Geroldseck (Bestand)

Verzeichnungsstufe:
Bestand
Bestandssignatur:
Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Generallandesarchiv Karlsruhe, 111
Kontext:
Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Generallandesarchiv Karlsruhe (Archivtektonik) >> Ältere Bestände (vornehmlich aus der Zeit des Alten Reichs) >> Akten >> Kleinere weltliche Territorien >> Geroldseck
Bestandslaufzeit:
[1383]-1823
Bestandsbeschreibung:
Überlieferungsgeschichte

Aus dem bedeutenden Herrschaftsgebiet der Grafen von Geroldseck blieb 1634, als die männliche Linie ausstarb, nur die kleine Obere Herrschaft übrig. Sie bestand aus Schloß Hohengeroldseck mit den Vogteien Schönberg, Prinzbach, Seelbach und Schuttertal, dem halben Stab zu Reichenbach und Schloß Dautenstein. Über die Familie von Cronberg kam die Herrschaft, z.T. als österreichisches Lehen, 1697 in den Besitz der v. d. Leyen. Gleichzeitige Versuche der Markgrafen von Baden-Durlach, nach der ehemals geroldseckischen Unteren Herrschaft Lahr-Mahlberg nun auch diese Obere Herrschaft an sich zu ziehen, schlugen fehl. Die von der Leyen erhielten aufgrund des Besitzes von Hohengeroldseck den Reichsgrafenstand und wurden 1806 souverän. 1813 kam das Fürstentum in österreichischen, 1819 in badischen Besitz.
Das ältere Archiv der Herrschaft scheint z.T. bei Bränden auf Schloß Dautenstein (1636) und Hohengeroldseck (1688) verbrannt zu sein. Einen anderen Teil hatte Anna Maria, Tochter des letzten Grafen von Geroldseck, 1634 nach Straßburg geflüchtet. Durch ihre Heirat mit Markgraf Friedrich von Baden gingen die Archivalien in das Durlacher Archiv ein, in dem schon früher badische und geroldseckische Unterlagen vermischt worden waren (vgl. Bestand 27). Archivalien cronbergischer Provenienz scheinen während der badischen Besetzung der Herrschaft am Ende des 17. Jahrhunderts sichergestellt worden zu sein. Im 19. Jahrhundert kamen nicht nur Akten der vorderösterreichischen Regierung und Kammer, sondern auch der Wiener Lehenregistratur und des Reichshofrats dazu. Sie finden sich heute z.T. auch in den Beständen 47 und 72. Aus dem Nachlaß eines Beamten gelangten schließlich 1822 Akten aus der von der Leyenschen Verwaltung in das Generallandesarchiv - der Hauptbestand dieser Provenienz wurde bis vor kurzem im Fürstlich von der Leyenschen Archiv in Waal verwahrt (vgl. Bestand 111P).



Geschichte der Herrschaft Hohengeroldseck: Die 1819 von Baden erworbene Herrschaft Hohengeroldseck bzw. "Grafschaft Geroldseck" ist in ihrem territorialen Bestand im wesentlichen das Herrschaftsgebiet der Herren von Geroldseck zu Hohengeroldseck, wie es bis zum Tod des letzten Herrn von Hohengeroldseck 1634 bestanden hat. Es setzte sich zusammen vor allem aus den zum Schloss Hohengeroldseck gehörigen Vogteien Schönberg und Prinzbach, aus den Vogteien Seelbach mit Steinbach und Kuhbach, Schuttertal, aus dem halben Stab zu Reichenbach und dem Schloss Dautenstein. 1277 war der Besitz des Hauses Geroldseck in die obere (Hohengeroldseck) und die untere Herrschaft (Lahr-Mahlberg) geteilt worden. Die untere Herrschaft mit den Herrschaftsmittelpunkten in Lahr und Mahlberg blieb bis zum Aussterben der Linie Geroldseck-Lahr 1426 in deren Besitz. über eine Erbtochter kam sie an die Grafen von Moers-Saarwerden, die jedoch die eine Hälfte 1442 an Markgraf Jakob von Baden veräußerten. Von den Moers-Saarwerden kam die verbliebene Hälfte an die Grafen von Nassau. Die Herrschaft blieb jedoch bis 1629 formal ungeteilt. Damals erhielt das katholische Haus Baden- Baden, dem bei der Teilung Badens 1535 der Anteil an der unteren Herrschaft zugefallen war, die Herrschaft Mahlberg, das protestantische Haus Nassau(-Saarbrücken) hingegen die Herrschaft Lahr. 1803 fiel auch der nassauische Teil an Baden. Die Akten Lahr-Mahlberg in Abt. 117 bestehen einerseits aus dem baden-badischen, baden-durlachischen (1594-1622 Inhaber des baden-badischen Anteils, 1659-1727 Inhaber des nassauischen Anteils) und badischen Schriftgut, andererseits aus den aus Idstein extradierten nassauischen Archivalien. Die Urkunden Lahr- Mahlberg in Abt. 27 umfassen auch die in baden-durlachischen Besitz gelangten Urkunden hohengeroldseckischer Provenienz. Die Linie Hohengeroldseck nannte sich seit 1524 "Herren von Hohengeroldseck und Sulz", um den Anspruch auf die Güter der um 1480 ausgestorbenen Linie Geroldseck-Sulz (vgl. den Bestand A 169 Herren von Geroldseck im Hauptstaatsarchiv Stuttgart) auch im Titel geltend zu machen. Das Schloss Hohengeroldseck befand sich mit den Vogteien Schönberg und Prinzbach 1486 bis 1504 in kurpfälzischer Hand. Dieser Teil der Herrschaft