Unterlagen der Familie Beisbarth mit den Nachlässen des Architekten und Denkmalpflegers Carl Friedrich Beisbarth sen. (1808-1878) und des Architekten Carl Friedrich Beisbarth jun. (1848-1903) (Bestand)

Verzeichnungsstufe:
Bestand
Bestandssignatur:
Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Q 2/43
Kontext:
Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Hauptstaatsarchiv Stuttgart (Archivtektonik) >> Nachlässe, Verbands- und Familienarchive >> Sonstige Nachlässe
Bestandslaufzeit:
1684, 1752-1755, 1770er Jahre, 1803-1810, 1823-1944, 1959-2012 und o. J.
Bestandsbeschreibung:
Überlieferungsgeschichte

Eingekommen im Nov. 2013 von Herrn Volkmar Speidel, Steinbronner Feld 2, 79650 Winterbach-Engelberg, Nachfahre von Carl Friedrich Beisbarth sen.



1.1 Carl Friedrich Beisbarth Vater bzw. senior (1808-1878): Das Repertorium des Bestandes Q 2/43 hat im Wesentlichen Unterlagen aus den Nachlässen der Architekten Carl Friedrich Beisbarth Vater bzw. senior (1808-1878) und Carl Friedrich Beisbarth Sohn bzw. junior (1848-1903) sowie Material zur Familiengeschichte Beisbarth und verwandter Familien zum Inhalt. Außerdem sind Zeichnungen und Entwürfe von anderen Architekten, Aquarelle von Louise Henriette von Martens und Drucksachen vorhanden. Mit dem vorliegenden Repertorium werden Dokumente und Unterlagen, die sich im Original im Bestand Q 2/43 des Hauptstaatsarchivs befinden (Büschel (Bü) 1 bis 104), aber auch Digitalisate (Bü 105 bis 209) erschlossen. Die Vorlagen zu diesen Digitalisaten werden im Original von den Nachfahren der Familie Beisbarth verwahrt. Im Findbuch ist jeweils bei den einzelnen Titelaufnahmen ausgewiesen, ob es sich um ein Original oder um ein Digitalisat handelt. Im Folgenden wird zunächst auf die Biografien der beiden Architekten Carl Friedrich Beisbarth Vater und Sohn eingegangen. Carl Friedrich Beisbarth Vater wurde am 31. Januar 1808 als Sohn des Zimmermanns und Stadtwerkmeisters Johann Christoph Beisbarth (1775-1825) und der Rosine Margaretha Beisbarth geb. Müller (1775-1826), der Tochter eines Zimmermeisters, in Stuttgart geboren. Über die Ausbildung von Beisbarth sen. sind wir, nicht zuletzt aufgrund seiner autobiografischen Aufzeichnungen in Bü 19, 29, 196 und 197 dieses Bestandes, besser unterrichtet als über die seines Sohnes Carl Friedrich Beisbarth jun. Beisbarth sen. besuchte bis zu seinem 14. Lebensjahr das Gymnasium in Stuttgart und absolvierte anschließend eine Lehre als Zimmermann bei seinem Vater. Nach dem frühen Ableben seines Vaters im Jahre 1825 und seiner Mutter im Jahre 1826 arbeitete er ab 1827 in dem Büro des württembergischen Oberbaurats Friedrich Bernhard Adam Groß (1783-1861). 1829 bis 1831 verbrachte Beisbarth einen zweijährigen Studienaufenthalt bei dem französischen Architekten Charles Isabelle (1800-1880), dem Erbauer der Kirche Ste. Madeleine in Paris, um den Beruf des Architekten und Baumeisters in der Praxis zu erlernen. Zu Fuß wanderte Beisbarth 1832 von Paris aus über Lyon und die Schweiz nach München, wo er in den Concours der Akademie für Bildende Künste aufgenommen wurde. Er studierte u. a. bei dem Architekten Professor Friedrich von Gärtner (1791-1847) und erhielt den ersten Preis der Akademie für den Entwurf einer Anatomie. Sein Lehrer Gärtner drängte Beisbarth immer wieder, eine Reise nach Italien zu unternehmen, um dort die Kunst der Antike und der Renaissance zu studieren. Beisbarth kam im August 1833 der Empfehlung seines Professors nach und reiste auch dieses Mal wieder zu Fuß über Bozen, Verona, Venedig, Florenz nach Rom. "Als Erbe eines schönen Vermögens" (Wintterlin, in: Württembergische Künstler, S. 389), das ihm seine Eltern hinterließen, verfügte der junge Architekt auch über die nötigen finanziellen Mittel für eine solche Reise. Die teilweise umfangreichen Reisetage- und Skizzenbücher Beisbarths zu der Italienreise in diesem Bestand (Bü 12, 14, 19, 29, 185) und die separat während der Reise angefertigten Zeichnungen und Skizzen (v. a. Bü 122, 138-148 und 180) geben sehr aufschlussreiche Einblicke in den Reiseverlauf, die Besichtigungen und Interessen des jungen Künstlers. Die Reise sollte auch für Beisbarth prägend werden und seine künstlerische Entwicklung nachhaltig beeinflussen. In Rom besichtigte er v. a. die Stätten der Antike, aber auch die Bauwerke der Romanik, der Gotik, der Renaissance und des Barock. Außerdem hielt er engen Kontakt mit seinen Studienkollegen, dem Architekten und Maler Anton Hallmann (1812-1845) und dem Architekten Jean David Jollasse (1810-1876). Gemeinsam mit Jollasse reiste Beisbarth zu Fuß weiter nach Neapel, Kalabrien und Apulien. Nach einer stürmischen Überfahrt erreichten sie schließlich Sizilien, wo sie u. a. Messina, Taormina, Catania, Syrakus, Agrigent und Palermo besichtigten. Über Neapel führte die Reiseroute nach Pompeji und Herculaneum, wo Beisbarth längere Zeit die Ausgrabungen und Ruinen der römischen Antike intensiv studierte. Beredtes Zeugnis dieses Aufenthaltes sind seine dort angefertigten Zeichnungen und Skizzen in diesem Bestand (Bü 14, 19, 29, 122, 138 bis 148, 180 und 185). Zurück in Rom begegnete Beisbarth dem seit vielen Jahren in der Ewigen Stadt lebenden dänischen Bildhauer Bertel Thorvaldsen (1770-1844) bei einem Abendessen, das der württembergische Konsul in Rom, Carl von Kolb (1800-1868), gab. Für Thorvaldsens berühmtes Schillerdenkmal, das heute auf dem Schillerplatz in Stuttgart steht, sollte Beisbarth ein Piedestal entwerfen. Der Entwurf Beisbarths fand jedoch bei dem dänischen Bildhauer kein Gefallen, so dass der Auftrag von einem anderen Künstler ausgeführt wurde (Bü 19 und 29). In Begleitung seines Studienkollegen Charles Perrin verließ Beisbarth am 11. Juni 1836 Rom. Am 10. Januar 1837 kam er in Stuttgart an. Sein Lehrer Friedrich von Gärtner riet ihm noch von einer Rückkehr nach Württemberg ab, weil er dort keine Anerkennung finden werde, was sich leider teilweise bewahrheiten sollte. Nach seiner Rückkehr nach Stuttgart versuchte Beisbarth, das Staatsexamen für den Staatsdienst abzulegen, was jedoch an seinen mangelnden Kenntnissen in Mathematik scheiterte. Trotzdem konnte er in den folgenden Jahren als Bauleiter beim Bau öffentlicher Gebäude mitwirken. Die selbständige Planung und Arbeit als Architekt öffentlicher Bauten und eine Stelle im Staatsdienst blieben ihm allerdings verwehrt. 1840 bis 1841 war er als Mitarbeiter des württembergischen Architekten Gottlob Georg von Barth beim Bau des Museums der Bildenden Künste in Stuttgart, dem heutigen alten Bau der Staatsgalerie, beteiligt. Die Konstruktionsrisse für das Museum stammten von Beisbarth. Auch errichtete er in dieser Zeit das Wohnhaus Tübinger Straße 19, das er auch selbst bis zu seinem Umzug in eine Mietwohnung in der Hauptstätter Straße 61 im Jahre 1858 bewohnte. Die Gründe für den Umzug Beisbarths in die Mietwohnung sind nicht bekannt. 