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G 357 - Evangelisches Pfarramt Schopfloch (Bestand)
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Landeskirchliches Archiv Stuttgart (Archivtektonik) >> G - Pfarrarchive >> Orte mit Sch
1644-2012
Einleitung: ===== Ortsgeschichte =====
Schopfloch liegt auf der vorderen Albhochfläche (über 760 m) direkt nördlich über dem abrupten Talende des Lenninger Tales, in einer sehr vielfältig gestalteten Landschaft, die, wie die Pfarrbeschreibung von 1905 zutreffend sagt, "reich an Naturschönheiten" ist. Zusammen mit den benachbarten Orten Gutenberg und Schlattstall bildet es den südlichsten Zipfel des Landkreises Esslingen. An der östlichen Markungsecke von Schopfloch stoßen vier Landkreise aufeinander: Göppingen, Ulm, Reutlingen und Esslingen.
Der Ort ist schriftlich erstmals für das Jahr 1152 als "Scopheloch" belegt. Er gehörte im Hochmittelalter vermutlich zum Herrschaftsbereich der Herzöge von Teck bzw. deren Vorgänger. Zusammen mit dem teckischen Städtlein Gutenberg kam Schopfloch im Jahr 1385 durch Kaufvertrag von den Herzögen von Teck an die Grafen von Württemberg. Grundrechte hatte in Schopfloch zur Zeit der Erstnennung des Prämonstratenserkloster Rot an der Rot, das in Schopfloch einen Pfleghof zur Verwaltung seines Besitzes unterhielt. Das Kloster veräußerte seinen Besitz und seine Rechte im Jahr 1411 an Konrad von Freyberg genannt Stubenrauch, der als Inhaber der Burg Wielandstein die Vogteirechte über den Klosterbesitz hatte. Die Herren von Freyberg waren bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts auch Pfandinhaber der Ortsherrschaft und des Grundbesitzes in Schopfloch.
Gutenberg, Schopfloch und Krebsstein bildeten von da an den "Gutenberger Stab" als unterste Verwaltungskörperschaft im württembergischen Territorium. Im 17. Jahrhundert wurde der Gutenberger Stab mit dem Oberlenninger Stab vereinigt. Nächsthöhere Verwaltungskörperschaft, zu der Schopfloch gehörte, war das Amt Kirchheim unter Teck, später Oberamt Kirchheim, das bis zum Jahr 1938 bestand und dann dem Kreis Nürtingen einverleibt wurde. Seit der letzten Gemeinde- und Kreisreform 1975 bildet Schopfloch zusammen mit Ober- und Unterlenningen, Gutenberg, Krebsstein und Schlattstall die Gemeinde Lenningen.
===== Ortskirchengeschichte =====
Eine Kirche bestand in Schopfloch bereits in dem Jahr seiner Erstnennung (1152). Sie gehörte wie Grund und Einwohner dem Kloster Rot. Nach einer nachreformatorischen Angabe (1580) soll sie dem heiligen Johannes geweiht gewesen sein. Das Patronat über die Schopflocher Kirche wechselte 1411 vom Kloster Rot über Konrad von Freyberg an Württemberg.
Seit der Reformation gehörte auch Gutenberg zur Pfarrei Schopfloch, allerdings nur bis 1560, als es selbständige Pfarrei wurde. Bedingt durch die Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges musste Schopfloch von 1636 bis 1666 von Oberlenningen bzw. Gutenberg aus kirchlich versorgt werden.
Die heutige Kirche in Schopfloch, die noch von einem ummauerten Kirchhof umgeben ist, wurde wesentlich 1782 errichtet und 1883 renoviert. In ihrem Inneren fällt besonders die schöne Barockorgel ins Auge (von Goll in Bissingen). In der Kirche wird man auch an die frühere Pfarrverwaltung erinnert: dort ist noch eine alte beschlagene, tragbare Holztruhe erhalten, in der einst die wichtigen Urkunden und Bücher aufbewahrt waren.