wurde 1526 dem Haus Österreich zu Lehen aufgetragen. Nach dem Tod Jakobs von Hohengeroldseck 1634 fiel der allodiale Teil der Herrschaft zunächst an seine Tochter Anna Maria Gräfin von Solms. Da sich Adam Philipp von Cronberg eine Anwartschaft auf die Reichs- und österreichischen Lehen der Herrschaft hatte sichern können, entzog Österreich 1635 der nunmehr verwitweten Erbtochter die gesamte Herrschaft. Anna Marias Versuche, eine Trennung der Lehen von den Eigengütern herbeizuführen, schlugen fehl. Nach ihrem Tod 1649 verfocht ihr - seit 1644 - zweiter Gemahl und Alleinerbe Markgraf Friedrich V. von Baden-Durlach die Ansprüche auf das Hohengeroldsecker Allod weiter. Von 1650, dem Datum seiner Mündigkeit, bis zu seinem Tod 1692, regierte Graf Kraft Adolf Otto von Cronberg über Hohengeroldseck. Nachdem Baden-Durlach durch weitgespannte diplomatische Aktivitäten keinen Schritt weitergekommen war und dies, obwohl die Hohengeroldsecker Sache 1648 in das Instrument des Westfälischen Friedens Eingang gefunden hatte, nahm Baden-Durlach nach dem Tod des Cronbergers 1692 die Herrschaft in Besitz. Doch bereits 1697 wurde der Markgraf auf Betreiben von Reichsfreiherr Carl Caspar von der Leyen, dessen Familie seit 1677 eine Anwartschaft auf Hohengeroldseck innehatte, mit Waffengewalt wieder vertrieben. Die Leyen erhielten aufgrund des Besitzes von Hohengeroldseck den Reichsgrafenstand und blieben bis 1813 hier souverän. 1806 bildete das Territorium aus sieben Dörfern mit kaum 4500 Einwohnern den kleinsten Mitgliedsstaat des Rheinbundes. 1815 wurde Hohengeroldseck für Österreich in Besitz genommen, 1819 wurde es von Baden erworben. Bis sie 1831 im badischen Amt Lahr aufging, blieb die Grafschaft Hohengeroldseck als "Provisorisches Amt Hohengeroldseck" mit Seel bach als Verwaltungssitz bestehen.

Die Provenienzen: 1. Das Archiv der Herrschaft Hohengeroldseck Über die Verwaltung der Herrschaft Hohengeroldseck im Mittelalter existieren nur wenige Nachrichten (BÜHLER, Herrschaft, S. 149- 151). In der pfälzischen zeit ist als Amtmann Eustachius von Pfullendorf belegt, der die Rechnung von 1496 (111/316) schrieb und 1498 einen Bericht über Wildbann, Geleit und Zoll (111/267) verfasste. Aus dem Amt des Burgvogts zu Hohengeroldseck entwickelte sich das Amt des Amtmanns, der in Zusammenarbeit mit seinem Herren die Geschäfte führte. 1556/57 heißt Michel Nieder Burgvogt (111/213), 1568 Amtmann zu Geroldseck (111/35). Von 1568 (111/231) bis 1587 (111/220) ist Johann Breitschedel als Amtmann der Herrschaft bezeugt. Er erscheint in den alten Repertorien häufig als Aussteller bzw. Empfänger von Schreiben. Ebenfalls als Amtmann ist Adam Heydt 1597 belegt (111/27). Neben dem Amtmann gab es den geroldseckischen Landschreiber, ein Amt, das Johann Zacharias Lenglin 1569/70 (111/213) und 1572 (111/7) bekleidete. Doch auch die regierenden Herren von Hohengeroldseck beteiligten sich aktiv am Kanzleigeschäft, wie aus den von ihnen eigenhändig geschriebenen Akten hervorgeht. Über die Amtsführung eines geroldseckischen Amtmanns gibt das 1633 über den schriftlichen Nachlass des von etwa 1613 bis etwa 1626 tätigen Alexander Rollwagen (zu seiner Herkunft vgl. 111/347) verfertigte Repertorium Auskunft (111/251) ; den dazugehörigen Akten aus dem Nachlass wurde ein Auszug aus diesem Verzeichnis beigegeben (nachweisbar heute nur noch in 111/315). Dass amtliche Unterlagen bei dem Tode von Bediensteten sich in dessen Privathaushalt vorfanden, war nichts Ungewöhnliches. So befanden sich hohengeroldseckische Akten im Nachlass des langjährigen Advokaten der Herrschaft, Johann Georg Becht zu Straßburg (46/5408) ; das Verzeichnis der im Haus des badischen Geheimen Rats Reinhard vorgefundenen amtlichen Schriften aus dem Jahr 1772 führt u.a. 5 Faszikel Geroldseckiana auf (74/558), und die Akten leyenscher Provenienz des Bestands 111 kamen 1822 über den Nachlass des Amtmanns von Schmidt in badischen Besitz (111/257). Die älteste Nachricht über das Archiv auf Hohengeroldseck liefert die von der Pfalz veranlasste Abschrift der auf der Burg bei ihrer Einnahme 1486 vorgefundenen Urkunden in einem Kopialbuch (67/636; vgl. BÜHLER, Herrschaft, S. 87). Im 18. Jahrhundert vermerkte der baden-durlachische bzw. badische Archivar Steinhäuser in diesem Band, wenn zu der jeweiligen Urkunde eine Ausfertigung im "Repertorium Originalium" nachweisbar war. Bestimmte Sachbetreffe, etwa die zu einer Eheschließung gehörigen Urkunden, wurden in einer "Lade" gesammelt: 111/33 enthält das Verzeichnis einer solchen Lade, nämlich der Stoffelnschen. Als Glücksfall muss die Erhaltung einer großen Anzahl älterer