1844 übernahm Beisbarth als Bauleiter unter dem württembergischen Hofarchitekten Ludwig Friedrich Gaab (1800-1869) den Auftrag für den Umbau des von Georg Beer (um 1527-1600) Ende des 16. Jahrhunderts erbauten Neuen Lusthauses zum Königlichen Hoftheater, nachdem der Hofbaumeister Ferdinand Gabriel kurz zuvor verstorben war. Der Umbau des europaweit einmaligen und berühmten Neuen Lusthauses, eines der bedeutendsten Renaissance-Bauten in Deutschland, hatte den teilweisen Abriss des Baudenkmals zur Folge. Beisbarth war sich als einer der wenigen Persönlichkeiten seiner Zeit der architektonischen und kunsthistorischen Einzigartigkeit des Gebäudes bewusst und beschloss daher, da sich der Auftraggeber König Wilhelm I. von Württemberg (1781-1864) von seinem Vorhaben nicht abbringen ließ, das Gebäude vor dem Abriss in Form von Skizzen und Zeichnungen zu dokumentieren. Innerhalb eines Jahres schuf Beisbarth insgesamt über 500 Planzeichnungen. Dazu begab er sich häufig an den Wochenenden und in der Nacht auf die Baustelle, um Skizzen von Details des Neuen Lusthauses anzufertigen, die u. a. in dem Skizzenbuch in Bü 187 überliefert sind. Auf der Grundlage dieser Skizzen fertigte er dann später teilweise kolorierte Reinzeichnungen an, die heute zum Großteil in der Universitätsbibliothek Stuttgart und zu einem kleineren Teil im Bestand GU 97 (Pläne, Risse und Zeichnungen zu Schloss Lichtenstein) in dem Archiv der Herzöge und Fürsten von Urach Grafen von Württemberg, das im Hauptstaatsarchiv Stuttgart als Depositum unter Eigentumsvorbehalt verwahrt wird, zu erwarten sind. Dieses umfangreiche Konvolut an Zeichnungen und Skizzen gibt dem Betrachter einen guten Eindruck vom Neuen Lusthaus. Laut Thieme-Becker hat sich Beisbarth mit der Anfertigung dieser Zeichnungen "ein großes Verdienst um die deutsche Kunstgeschichte erworben." "Mit seinem Einsatz für architektonische Altertümer war Beisbarth seiner Zeit voraus." (Nikolai Ziegler in: "Eine der edelsten Schöpfungen deutscher Renaissance". Das Neue Lusthaus zu Stuttgart. Begleitbuch zur Ausstellung, S. [125]). Er wurde damit zum Vorreiter der Denkmalpflege in Württemberg und beeinflusste die Entwicklung der Neu-Renaissance (Nikolai Ziegler a.a.O., S. [125]). Carl Friedrich Beisbarth sen. hat in seinen Skizzenbüchern auch Zeichnungen zu den Umbaumaßnahmen selber festgehalten. So sind etwa Notizen und Zeichnungen zu dem Verbindungsgang zwischen dem Hoftheater und dem Neuen Schloss vorhanden. Den Skizzen und Zeichnungen zum Hoftheater kommt auch deswegen ein nicht zu unterschätzender Quellenwert zu, da das Hoftheater im Jahre 1903 abbrannte. An seiner Stelle wurde 1910 bis 1913 von dem Architekten Theodor Fischer das Kunstgebäude gebaut. Außer den beiden genannten öffentlichen Bauten wirkte Beisbarth sen. noch beim Bau des Königsbaus mit, der 1858 unter der Leitung des Architekten Christian Friedrich von Leins (1814-1892) errichtet wurde. Einen wichtigen Teil in Beisbarths Oeuvre nimmt die Restaurierung von Kirchenbauten ein. So restaurierte er u. a. die Nikolauskapelle in Calw (Bü 207), die Regiswindiskapelle in Lauffen am Neckar (Bü 123), die Kirchen in Pliezhausen, Merklingen, Crailsheim und Nellingen (Bü 17). Für die Leonhardskirche in Stuttgart fertigte er Entwürfe für einen Altar, eine Kanzel sowie Glasfenster an, die sich teilweise in dem vorliegenden Bestand befinden (Bü 29, 81 und 151). Außerdem schuf Beisbarth sen. Entwürfe für die Architektur und Ornamente der Glasfenster im Chor der Stiftskirche Stuttgart und für eine Vortüre zum Schutz der Aposteltüre. Auch dazu sind in diesem Bestand Unterlagen zu erwarten (Bü 29, 43, 82, 88, 186 und 192). Beisbarth baute auch mehrere private Wohnhäuser in Stuttgart. Sein bereits erwähntes Wohnhaus Tübinger Straße 19 war das erste Wohngebäude, das er in Stuttgart errichtete. Danach folgten v. a. die Villa Single in der Mörikestraße 18 und die heute noch bestehende Villa Bohnenberger, die 1869 bis 1871 im Stil der Neo-Renaissance auf dem Grundstück Olgastraße 11 für den Gutsbesitzer und Privatier Arthur Bohnenberger (1835-1893) realisiert wurde (Bü 71-73 und 103). Über die Villa Bohnenberger gab Beisbarth auch eine in diesem Bestand erhaltene Veröffentlichung heraus (Bü 73). Die Villa Single wurde dagegen für den Oberingenieur Heinrich Single erbaut, der aber bereits 1874 Konkurs machte. Die prachtvolle Villa "mit Anklängen an den russischen Stil" und an die Villa Berg wurde danach mehrfach verkauft, bis sie schließlich 1910 abgerissen wurde. Das Grundstück wurde anschließend verkleinert und neu bebaut (Breig, Der Villen- und Landhausbau in Stuttgart 1830-1930, S. 389-390, 409-412). Im Ausland baute Beisbarth sen. 1864 das St. Anna-Asyl für arme und behinderte Mädchen in Zürich. Neben seiner Arbeit als Architekt und Bauleiter war Beisbarth auch als Denkmalpfleger und Designer tätig. So entwarf er Vasa sacra, wie Abendmahlskannen und -kelche, Taufgefäße und Opferteller. Außerdem verfasste er Literatur über Architektur. Sein Werk über die von ihm erbaute Villa Bohnenberger wurde bereits erwähnt. Hinzu kommen die Veröffentlichung von Zeichnungen Beisbarths von Denkmälern in dem von Carl Alexander von Heideloff (1789-1865) herausgegebenen Werk Die Kunst des Mittelalters in Schwaben. Denkmäler der Baukunst. Bildnerei und Malerei. Für diese Edition zeichnete Beisbarth sen. u. a. auch den Marktbrunnen in Bad Urach. Die Ansichten des Uracher Brunnens in Form von Drucken sind in Bü 49 und 208 enthalten. Im Laufe seines Lebens wurden Beisbarth einzelne Ehrungen zuteil. So war er seit 1859 Mitglied des Ausschusses des Vereins für Christliche Kunst. Er erhielt die große goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft und war ab 1866 Ehrenmitglied der Baugewerbe-Genossenschaft in Stuttgart. Im Jahre 1874 bekam er das Ritterkreuz des Friedrichs-Ordens. Am 20. April 1841 heiratete Beisbarth Christiane Regine Caroline Schwarz (1821-1887), die Tochter eines Schneidermeisters. Aus der Ehe gingen insgesamt acht Kinder hervor, unter ihnen die Architekten Carl Julius Beisbarth (1844-1881) und Carl Friedrich Beisbarth jun. (1848-1903). Von Letzterem wird unten noch ausführlich die Rede sein. Beisbarths Tochter Maria Luise (1845-1886) heiratete 1873 den Ingenieur Richard Nübling (1844-1908), der zeitweise mit Carl Friedrich Beisbarth jun. ein Architekturbüro betreiben sollte. Carl Friedrich Beisbarth sen. starb am 24. November 1878 in Stuttgart. Begraben wurde er auf dem Fangelsbachfriedhof in Stuttgart. Sein Grab ist bis heute erhalten.