Zur Schopflocher Pfarrei gehört keine Filialgemeinde, der kleine, seit dem 18. Jahrhundert bestehende Weiler Torfhaus in dem Hochmoor nördlich von Schopfloch ist Bestandteil der Gemeinde. Aber möglicherweise waren im 18. Jahrhundert zeitweilig Krebsstein und Ochsenwang Filialen von Schopfloch; das scheinen einige Zehntakten nahezulegen. Aufklärung darüber könnte aber erst deren genaue Untersuchung erbringen.
===== Unterbringung und Einrichtung des Archivs =====
Wegen der Renovierung des Pfarrhauses 1988-1991 musste damals das Archivgut ausgelagert werden. Ein Teil wurde in das Schopflocher Forsthaus gebracht; die älteren Akten wurden von dem damals mit der Angelegenheit befassten Sprengelarchivar Helmut Gabriel im Prälaturarchiv Ulm (Dreifaltigkeitskirche) deponiert. Aufgrund der Mitteilung von Herrn Pfarrer Braun in Schopfloch und seiner Bitte um Neuordnung und sachgemäße Aufstellung des Archivguts erfolgte ein erster Besichtigungsbesuch des Unterzeichneten am 17. Juli 1992.
Das Archiv des Evangelischen Pfarramts Schopfloch wurde in der Zeit von März bis September 1993 an etwa 25 Arbeitstagen geordnet, verzeichnet, signiert und neu aufgestellt.
Das Archivzimmer befindet sich im zweiten Stock des Pfarrhauses auf der Nordseite; es ist gut isoliert, heizbar, abschließbar und mit einem Fenster auf der Nordseite versehen. In dem Zimmer befindet sich noch der hölzerne, gefächerte ehemalige Registraturschrank, der noch in einigermaßen ordentlichem und brauchbarem Zustand ist. Neu eingerichtet wurden mehrere Regalanlagen aus Leichtmetall. Da auch noch ein älterer großer Tisch bereitsteht, ist der Raum auch gut als Arbeits- oder Forschungsraum (für höchstens zwei Personen) geeignet.
===== Umfang und Gliederung des Archivguts =====
Das gesamte vorhandene Archivgut wurde der äußeren Form nach in drei Hauptbestandsgruppen eingeteilt: Bände, Akten und Rechnungen.
Dieses Gesamtarchivgut des Pfarramts Schopfloch wurde in 343 Titeln bzw. Bestandsnummern erfasst und verzeichnet:
Bände 2,3 m B 1 - B 88
Akten 2,15 m A 1 - A 219
Rechnungen 1,95 m R 1 - R 36
Gesamtbestand 6,4 m 343 Bestandsnummern
Der Gesamtumfang des Archivguts von Schopfloch ist nicht sehr groß. Dabei macht das vor 1901 erwachsene und noch vorhandene Aktenmaterial einen relativ großen Anteil am Gesamtbestand aus. Deshalb wurde aus der Bestandsgruppe A eine ältere Abteilung (Akten im allgemeinen vor 1901) und eine jüngere Abteilung (Akten im allgemeinen nach 1901) gebildet. Da aber die Akten der älteren Abteilung keine eigene Registraturordnung erkennen ließen, wurden sie nach dem gleichen Schema wie die jüngere Abteilung geordnet.
