Vor dem Notare macht Herr Eberhard Voliswengk, Pleban der Pfarrkirche in Melsungen, auf dem Krankenbette sein Testament und bestellt zu dessen Vol...

Verzeichnungsstufe:
Archivale
Archivaliensignatur:
Hessisches Staatsarchiv Marburg, Urk. 34, 113
Alt-/Vorsignatur:
Urk. 34, A II, Kassel Martinsstift
Kontext:
Martinsstift Kassel - [ehemals: A II] >> 1475-1499
Laufzeit:
1494 Juli 06
Formalbeschreibung:
Not.-Instr. des kaiserl. Notars Johannes Weszeman, Klerikers der Mainzer Diözese, Pergt. mit dem Signete des Notars.
Archivalientyp:
Urkunde
Sonstige Erschließungsangaben:
Identifikation (Urkunde): Originaldatierung: Acta sunt hec in opido Melsungen, in domo parrochialis ecclesie ibidem, sub anno 1494, ind. 12., die dominica sexta mensis julii, pontificatus Alexandri pape VI. anno 2.
Vermerke (Urkunde): (Voll-) Regest: Vor dem Notare macht Herr Eberhard Voliswengk, Pleban der Pfarrkirche in Melsungen, auf dem Krankenbette sein Testament und bestellt zu dessen Vollstreckern den abwesenden Herren Bernhard Groesz, seinen Oheim, Dr. decretorum und Scholaster der St. Stephanskirche in Mainz, und die anwesenden Herren Johannes Schickkenbergk, Dr. legum und Dechanten der St. Martinskirche in Kassel, Johannes Reymbolt, Kanoniker daselbst, Johannes Bippardt, Kanoniker in Kaufungen (Kouphungen), ferner die abwesenden Heinrich von der Sassen, Kanoniker zu Fritzlar, und Johannes Vlecke. Er wählt sein Begräbnis bei den Karthäusern in Eppenberg, doch soll der Leichnam zuvor in die Pfarrkirche zu Melsungen gebracht und daselbst bei der Leiche Vigilien und Seelenmesse gesungen werden; nach den Exequien soll man ihn mit seinen vier Pferden und seinem Wagen (curru ferrato) nach dem gen. Kloster bringen und dort begraben. Pferd und Wagen und alle dazu gehörigen Dinge bleiben dem Kloster. Der Erzbischof von Mainz erhält ein Viertel (fertonem) als Schützer des Testamentes. Zunächst sind sodann seine Schulden zu bezahlen, es bestehen Verpflichtungen und ist abzurechnen mit: Herrn Heinrich von der Sassen und Johannes Reymbolt; Heinrich Rolandi, Lic. decret., wegen Einnahmen aus der Pfründe in Allendorf (Aldendorf); Heinrich Rosenblaet in Melsungen und anderen Vikaren daselbst; Conrad Morich wegen der Pfründe des Testators in Erfurt; ferner besteht eine Bürgschaftsverpflichtung gegenüber Henne Bone von Quentel über 4 rheinische Gulden, eingegangen für den Edeln Hans von Boyneburg (Bombelburgk). Alles Übrige ist gemäß den bei seinem Oheim Groesz in Mainz befindlichen Urkunden erledigt. - An fremdem Eigentum hat er im Besitz: einen Kessel (caldare) als Pfand von seinem Diener Adam Zcelder, Briefe und ein Halsband (monile), sowie einen Rosenkranz (rixetum sive pater noster) von roten Korallen, die seinem Oheim (avunculo) Richard gehören. Deponiert sind von ihm bei Herrn Johannes Smugke in Mainz 143 rheinische Gulden, bei dem gen. Bernhard Groesz außer andern Sachen 80 rheinische Gulden. Seine Beteiligungen (societates et partes) an Kupfer- und Eisenbergwerken (in montibus mineralibus cupri et ferri) sind gelöst, nur der bereits verstorbene Erasmus und dessen Genossen in Würzburg schulden ihm daher 198 rheinische Gulden, worüber Frankfurter Bürger: Herr Ludwig von Paradiso, Dr. legum, Ritter und Schultheiß, und