1.2 Carl Friedrich Beisbarth Sohn bzw. junior (1848-1903): Carl Friedrich Beisbarth jun. kam am 7. Februar 1848 als viertes Kind des Stuttgarter Architekten Carl Friedrich Beisbarth sen. (1808-1878) und seiner Frau Christiane Regine Caroline Beisbarth geb. Schwarz (1812-1887, laut Wikipedia 1822-1887) in Stuttgart auf die Welt. Die Kindheit und Jugend des jungen Carl Friedrich Beisbarth sind in dem vorliegenden Bestand nicht dokumentiert, weshalb etwa über seine schulische Ausbildung keine Aussagen gemacht werden können. Wie sein gleichnamiger Vater und sein älterer Bruder Julius (1844-1881) wurde Carl Friedrich Beisbarth jun. ebenfalls Architekt. Am Polytechnikum Stuttgart studierte Beisbarth jun. Architektur. Möglicherweise lernte er während seines Studiums Richard Nübling (1844-1908) kennen, der später sein Partner in einem gemeinsamen Architekturbüro wurde. Durch die Heirat Nüblings mit Marie Luise Beisbarth (1845-1886) wurde dieser auch der Schwager von Carl Friedrich Beisbarth jun. Während seines Studiums war der junge Carl Friedrich Beisbarth auch Mitglied der Burschenschaft "Ghibellinia", die im Jahre 1862 von Richard Nübling mitbegründet wurde. Es ist daher nicht auszuschließen, dass sich Carl Friedrich Beisbarth jun. und sein späterer Schwager Nübling bei der Burschenschaft "Ghibellinia" und nicht am Polytechnikum kennenlernten. Im Jahre 1870 zog Beisbarth jun. in den Deutsch-Französischen Krieg. Danach machte er, wie zuvor sein Vater, eine Studienreise nach Italien. Anschließend war er als Architekt in Stuttgart tätig. Carl Friedrich Beisbarth jun. arbeitete im Architekturbüro seines Vaters Carl Friedrich Beisbarth sen., in dem auch sein älterer Bruder Julius tätig war. Das Architekturbüro firmierte in den Adressbüchern der Stadt Stuttgart unter dem Namen Carl Beisbarth und Söhne im Jahre 1875. Möglicherweise hatte der junge Carl Friedrich Beisbarth auch in dieser Zeit die Absicht, das väterliche Architekturbüro zu verlassen, worauf wohl das Arbeitszeugnis vom 28. Dezember 1875 in Bü 33 des vorliegenden Bestandes hinweist. Erste Meriten verdiente sich Beisbarth jun. nach dem Ableben seines Vaters als Bauleiter beim Neubau des Gebäudes der Königlichen Öffentlichen Bibliothek, der späteren Württembergischen Landesbibliothek, in den Jahren 1878-1886. Ab 1884 oder 1885 wurde Beisbarth jun. als Bauinspektor beim Königreich Württemberg angestellt. Daneben betätigte er sich weiter als freier Architekt. Um 1893 arbeitete er als Partner in dem Architekturbüro Beisbarth & [Richard] Nübling und um 1902 in dem Büro Beisbarth & [Jacob] Früh. Wann die erste Partnerschaft mit Nübling endete und die mit Jacob Früh begann, lässt sich nicht eindeutig sagen. Als Architekt baute Beisbarth jun. v. a. private Wohnhäuser. So errichtete er selbständig u. a. ein mehrstöckiges Mietshaus an der Ecke Heusteigstraße 46/48 und Sophienstraße 2. Außerdem ist die Villa des Fabrikanten C. Gross in der Nägelestraße 10 in Stuttgart-Degerloch als Werk des jungen Beisbarth zu erwähnen. Zusammen mit seinem Partner Richard Nübling entstand im Jahre 1893 das Wohn- und Landhaus des Majors von Luck in Stuttgart-Degerloch. Mit dem bereits genannten Architekten Jacob Früh arbeitete Beisbarth jun. in einer Sozietät und edierte 1898 bis 1900 das Tafelwerk "Moderne Wohn- und Zinshäuser: Vorlagen ausgeführter mustergültiger Bauten", das aus zwölf Lieferungen mit 96 großformatigen Tafelabbildungen bestand. Es diente v. a. zu Werbezwecken für das Architekturbüro Beisbarth & Früh. Dieses Büro erbaute auch das Mehrfamilienhaus Eugenstraße 7 in Stuttgart vor 1899 im Auftrag des Metallwarenfabrikanten Gustav Benk. In diesem Gebäude ist heute ein Teil der Abteilungen 1 und 2 des Landesarchivs Baden-Württemberg untergebracht (vgl. https://commons.wikimedia.org/wiki/Carl_Beisbarth_jun.). So ist die Biografie des Carl Beisbarth jun. auch mit einem Gebäude des Landesarchivs Baden-Württemberg verbunden. Große öffentliche Bauten verwirklichte Carl Friedrich Beisbarth jun. nicht. Zwar bewarb er sich 1885 um den Bau der katholischen Kirche St. Paul in München, doch kam er dort nicht zum Zug, auch wenn sein Beitrag zu einem der vier prämierten Entwürfe gehörte (Unterlagen im Architekturmuseum der Technischen Universität München, Briefwechsel zum geplanten Verkauf der Entwürfe Beisbarths in Bü 44). Der von dem Architekturbüro Beisbarth & Früh 1895 eingereichte Entwurf zu einem neuen Rathaus in Stuttgart wurde ebenfalls nicht realisiert, doch gehörte er immerhin zu den sechs angekauften Beiträgen von Architekten. Als Architekt erlangte Carl Friedrich Beisbarth jun. nicht die Bedeutung wie sein gleichnamiger Vater, was sicher auch daran liegt, dass er mit großen öffentlichen Bauten nicht in Erscheinung trat. In der einschlägigen Literatur wird er daher häufig nicht erwähnt. Der Sohn steht auch eindeutig im Schatten seines bedeutenderen Vaters. Zeitlebens blieb der junge Carl Friedrich Beisbarth ledig und kinderlos. Carl Friedrich Beisbarth jun. starb am 30. August 1903. Er fand im Grab seiner Eltern auf dem Fangelsbachfriedhof in Stuttgart seine letzte Ruhestätte.

2. Zum Inhalt des Bestandes: Das Repertorium des Bestandes Q 2/43 gliedert sich in 10 Rubriken. Der überwiegende Teil des Bestandes besteht, wie bereits erwähnt, aus den Nachlässen der beiden Architekten Carl Friedrich Beisbarth sen. und Carl Friedrich Beisbarth jun. Den Auftakt bildet der Nachlass des Architekten und Denkmalpflegers Carl Friedrich Beisbarth sen. (1808-1878) in Rubrik 1. Vereinzelte persönliche Papiere und Schriftstücke über das Vermögen und die Vermählung von Beisbarth sen. sind in der Rubrik Unterrubrik 1.1 zu erwarten. Der wohl wichtigste und zentrale Bestandteil des Bestandes Q 2/43 findet sich in Unterrubrik 1.2. Darin sind alle Formen von Unterlagen zum Wirken des Carl Friedrich Beisbarth sen. als Architekt, Zeichner und Maler zusammengefasst worden. Unterrubrik 1.2.1 beschäftigt sich mit der Ausbildung von Beisbarth sen. und seiner Italienreise in den Jahren 1833-1837. In Bü 19, 29 und 30 sind seine handschriftlichen Exemplare der Reisetagebücher und autobiografischen Aufzeichnungen vorhanden. Die maschinenschriftlichen Abschriften von einzelnen dieser Manuskripte finden sich in Bü 196 und 197 in Form von Digitalisaten. Die teilweise umfangreichen Skizzenbücher zu der Italienreise Beisbarths sind in Bü 12 und 14 erschlossen. Digitalisate eines weiteren Skizzenbuches zur Italienreise weist Bü 185 auf. Das Original dazu findet sich in Privatbesitz. Daran schließen sich die Zeichnungen und Aquarelle von Orten und Gebäuden in Italien an. V. a. die Malereien aus römischer Zeit in Pompeji hatten es seinerzeit Beisbarth sen. angetan. Davon zeugen die relativ umfangreichen Zeichnungen in Unterrubrik 1.2.1.3.1. Beisbarth weilte einige Monate in Pompeji, um sich genauestens mit den Ausgrabungen und der römischen Architektur und Malerei zu beschäftigen. Die Früchte dieses Studienaufenthaltes bilden eben die genannten Zeichnungen in den Skizzenbüchern und auf separaten Blättern in der Unterrubrik 1.2.1.3.1. Erwähnt werden sollen noch die Zeichnungen und Aquarelle zu Malereien in Assisi (Bü 136 und 156) und zu dem Chorgestühl in der Kirche San Pietro in Perugia (Bü 149). Alle diese Aufzeichnungen, Reisetagebücher und Darstellungen geben einen sehr anschaulichen Eindruck von der Reise und den künstlerischen Interessen