Jede Archivalieneinheit (Titel bzw. Bestandsnummer) wurde gestempelt und mit ihrer Signatur auch äußerlich gut erkennbar versehen (Bände mit Rückensignaturen, Akten und Rechnungen in Schatullen mit den Signaturaufschriften). Die Archivalien der Bestandsgruppen Akten und Rechnungen wurden gebündelt in Archivschatullen aus säurefreiem Karton eingestellt. Sie sind somit gegen schädliche Einwirkungen von Licht und gegen Stoß- und Reibungsschäden geschützt. Die Archivalien der Bestandsgruppe Bände und nachfolgend die Schatullen mit den Archivalien der Bestandsgruppen Akten und Rechnungen stehen in numerisch geordneter Reihenfolge auf den Metallregalen der rechten Wandseite. In dem nur teilweise gefüllten (und wegen der Fächerung nur begrenzt nutzbaren) Registraturschrank stehen die wertvolleren gedruckten Bände der alten Pfarrbibliothek (unten). In der Mitte des Registraturschranks wurden eingelegt:
a) die Sachbücher der Kirchenpflege 1967-1991 (vollständig)
b) die Zeitbücher der Kirchenpflege 1967-1991 (vollständig)
c) die Haushaltspläne der Kirchenpflege 1967-1992 (vollständig)
d) die Rechnungsbeilagen der Kirchenpflege 1980-1991
e) die Sonderrechnung "Pfarrhausrenovierung 1988-1991" in 4 Bünden
f) Akten des Krankenpflegevereins Schopfloch Gutenberg 1980-1988 in 1 Bund.
Dieses Schriftgut gehört noch nicht zum Archivgut, ist jedoch auf Dauer aufzubewahren mit Ausnahme der Rechnungsbeilagen. Die Rechnungsbeilagen jedes Jahrgangs können nach spätestens 12 Jahren ausgeschieden und kassiert werden.
Auf den Regalböden der übrigen Wände befinden sich die Bände der alten Pfarrbibliothek (einschließlich der lückenlosen Sammlung des Amtsblatts des Konsistoriums bzw. der Landeskirche) und die Zeitschriften (linke Seite und Türseite). Da das Archivzimmer genügend Platz bietet, wurden die meisten gedruckten Bände hier belassen. Im Amtszimmer stehen die 7 noch laufenden Kirchenregisterbände (B 6, B 9, B 13, B 21, B 22, B 41, B 42).
Ausgesondert und kassiert wurden aus dem eigentlichen Archivgut die allgemeinen Erlasse und Rundschreiben ab 1951 und die Beilagen zu den Kirchenpflegrechnungen 1967 1979.
===== Besonderheiten des Pfarrarchivs Schopfloch =====
Das Pfarrarchiv Schopfloch ist vom Umfang her nur als mäßig, vom Quellenwert her als durchschnittliches Pfarrarchiv zu bewerten.
Einige deutliche Substanzverluste konnten festgestellt werden. So sind die Kirchenpflegrechnungen zwar von 1892 an, als die Ausscheidung des Vermögens zwischen der bürgerlichen und der kirchlichen Gemeinde vollzogen war, vollständig erhalten, von den älteren Heiligen- und Stiftungspflegrechnungen fand sich jedoch keine einzige Jahrgangsrechnung mehr vor. Offensichtlich wurden sie ausgeschieden bzw. vernichtet. Dies ist insofern bedauerlich, als aus der Zeit vor 1800 nicht mehr sehr viele Akten erhalten sind.
Das Tauf-, Ehe- und Totenbuch vor 1666 und das Konfirmandenregister vor 1872 werden bereits in den Inventaren der Pfarramtsregistratur von 1905 und von 1878 als fehlend vermerkt. Um 1948 vermisste Pfarrer Gradmann bei seiner Inventaraufstellung der Kirchenbücher das Kirchenkonventsprotokoll von 1873 ff.
Die älteren Konventsprotokolle sind erfreulicherweise bereits ab 1690 erhalten (s. B 27); ebenso sind ab 1750 zahlreiche Pfarrberichte vorhanden (A 82). Sie bieten zusammen mit den differenzierten Bevölkerungsstatistiken 1808 870 (A 87) ein hervorragendes ortsgeschichtliches Quellenmaterial. Ein relativ guter und vielseitiger Quellenstand ist auch bei den Schulakten des 19. Jahrhunderts auszumachen, wobei neben Personalakten, Beurteilungen, Zeugnissen, Prüfungsprotokollen, Lehr- und Stoffplänen auch die Schüler-Probeschriften (in A 129 über 100 Exemplare enthalten) als pädagogische Zeitdokumente Erwähnung verdienen. Die einschneidende Epoche des Ersten Weltkrieges ist durch umfangreiche Belege von Hilfssammlungen, Soldatenbetreuung und Feldpostbriefen (A 185-187) dokumentiert.
