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Deutscher Orden, Meistertum Mergentheim, Kontributionsamt (Bestand)
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Deutscher Orden, Meistertum Mergentheim, Kontributionsamt 205.23
Staatsarchiv Nürnberg (Archivtektonik) >> Beständetektonik des Staatsarchivs Nürnberg >> I. Altbestände (Territorien und Institutionen des Alten Reichs) >> Deutscher Orden >> Meistertum Mergentheim
1672-1806
Deutscher Orden, Meistertum Mergentheim, Kontributionsamt: Das Meistertum Mergentheim
Die Zerstörung der Burg Horneck am Neckar im Bauernkrieg 1525 machte die Einrichtung einer neuen Residenz für den am 16. September 1494 in den Reichsfürstenstand erhobenen Deutschmeister nötig. Aus strategischen Gründen fiel dabei die Wahl auf die wirtschaftlich starke und mit Blick auf die verbliebenen Ordensbesitzungen verkehrsmäßig zentral gelegene Kommende Mergentheim (heute Main-Tauber-Kreis, Baden-Württemberg), die ihre Wurzeln in einer großen Stiftung der Herrn v. Hohenlohe 1219 hatte. Die Entwicklung des Ordensstaates Preußen zum weltlichen Herzogtum unter dem ehemaligen Hochmeister Albrecht von Brandenburg brachte zudem die Notwendigkeit, das Spitzenamt des Ordens neu zu besetzen sowie für den Inhaber ebenfalls eine neue Residenz und entsprechende Pfründegüter zu finden. Kaiser Karl V. ernannte am 6. Dezember 1527 den Deutschmeister Walther v. Cronberg zum (später so genannten) "Administrator des Hochmeistertums in deutschen und welschen Landen", ein Amt, das seit dem Ende des 16. Jhs. praktisch als Habsburgische Sekundogenitur gelten kann. Die ehemals deutschmeisterschen Kammergüter dienten fortan direkt dem Unterhalt der nunmehr in Personalunion vereinten beiden Spitzenämter. Die Eingliederung der Ballei Franken in Form der kirchenrechtlichen Inkorporation 1789 brachte Mergentheim einen bedeutenden Zuwachs - und einen mit dem Namen des Archivars Wenzel Polzer verbundenen Zustrom von für Verwaltungszwecke benötigtem Schriftgut aus den Archiven und Registraturen der nunmehr als Obervogteiämter direkt Mergentheim - und eben nicht mehr der Landkommende Ellingen - nachgeordneten Kommenden. Freilich hatte es, wie die Einzugsaktionen des Archivars Franz Paul Anton Handel 1722/36 zeigen - schon früher Tendenzen gegeben, einzelne, zur Verteidigung der eigenen Rechte wichtige Stücke (v.a. Urkunden) zur Regierung oder in das Archiv zu Mergentheim zu ziehen. 1736 verzichtete der Hoch- und Deutschmeister allerdings auf die Einsendung von Originalen und hielt Kopien für ausreichend.
Nachdem verschiedene Austauschprojekte zur Gewinnung eines geschlossenen Ordensterritoriums um Mergentheim gescheitert waren, engte sich im Laufe des Jahres 1805 der Herrschaftsbereich des Ordens immer mehr auf das "Teutschmeistertum Mergentheim" ein. Bayern besetzte im November neben der Kommende Ulm auch die Ämter Würzburg, Münnerstadt und Postbauer sowie die in seinem Bereich liegenden Güter Ämter Nürnberg, Ellingen, Gelchsheim und Aub sowie Nördlingen-Reimlingen; Blumenthal, Gangkofen und Regensburg folgten. Auch eine Reihe von Kommenden und Ämtern der Ballei Elsaß und Burgund sowie Koblenz und Alten-Biesen kamen unter bayerische Hoheit.
Am 24. April 1809 hob Napoleon den Deutschen Orden in den Staaten des Rheinbundes auf - in den habsburgischen Erblanden blieb er weiterhin bestehen - und machte somit den Weg für die Besitzergreifung Mergentheims durch das Königreich Württemberg frei. Diese erfolgte am 7./13. Juni 1809, was zu einem regelrechten Volksaufstand für die alte Herrschaft führte, der aber von württembergischen Militär blutig niedergeschlagen wurde.
Die Überlieferung
Der bayerisch-württembergischen Grenzbereinigung von 1810/14 folgte in mehreren Schüben der Austausch der entsprechenden Archivalien nach dem Ortsbetreffprinzip, der bis in das erste Jahrzehnt des 20. Jhs. andauerte. Die damals an Bayern gekommenen Unterlagen, die in Mergentheim und in den zugehörigen Kammerämtern gebildet bzw. deren Verwaltungsvorgänge von dortigen Behörden abgeschlossen worden waren, wurden um das Jahr 2000 von Jens Martin M.A. und Jürgen Wyschkon auf ihre Provenienz hin analysiert und sind nunmehr unter dem Fonds "Meistertum Mergentheim" zusammengefasst. Im Einzelnen handelt es sich dabei um die nach den jeweiligen Registraturbildnern aufgestellten provenienzreine Bestände Regierung, Hofkammer, Geistlicher Rat, General-Visitations-Kommission, Kontributionsamt sowie Archiv. Gemäß ihrer Provenienz gehören sie in das Staatsarchiv Ludwigsburg, ein diesbezüglicher Archivalienaustausch mit Baden-Württemberg ist bisher jedoch nicht erfolgt.