Beisbarths. Sie dienten ihm auch nach seiner Rückkehr sicher als Inspirationsquelle für seine Arbeit als Architekt und Bauleiter und für die Anfertigung von eigenen Entwürfen. Darüber hinaus weisen sie Beisbarth jun. als Kenner der Kunst der Klassischen Antike und als sehr guten Zeichner und Aquarellisten aus. Beisbarths eigene Arbeit als Architekt, Bauleiter, Restaurator und Denkmalpfleger im Bereich des Kirchenbaus hat die Unterrubrik 1.2.2 zum Gegenstand. Sie umfasst das eigene künstlerische bzw. architektonische Schaffen Beisbarths. Seine Tätigkeit als Denkmalpfleger und Restaurator spiegelt sich in der Unterrubrik 1.2.2.1 wider, in der sich Materialien zur Renovierung der ehemaligen Klosterkirche in Alpirsbach in Form eines Digitalisates (Bü 209), der Pfarrkirche in Nellingen (Bü 17), der Kirche in Schrozberg (Bü 50) sowie der Stiftskirche und Leonhardskirche in Stuttgart finden (Originale in Bü 43, 81, 82, 88 und Digitalisat in Bü 151). Beisbarths wohl bedeutendstes Bauvorhaben ist die für den Stuttgarter Privatier erbaute Villa Bohnenberger in der Olgastraße in Stuttgart, zu der Material in der Unterrubrik 1.2.2.2 zu erwarten ist. Darunter sind Entwurfszeichnungen (Bü 103), Fotos (Bü 71, 72) und das bereits schon genannte Druckwerk (Bü 73). Das Gebäude ist bis heute erhalten. Zum Marktbrunnen in Bad Urach sind Unterlagen und Drucke in Unterrubrik 1.2.2.3 vorhanden. Beisbarths nicht unbedeutende Tätigkeit als Denkmalpfleger ist v.a. in der Unterrubrik 1.2.3.1 ersichtlich. Allen voran ist natürlich seine Dokumentation der Bausubstanz des Neuen Lusthauses in Stuttgart zu nennen, über die bereits im Kapitel 1.1 Biografie von Carl Friedrich Beisbarth sen. berichtet wurde. In Unterrubrik 1.2.3.2 sind die Skizzenbücher Beisbarths vertreten, die überwiegend Nachzeichnungen von architektonischen Details und weniger Entwürfe zu eigenen Bauten enthalten. In dieser Unterrubrik ist ein Album mit Bleistiftzeichnungen und kolorierten Ansichten zu Kirchenbauten auf der Filderebene zu nennen (Bü 189), das in Form von Digitalisaten vorliegt. In diesem Album sind teilweise sorgfältig ausgeführte Abbildungen u. a. von der Martinskirche in Stuttgart-Möhringen vor deren Umbau (Bü 189, 012 bis 189, 017, 189, 020 und 189, 021), von der alten Blasiuskirche in Stuttgart-Vaihingen vor deren Umbau durch den Architekten Christian Friedrich Leins (Bü 189, 031 und 189, 045), von der Uffkirche in Stuttgart-Bad Cannstatt (Bü 189, 011 und Bü 189, 060), von der Bernhardskirche in Stuttgart-Rohracker (Bü 189, 047), von Straßen in Stuttgart-Heslach (Bü 189, 043 und Bü 189, 051), von der alten Lutherkirche in Fellbach (Bü 189, 033 bis Bü 189, 035), von der Nonnenkirche ("Kapelle") in Waiblingen (Bü 189, 013, Bü 189, 026 bis Bü 189, 028) und von der Walterichskapelle in Murrhardt (Bü 189, 010) vorhanden. Ein Schwerpunkt in diesem Album sind die Zeichnungen von architektonischen Details, etwa dem Maßwerk und den Kirchenfenstern im gotischen Stil, bei den genannten Kirchen. Sicher dienten diese Ansichten Beisbarth als Inspiration bei der Anfertigung der Kirchenfenster im neogotischen Stil für die Leonhards- und die Stiftskirche in Stuttgart. Sie sind auch ein Zeugnis für das große Interesse, das zeitweilig der Architekt für die Gotik hegte. Diesen Gesamt- und Detailansichten der Kirchen auf den Fildern kommt zudem noch aus einem anderen Grund eine wichtige Bedeutung zu, da sie bisher in der Forschung und in der Literatur nicht bekannt sind und daher auch bei Schefold, Alte Ansichten aus Württemberg, nicht auftauchen. Zudem dokumentieren sie den baulichen Zustand vor den größeren Umbaumaßnahmen im 19. Jahrhundert. Die Zeichnungen und Aquarelle weisen Carl Friedrich Beisbarth sen. ebenfalls als guten Zeichner und Aquarellmaler aus. Erwähnt sei noch die Abbildung einer Prunktüre im Stil der Neo-Renaissance im Neuen Schloss Baden-Baden (Bü 189, 034) in diesem Album. Ein Skizzenbuch mit Bleistiftzeichnungen von Grabsteinen und -stelen und Glasfenstern schließt sich dem vorab beschriebenen Skizzenbuch an (Bü 20). Beisbarth fertigte auch Entwürfe für Grabsteine, -stelen und -kreuze an. In einem weiteren Album mit Bleistiftzeichnungen (Bü 191), das ebenfalls als Digitalisat einsehbar ist und im Original in Familienbesitz verwahrt wird, sind verschiedenartige Zeichnungen u. a. zu Kirchenbauten und architektonischen Details von der Hand Beisbarths vereinigt. Darunter finden sich u. a. Zeichnungen zur Evangelischen Kirche in Echterdingen (Bü 191, 014, 191, 016 und 191, 031), zur Evangelischen Stadtkirche in Großsachsenheim (Bü 191, 022 bis Bü 191, 028 und Bü 191, 032) und zur Stiftskirche in Tübingen (Bü 191, 013). Auch in diesem Skizzenband überwiegen die Zeichnungen zu Architektur-Elementen im gotischen Stil. Bü 186 weist Digitalisate eines Skizzenbuchs Beisbarths auf, das zahlreiche Skizzen von Gebäuden und teilweise auch zu Bauvorhaben enthält. Genannt seien hier Abbildungen von architektonischen Details der Amanduskirche in Bad Urach (Bü 186, 030), vom Rathaus (Bü 186, 017 und 186, 018) und von der Stephanuskirche (Bü 186, 019, Bü 186, 023 bis Bü 186, 025) in Echterdingen, von der Martinskirche von Kleingartach (Bü 186, 008, 186, 009 und 186, 032), von der Galluskirche in Lichtenstein-Honau (Bü 186, 027), von der Kirche in Oppelsbohm (Bü 186, 010), vom Fürstenstand der Stiftskirche in Stuttgart (Bü 186, 038) und von der Evangelischen Kirche in Stuttgart-Zuffenhausen (Bü 186, 005). Die Skizzen und Zeichnungen entstanden möglicherweise zum Teil im Zusammenhang mit geplanten Bauvorhaben des älteren Beisbarth. Genaueres lässt sich dazu nicht sagen, weil entsprechendes Aktenmaterial in dem Nachlass fehlt. Andererseits gibt es in dem Band wieder einige Skizzen und Zeichnungen zu gotischen Stilelementen, die wohl dem Architekten wieder als Inspiration dienten und ebenfalls sein zeitweiliges Interesse an der Gotik widerspiegeln. Digitalisate von Bleistiftzeichnungen und Aquarellen von Carl Friedrich Beisbarth Vater und Carl Friedrich Beisbarth Sohn sind in dem Album in Bü 192 versammelt. Eine Unterscheidung der beiden Hände war nicht immer eindeutig möglich, auch weil die künstlerischen Arbeiten im Hauptstaatsarchiv nicht im Original sondern nur als Digitalisate vorliegen. Erwähnenswert ist die künstlerische Qualität der Aquarelle, etwa die vermutlich von Beisbarth sen. angefertigte Ansicht eines Stadtpalastes oder "Hôtel" im Flamboyant-Stil (Bü 192, 008), das er sehr wahrscheinlich in Frankreich gesehen hat. Die Aquarelle Bü 192, 005 bis Bü 192, 007, die vermutlich der Sohn malte, erinnern dagegen aufgrund des Motivs und der Art der Darstellung an Illustrationen von Kinderbüchern aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert. Auch in Unterrubrik 1.2.3.3 handelt es sich bei den Zeichnungen und Entwürfen von architektonischen Details, Ornamenten und Gemälden um Nachzeichnungen und teilweise auch um eigene Entwürfe. Leider lässt sich anhand des vorliegenden Materials nicht eindeutig sagen, zu welchen der beiden Gruppen die jeweilige Zeichnung gehört. Zeichnungen und Entwürfe von architektonischen Details, Ornamenten und Gemälden bilden die Unterrubrik 1.2.3.3. Auch hier handelt es sich um Nachzeichnungen Beisbarths und möglicherweise auch um eigene Entwürfe wie in der vorhergehenden Unterrubik. Leider lässt sich anhand der vorliegenden Zeichnungen auch hier nicht