Tiroler Jagd (Bestand)
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Hohenlohe-Zentralarchiv Neuenstein, La 107
Landesarchiv Baden-Württemberg, Hohenlohe-Zentralarchiv Neuenstein (Archivtektonik) >> Hohenlohe-Zentralarchiv Neuenstein >> Archiv Langenburg >> Bestände des 19. und 20. Jahrhunderts
1864-1884
Inhalt und Bewertung
Sitz der Revierverwaltung der hohenlohischen Jagd im Hinterautal (Tirol) war Scharnitz. Die Jagd hatte Fürst Hermann nach und nach durch Kauf und Pacht erweitert. Zwischen 1863 und 1908 jagte er hier. Die Revierverwaltung in Scharnitz mit dem Bezirksrevierförster an der Spitze hatte vor Ort die Verantwortung über das Jagdrevier. Sie stand in engem Kontakt mit der Domänenverwaltung in Langenburg und mit dem Fürsten in Straßburg. Zu ihren Aufgaben gehörte die Aufsicht über den Wildbestand, der geregelte Abschuß, der Verkauf von erlegtem Wild, der Einzug von Pachtzinsen und die Weiterverpachtung, Jagdpersonalangelegenheiten, Verwaltung und Instandhaltung von Gebäuden, Inventar und Jagdzubehör und die Anlegung und Pflege von Wegen und Steigen. Außerdem war das Jagdhaus in Ordnung zu halten und für die Aufenthalte des Fürsten und seiner Gäste herzurichten. 1908 wurde die Tiroler Jagd an den Fabrikanten Robert Bosch verkauft.
Der Bestand enthält nur die Akten der Provenienz 'Fürstliche Revierverwaltung Scharnitz'. Weitere Akten wurden in der Domänenkanzlei Langenburg geführt und sind dort verwahrt.
Gliederung: 1. Nutzungsrechte und Pacht; 2. Bauwesen; 3. Mobilieninventare; 4. Steuern und Versicherungen; 5. Rechnungswesen; 6. Wildschäden und Jagdvergehen.
1. Zur Geschichte der Jagdrevierverwaltung: Scharnitz in Tirol war Sitz der fürstlichen Revierverwaltung der hohenlohischen Jagd im Hinterautal. Hier, auf den Alpen und in den Wäldern dieser Region am Karwendelgebirge, jagte Fürst Hermann zu Hohenlohe-Langenburg zwischen 1863 bis 1908. Seine Jagd hatte er nach und nach durch Kauf und Pacht sowohl von Ländereien als auch von Nutzungsrechten erweitert. Auch besaß er das Fischereirecht über die Isar von ihrer Quelle ab bis zur Landesgrenze mit Bayern samt ihrer Seitenbäche. Die fürstliche Revierverwaltung in Scharnitz mit einem Bezirksrevierförster an der Spitze hatte vor Ort die Verantwortung über das Jagdrevier und stand in engem Kontakt mit der Domänenverwaltung in Langenburg und mit Straßburg, wo Fürst Hermann zu Hohenlohe-Langenburg als kaiserlicher Statthalter in Elsaß-Lothringen fungierte. Als Mittler stand die Revierverwaltung in Scharnitz zwischen den Interessen des Fürsten und denen der österreichischen Behörden als Oberhoheit über das fürstlich hohenlohische Jagdrevier. Die Aufgaben der Scharnitzer Jagdrevierverwaltung umfassten die Aufsicht über den Wildbestand, den geregelten Abschuss, den Verkauf von erlegtem Wild, den Einzug von Pachtzinsen aus Weiterverpachtungen, Jagdpersonalangelegenheiten, Verwaltung und Instandhaltung von Gebäuden, Inventar und Jagdzubehör und die Anlegung und Pflege von Wegen und Steigen. Ferner hatten die Bediensten das Jagdhaus in Ordnung zu halten und für die Aufenthalte des Fürsten und seiner Gäste herzurichten. Das Jagdhaus im Hinterautal hatte Fürst Hermann zu Hohenlohe-Langenburg 1864 fertigstellen lassen. Es war für mehrere Gäste ausgestattet worden. Die Inventarverzeichnisse listen Einrichtungsgegenstände und Bettzeug für einige Gäste getrennt auf. Diese Gäste genossen als Jagdteilhaber an der Tiroler Jagd das Gastrecht im fürstlichen Jagdhaus. Dazu zählten Fürst Emich zu Leiningen, Herzog Georg von Sachsen-Meiningen und Prinz Viktor zu Hohenlohe-Langenburg und Graf von Gleichen, die für die Teilhabe an der Jagd in Tirol Beiträge in die fürstliche Schatulle in Langenburg entrichteten. Den Auftakt zur Anlegung eines größeren Jagdreviers des Fürsten Hermann in Tirol bildete ein Privatvertrag mit Herzog Ernst III. zu Sachsen-Coburg, der im Hinterautal bereits Jagdreviere unterhielt. Scharnitz war Sitz der Herzoglich Coburg'schen Jagdverwaltung. In jenem Privatvertrag von 1862 hatte Fürst Hermann zu Hohenlohe-Langenburg eine Teilhabe an der Scharnitzer Gemeindejagd erhalten. 1863 trat der Herzog eine ehemals von ihm gekaufte Alpe ab. Im gleichen Jahr wurde der Bau des Jagdhauses begonnen. In den siebziger Jahren wurde das fürstliche Revier durch den Kauf weiterer Alpen und eines Waldgebiets vergrößert. Die Scharnitzer Gemeindejagd wurde Jahre später zum Zankapfel zwischen dem Fürsten und der Gemeinde Scharnitz. 1907 unterlag der Fürst in einem Prozess mit der Gemeinde. Der ehemals 1862 abgeschlossene Privatvertrag mit dem Herzog zu Sachsen-Coburg hatte nicht jene rechtliche Reichweite, die Fürst Hermann zu Hohenlohe-Langenburg zu besitzen glaubte. Ungefähr in dieser Zeit erwuchs wohl schon der Plan, die Tiroler Jagd mit ihrem Besitz und ihren Rechten zu veräußern. 1908 erhielt der Stuttgarter Fabrikant Robert Bosch den Kaufzuschlag.
2. Zur Geschichte des Bestandes und seiner Bearbeitung: Der vorliegende Bestand enthält nur Akten der Provenienz "Fürstliche Revierverwaltung Scharnitz". Ihre Laufzeit reicht von 1864 bis 1884. Zu einem großen Teil handelt es sich um Rechnungsunterlagen. Weitere (in der Domänenkanzlei geführte) Rechnungen befinden sich im Bestand La 160 Rechnungen (Bände 3470 ff.). Akten über die Tiroler Jagd wurden auch in der Domänenkanzlei Langenburg geführt. Sie sind im Bestand Domänenkanzlei (La 95-100) zu finden. Der vorliegende Bestand umfasst 27 Titelaufnahmen in 0,25 lfd. m. und wurde von der Unterzeichneten bearbeitet und verzeichnet. Neuenstein, im Januar 2002 Birgit Schäfer
27 Bü (0,3 lfd.m)
Bestand
Angaben zum entzogenen Vermögen
Weitere Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgt“ meint eine Person oder Organisation, die im Nationalsozialismus verfolgt wurde. Sie konnte im Rahmen der Wiedergutmachung Entschädigung oder Rückerstattung beantragen. Wenn der Antrag nicht von dem oder der Verfolgten selbst, sondern von einer anderen Person (zum Beispiel dem Sohn oder der Tochter) oder einer Organisation gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ bezeichnet und ihre Beziehung zu dem oder der Verfolgten soweit bekannt vermerkt. In den Quellen wird für die Verfolgten auch der Begriff „Geschädigte“ und für die Antragstellenden der Begriff „Anspruchsberechtigte“ verwendet.
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Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.
Es gelten die Nutzungsbedingungen des Landesarchivs Baden-Württemberg.
13.11.2025, 14:39 MEZ