Hans Mummeler Zeugen sind. - Sein Schuldner ist erstens Landgraf Wilhelm der Mittlere von Hessen mit 700 rheinischen Gulden, die gegen 35 Gulden jährlichen Zins auf die Stadt Allendorf verschrieben sind, und mit 42 rheinischen Gulden, die er ihm für die Reise zum neuen römischen Könige geliehen hat. Für andere Summen sind ihm gemäß den Urkunden vom Landgrafen Güter und die Fischerei (piscaria) in Schwarzenberg (Swartzenburgk) wiederkäuflich verkauft. Von diesen Schulden erläßt er dem Landgrafen 100 rheinische Gulden, ferner schenkt er ihm alle Verpflichtungen für die ihm geleisteten Dienste und die Hausgeräte seines Hauses in Spangenberg, wie sie sich dort zur Zeit befanden, als das Haus von Landgraf Wilhelm dem Älteren bezogen wurde, nämlich 12 Federbetten mit Zubehör (cum lecticis ligneis ac coopertoriis totidem, pulvinariisque et cussinis, auricularibus duobus per singulos lectos et duobus lintheaminibus pro singulis lectis), 2 feine Betten geeignet zum Zudecken, ca. 80 zinnerne Schüsseln (scultellas stanneas) 30 rheinische Gulden wert, eine große eherne Kanne (ollam) 7 rheinische Gulden wert, einen Messingkessel (caldare de auricalco) 5 rheinische Gulden wert, und 2 andere Kessel (caldaria) 2 Gulden wert, 3 hölzerne viereckige Tische, ein jeder für 8 Gulden gekauft, verschiedene Kasten und Kisten (capsas et cistas), einen davon für 16 Gulden gekauft, 6 Kisten, eine jede 2 Gulden wert, und verschiedene andere Geräte, Stühle und Behälter zum Anhängen von Kannen. Weitere Schuldner sind: die Edeln Reinhard von Boyneburg (Bomelborgk), Conrad von Wallenstein (Waldensteyn), Godfrid von Löwenstein (Lebensteyn), Erasmus Rodel, ferner Langehans, Bürger in Nutzenach, Hentze Heszeler in Grüneberg (Grunenbergk), Kuppersmydt in Marburg (Marpurgk), Johannes Bombergk, der Kanzler Johannes Stade in Stollberg (Staylbergk), die Erben des Burnike ebenda, Johannes Erensyn, Johannes Wilhelm in Sontra (Sunthra), Henche Ludewiges in Eschwege (Eschewede), Henche Brudegams ebenda, Gnysz in Melsungen, Lyndel und Adam Zcelder ebenda, einige Wollenweber und Dyrich Schilt, Hen Lyrer, Andres Pittel in Spangenberg, Contze Foupel in Altmorschen (antiqua Morszen), die Äbtissin in Kaufungen mit 140 Vierteln Roggen, z. T. geliehen, z. T. aus Rückständen eines jährlichen Zinses, desgl. mit 105 ½ Vierteln Hafer. Dem Konvente der Karthause in Eppenberg erläßt er 200 ihm geschuldete Gulden und vermacht ihm dazu 200 Gulden zur Dotierung einer Zelle daselbst. Den Einwohnern (villani et rustici) in Niederhohne (Hoende) sollen gleichfalls Forderungen (ex registris liquidandis) wegen ihrer Armut erlassen werden, desgl. seinem Diener Hentze Hobemans geliehene 100 Pfund und 12 ½ rheinische Gulden wegen seiner Armut und seiner Dienste, desgl. dem Hentze Tyle von Konnefeld (Confelt) von 60 Pfund die Hälfte, desgl. dem Henne Sanne von Konnefeld die Hälfte von 50 Pfund, desgl. der Witwe des Henne Horsagk in Konnefeld 50 Pfund, desgl. den Nonnen in Heida 5 geliehene Gulden, 16 ½ Gulden für 31 gekaufte Viertel Hafer, 1 Gulden herrührig von dem von den Nonnen der Pfarrkirche in Melsungen zu zahlenden Zinse und 30 Pfund, die sie wegen Nicolaus Ystrud, Bürger in Spangenberg, schulden; 3 ½ Pfund sind abzuziehen, die der