Relativ zahlreich sind verschiedene Zehntakten erhalten, welche ein Bild von den wirtschaftlichen, rechtlichen und sozialen Verhältnissen in Schopfloch im 18. und 19. Jahrhundert vermitteln. Ortsgeschichtlich besonders wertvoll sind mehrere Weidgangs- und Grenzbeschreibungen; die Weidgangsbeschreibung von 1718 ist wegen ihrer Überlieferung von vier Urkundentexten aus den Jahren 1478, 1482, 1559 und 1668 besonders hervorzuheben.
Als Kuriosum kann ein Amulett mit einem längeren Beschwörungstext angeführt werden, das sich zusammen mit zahlreichen in- und ausländischen Münzen der 1920/1930er Jahre in einem verschlossenen Fach des Registraturkastens befand. Das Amulett stammt offensichtlich aus dem 20. Jahrhundert und belegt eine untergründige Tradition, die z.B. auch in einem Kirchenkonventsprotokoll über Hexereibeschuldigung vom 04.01.1787 durchscheint. Das Amulett wurde nicht als Archivale verzeichnet, sondern mit den übrigen Beigaben als museales Objekt im Pfarrarchiv hinterlegt.
Mit der Einrichtung des Pfarrarchivs Schopfloch ist das überlieferte Archivgut gut untergebracht, für geschichtliche Forschungen zugänglich und mittels des vorliegenden Inventars erschlossen; zugleich ist auch hinsichtlich der räumlichen Unterbringung für lange Zeit vorgesorgt.
Ulm, im Oktober 1993
Dr. Karl Kempf, Sprengelarchivar
===== Hinweise =====
Der Bestand kam 2020 ins Landeskirchliche Archiv und erhält noch unverzeichnete Teile.
Einleitung: Schopfloch liegt auf der vorderen Albhochfläche (über 760 m) direkt nördlich über dem abrupten Talende des Lenninger Tales, in einer sehr vielfältig gestalteten Landschaft, die, wie die Pfarrbeschreibung von 1905 zutreffend sagt, "reich an Naturschönheiten" ist. Zusammen mit den benachbarten Orten Gutenberg und Schlattstall bildet es den südlichsten Zipfel des Landkreises Esslingen. An der östlichen Markungsecke von Schopfloch stoßen vier Landkreise aufeinander: Göppingen, Ulm, Reutlingen und Esslingen.
Der Ort ist schriftlich erstmals für das Jahr 1152 als "Scopheloch" belegt. Er gehörte im Hochmittelalter vermutlich zum Herrschaftsbereich der Herzöge von Teck bzw. deren Vorgänger. Zusammen mit dem teckischen Städtlein Gutenberg kam Schopfloch im Jahr 1385 durch Kaufvertrag von den Herzögen von Teck an die Grafen von Württemberg. Grundrechte hatte in Schopfloch zur Zeit der Erstnennung des Prämonstratenserkloster Rot an der Rot, das in Schopfloch einen Pfleghof zur Verwaltung seines Besitzes unterhielt. Das Kloster veräußerte seinen Besitz und seine Rechte im Jahr 1411 an Konrad von Freyberg genannt Stubenrauch, der als Inhaber der Burg Wielandstein die Vogteirechte über den Klosterbesitz hatte. Die Herren von Freyberg waren bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts auch Pfandinhaber der Ortsherrschaft und des Grundbesitzes in Schopfloch.
Gutenberg, Schopfloch und Krebsstein bildeten von da an den "Gutenberger Stab" als unterste Verwaltungskörperschaft im württembergischen Territorium. Im 17. Jahrhundert wurde der Gutenberger Stab mit dem Oberlenninger Stab vereinigt. Nächsthöhere Verwaltungskörperschaft, zu der Schopfloch gehörte, war das Amt Kirchheim unter Teck, später Oberamt Kirchheim, das bis zum Jahr 1938 bestand und dann dem Kreis Nürtingen einverleibt wurde. Seit der letzten Gemeinde- und Kreisreform 1975 bildet Schopfloch zusammen mit Ober- und Unterlenningen, Gutenberg, Krebsstein und Schlattstall die Gemeinde Lenningen.