Repertorien aus der Zeit um 1600 bezeichnet werden, als Jakob von Hohengeroldseck die Herrschaft innehatte. Der Registrator Jakob Zuckschwert gibt 1607 an, mit ihrer Erstellung seien die Registratoren Niclaus Haidt selig, Caspar Kantengießer und Hieronymus Becker beschäftigt gewesen (111/233). Das Ergebnis ihrer Arbeit war die Einteilung eines Teils des Schriftguts in 42 Laden, die mit 1-42 bezeichnet waren, und in 12 "Lehen Laden", bezeichnet mit den Buchstaben A-M. Als Gesamtübersicht fungierte das "Laden-Register" 111/191. Die Vergabe der Bestellnummern für die alten Repertorien 111/190-232 bei der Neuordnung des Bestands in den 1950er Jahren orientiert sich für die alten Repertorien 111/190-232 an dieser alten Ladeneinteilung. Von den Repertorien der 54 Laden fehlen heute 19 Nummern: 12, 13, 16, 18, 21, 25-27, 29-32, 35, 37, 38, 40, 42, C, E. Die Niederschrift der Repertorien erfolgte wohl in den Jahren nach 1594; das einzige datierte Stück vom 25. März 1594 (111/190) über die Kastvogtei Ettenheimmünster ist mit seiner sonst nicht mehr aufgenommenen Mischung aus Vertragszusammenfassungen und erzählendem Aktenreferat wohl ein Vorläufer. Die Anlage der anderen Repertorien ha t anhand der Reichenbacher Lade bereits der genannte Registrator Zuckschwert analysiert (111/233). Innerhalb der einzelnen Laden wurden zunächst die - in Faszikel zusammengefassten - datierten Schreiben in chronologischer Folge verzeichnet, anschließend die undatierten Schreiben und danach die "Protocolla". Da außer Datum, Absender und Empfänger auch der Betreff angegeben ist, zum Teil auch ganz knapp der Inhalt des Schreibens, können die erhaltenen Repertorien als Einzelblattverzeichnung in den verlorenen Akten dokumentierte Vorgänge ersatzweise erschließen. Wo in den erhaltenen Akten Übereinstimmungen mit dem Inhalt der Altrepertorien bemerkt wurde, wurde ein entsprechender Hinweis unter den "Bemerkungen" eingetragen - doch sind diese Angaben von Vollständigkeit sicher weit entfernt. Bei den einzelnen Laden lag neben dem soeben besprochenen Ordinari-Register jeweils auch ein Extraordinari-Register, das jeweils nur Verweise auf den bei dem jeweiligen Betreff einschlägigen Inhalt anderer Laden bzw. ihrer Repertorien enthielt. Aus der älteren Repertoriums-Serie ist nur 111/203 als Beispiel eines solchen Verweisrepertoriums erhalten (es ergänzt das Ordinari-Repertorium 111/202). Die aus dem Laden-Register 111/191 erschließbare Tektonik des Archivs vermischte Ortsbetreffe (Herrschaftsbestandteile z.B. Lade 5 "Seelbach" und Beziehungen zu anderen Herrschaften z.B. Lade 8 "Lohr") und Sachbetreffe (z.B. Lade 19 "Frantzösische Kriegsbezahlung"). Die Lehenladen bezogen sich auf ein oder mehrere Aktivlehenobjekte. Damit war aber offenbar nur ein Teil des Archivs erschlossen. Aufgrund der bereits erwähnten Denkschrift Zuckschwerts 111/233, der er auch eine Zeichnung der Ladenanordnung einer Idealregistratur beigab, gab Jakob von Hohengeroldseck am 10. Oktober 1607 seine Zustimmung zur weiteren Ordnung der Registratur (111/235). Teils befand sich das Schriftgut damals noch auf Hohengeroldseck, teils schon auf dem neuerbauten Schloss Dautenstein, wie aus einem Ablieferungsverzeichnis der einzelnen Archivladen an den Rat und Registrator Zuckschwert hervorgeht (111/191). Dieser dürfte seiner Arbeit in Dautenstein nachgegangen sein. Das Ergebnis dieses zweiten Durchgangs war ein in zwei Fassungen erstelltes Repertorium, für das jedoch der Notar Ulrich Keller von Ruelesch verantwortlich zeichnet. Die Erstfassung trägt die Datierung 1609 (111/248) , die vollständigere Ausfertigung ist nicht datiert, enthält aber Stücke bis 1611 (111/249, fol. 5). Auf der Erstfassung 111/248 bemerkte bereits der baden-durlachische Registrator Brodhag 1699: "N[ot]a auff dieses Repertorium ist gantz nicht zugehen". Die Ausfertigung 111/249 gestattet einen Einblick in den zugrundegegangenen Schatz einer reichen Amtsbücherüberlieferung. Von den zu Tomi vereinten Faszikeln ist jeweils die Laufzeit und die Anzahl der Stücke angegeben. In ähnlicher Weise wurde 1633 der bereits erwähnte NachlaB des Amtmanns Rollwagen verzeichnet (111/251) -dieses Repertorium ist durch zahlreiche Namensangaben eine wichtige prosopographische Quelle. Damals könnte Johann Ulrich vinther Registrator gewesen sein, der 1654 als gewesener geroldseckischer Registrator des Archivi wegen ausstehender Besoldung supplizierte (46/5408) und dem 1649 die in baden-durlachischen Besitz übergegangenen Herrschaftsakten anvertraut wurden (111/75). Die Aufgeschlossenheit der "Regenten" der Herrschaft für Kanzleiarbeiten wurde bereits