eindeutig sagen, ob im Einzelfall eine Nachzeichnung oder ein eigenständiger Entwurf Beisbarths vorliegt. Die Nachzeichnungen dienten, analog zu den Skizzen und Zeichnungen in den Skizzenbüchern, sicher auch als Quelle der Inspiration und als Fundgrube von architektonischen Details für eigene Entwürfe Beisbarths. Stilistisch reichen die Zeichnungen von der Gotik über die Neo-Renaissance und Klassizismus bis zum Historismus. Beisbarth entwarf auch Grabmäler, wie bereits erwähnt, und fertigte zu diesem Zweck auch Entwürfe von Skulpturen und Grabmälern, die in der Unterrubrik 1.2.3.4 zu finden sind. Für die Beisetzung von König Wilhelm I. von Württemberg 1864 entwarf er auch einen "Trauer-Wagen" (Bü 56) in der Unterrubrik 1.24. Außerdem sind in dieser Unterrubrik auch Entwürfe Beisbarths zu einer Ehrenpforte ebenfalls für König Wilhelm I. (Bü 60) und zu einer Triumphpforte anlässlich des Besuchs des Königs 1853 in Mühlacker (Bü 126) enthalten. Der Entwurf für die Gedenktafel am Geburtshaus des Philosophen und Theologen David Friedrich Strauß in Ludwigsburg (Bü 21) von der Hand Beisbarths schließt die Unterrubrik 1.2.4 ab. Ansichten von Orten und Gebäuden sind in der Unterrubrik 1.2.5.1 zu erwarten. Erwähnt seien hier die Digitalisate der Ansichten vom Justizpalast in Stuttgart (Bü 125), des Turms der Domkirche St. Martin in Rottenburg am Neckar (Bü 106) und der Kirche in Eschental (Bü 114). Sie zeigen einmal mehr Beisbarth sen. als talentierten Zeichner und Maler. Aquarelle von Tellern der Majolika-Manufaktur in Pesaro (Bü 112 und 116) sind in der Unterrubrik 1.2.5.2 vorhanden. Unterrubrik 1.2.5.3 fasst Aquarelle mit Genreszenen zusammen. Erwähnt seien hier das Bild einer betenden jungen Dame mit einem Kind vor einem Tabernakelpfeiler (Bü 129) und die Darstellung einer jungen Dame, die in einer gotischen Kapelle vor einem dreiteiligen Altarretabel kniet (Bü 131). Literatur, Zeitungsartikel und Manuskripte über Carl Friedrich Beisbarth sen. vereinigt die Unterrubrik 1.3. Einzelne Archivalien zum Kulturellen Leben in Stuttgart und im übrigen Württemberg weist die Unterrubrik 1.4 auf. Rubrik 2 beinhaltet Material aus dem Nachlass von Carl Friedrich Beisbarth jun. (1848-1903). Diese Nachlassunterlagen erreichen bei weitem nicht den Umfang wie der Nachlass des Vaters. Unterrubrik 2.1 beschäftigt sich mit dem Fideikommissvermögen der Familie Beisbarth (Bü 11 und 36) und mit dem Erbe des Carl Friedrich Beisbarth jun., der keine direkten Nachfahren hatte (Bü 7). Briefe des Architekten und Malers Gustav Bauernfeind (1848-1904), des Kunsthistorikers Professor Wilhelm Lübke (1826-1893), des Domkapitulars von München-Freising Paul Kagerer (1833-1907) und des Erzbischofs von München-Freising Anton von Steichele (1816-1889) sind in Bü 44 in der Unterrubrik 2.2 zu erwarten. Die Briefe der beiden Geistlichen haben die Entwürfe von Carl Friedrich Beisbarth jun. für den Bau der katholischen Kirche St. Paul in München zum Inhalt. Das Wirken des Carl Friedrich Beisbarth jun. als Architekt ist in Unterrubrik 2.3 dokumentiert. Pläne, Entwürfe und Zeichnungen, die von Beisbarth selbst bzw. von einem der beiden Architekturbüros Beisbarth & Nübling bzw. Beisbarth & Früh stammen, in denen Beisbarth als Partner tätig war, finden sich in der Unterrubrik 2.3.2. Die Frage, ob Beisbarth selbst der Urheber des jeweiligen Entwurfes oder ein Mitarbeiter eines der beiden genannten Architekturbüros ist, lässt sich leider nicht immer abschließend beantworten. Hervorzuheben ist in dieser Unterrubrik ein Album mit teilweise kolorierten Federzeichnungen von Villen und Landhäusern (Bü 190) u. a. in dem um 1900 auch in Stuttgart beliebten sog. Schweizerstil, auch Schweizerhaus-Stil oder Chaletstil genannt, der sich u. a. "durch flach geneigte und vorkragende Dächer und Verzierungen an Dächern, Balkonen in Form von Brettschnitzereien auszeichnet" (Wikipedia-Artikel). Möglicherweise handelt es sich bei dem Album um eine Art Prospekt zu Werbezwecken des Stuttgarter Architekturbüros Beisbarth & Nübling. Das Album ist somit ein interessantes Dokument des Baus von Villen und Landhäusern in Stuttgart. Zu einer leider nicht näher bezeichneten Kirche im neogotischen Stil fertigte Beisbarth jun. bzw. sein Architekturbüro ebenfalls Zeichnungen an (Unterrubrik 2.3.2.2, Bü 65). Entwürfe zur Gestaltung der Schaufensterfront einer Apotheke (Unterrubrik 2.3.2.3,Bü 77 und Unterrubrik 2.3.2.4, Bü 78), die von Beisbarth jun. gezeichnet wurden, schließen sich an. Die Unterrubrik 2.3.3 bilden Digitalisate eines Albums mit Zeichnungen von der Hand des Beisbarth jun. mit Abbildungen der Spolien des Neuen Lusthauses in Stuttgart (Bü 188). Darin sind nach dem Stand des Jahres 1891 einzelne damals vorhandene Fragmente bzw. Spolien des Renaissance-Gebäudes in Form von Bleistiftzeichnungen dokumentiert. So sind Ansichten der Arkaden im nordwestlichen Teil des Neuen Lusthauses (Bü 188, 002), ein Fenster (Bü 188, 003), ionische Kapitelle (v. a. Bü 188, 004 und 188, 005), das Postament einer Säule (Bü 188, 0069, ein Bogen (Bü 188, 007), die Außentreppe (Bü 188, 008), Gurtschlusssteine (Bü 188, 010) und ein Gesims (Bü 188, 012) bzw. Fragmente davon zu sehen. Für die Baugeschichte des Neuen Lusthauses und die Geschichte der Spolien des Gebäudes nach dem Brand des zum Königlichen Hoftheater umgebauten Lusthauses sind diese Zeichnungen interessante Quellen. Im gleichen Album gibt es auch eine Außenansicht (Bü 188, 014) und Abbildungen der Deckengemälde (Bü 188, 016) und eines weiteren Freskos (Bü 188, 015) in Form von aquarellierten Bleistiftzeichnungen von der 1898 größtenteils abgerissenen Katholischen Kirche St. Peter und Paul in Oberkochen. Die Bilder geben einen Eindruck von der im Rokoko-Stil erbauten Kirche. An deren Stelle errichtete das Stuttgarter Architekturbüro Beisbarth & Früh die noch heute bestehende Pfarrkirche St. Peter und Paul. Wahrscheinlich wollte Beisbarth jun., analog zu den Zeichnungen, die seinerzeit Beisbarth Vater vom Neuen Lusthaus anfertigte, die Bausubstanz des alten Kirchengebäudes in Form von kolorierten Bildern festhalten. Wie sein Vater fertigte auch Beisbarth jun. Aquarelle und aquarellierte Feder- und Bleistiftzeichnungen von Orten und Gebäuden an, die in der Unterrubrik 2.3.4 in Form von Digitalisaten subsumiert sind. Erwähnt seien hier u. a. die Ansichten der Zitadelle von Belfort (Bü 178 und 179), die wahrscheinlich während des Krieges gegen Frankreich von Beisbarth Sohn gemalt wurden, vom Erker im Schlegler-Schloss zu Heimsheim (Bü 115), von der Brunnenhalle des ehemaligen Zisterzienserklosters Maulbronn (Bü 117), vom Marktplatz in Rappoltsweiler (Ribeauvillé) (Bü 118), von der Kirche St. Fides (Sainte-Foy) in Schlettstadt (Séléstat) (Bü 110) und vom Uracher Marktbrunnen (Bü 108). Digitalisate der Materialsammlungen zur Geschichte der Familien Beisbarth und der mit ihr verwandten Familie Schickhardt bilden Rubrik 3.1 (Bü 175 und 176). Auszüge aus Familienregistern, Ahnen- und Nachfahrentafeln (im Original und als Digitalisate) ebenfalls zur Familiengeschichte Beisbarth sind in Unterrubrik 3.2 zu erwarten. Die Abbildungen einzelner Angehöriger der Familie Beisbarth sind als Digitalisate in Unterrubrik 3.3 vorhanden. Die noch bestehende Grabstätte der Familie Beisbarth auf dem Fangelsbachfriedhof in Stuttgart hat Unterrubrik 3.4 zum Gegenstand. An die Rubrik 3 schließt sich