Eine Kirche bestand in Schopfloch bereits in dem Jahr seiner Erstnennung (1152). Sie gehörte wie Grund und Einwohner dem Kloster Rot. Nach einer nachreformatorischen Angabe (1580) soll sie dem heiligen Johannes geweiht gewesen sein. Das Patronat über die Schopflocher Kirche wechselte 1411 vom Kloster Rot über Konrad von Freyberg an Württemberg.
Seit der Reformation gehörte auch Gutenberg zur Pfarrei Schopfloch, allerdings nur bis 1560, als es selbständige Pfarrei wurde. Bedingt durch die Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges musste Schopfloch von 1636 bis 1666 von Oberlenningen bzw. Gutenberg aus kirchlich versorgt werden.
Die heutige Kirche in Schopfloch, die noch von einem ummauerten Kirchhof umgeben ist, wurde wesentlich 1782 errichtet und 1883 renoviert. In ihrem Inneren fällt besonders die schöne Barockorgel ins Auge (von Goll in Bissingen). In der Kirche wird man auch an die frühere Pfarrverwaltung erinnert: dort ist noch eine alte beschlagene, tragbare Holztruhe erhalten, in der einst die wichtigen Urkunden und Bücher aufbewahrt waren.
Zur Schopflocher Pfarrei gehört keine Filialgemeinde, der kleine, seit dem 18. Jahrhundert bestehende Weiler Torfhaus in dem Hochmoor nördlich von Schopfloch ist Bestandteil der Gemeinde. Aber möglicherweise waren im 18. Jahrhundert zeitweilig Krebsstein und Ochsenwang Filialen von Schopfloch; das scheinen einige Zehntakten nahezulegen. Aufklärung darüber könnte aber erst deren genaue Untersuchung erbringen.
Wegen der Renovierung des Pfarrhauses 1988-1991 musste damals das Archivgut ausgelagert werden. Ein Teil wurde in das Schopflocher Forsthaus gebracht; die älteren Akten wurden von dem damals mit der Angelegenheit befassten Sprengelarchivar Helmut Gabriel im Prälaturarchiv Ulm (Dreifaltigkeitskirche) deponiert. Aufgrund der Mitteilung von Herrn Pfarrer Braun in Schopfloch und seiner Bitte um Neuordnung und sachgemäße Aufstellung des Archivguts erfolgte ein erster Besichtigungsbesuch des Unterzeichneten am 17. Juli 1992.
Das Archiv des Evangelischen Pfarramts Schopfloch wurde in der Zeit von März bis September 1993 an etwa 25 Arbeitstagen geordnet, verzeichnet, signiert und neu aufgestellt.
Das Archivzimmer befindet sich im zweiten Stock des Pfarrhauses auf der Nordseite; es ist gut isoliert, heizbar, abschließbar und mit einem Fenster auf der Nordseite versehen. In dem Zimmer befindet sich noch der hölzerne, gefächerte ehemalige Registraturschrank, der noch in einigermaßen ordentlichem und brauchbarem Zustand ist. Neu eingerichtet wurden mehrere Regalanlagen aus Leichtmetall. Da auch noch ein älterer großer Tisch bereitsteht, ist der Raum auch gut als Arbeits- oder Forschungsraum (für höchstens zwei Personen) geeignet.
Das gesamte vorhandene Archivgut wurde der äußeren Form nach in drei Hauptbestandsgruppen eingeteilt: Bände, Akten und Rechnungen.
