Konrad, Kustos des Stifts Dietkirchen, verfügt für den Fall seines Todes gesunden Geistes folgendermaßen über sein Vermögen. Er vermacht 21 Morgen Ackerland in der Feldmark von Ennerich ('Ende-'), die Eigen und von jeder Leistung frei sind und die er von verschiedenen...

Verzeichnungsstufe:
Archivale
Vollständiger Titel:
Konrad, Kustos des Stifts Dietkirchen, verfügt für den Fall seines Todes gesunden Geistes folgendermaßen über sein Vermögen. Er vermacht 21 Morgen Ackerland in der Feldmark von Ennerich ('Ende-'), die Eigen und von jeder Leistung frei sind und die er von verschiedenen mit eignen Mitteln gekauft hat, sowie 14 (Morgen) in der Feldmark von Eschhofen ('Essilshoben') der St. Michaelskapelle über den Gebeinen der Verstorbenen auf dem Friedhof des heiligen Lubentius (in Dietkirchen) zur Unterhaltung eines Priesters ('sacerdotis'), der durch ihn zu bestellen ist. Seinen Kelch und die silbernen Gießgefäße ('urciolos') nebst den priesterlichen Gewändern hinterläßt er der vorgenannten Kapelle. Das Gnadenjahr seiner Pfründe vermacht er ebenfalls der Kapelle; aus den Aufkünften soll der Unterhalt des Kaplans daselbst verbessert werden, damit er um so häufiger mit Anstand ('salva honestate sua') die Messe für die Seelen der lebenden und verstorbenen Gläubigen feiert. Dessen Einsetzung soll zur Verhütung von Streit allein dem Dekan zustehen, dem jener auch hinsichtlich des Gehorsams und der Zucht ('correctionem') unterstehen soll. Er ist verpflichtet, im Chor am Gottesdienst und den kanonischen Stunden teilzunehmen. Von dem Haus, das der Aussteller und der + Kustos von Nordhofen auf gemeinsame Kosten erbaut haben, vermacht er die ihm zustehende Hälfte seinem Stift in gleicher Weise, wie es jener Kustos getan hat. Der Kanoniker, der es bewohnt, soll 6 Schilling zur Verteilung unter die anwesenden Kanoniker ('fratribus') an seinem Jahrtag und 1 Schilling zur Lampe der glorreichen Jungfrau entrichten. Die Verfügung über das Haus und dessen Vermietung soll allein dem jeweiligen Dekan zustehen, wie es auch jener Kustos wünschte. Er hinterläßt alle seine beweglichen und unbeweglichen Güter der vorgenannten Kapelle. Seine Hälfte des Weingartens, den er und der vorgenannte Kustos G(erhard) mit gemeinsamen Arbeiten und Kosten gepflanzt haben, vermacht er ebenso wie dieser dem Altar der heiligen Jungfrau Katharina, der im St. Lubentiusstift neu hergerichtet ('de novo reparatum') ist. Seine Güter in der Feldmark des Dorfs Hofen ('Hoben') bestimmt er zur Unterhaltung des an jenem Altar Dienst tuenden Kaplans. Doch sollen zuerst seine etwaigen Schulden beglichen und seine Forderungen von seinen Schuldnern eingezogen werden. - Zu seinen Treuhändern und Testamentsexekutoren bestellt er die Herren Arnold, Dekan, Heinrich genannt von Wied, Scholaster, und Lenzemann, seine Mitkanoniker, sowie Gottfried, Ritter von Dehrn, genannt vom Hof ('ex Curia'). - Siegel des Ausstellers und der vorgenannten Treuhänder mit Ausnahme von Lenzemann, der zur Zeit eines Siegels ermangelt.
Archivaliensignatur:
Hessisches Hauptstaatsarchiv, 19, U 11
Kontext:
Stift Dietkirchen, St. Lubentius, Chorherren >> Urkunden >> sonstige Urkunden >> 1250-1350
Laufzeit:
1311 Mai 2
Formalbeschreibung:
Ausfertigung, Pergament W 19,11 mit vier Siegeln: 1. Bruchstück eines Siegels, das mit dem 2. Siegel an der Urkunde von 1293 November 25 (Nr. 14) übereinstimmt, so daß die Identität des Dekans und Kustos Konrad, die aus dem sachlichen Zusammenhang beider Urkunden hervorgebt, gesichert ist. 2. Versehrt, spitzoval, etwa 2,6 cm breit, im Siegelfeld der heiligen Lubentius thronend, in der Rechten ein Buch vor der Brust haltend, die Linke erhoben, Umschrift im Siegelfeld: + 'S(ANCTVS) LVBENCIVS', Umschrift auf dem Siegelrand: (..) 'ARNOL(..) DEC(...)N'. 3. Versehrt, spitzoval; 2,7 cm breit, im Siegelfeld ein Priester, ein Buch vor der Brust haltend, beiderseits von einer Lilie begleitet, Umschrift: (..) 'DE WIDE (..) D(I)KIRH'(..). 4. Stark versehrt, Durchmesser etwa 3,6 cm, im Siegelfeld Dreiecksschild mit drei Schrägfäden, Umschrift: (+) 'S(IGILLVM) GO(.)FR(I)DI MILITI'(..). - Rückvermerk (Ende 15. Jh.): 'Littera beati Michaelis vicarie in Dick(irchen)' (Zusatz 16. Jh.:) 'et fundatio'. Rückvermerk (18. Jh.) des Limburger Stiftedekans Corden. - Kopie, Papier (18. Jh.) W 19,344, beglaubigt durch J. L. Corden, geistlicher Rat, Dekan zu Limburg und apostolischen Notar
Archivalientyp:
Urkunde
Sonstige Erschließungsangaben:
Identifikation (Urkunde): Originaldatierung: D. 1311, in crastino beatorum Philippi et Jacobi apostolorum
Bemerkungen:
Struck, St. Lubentiusstift Dietkirchen, Nr. 24
Digitalisat im Angebot des Archivs:
kein Digitalisat verfügbar
Bestand:
19 Stift Dietkirchen, St. Lubentius, Chorherren
Rechteinformation:
Es gelten die Nutzungsbedingungen der Staatsarchive in Hessen.