Rubrik 4 mit den Materialien über die mit der Familie Beisbarth verwandten und verschwägerten Familien Schwarz (Unterrubrik 4.1), Walz (Unterrubrik 4.2), Nübling (Unterrubrik 4.3) und Speidel (Unterrubrik 4.4) an. Erwähnt seien hier nur Materialien aus dem Nachlass des Direktors des Gaswerks in Stuttgart-Gaisburg, Dr. Richard Nübling, in Unterrubrik 4.3.2 (im Original und in Form von Digitalisaten) und die umfangreichen Lebenserinnerungen der Gunhilt Nübling geb. Speidel (Digitalisate in Unterrubrik 4.3.3 bzw. Bü 194). In den Nachlass- und Familienunterlagen Beisbarth fanden sich auch mehrere Zeichnungen, Entwürfe, Drucke und Ölgemälde von anderen Architekten und Künstlern, die jetzt in Rubrik 5 vereinigt sind. Auf welchem Weg das Material Eingang in die Nachlass- bzw. Familienunterlagen Beisbarth gefunden hat, lässt sich heute leider nicht mehr sagen. Erwähnt seien hier die in Unterrubrik 5.1 anzutreffenden Entwürfe von Philippe de La Guêpière zum Neuen Schloss in Stuttgart und der Wandaufriss zu einem Raum im Neuen Schloss, der sehr wahrscheinlich von Reinhard Ferdinand Heinrich Fischer (1746-1813) stammt. Unterrubrik 5.1.1 enthält im Original die beiden Drucke "Élévation du Château de Stuttgardt du Côté de la Cour" [Ansicht des Corps de Logis mit dem Ehrenhof des Neuen Schlosses in Stuttgart] (Bü 74) und den Querschnitt durch den Mittelpavillon des Neuen Schlosses in Stuttgart aus dem Sammelwerk "Recueil d¿Esquisse d¿Architecture représentant plusieurs monuments de composition dont partie sont construits" [à Stuttgart] (Bü 75) von dem französischen Architekten Philippe de La Guêpière aus dem Jahre 1752, das nur noch in wenigen Ausgaben vollständig erhalten ist. Die beiden Blätter gehörten einst wahrscheinlich dem Architekten-Club Stuttgart, worauf ein Stempel des Clubs hinweist. Bü 75 ist in der Literatur zum Neuen Schloss schon abgehandelt und abgebildet worden. Es bildet das Pendant zu dem von Leopoldo Retti erstellten Querschnitt durch den Mittelpavillon aus der Zeit um 1748, das u. a. im Landesmuseum Württemberg unter der Inventar-Nummer 1953/284 verwahrt wird, und zeigt die Veränderungen am Plan Rettis. Während Retti die Innenausstattung im Stil des Rokoko gestalten wollte, ist der Plan von de La Guêpière bereits dem frühklassizistischen Stil, der in Frankreich auch goût grecq genannt wird, verbunden. Philippe de La Guêpières Plan sah etwa Änderungen am Grundriss des Marmorsaales und des Vestibüles vor. Er ersetzte die Doppeltür Rettis durch eine einfache Tür. Die Wände sind bei de La Guêpière schon in dem genannten Frühklassizismus gestaltet. Es ist denkbar, dass Beisbarth sen. oder jun. die beiden Blätter bewusst gesammelt haben. Näheres lässt sich nicht sagen. Auch über die Beziehungen des Stuttgarter Architekten-Clubs zu den beiden Beisbarths ließen sich keine Angaben ermitteln. Das herausragende Kunstwerk des Bestandes aus der Sicht des Architektur- und Kunsthistorikers ist der in Unterrubrik 5.1.2 verwahrte Wand- und Deckenaufriss eines Raums im Neuen Schloss zu Stuttgart (Bü 92). Die teilweise lavierte Zeichnung in grauer Feder auf Bleistift stellt das Deckengemälde und die vier Wandaufrisse im frühklassizistischen Stil wahrscheinlich des Arbeitszimmers von Herzog Karl Eugen von Württemberg im Neuen Schloss zu Stuttgart dar. Das Deckengemälde zeigt wohl die Aufklärung, welche die Finsternis bzw. die Unbildung oder Unwissenheit vertreibt. Die Wandaufrisse präsentieren einige der römischen und christlichen Kardinaltugenden wie Caritas (Liebe), Justitia (Gerechtigkeit) und Fortitudo (Tapferkeit). Der vierte Wandaufriss weist einen Trumeauxspiegel zwischen zwei Fenstern über einem Konsoltisch auf. Mit Blick auf die Türen und der diagonal abgeschrägten Ecke des Raumes konnte dieser in dem Grundriss des Neuen Schlosses von Reinhard Ferdinand Heinrich Fischer, der im Landesmuseum Württemberg unter der Inventar-Nummer 1953/390-395 verwahrt wird, als das Arbeitszimmer Herzog Karl Eugens von Württemberg innerhalb der Enfilade identifiziert werden. Für das Arbeitszimmer spricht auch das Bildprogramm des Deckengemäldes und der Wände, das den Herrscher als aufgeklärten Regenten, der mit den römischen und christlichen Kardinaltugenden begabt ist, ausweist. Der vorliegende Plan sollte dem Herzog eine Vorstellung von der Gestaltung seines Arbeitszimmers geben. Um die Räumlichkeit noch besser visualisieren zu können, hat der Künstler an den vier Ecken diagonal zur Darstellung des Deckengemäldes Falze angebracht, so dass das Blatt dergestalt gefaltet werden konnte, dass die Abbildung des Deckengemäldes in der Mitte war und die vier Wandaufrisse seitlich angebracht waren. Natürlich stellt sich hier sofort die Frage nach dem Zeichner. Zwar enthält die Zeichnung keinerlei Hinweise auf den Urheber, doch kommt gerade wegen der hohen Qualität nur ein sehr kleiner Kreis von Künstlern in Betracht. Auffallend ist dabei, dass der Zeichner gute Kenntnisse und Fertigkeiten auf den Gebieten der Architektur, Malerei und Bildhauerkunst besaß, denn alle drei Künste sind in der Zeichnung vertreten. Die Architektur wird durch den Raum und die Wandaufrisse repräsentiert, die Malerei durch das Deckengemälde und die Bildhauerkunst durch die Wiedergabe der Skulpturen oder Reliefs an den Wänden, welche die Tugenden darstellen. Ein bedeutender Künstler in Württemberg, der um 1760 bis 1770 in allen drei genannten Künsten ausgebildet wurde, war der in Stuttgart geborene Architekt Reinhard Ferdinand Heinrich Fischer, der die Malerei bei Nicolas Guibal, die Architektur bei Philippe de La Guêpière und die Bildhauerkunst bei Johann Christian Wilhelm Beyer erlernt hatte. Durch Vergleich mit einem signierten Entwurf R.F.H. Fischers in der Staatsgalerie Stuttgart, der die Nordwand des Rittersaales im Alten Schloss zeigt, konnte die Zuschreibung bestätigt werden, da sich beide Zeichnungen in der Darstellung sehr ähneln. Außerdem war R.F.H. Fischer zur Zeit der Entstehung des Plans für den Bau des Neuen Schlosses in Stuttgart verantwortlich. Daher ist es sehr naheliegend, dass er auch die vorliegende Zeichnung anfertigte. Die Unterrubrik 5.2 enthält ein Album mit Aufnahmen, Drucken und Zeichnungen (Bü 95), die teilweise Bauwerke des bedeutenden neogotischen Architekten Friedrich Freiherr von Schmidt (1825-1891) enthalten. Schmidt stammte aus Gschwend (Württemberg) und machte in Wien Karriere als Architekt, Denkmalpfleger, Professor für mittelalterliche Baukunst an der Wiener Akademie der Bildenden Künste und Dombaumeister des Wiener Stephansdoms. In der Hauptstadt der K.u.K.