Dieses Gesamtarchivgut des Pfarramts Schopfloch wurde in 343 Titeln bzw. Bestandsnummern erfasst und verzeichnet:
Bände 2,3 m B 1 - B 88
Akten 2,15 m A 1 - A 219
Rechnungen 1,95 m R 1 - R 36
Gesamtbestand 6,4 m 343 Bestandsnummern
Der Gesamtumfang des Archivguts von Schopfloch ist nicht sehr groß. Dabei macht das vor 1901 erwachsene und noch vorhandene Aktenmaterial einen relativ großen Anteil am Gesamtbestand aus. Deshalb wurde aus der Bestandsgruppe A eine ältere Abteilung (Akten im allgemeinen vor 1901) und eine jüngere Abteilung (Akten im allgemeinen nach 1901) gebildet. Da aber die Akten der älteren Abteilung keine eigene Registraturordnung erkennen ließen, wurden sie nach dem gleichen Schema wie die jüngere Abteilung geordnet.
Jede Archivalieneinheit (Titel bzw. Bestandsnummer) wurde gestempelt und mit ihrer Signatur auch äußerlich gut erkennbar versehen (Bände mit Rückensignaturen, Akten und Rechnungen in Schatullen mit den Signaturaufschriften). Die Archivalien der Bestandsgruppen Akten und Rechnungen wurden gebündelt in Archivschatullen aus säurefreiem Karton eingestellt. Sie sind somit gegen schädliche Einwirkungen von Licht und gegen Stoß- und Reibungsschäden geschützt. Die Archivalien der Bestandsgruppe Bände und nachfolgend die Schatullen mit den Archivalien der Bestandsgruppen Akten und Rechnungen stehen in numerisch geordneter Reihenfolge auf den Metallregalen der rechten Wandseite. In dem nur teilweise gefüllten (und wegen der Fächerung nur begrenzt nutzbaren) Registraturschrank stehen die wertvolleren gedruckten Bände der alten Pfarrbibliothek (unten). In der Mitte des Registraturschranks wurden eingelegt:
a) die Sachbücher der Kirchenpflege 1967-1991 (vollständig)
b) die Zeitbücher der Kirchenpflege 1967-1991 (vollständig)
c) die Haushaltspläne der Kirchenpflege 1967-1992 (vollständig)
d) die Rechnungsbeilagen der Kirchenpflege 1980-1991
e) die Sonderrechnung "Pfarrhausrenovierung 1988-1991" in 4 Bünden
f) Akten des Krankenpflegevereins Schopfloch Gutenberg 1980-1988 in 1 Bund.
Dieses Schriftgut gehört noch nicht zum Archivgut, ist jedoch auf Dauer aufzubewahren mit Ausnahme der Rechnungsbeilagen. Die Rechnungsbeilagen jedes Jahrgangs können nach spätestens 12 Jahren ausgeschieden und kassiert werden.
Auf den Regalböden der übrigen Wände befinden sich die Bände der alten Pfarrbibliothek (einschließlich der lückenlosen Sammlung des Amtsblatts des Konsistoriums bzw. der Landeskirche) und die Zeitschriften (linke Seite und Türseite). Da das Archivzimmer genügend Platz bietet, wurden die meisten gedruckten Bände hier belassen. Im Amtszimmer stehen die 7 noch laufenden Kirchenregisterbände (B 6, B 9, B 13, B 21, B 22, B 41, B 42).
Ausgesondert und kassiert wurden aus dem eigentlichen Archivgut die allgemeinen Erlasse und Rundschreiben ab 1951 und die Beilagen zu den Kirchenpflegrechnungen 1967 1979.
Das Pfarrarchiv Schopfloch ist vom Umfang her nur als mäßig, vom Quellenwert her als durchschnittliches Pfarrarchiv zu bewerten.
Einige deutliche Substanzverluste konnten festgestellt werden. So sind die Kirchenpflegrechnungen zwar von 1892 an, als die Ausscheidung des Vermögens zwischen der bürgerlichen und der kirchlichen Gemeinde vollzogen war, vollständig erhalten, von den älteren Heiligen- und Stiftungspflegrechnungen fand sich jedoch keine einzige Jahrgangsrechnung mehr vor. Offensichtlich wurden sie ausgeschieden bzw. vernichtet. Dies ist insofern bedauerlich, als aus der Zeit vor 1800 nicht mehr sehr viele Akten erhalten sind.