angesprochen. Hierher gehört auch das eigenhändige "Tagregister" Walthers von Hohengeroldseck 1546/47 (65/242; vgl. KLEIN S. 98). Besonderes Augenmerk richteten die Hohengeroldsecker auf die Geschichte ihrer eigenen Familie. Wegen einer "vorhabenden delineation [...] Geroltzeckischer Genealogie" richtete Jakob von Hohengeroldseck 1598 eine Anfrage an den fürstenbergischen Rat Melchior Joner zu Haslach, in der er um Mitteilung von Grabinschriften aus dem Kloster wittichen bittet (FAUTZ). Möglicherweise ist, so Hermann Fautz, der Hohengeroldseckische Stammbaum in Donaueschi ngen (vgl. HONICKEL), von dem Johann Jakob Reinhard 1766 eine Kopie anforderte (111/171; die Kopie heute 73/113a), ein noch zu Lebzeiten Jakobs entstandenes Ergebnis seiner genealogischen Nachforschungen. Über die Provenienz einer Ahnenprobe Walthers (XVIII.) von Hohengeroldseck 73/87a ist nichts bekannt. Noch weitere Zeugnisse für das rege Familien- und historische Bewusstsein der Geroldsecker lassen sich anführen. Familiennotizen Diebolds I. von Hohengeroldseck aus den Jahren 1447-1459 hat jüngst HLAWITSCHKA ediert (ohne die ältere Edition von MONE zu kennen). Der gelehrte humanistische Sammler Matthäus von Pappenheim verfasste eine Familienchronik (65/239; bei KLEIN S. 97f. ist die Nr. 4 im Repertorium Originalium 68/159 zu ergänzen) , die Gangolf von Hohengeroldseck mit eigenhändigen Marginalien versah (M.STEMMLER S. 9 nach Hinweis von Otto Herding) und über die er 1538 den Freiburger Humanisten Kaspar BaIdung um eine briefliche Äußerung bat (111/269, spätere Abschrift; zum ganzen Zusammenhang vgl. vor allem BÜHLER, Beiträge; DERS., Familiengeschichte). Wie viel bei der Flüchtung der geroldseckischen Archivalien durch Anna Maria von Hohengeroldseck nach Straßburg in Dautenstein bzw. Hohengeroldseck verblieb, ist unklar. über das Schicksal des Archivs enthält die baugeschichtliche Literatur (HENSLE; KEWITZ) keine Hinweise. Bei der Plünderung von Schloss Dautenstein 1636 seien alle Mobilien verbrannt außer einem "karch" mit Briefen, die die Untertanen während des Brandes nach Hohengeroldseck getragen hätten - so die spätere Aussage eines Zeugen 1648, die allerdings von anderen Zeugen nicht bestätigt wird (111/80). Was bei der Zerstörung von Hohengeroldseck 1688 zu Grunde ging, lässt sich nicht abschätzen - das leyen'sche Archiv enthält jedenfalls keine älteren Akten hohengeroldseckischer Provenienz. 2. Das baden-durlachische bzw. badische Schriftgut Zur Archivgeschichte Baden-Durlachs in der frühen Neuzeit existieren im wesentlichen nur die summarischen Ausführungen von Manfred Krebs in seiner Beständeübersicht (ohne Belege; diese finden sich in 69 N Krebs/146) und die Mitteilungen von ROTH über die Archivare des 18. Jahrhunderts. Wohl unmittelbar nach dem Tod ihres Vaters 1634 hat Anna Maria von Hohengeroldseck das Archiv der Herrschaft oder zumindest einen großen Teil davon nach Straßburg in Sicherheit bringen lassen. Sie begründete dies mit den Unsicherheiten der Kriegszeit (111/252) - die Ereignisse sollten ihr Recht geben. In der rechtlichen Auseinandersetzung mit Österreich, das sie als Witwe eines protestantischen Heerführers auch der allodialen Bestandteile der Herrschaft entsetzt hatte, legte sie als Beweismittel nur beglaubigte Abschriften vor - die Dokumente blieben in Straßburg (111/252). Dass Anna Maria 1644 die vierte Gemahlin Markgraf Friedrichs V. von Baden-Durlach wurde (vgl. 46/5406-5417; Inventare. ..Bd. 2, S. 232) , erklärt sich wohl vor allem aus dem Bedürfnis nach einer wirksamen Vertretung ihrer Ansprüche auf Hohengeroldseck. Als sie 1649 starb, gingen die Geroldseckischen Archivalien an ihren Alleinerben, den Markgrafen, über. Im Mai 1649 wurde das bisherige Quartier des Schriftguts, ein Raum im Rappoltsteinischen Hof, versiegelt (46/5413) ; im September wurden die Kisten mit den Dokumenten in die untere Erkerstube des markgräflichen Hofs zum Drachenfels in Straßburg überführt und dem bisherigen geroldseckischen Registrator Vinther anvertraut (111/75; 46/5412). Weitere geroldseckische Archivalien, darunter zwei Laden mit "Originalien" (Urkunden), wurden dem Markgrafen im August 1651 von den Erben des langjährigen geroldseckischen Advokaten Johann Georg Becht in Straßburg übergeben, als er eine Besoldungsforderung der Erben befriedigt hatte (46/5408). Es handelte sich insbesondere um Beilagen zu der von Becht verfassten Deduktionsschrift der Anna Maria von Hohengeroldseck: "Wolgegründete in facto et jure beständige Deduction", datiert Straßburg 29. März 1636 (z.B. in 111/3 ). Als Beweismittel in den langwierigen Auseinandersetzungen