Testator den Nonnen wegen seines Neffen (nepotis) Richard schuldet. - Er vermacht ferner jedem der Testamentsvollstrecker 6 Gulden; seinem Oheim Dr. Bernhard Groesz sein Haus in Spangenberg außer dem oben gen. Hausgeräte; sein Hausgerät im Pfarrhause zu Melsungen seiner Schwester Kunne und ihrem Sohne Johannes und Richard, seinem Neffen, zu gleichen Teilen ; derselben Kunne und ihrer Tochter ferner 200 Gulden, die nach beider Tode an die von ihm zu errichtende Pfründe in Kaufungen fallen sollen; seiner Dienerin Margareta 50 Gulden, ein Faß Bier (vas cervisie), ein Malter Weizen, 2 Speckseiten (latera lardi) und ein schwarzes Kleid (tunicam) gefüttert mit rotem Leinentuch ; den Brüdern vom Weißenhofe in Kassel 10 Gulden; den Brüdern in Eschwege 10 Gulden; der Karthause in Eisenach (Ysenaco) 10 Gulden; den Karthäusern in Erfurt und Nürnberg je 10 Gulden; seinem Kaplan Conrad Kynast 30 Pfund; der Marienbruderschaft der Pfarrkirche Melsungen seine Bücher außer Brevieren, Gebetbüchern und der Glosse (glosa ordinaria) zum alten- und neuen Testament unter der Bedingung, daß sie innerhalb einem Jahre einen neuen Bücherschrank (librariam) anfertigen, wozu er 20 Gulden aussetzt, andernfalls fallen die Bücher den Karthäusern in Eppenberg zu, die auch die Glosse erhalten. Weiter vermacht er der Bruderschaft eine Verschreibung des Lg. Wilhelm des M. über 700 Gulden (Zinsen 35 Gulden) auf Stadt Allendorf. - Zu seinem und seiner Angehörigen Seelenheile stiftet er eine ständige Vikarie in Kaufungen gemäß den von ihm hinterlassenen Urkunden, und Dr. Bernhard Groesz soll die Pfründe als erster erhalten, nach ihm Johannes, der Sohn seiner Schwester Kunne, danach Richard, Sohn des Henne Sese; danach sollen Äbtissin und Bepfründete in Kaufungen sie Herrn Johann Schigkeberg, Dr. und Dechanten in Kassel, und danach einem armen Kleriker, der keine andere Pfründe hat, übertragen. Ferner sollen von 1000 Gulden Kapital in Erfurt (60 Gulden Zins) 2 andere Pfründen gegründet werden, eine in der St. Martinskirche in Kassel, die andere im Kloster Heida, so daß dort wöchentlich 4 Messen gehalten werden; seine beiden Neffen Johannes und Richard sollen die ersten Inhaber sein, wobei einer den anderen beerbt, jede Pfründe hat jährlich 20 Gulden. Nach beider Tod soll die Pfründe in Heida einem armen Kleriker, der in Jahresfrist Priester sein muß, gegeben werden, während die Pfründe in Kassel an die jeweiligen zwei Lektoren der Epistel und des Evangeliums zu gleichen Teilen verteilt werden soll, wofür jeder wöchentlich 2 Messen lesen muß; die noch übrigen 20 Gulden fallen dem Martinsstift zu, halb zum Ankauf von Weißbrot für die Armen in Kassel und halb zum Ankauf von 2 grauen Wollentüchern für die Armen in beiden Dörfern Morschen (Morszen) beim Kloster Heida.
Vermerke (Urkunde): Zeugen: Der Edle Johannes von Scharffenstein, Vogt in Kaufungen, Bruder Conrad Sladen, Profeß des Klosters Breitenau, Heinrich Rosenblait, Pleban in Ober-Melsungen, Conrad Kynast, Kaplan in Melsungen, Bruder Johannes von Marburg, Laienbruder zu Eppenberg.
Vermerke (Urkunde): Druckangaben: Regest: Schultze Nr. 1073.
Bestand:
Urk. 34 Martinsstift Kassel - [ehemals: A II]
Rechteinformation:
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