-Monarchie baute er u. a. das Rathaus. In dem Album finden sich Aufnahmen von Plänen Schmidts für die frühere katholische Pfarrkirche und heutige Kathedrale St. Florin in Vaduz (Bü 95 S. [12] und [13]), für den Neubau der Kirche auf Schloss Wernigerode (Bü 95 S. [10] und [11]) sowie für mehrere Kirchen- und Profanbauten, die nicht identifiziert werden konnten oder in der geplanten Form auch nicht gebaut wurden. Außerdem sind in dem Album auch zahlreiche nicht von einem Architekten signierte Entwürfe zu Gebäuden, etwa zu einem Opern- und einem Theatergebäude im Stil des Historismus, Aufnahmen von Kirchen in Florenz (Bü 95 S. [30] und [31]), Ausschnitte aus der französischsprachigen Zeitschrift "L¿Illustration" mit Abbildungen einer Sitzung des französischen Staatsrates unter Kaiser Napoleon III. im Jahre 1857 (Bü 95 S. [39]), Ansichten der Doppeltreppe im Palazzo Madama in Turin (Bü 95 S. [40]), der Grablege der schwedischen Könige in der Riddarholmskyrkan in Stockholm (Bü 95 S. [41]) und des Grabmals von Marschall Moritz von Sachen in der Straßburger Kirche St. Thomas (Bü 95 S. [42]) vereinigt. Im hinteren Teil des Albums sind Zeichnungen von Details des sog. Hohenberger oder Grüninger Prachtkapitells in der Bartholomäuskirche in Markgröningen (Bü 95 S. [62]), Abbildungen von einer Marienfigur (Madonna) aus der Kilianskirche in Heilbronn, von einem mit gotischen Pilastern und Säulen verzierten Haus am Stuttgarter Marktplatz (beide Bü 95 S. [66]) und vom Geländer der Galerie im Tanzsaal der Villa Berg (Bü 95 S. [67]) zu sehen, die alle wahrscheinlich Carl Friedrich Beisbarth sen. anfertigte. Auf welchem Wege die Fotos von Plänen des Friedrich Freiherr von Schmidt in den Besitz der Familie Beisbarth kamen, lässt sich leider nicht sagen, weil hierzu das Quellenmaterial nicht vorhanden ist. Möglicherweise stand Carl Friedrich Beisbarth sen. oder sein gleichnamiger Sohn in Kontakt mit dem aus Württemberg kommenden Star-Architekten aus Wien. Leider sind keine Korrespondenzen oder ähnliche Dokumente, die dies beweisen könnten, erhalten. Das Album diente unabhängig davon als eine Art Sammlung von Aufnahmen und Drucken von Gebäuden und auch von Möbeln, die wohl der Inspiration von Beisbarth Vater und möglicherweise auch Beisbarth Sohn dienten. Unterrubrik 5.3 besteht aus Zeichnungen und Plänen von P. Klein, welche v. a. die für den Stuttgarter Oberingenieur Heinrich Single von Carl Friedrich Beisbarth sen. erbaute Villa Single in der Mörikestraße 18 (Bü 52) und die Ansicht der Längsfassade einer nicht näher bezeichneten Villa im Stil des Historismus bzw. Second Empire (Bü 62) wiedergeben. Leider konnte der Zeichner bzw. Architekt P. Klein nicht näher identifiziert werden. Aquarelle und Ölgemälde der württembergischen Malerin Louise Henriette von Martens (1828-1894, nach Thieme-Becker 1897) bilden die Unterrubrik 5.4.1. Darunter finden sich Ansichten vom Kernschloss von Schloss Lichtenstein (Bü 134), von Mühlehorn am Walensee (Kanton Glarus) (Bü 132), vom Kirchturm des Heilig-Kreuz-Münsters in Rottweil (Bü 133) und von St. Maurice im Kanton Wallis (Bü 134). Eigentlich ist die Künstlerin durch Bildnisse bekannt geworden, doch schuf sie auch vereinzelt Landschaftsaquarelle, wie die vorliegenden Bilder beweisen. Ob die Ansicht der Regiswindiskapelle (Bü 123) in Unterrubrik 5.4.2 wirklich von Beisbarth sen. gemalt wurde, wie auf der Rückseite des Bildes angegeben, ist fraglich. Gegen Beisbarth spricht, dass die Art der Darstellung völlig von den anderen Abbildungen von Gebäuden in diesem Bestand abweicht. Das Gemälde bietet eine Ansicht der Regiswindiskapelle, die von einer sehr romantischen Stimmung geprägt ist. Es zeigt die Kapelle, wie sie abends durch das Licht der langsam untergehenden Sonne "angestrahlt" wird. Dabei spielt natürlich der Maler bewusst mit der Wirkung von Licht und Schatten. Das bedeutet, dass bei dem Gemälde die Stimmung sehr stark im Vordergrund steht, was für ein Ölgemälde der Romantik sehr typisch ist. Beisbarths Ansichten von Gebäuden und Orten heben dagegen stärker das Bauwerk bzw. die Gebäude als solche hervor. Die Stimmung ist für ihn nicht wesentlich. Natürlich finden sich auf seinen Ansichten auch teilweise Verschattungen oder Personen als Staffage, aber sie sind nur Nebensachen. Das Hauptaugenmerk richtet Beisbarth bei seinen Bildern auf die Dokumentation der baulichen Substanz oder der Wirkung des Gebäudes in dem umgebenden Raum, d. h. er sieht die Gebäude mit dem Auge eines Architekten. Folglich sind seine Bilder das Zeugnis eines malenden Architekten. Ein interessantes Dokument eines Italienreisenden aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist das Reisetagebuch einer Romreise vom 6. April bis 19. Juni 1823 in Unterrubrik 6 (Bü 31), das von einem anonymen Autor geschrieben wurde. Leider konnte der Verfasser des Tagebuches trotz intensiver Recherchen nicht ermittelt werden. Anhand der Einträge kann auch nicht geklärt werden, ob es sich um einen Archäologen, Kunsthistoriker oder Architekten handelt. Auffallend ist das große Interesse des Mannes, der das Tagebuch führte, an den Ausgrabungen von römischen Bauten in Rom und Ostia, die ausführlich beschrieben werden, während die Kirchen Roms nur am Rande Erwähnung finden. Auch geht aus dem Tagebuch hervor, dass der Schreiber über eine solide humanistische Bildung verfügte und gut zeichnen konnte. Da in dem Tagebuch nur wenige Personennamen erwähnt werden, ist eine Zuschreibung an einen Autor schwierig. So werden der italienische Archäologe Antonio Nibby (1792-1839), der früh verstorbene deutsche Maler Franz Horny (1798-1824) und der Kunsthistoriker und Schriftsteller Carl Friedrich von Rumohr (1785-1843) genannt. Versuche über Korrespondenzen der genannten Personen den Verfasser zu ermitteln, schlugen fehl. Hinzu kommt, dass zur fraglichen Zeit sehr viele deutsche Künstler und Gelehrte in Rom lebten, so dass der Kreis der in Betracht kommenden Personen sehr groß ist. Literatur und Zeitungsartikel über Gebäude (v. a. das Neue Lusthaus in Stuttgart), Kunsthandwerker und Kunsthistoriker sind in Rubrik 7 vereinigt. Rubrik 8 enthält in Form von Digitalisaten eine Sammlung von Maueranschlägen, Extrablättern und Zeitungen, die Gunhilt Speidel (geb. Nübling), die Mutter von Herrn Volkmar Speidel, angelegt hat. Erwähnenswert sind dort v. a. Aufrufe, Extrablätter aus der Zeit der Revolution 1849 in Baden (Bü 193, 001), des Krieges gegen Frankreich 1870 (Bü 193, 002 bis 007) und des Ersten Weltkrieges. Wie der in Rubrik 9 beschriebene Stadterweiterungsplan der Stadt Geislingen an der Steige von der Hand des Bau-Inspektors Knoll (Bü 70) über die Erweiterung der Stadt Geislingen in Richtung Rorgensteig in den Besitz der Familie Beisbarth kam, lässt sich nicht sagen. Der Plan ist ein interessantes Dokument für die Stadtgeschichte Geislingens. In Rubrik 10 Anhang sind ebenfalls Archivalien vereinigt, bei denen nicht bekannt ist, wie sie in den Besitz der Familie Beisbarth gelangten. Dazu gehört etwa eine Urkunde von Erben der Ulmerin Anna Katharina Weickmann über den Verkauf von Grundstücken in der Nähe von Neu-Ulm (Unterrubrik 10.1, Bü 99). Außerdem sind Akten zum Bau einer Kloake in einem Stuttgarter Wohnhaus 1754 bis 1755 (Bü 63), zum Entleeren der Kloaken auf den Stuttgarter Straßen in der Zeit 1810-1837 (Bü 69) und zur Abschaffung der sog. Schnabel-Dachrinnen in Stuttgart 1803 (Bü 68) in Unterrubrik 10.2 zu erwarten, die einen interessanten, aber zugleich auch ekelerregenden Einblick in die hygienischen Verhältnisse Stuttgarts zur damaligen Zeit geben. Die Beschreibung über den Eisenbahnbau zwischen Augsburg und München im Haspelmoor zwischen Hattenhofen und Althegnenberg 1846 (Bü 27) und ein Dokument zum Erwerb der Hauseinfahrt und Waschküche aus dem Besitz des Hofrats von Fischer zum Bau des alten Bahnhofs in Stuttgart (Bü 26) finden sich in Unterrubrik 10.3. Schließlich weist Unterrubrik 10.4 noch die Manuskripte und Entwürfe zu einem Gedicht wahrscheinlich anlässlich der Einweihung eines Weinkellers in Stuttgart auf (Bü 98). Eine Mappe aus Leder mit einer Ansicht des Areals der Aktiengesellschaft Dampfziegelei Waiblingen (Bü 102) bildet die Unterrubrik 10.5.