Baden- Durlachs mit Cronberg um die Herrschaft Hohengeroldseck spielten die Unterlagen des Archivs naturgemäß eine besondere Rolle. Bereits 1649 befand sich ein Teil der Unterlagen in der baden- durlachischen Kanzlei, wo sie zur Verfechtung der baden-durlachischen Ansprüche benötigt wurden (46/5413). Wiederholt forderte Cronberg die Auslieferung der geroldseckischen Dokumente, die die lehenbaren Teile betrafen, doch hatte Baden- Durlach keinerlei Interesse, seine wichtigsten Beweismittel aus der Hand zu geben (z.B. 111/253, 254). Ein undatierter, bei 1676 in den Akten eingereihter Bericht des Registrators Krantz argumentierte, die von Baden-Durlach geforderte Trennung der Lehen und Allode sei die Voraussetzung für eine Extradition, außerdem würden die Dokumente doch nur zu Bedrückung der Untertanen und Prozesszwecken begehrt (111/254). Dem Bericht war ein- leider verlorenes - Repertorium beigefügt. Johann Caspar Krantz, 1669 als baden-durlachischer Registrator belegt (111/110; Dienerakten sind nicht vorhanden) und 1677 Verfasser eines Vorschlags für die Reform des Archivs (74/340), begegnet mit seiner markanten Handschrift auf einem großen Teil der Aktentitel jenes Aktenbestandes, der später im Geheimratsrepertorium (GR) 68/34 verzeichnet werden sollte. Einem von Krantz geschriebenen Verzeichnis der Geroldseckischen Akten, die am 16. August 1669 aus der Hofratsregistratur dem Hofrat Kieffer zugestellt wurden (111/70), ist zu entnehmen, dass die Aktenbildung durch Krantz damals zumindest teilweise bereits erfolgt war. Dies ergibt die Übereinstimmung der Rubra auf den Akten und in diesem Verzeichnis (z.B. Verzeichnis Nr. 2 = 111/73; GR 781). Hervorzuheben sind die Darin-Vermerke der baden-durlachischen Registratoren, die sich bereits bei Krantz finden. So konnten die oben herangezogenen Akten zu den Verhandlungen mit den Bechtischen Erben 46/5408 nur aufgrund eines Verweises im Repertorium 68/34 ermittelt werden - bei der Verzeichnung der Abteilung 46 im letzten Jahrhundert wurde der alte Darin-Vermerk des Aktentitels ignoriert. wie noch heute ist das in dieser Hinsicht Machbare freilich eine Funktion der zeit. Dies war schon dem Registrator Brodhag um 1700 klar, der auf 111/120 notierte: I! Nota dieser Fasciculus enthält noch andere als die Geroltzeckische Materie, so hier zu seiner Zeith zu annotiren und dieser Fasciculus bey ihren Materien zu allegiren. Die Zeith ist aber dermalen zu kurtz ! Inwieweit die auf der Karlsburg in Durlach aufbewahrten geroldseckischen Akten (Hinweis auf den Lagerort 1671: 111/85; vgl. auch das alte Pallium von 111/367) von dem verheerenden Brand der Karlsburg in Mitleidenschaft gezogen wurden, lässt sich nicht feststellen. Im Mai und Juni 1699 widmete sich der 1697 bestallte Registrator Samuel Brodhag (zu ihm ROTH S. 146) in Basel, dem neuen sitz des baden-durlachischen Archivs, der Bestandsaufnahme der geroldseckischen Archivalien. Er ging dabei von den oben erwähnten alten Repertorien aus, die er mit Revisionsvermerken versah. Eine zusammenfassende Übersicht über das Erhaltene und die Verluste hat sich zusammen mit seinem Tätigkeitsbericht vom November 1699 in 74/345 erhalten. Der Vergleich ergab, dass die Akten "zimblich incomplet" waren. Die Ursache der Überlieferungsverluste war ihm selbst nicht klar, wie Brodhags Bemerkung auf dem Repertorium 111/249 beweist. Was bei der Revision vom 19. bis 21. Juni 1699 vorgefunden wurde, sei mit I!adestl! markiert worden, alle übrigen - nach Ausweis der adest-Vermerke der Großteil der Akten - "seind muthmaßlich im Durlach [er] Brand verlohren gangen". Bei den nach den alten Repertorien gemusterten Akten handelt es sich um den später im "Repertorium Actorum" (RA) verzeichneten Bestand. Das Gros des baden-durlachischen Schriftguts über Hohengeroldseck, das sich heute in Abt. 111 befindet, befand sich im 18. Jahrhundert in zwei getrennten Archivcorpora. Das eine Corpus, in der Hauptsache der Rest des Hohengeroldsecker Archivs mit dem cronbergischen Schriftgut, blieb relativ intakt in Basel und wurde 1772/73 von Johann Erhard Steinhäuser im RA (68/160) verzeichnet. Das andere im GR verzeichnete Corpus befand sich ganz oder in Teilen auf ständiger Wanderschaft zwischen Basel und Karlsruhe. Steinhäuser notiert in einer Vorbemerkung des RA vom August 1772, die in "GR Repertorio I" befindlichen Geroldseckischen Akten seien in Karlsruhe und hätten nicht eingearbeitet werden können. Die wohl I!Geheimer Ratl! aufzulösende Abkürzung GR für den im Repertorium 68/34 verzeichneten Bestand begegnet z.B. auch auf dem Titel von 111/133: "ad GR I Gerolsegg. Vol. XI No.5". Bevor auf