Auch die Überlieferung des zum Meistertum Mergentheim gehörigen Amts Gelchsheim sowie einschlägige, nach dem Ortsbetreffsprinzip an Bayern abgegebene Archivalien der Provenienzen Landkommende Altshausen, der Kommenden Heilbronn, Kapfenburg (nebst zugehörigen Amt Lauchingen) sowie der Kommende Ulm (mit zugehörigen Amt Zöschingen) werden bis auf weiteres im Staatsarchiv Nürnberg verwahrt. Anzumerken ist noch, dass Archivalien der Kommende Regensburg und der Kommende Speyer an das Bayerische Hauptstaatsarchiv abgegeben worden sind.
Die 136 Archivalieneinheiten wurden von Jürgen Wyschkon verzeichnet und formiert. Auf eine strukturierende Gliederung des Bestands nach Sachgruppen mittels eines Thesaurus wurde jedoch aufgrund des provisorischen Charakters der Verwahrung ebenso verzichtet wie auf eine tiefere Erschließung, eine fortlaufende (Neu-)Nummerierung und eine Schadensbestimmung.
Literatur (in Auswahl)
Bott, Gerhard; Arnold, Udo (Hg.): 800 Jahre Deutscher Orden. Internationale Historische Kommission zur Erforschung des Deutschen Ordens. Gütersloh 1990
Demel, Bernhard: Der Deutsche Orden zwischen Bauernkrieg (1525) und Napoleon (1809). Ein Beitrag zur neuzeitlichen Ordensgeschichte, in: Arnold, Udo (Hg.): Von Akkon bis Wien. Studien zur Deutschordensgeschichte vom 13. bis zum 20. Jahrhundert. Festschrift Marian Tumler (Quellen und Studien zur Geschichte des Deutschen Ordens 20), Marburg 1978, S. 177-207
Demel, Bernhard: Mergentheim - Residenz des Deutschen Ordens (1525-1809), in: Zeitschrift für Württembergische Landesgeschichte 34/35 (1975/1976), S. 42-212
Diefenbacher, Michael: Der Deutsche Orden in Bayern (Hefte zur bayerischen Geschichte und Kultur 10), München 1990
Hofmann, Hanns-Hubert: Der Staat des Deutschmeisters. Studien zu einer Geschichte des Deutschen Ordens im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation (Studien zur bayerischen verfassungs- und Sozialgeschichte, Bd. 3). München 1964
Jaroschka, Walter: Probleme der Schriftgutüberlieferung des Deutschen Ordens in Bayern, in: Mitteilungen für die Archivpflege in Bayern 22 (1976) S. 3-14
Kirn, Daniel: Der Mergentheimer Aufstand des Jahres 1809 und das Ende des Meistertums Mergentheim, in: Württembergisch-Franken 90/91 (2006), S. 91-129
Klebes, Bernhard: Der Deutsche Orden in der Region Mergentheim im Mittelalter. Kommende, Stadt- und Territorialherrschaft (1219/20-ca. 1525) (Quellen und Studien zur Geschichte des Deutschen Ordens 58), Marburg 2002
Lampe, Karl H.: Die Auflösung des Deutschordenshauptarchives zu Mergentheim, in: Archivalische Zeitschrift 57 (1961), S. 66-130
Seiler, Alois: Horneck - Mergentheim - Ludwigsburg: Zur Überlieferungsgeschichte der Archive des Deutschen Ordens in Südwestdeutschland, in: Udo Arnold u.a. (Hg.): Horneck, Königsberg und Mergentheim. Zu Quellen und Ereignissen in Preußen und im Reich vom 13. bis 19. Jahrhundert (Schriftenreihe Nordost-Archiv 19). Lüneburg 1980, S. 53-102
Weiß, Dieter J.: Die Geschichte der Deutschordens-Ballei Franken im Mittelalter (Veröffentlichungen der Gesellschaft für fränkische Geschichte Reihe IX, Bd. 39). Neustadt a.d. Aisch, v.a. S. 2-12
Weiß, Dieter J.: Deutscher Orden: Territorium und Verwaltung, in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: (21.11.2011)
Deutscher Orden, Meistertum Mergentheim, Kontributionsamt
136
Bestand
Akten
deutsch
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Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgte Person“ meint eine Person, die einen Entschädigungsanspruch für einen Schaden durch NS-Verfolgung geltend machte. Wenn der Antrag nicht von der verfolgten Person selbst, sondern von einer anderen Person gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ angegeben und ihre Beziehung zur verfolgten Person, soweit vorhanden, vermerkt. In den Quellen wird die verfolgte Person mitunter als „Geschädigter“, die antragstellende Person als „Anspruchsberechtigter“ bezeichnet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
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