Das Tauf-, Ehe- und Totenbuch vor 1666 und das Konfirmandenregister vor 1872 werden bereits in den Inventaren der Pfarramtsregistratur von 1905 und von 1878 als fehlend vermerkt. Um 1948 vermisste Pfarrer Gradmann bei seiner Inventaraufstellung der Kirchenbücher das Kirchenkonventsprotokoll von 1873 ff.
Die älteren Konventsprotokolle sind erfreulicherweise bereits ab 1690 erhalten (s. B 27); ebenso sind ab 1750 zahlreiche Pfarrberichte vorhanden (A 82). Sie bieten zusammen mit den differenzierten Bevölkerungsstatistiken 1808 870 (A 87) ein hervorragendes ortsgeschichtliches Quellenmaterial. Ein relativ guter und vielseitiger Quellenstand ist auch bei den Schulakten des 19. Jahrhunderts auszumachen, wobei neben Personalakten, Beurteilungen, Zeugnissen, Prüfungsprotokollen, Lehr- und Stoffplänen auch die Schüler-Probeschriften (in A 129 über 100 Exemplare enthalten) als pädagogische Zeitdokumente Erwähnung verdienen. Die einschneidende Epoche des Ersten Weltkrieges ist durch umfangreiche Belege von Hilfssammlungen, Soldatenbetreuung und Feldpostbriefen (A 185-187) dokumentiert.
Relativ zahlreich sind verschiedene Zehntakten erhalten, welche ein Bild von den wirtschaftlichen, rechtlichen und sozialen Verhältnissen in Schopfloch im 18. und 19. Jahrhundert vermitteln. Ortsgeschichtlich besonders wertvoll sind mehrere Weidgangs- und Grenzbeschreibungen; die Weidgangsbeschreibung von 1718 ist wegen ihrer Überlieferung von vier Urkundentexten aus den Jahren 1478, 1482, 1559 und 1668 besonders hervorzuheben.
Als Kuriosum kann ein Amulett mit einem längeren Beschwörungstext angeführt werden, das sich zusammen mit zahlreichen in- und ausländischen Münzen der 1920/1930er Jahre in einem verschlossenen Fach des Registraturkastens befand. Das Amulett stammt offensichtlich aus dem 20. Jahrhundert und belegt eine untergründige Tradition, die z.B. auch in einem Kirchenkonventsprotokoll über Hexereibeschuldigung vom 04.01.1787 durchscheint. Das Amulett wurde nicht als Archivale verzeichnet, sondern mit den übrigen Beigaben als museales Objekt im Pfarrarchiv hinterlegt.
Mit der Einrichtung des Pfarrarchivs Schopfloch ist das überlieferte Archivgut gut untergebracht, für geschichtliche Forschungen zugänglich und mittels des vorliegenden Inventars erschlossen; zugleich ist auch hinsichtlich der räumlichen Unterbringung für lange Zeit vorgesorgt.
Ulm, im Oktober 1993
Dr. Karl Kempf, Sprengelarchivar
Der Bestand kam 2020 ins Landeskirchliche Archiv und erhält noch unverzeichnete Teile.
Evangelisches Pfarramt Schopfloch
10 lfd. m
Bestand
Schopfloch, Lenningen, Landkreis Esslingen
Angaben zum entzogenen Vermögen
Sonstige Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgte Person“ meint eine Person, die einen Entschädigungsanspruch für einen Schaden durch NS-Verfolgung geltend machte. Wenn der Antrag nicht von der verfolgten Person selbst, sondern von einer anderen Person gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ angegeben und ihre Beziehung zur verfolgten Person, soweit vorhanden, vermerkt. In den Quellen wird die verfolgte Person mitunter als „Geschädigter“, die antragstellende Person als „Anspruchsberechtigter“ bezeichnet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.