den Altbestand RA eingegangen werden soll, ist kurz auch das Schicksal der hohengeroldseckischen Urkunden zu streifen, die sich heute zusammen mit den Urkunden von Lahr- Mahlberg in Abt. 27 befinden (dort ist vor allem die Rubrik "Hohengeroldseck" einschlägig; zur Übersicht vgl. immer noch Inventare. ..Bd. 4, S. 220-224). Die Vermischung der Provenienzen war wohl schon 1699 angelegt, denn während in einem Verzeichnis der Rubriken des Archivs 1699 die Rubrik "Geroltzeckische Sachen" unter den Aktenrubriken für sich allein steht, findet sich unter den Rubriken der Originalien die Rubrik "Lahr und Geroltzeckische Sachen" (74/345). Allerdings gibt Brodhag in seinen Monita (ebd.) an, er habe in den von ihm revidierten geroldseckischen Akten die bei den Akten befindlichen Urkunden nicht herausgenommen. 1773 erstellte Steinhäuser das "Repertorium Originalium über die Herrschaft Hohengeroldseck" (68/159), in das er auch die bereits in einem Vorgängerrepertorium aus der Mitte des 18. Jahrhunderts (ebd.) erfassten Urkunden einarbeitete. Das auf dem Titelblatt 1773 datierte Repertorium Actorum (RA) wurde von dem vormals baden-durlachischen, nunmehr badischen Registrator Steinhäuser geschrieben. Von den ehemals 870 Nummern des RA konnten in den Beständen des GLA nur 236 identifiziert werden, also etwa 27 Prozent (105 Faszikel in Abt. 111, 119 in Abt. 229). Ist der alte von Steinhäuser in charakteristischer Weise beschriftete Aktentitel mit Angabe der Rubriken erhalten, so ist eine solche Identifizierung problemlos möglich. In diesem Findbuch wird die laufende Nummer des RA unter den "Bemerkungen" notiert; eine Konkordanz RA -heutige GLA-Signatur weist die in Abt. 111 und anderen Beständen des GLA ermittelten Stücke aus dem RA nach. Während Abt. 111 für die "Generalia" zuständig war, wurden Faszikel mit reinem Ortsbetreff im 19. Jahrhunderts der Abt. 229 zugeordnet. Durchgesehen wurden alle Faszikel der Orte Bellenberg (Wald), Berghaupten, Dautenstein, Kuhbach, Prinzbach, Reichenbach, Schönberg, Schuttertal, Schutterwald, Schweighausen, Seelbach, Wittelbach und Zunsweier. Bis auf eine Ausnahme (229/118563) tragen die Stücke noch alle das Steinhäuser'sche Deckblatt. Mag auch in den Beständen anderer Orte aus Abt. 229 noch das eine oder andere Stück aus dem RA versteckt sein, so lässt sich doch festhalten, dass am Anfang des 19. Jahrhunderts eine Kassation großen Ausmaßes stattgefunden haben muss. Der Bestand des RA ist kein reiner Provenienzbestand, sondern eine nach Pertinenzgesichtspunkten geschaffene Einheit. Bereits unter Brodhag wurden einzelne Stücke nach Pertinenzgesichtspunkten umgruppiert, wie der Vermerk "ad acta Zell geleget" in einem der 1699 revidierten alten Repertorien beweist (111/209 fol. 7v). Die Erstellung des RA bedeutete eine vollständige Neu- und Umordnung des hohengeroldseckischen Schriftguts. Dies zeigt bereits ein Vergleich mit dem von Steinhäuser gefertigten Vorgänger-Repertorium, das ebenfalls Repertorium Actorum hieß (ebenfalls 68/160). Dieses war 1748 (dem Jahr des Dienstantritts steinhäusers in Basel) oder 1749 niedergeschrieben worden, denn es war bereits am 26. Juli 1749 zusammen mit dem erwähnten Vorgänger-Repertorium des Repertorium Originalium dem Geheimen Rat übersandt worden (111/179 mit dem Geheimratsprotoko ll 61/495 Nr. 1027). Es war von Anfang an als Interimsrepertorium gedacht und hielt sich in der Anordnung im wesentlichen an gewachsene Registraturkörper. Dagegen wurde im RA eine durchgehende Rubrikenordnung vorgenommen, d.h. es wurden auch alte Faszikel aufgelöst. Dies ergibt sich aus den durchgehenden Verweisen Steinhäusers im alten Repertorium auf die neuen Rubriken des RA. So heißt es bei einem Faszikel: "sub suis rubris passim". In den alten hohengeroldseckischen Repertorien und noch im Vorgängerrepertorium des RA herrschte eine Ordnung nach Ortsbetreffen vor. Für das RA wurden die alten Einheiten in Sachakten aufgelöst. Das RA kennt - anders als die spätere Brauer'sche Rubrikenordnung - keine Ortsrubriken, sondern nur Sachrubriken, auch wenn unter der größten Oberrubrik "Nachbarliche Spänne" versteckt doch Ortsbetreffe gebildet wurden. Hervorzuheben sind wieder die sorgfältigen Verweise auf andere Rubriken. Jede Rubrik zerfiel in ein oder mehrere Volumina, diese wiederum in Fascicula. Auf den Akten selbst vermerkte Steinhäuser die Nummer des Faszikels; falls die Rubrik mehrere Volumina besaß, auch die Nummer des Volumens. Später hat er alle Faszikel von 1-870 durchnumeriert; die Numerierung findet sich allerdings nur im RA (und in diesem Findbuch unter den "Bemerkungen"), nicht auf den Akten.