3. Zur Ordnung und Verzeichnung des Bestandes: Die originalen Nachlassunterlagen von Carl Friedrich Beisbarth sen. und von Carl Friedrich Beisbarth jun. wurden zusammen mit anderen Materialien im November 2013 von Herrn Volkmar Speidel in Winterbach-Engelberg, einem direkten Nachfahren von Carl Friedrich Beisbarth sen., an das Hauptstaatsarchiv als Geschenk abgegeben. Die Übergabe erfolgte durch Vermittlung von Herrn Dr.-Ing. Nikolai Ziegler, der im Rahmen seiner Dissertation über das Neue Lusthaus in Stuttgart (Zwischen Form und Konstruktion. Das Neue Lusthaus zu Stuttgart) diese Materialien bei der Familie Beisbarth bereits zuvor eingesehen und intensiv ausgewertet hatte. Sie bilden heute die Nummern 1 bis 104 des Bestandes Q 2/43. Neben den Originalen übergab Herr Speidel dem Hauptstaatsarchiv leihweise weitere Dokumente aus seinem Besitz und dem seiner Geschwister zum Zwecke der Digitalisierung. Diese werden unter den Nummern 105 bis 209 in diesem Repertorium aufgeführt. Die Originale wurden aber den Besitzern wieder zurückgegeben. Bei der Erschließung der Digitalisate war es erforderlich, dass jedes Digitalisat einzeln verzeichnet werden musste. Die Bestellnummern weisen auf die Signaturen der Digitalisate im Intranet des Hauptstaatsarchivs Stuttgart hin. Die Beschreibung der Zeichnungen orientiert sich in dem vorliegenden Findbuch an den Beschreibungen, die üblicherweise die Kunsthistoriker in den Ausstellungs- und Museumskatalogen verwenden. Anstelle von "kolorierter Federzeichnung" steht daher eine exaktere Beschreibung wie "Feder in Braun über Bleistift". Damit kann die Ausführung der Zeichnungen detaillierter beschrieben werden, als es bisher möglich war. Die Unterlagen sind frei benutzbar. Es bestehen keine Auflagen seitens der ehemaligen und jetzigen Eigentümer. Der Bestand Q 2/43 wurde im Jahre 2016 erschlossen. Nach der Verpackung umfasst er ca. 0,7 lfd. Meter mit 104 Nummern. Hinzu kommen die oben bereits genannten Nummern 105 bis 209, die nur in Form von Digitalisaten im Intranet des Hauptstaatsarchivs einsehbar sind. Stuttgart, im März 2017 Eberhard Merk

4. Literatur über Carl Friedrich Beisbarth sen. (1808-1878) und Carl Friedrich Beisbarth jun. (1848-: 4.1 Literatur über Carl Friedrich Beisbarth sen. (1808-1878): Bach, Max: [Artikel über] Karl Beisbarth. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB) Bd. 46. Leipzig 1902. S. 341. Breig, Christine: Der Villen- und Landhausbau in Stuttgart 1830-1930. Ein Überblick über die unterschiedlichen Umsetzungen und Veränderungen des Bautypus Villa in Stuttgart (Veröffentlichungen des Archivs der Stadt Stuttgart. Bd. 84). Stuttgart 2004. Merk, Eberhard: Bisher unbekannte Ansichten des Neuen Lusthauses im Hauptstaatsarchiv Stuttgart. In: Archivnachrichten Nr. 42/2011. S. 40. Nübling, Richard: Carl Friedrich Beisbarth. In: Sonntagsbeilage zum Schwäbischen Merkur Nr. 94. 26. Februar 1927. S. 17 (Bü 3 und 18). Nübling, Richard: Carl Friedrich Beisbarth. Ein Lebensbericht anhand von Tagebuchaufzeichnungen. Ossenberg, Horst: Was bleibt, das schaffen die Baumeister. Das württembergische Hof- und Staats-Bauwesen vom 15. bis 20. Jahrhundert. Norderstedt 2004. Ostertag, Roland, Förderverein Neues Lusthaus in Stuttgart (Hg.): Das Neue Lusthaus im Schlossgarten Stuttgart. Eine Publikation vom Verein zur Förderung und Erhaltung historischer Bauten e. V. Stuttgart. Stuttgart 2009 (Bü 198). Thieme-Becker. Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart Bd. 3. München 1992. S. 211-212. Wais, Gustav: Alt-Stuttgarts Bauten im Bild. Stuttgart 1951 .Nachdruck. Frankfurt am Main 1977. Weber-Karge, Ulrike: "¿ einem irdischen Paradeiß zu vergleichen ¿" Das Neue Lusthaus in Stuttgart. Sigmaringen 1989. Artikel über Carl Friedrich Beisbarth sen. (1808-1878) in Wikipedia. Will, Monika: Das Stuttgarter Lusthaus in den Zeichnungen und Kommentaren des Architekten Carl Friedrich Beisbarth (1808-1878): ein Beitrag zur Denkmalpflege im 19. Jahrhundert. [Magisterarbeit]. Stuttgart 1982. Wintterlin, August: Karl Friedrich Beisbarth. Nekrolog. In: Schwäbischer Merkur Nr. 41 vom 16. Februar 1879, S. 321. Wintterlin, August: Beisbarth. In: Julius Meyer (Hg.): Allgemeines Künstler-Lexikon: unter Mitwirkung der namhaftesten Fachgelehrten des In- und Auslandes, gänzlich neubearbeitete Auflage von Nagler¿s Künstler-Lexikon. Bd. 3. Leipzig 1885. S. 342-343. Wintterlin, August: Württembergische Künstler in Lebensbildern. Stuttgart 1895. S. 388-397 (Bü 1). Ziegler, Nikolai: Bis in die Einzelheiten einer großartigen Dachkonstruktion. Die Bauaufnahme des Stuttgarter Lusthauses durch Carl Friedrich Beisbarth. In: Bericht über die 48. Tagung für Ausgrabungswissenschaft und Bauforschung. Hg. von der Koldewey-Gesellschaft. Vereinigung für Baugeschichtliche Forschung e. V. Stuttgart 2015. S. 271-275. Ziegler, Nikolai: Vergessene Fragmente. Die Ruine des Neuen Lusthauses im Stuttgarter Schlossgarten. In: Schwäbische Heimat. Heft 4/2015. S. 437-444. Ziegler, Nikolai: Zwischen Form und Konstruktion. Das Neue Lusthaus zu Stuttgart. Ostfildern 2016. Ziegler, Nikolai (Bearbeiter): "Eine der edelsten Schöpfungen deutscher Renaissance". Das Neue Lusthaus zu Stuttgart. Begleitbuch und Katalog zur Ausstellung des Landesarchivs Baden-Württemberg, Hauptstaatsarchiv Stuttgart, [20. Oktober 2016 bis 17. März 2017]. Hg. vom Landesarchiv Baden-Württemberg, Hauptstaatsarchiv Stuttgart. Stuttgart 2016. 4.2 Literatur über Carl Friedrich Beisbarth jun. (1848-1903): Breig, Christine: Der Villen- und Landhausbau in Stuttgart 1830-1930. Ein Überblick über die unterschiedlichen Umsetzungen und Veränderungen des Bautypus Villa in Stuttgart (Veröffentlichungen des Archivs der Stadt Stuttgart. Bd. 84). Stuttgart 2004. Liste der Kulturdenkmale im Internet unter www.stuttgart-stadtgeschichte.net/pdf/Liste_Denkmaeler_Stuttgart-pdf Raff, Albert (Redaktion): Degerloch 2000: damals & heute. Stuttgart 2000. Artikel über Carl Friedrich Beisbarth jun. (1848-1903) in Wikipedia Liste der von Carl Friedrich Beisbarth jun. errichteten Gebäude: https://commons.wikimedia.org/wiki/Carl_Beisbarth_jun. Sonstige Literatur: "Recueil d¿Esquisse d¿Architecture représentant plusieurs monuments de composition dont partie sont construits" [à Stuttgart]. 1759 Stephan, Regina: Altes und Neues Schloß Stuttgart mit ihrer Umgebung. Hg. von Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg in Zusammenarbeit mit der Staatsanzeiger für Stuttgart GmbH. Stuttgart 1999. Wenger, Michael: 250 Jahre Neues Schloß in Stuttgart. Entwürfe und Ausstattungen von Herzog Carl Eugen bis König Wilhelm II. Hg. 1996 aus Anlaß des 250. Jubiläums der Grundsteinlegung 1746 in Zusammenarbeit mit der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg. Stuttgart 1996. 50 Jahre Wiederaufbau Neues Schloss in Stuttgart. Hg. vom Ministerium für Finanzen und Wirtschaft Baden-Württemberg. Stuttgart 2014.
Umfang:
209 Nummern (0,70 lfd. m)
Online-Beständeübersicht im Angebot des Archivs: