senden sehr bedenken trage, indem
Kisten von weit her oft Monate lang an
fernen Orten ähnlichen Namens liegen
bleiben, mitunter gar nicht ankommen.
Deshalb bitte ich den Briefe und der [...-]
tion jedes Mal den Namen Schwerin noch
die Worte in Meklenburg hinzuzufügen.
4, Bin ich wegen des Porto's verlegen, um
aufrichtig zu sein. Der Betrag wird am
Ende und im Ganzen nicht unbedeutend sein
und ich werde ohne besondere Autorisation
den Vertrag nicht machen dürfen, wenigstens
nicht vor einer Quartalsversammlung, da
unsere Mittel sehr beschränkt sind. Nun
weiß ich nicht, ob Eure Anstalt zu dergleichen
Kosten hinreichend Mittel hat. Ich bitte
Dich, daß du Dich offen hierüber aussprichst
und etwaige Vorschläge machst. Die "Ver-
packungskosten", von denen du schreibst,
tragen wir natürlich sehr genau. Für
dies Mal mache ich die Kiste frei, und
einen Maaßstab zu gewinnen. Dies
Mal ist die Kiste auch schwer, da einige
selten schwere Sachen darin sind.
5, Muß ich die Bedingung machen, daß Du
mir jedesmal nach Empfang der Kiste die
glückliche Ankunft der Sachen bei Dir
gleich meldest. Ich werde immer nach
kurzer Zeit die Kiste mit anderen Sachen
zurücksenden.
6, Muß ich bedingen, daß ich die Sachen
möglichst bald zurückerhalte.
Unter diesen Einrichtungen und Wünschen
sende ich eine Kiste mit 7 großen und
schweren Sachen an dich ab, welche ich in
der Anlage verzeichnet habe, und erwarte
baldigst Antwort.
So eben wie ich Deinen Brief durchlese, sehe
ich mit Schrecken, daß ich Dir (wenigstens)
Urnenscherben der Eisenperiode mit ein-
zupacken vergeßen habe. Doch darfst Du
vertrauen, daß Du sie in einer der näch-
sten Sendungen, [überhaupt?] daß Du sie daher
erhalten wirst.
Es hat mich sehr gefreut, daß du auf dei-
ner nordischen Reise in jeder Hinsicht be-
günstigt gewesen bist. Ich hätte nur mehr
davon gehört. Daß dich die Kopenhagener
Sammlung auf das höchste überraschen
würde, habe ich vorher gewußt. Es geschieht
dort, außer Berlin, nirgends so viel, und
für die vaterländischen Alterthümer mehr, als
irgendwo, selbst in Berlin, wo die vaterländischen
Sammlungen verhältnißmäßig unbedeutend sind
und nicht besonders gut verwaltet werden, daher
dann auch der Schwede Bruzelius im Stillen dar-
über sehr unwillig war. - Auf welchem Wege
seid Ihr zurückgereiset? Ich habe darüber schweren
Aerger gehabt. Ich berechnete genau die Rückkehr
des Dampfschiffes und die Dauer der Fahrt von
14 Stunden, berechnete dann sehr schlau, daß
wenn das Dampfschiff Nachmittags von Kopen-
hagen abgehe, die Passagiere nach 24 Stunden
hier durchkommen müßten. Ich schlage mich
also Abends 7 Uhr auf dem Bahnhofe ab, aber
da war weder Lindenschmit, noch Grotefend zu
finden, bis mich der Betriebsdirector darauf
aufmerksam machte, daß 24 Stunden - nicht
14 Stunden seien und Ihr also schon am Morgen
durchgefahren sein müßtet. Mein Aerger über
meine steif eingebildete Dummheit, daß 14 Stunden
durchaus 24 Stunden sein sollten, war grenzenlos
und zu Hause ward ich bedauert und ausgelacht!
So kann man sich verirren!
Von Grotefend habe ich heute einen Gruß durch den
[unaus...] Leinenwandfabrikanten Wester-
mann aus Bielefeld, der Dich wieder bestens
grüßen läßt.
Mit den herzlichsten Grüßen von mir, meiner
Frau und meinen Kindern bleibe ich
Dein aufrichtiger
Dr. G. Lisch
PS. Wo und wie habt Ihr in Kopenhagen gewohnt?"
2 Blatt
Papier
Brief
Deutsch
Weitere Ortsrollen: Schwerin: Erwähnt
Bruzelius, Nils Gustaf - Erwähnt
Westermann - Erwähnt
Det Kongelige Museum for de Nordiske Oldsager
(Kopenhagen) - Erwähnt
Schwerin - Absendeort
Kopenhagen (Dänemark) - Erwähnt
Berlin - Erwähnt
Angaben zum entzogenen Vermögen
Weitere Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgt“ meint eine Person oder Organisation, die im Nationalsozialismus verfolgt wurde. Sie konnte im Rahmen der Wiedergutmachung Entschädigung oder Rückerstattung beantragen. Wenn der Antrag nicht von dem oder der Verfolgten selbst, sondern von einer anderen Person (zum Beispiel dem Sohn oder der Tochter) oder einer Organisation gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ bezeichnet und ihre Beziehung zu dem oder der Verfolgten soweit bekannt vermerkt. In den Quellen wird für die Verfolgten auch der Begriff „Geschädigte“ und für die Antragstellenden der Begriff „Anspruchsberechtigte“ verwendet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person oder Organisation über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.
13.05.2026, 11:29 MESZ