Bestandsbeschreibung: Der Bestand 111 "Akten Geroldseck" besteht aus 401 Faszikeln (1- 400 und 307a) in derzeit 33 nicht gezählten Konvoluten. Davon ist ein Faszikel (111/258) seit 1959 verschollen. Über die Bildung und Ordnung des Bestands im GLA ließen sich keine expliziten Aufzeichnungen etwa in Form von Arbeitsprotokollen der Archivare des GLA ermitteln. Bezeichnend für die "stiefmütterliche" Behandlung dieser Abteilung ist, dass in den Vorarbeiten von Manfred Krebs für die Beständeübersicht kein Blatt über den Bestand 111 vorhanden ist (69 N Krebs/147) . Die 11 Schreiben der Hausakten des GLA über das Archiv der Herrschaft Hohengeroldseck 450/422 betreffen vor allem amtliche Anfragen 1828-1857. Der Bestandsbildung lag die übliche Konzeption des GLA zugrunde, "Generalia" und "Specialia" (Ortsakten) zu trennen. Während die Ortsakten des RA der späteren Abteilung 229 zugeordnet wurden, wurden die auf den Bereich der Grafschaft Geroldseck bezüglichen Akten aus den verschiedenen Provenienzen ohne eindeutigen Ortsbezug als Generalia dem Aktenbestand "Geroldseck" zugewiesen und in die Rubrikenordnung gebracht. Beispielsweise ist das Pallium von 111/164 beschriftet mit "Geroldseck Gen[eralia] Ansprüche" (ähnlich auch 111/162). Ein Recherchebericht des GLA vom 31. Mai 1839 über das Jagdrecht lässt diese Einteilung ebenfalls erkennen. Außer in den Specialia von vier Orten wurde in den Generalia von Baden-Durlach, der Herrschaften Lahr und Hohengeroldseck und des Kinzigkreises unter verschiedenen Rubriken nachgesucht (450/422). Vor der Erstellung des Zettelrepertoriums (ZR) existierte kein Findmittel; die Benutzung konnte sich nur an den Rubriken orientieren, die zum Teil auf den Aktentiteln mit Bleistift vermerkt sind. Eine Benutzung der Akten ist nachweisbar für das 1882 erschienene Werk von Philipp Ruppert, der "G.L.A. Geroldseck. Akten" zitiert (S. 245 Anm. **). Vor der Ordnung des Bestands waren die Konvolute durchnumeriert, doch lässt sich eine Rekonstruktion der alten Aufstellung nicht vornehmen. Das ZR nimmt gelegentlich auf diese alte Konvolutnummerierung Bezug (zu 111/4, 7, 31, 148, 149, 258) .Viele der alten Konvolut-Deckblätter mit der laufenden Nummer sind in den neuen Deckblättern wiederverwendet worden. Diese alten Deckblätter tragen je zwei Faszikelangaben (z.B. das für das heutige Konvolut 111/289-300 verwendete Deckblatt des Konvoluts 2 die Angaben "11-19" und "227-286"), doch ist ein eindeutiger Zusammenhang mit den Vorordnungsnummern des ZR nicht auszumachen. Nur vermuten lässt sich, dass diese Nummerierung, die mit Bleistift auf den Akten und rechts unten auf den Karten des ZR angebracht ist, sich in etwa an der früheren Ordnung des Bestandes orientierte. Nach der Neuordnung wurde zunächst auf den Akten und im ZR eine vorläufige laufende Nummer, anschließend die endgültige Bestellnummer im Stempel des GLA eingetragen. Die 1954 veröffentlichte Gesamtübersicht von Manfred Krebs führt Bd. 1, S. 273 zu den damals 39 Konvoluten der Abt. "111 Akten Geroldseck" kein Findmittel an. Das ZR besteht aus den meist mit Schreibmaschine beschriebenen Karteikarten mit Titeleinträgen, den Rubrikenkarten, den Verweisungskarten auf den Bestand 229 und einem 1974 erstellten Verzeichnis der im Zuge der Sicherheitsverfilmung angefertigten Filme. Aus diesem Verzeichnis ergibt sich, dass 111/400 erst nach 1974 dem Bestand hinzugefügt wurde. Nach Auskunft von Dr. Hans Georg zier wurden die handschriftlichen Einträge in den Titelaufnahmen von Dr. Günther Haselier (seit 1954 am GLA) vorgenommen. Haselier versah die Karten mit rotem Kugelschreiber mit einer provisorischen Nummerierung 1-384~ die endgültige Eintragung der laufenden Nummer im Stempel des GLA erfolgte durch Joseph Meisch. Die 12 Verweisungskarten auf den Bestand 229 stammen von der Hand Gustav Rommels Terminus ante quem für die Verzeichnung ist ein "We" (Helmut Weber) bezeichneter Eintrag vom 14.12.1959 auf einem Legschein über das Fehlen von 111/258 "bei der Aufstellung d. Abt.". In d en Jahresberichten des GLA 1950-1971 (450/150: 1950- 55; 450/181: 1956-63; 450/1036: 1964-71) und ihren Beilagen, den stichwortartigen Tätigkeitsberichten der Beamten, ist kein Hinweis auf die Neuordnung des Bestandes 111 zu entnehmen. Festzuhalten ist, dass diese im Zeitraum 1954/59 durch Günther Haselier erfolgte, vermutlich kurz vor 1959. Die Titeleinträge des ZR, die vermutlich von einer Schreibkraft anhand der Aktentitel erstellt wurden, enthalten die Laufzeit, eine -willkürlich normalisierte bzw. nichtnormalisierte - Transkription des alten Aktentitels, unvollständige Angaben über Provenienz und Altsignaturen sowie vereinzelte Bemerkungen zur Provenienzgeschichte. Als Wiedergabe der oft sehr ausführlichen alten Aktentitel bieten sie z.T. über die Titelaufnahmen dieses Findbuchs hinausgehende Informationen und können daher in Einzelfällen ergänzend herangezogen werden. Karlsruhe, im September 1987 Dr. Klaus Graf

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Die Provenienzen - Fortsetzung: Das Gros des RA-Bestands bildete natürlich der Rest des Hohengeroldsecker Archivs aus der Erbschaft der Anna Maria von Hohengeroldseck. Daneben finden sich Akten genuin baden-durlachischer Provenienz, die aus der baden-durlachischen Verwaltung der Herrschaft Hohengeroldseck von 1692 bis 1697 hervorgegangen sind. Erstaunlich ist, dass auch eine ganze Anzahl Akten cronbergischer Provenienz den Weg nach Basel gefunden hat (im RA vor allem unter der Rubrik Cronberg. Acta Privata verzeichnet). Das wahrscheinlichste ist die Annahme, dass Baden- Durlach bei der Übernahme der Herrschaft cronbergische Amts- und Familienakten zur Rechtssicherung beschlagnahmt hat. Den Akten über die Besitzübernahme ist jedoch kein Hinweis darauf zu entnehmen. In einem Fall scheinen hohengeroldseckische Akten unter Cronberg weitergeführt worden zu sein (Laufzeit 1634-1672) , doch könnte die Zuordnung auch auf Steinhäuser zurückgehen (229/96821). Von den in Abt. 229 ermittelten Stücken aus dem RA ist auch 229/6784 cronbergischer Provenienz. Den Rest des RA-Bestandes bildet eine Streuüberlieferung aus verschiedenen baden-durlachischen Registraturkörpern, die nach der Orts- und Sachpertinenz Hohengeroldseck dem RA zugewiesen wurden. Beispielsweise lag 229/6803 laut Altsignatur "FHR Kas. XI" zuvor bei Lahrer Akten (vgl. auch 111/377; 229/17095). Unklar ist, wie behändigte Schreiben an die Herren von Rüppur und von Reischach 1603-1634 (111/283) in baden-durlachischen Besitz gekommen sind. Ein ähnliches Rätsel geben Stücke baden-badischer Provenienz auf, die bereits um 1700 zum Bestand des GR gehörten (111/40, 314). "Hochwertiger" als der RA- ist der GR-Bestand, wenn man ihn im Hinblick auf die politische Geschichte beurteilt. Er ist so gut wie geschlossen erhalten, wie die beigegebene Konkordanz GR - Altsignatur -GLA-Signatur beweist. Nach dem Verzeichnis von 1730 (111/179) fehlen die Faszikel mit den alten Signaturen VI 1/22, VI 3, VIII 2 und IX 1b, dagegen sind 87 Faszikel erhalten. Selbst wenn die Stücke nicht mehr auftauchen, ist für die Faszikel VI 3 und VIII 2 eine Inhaltsübersicht in 47/77 überliefert. Der GR-Bestand ist 1669 als Teil der Hofratsregistratur belegt (111/70), um 1700 wurde er in dem von Samuel Brodhag begonnenen Repertorium über die vom Durlacher Brand nach Basel geretteten Geheimen, Hof- und Kirchenratsakten verzeichnet, das später als das Repertorium des Geheimen Rats galt (68/34). Die Geroldseckischen Sachen lagerten in Kasten 10, später 10a. Das Repertorium stammt von der Hand Brodhags, der sich schon 1697 um die Akten des GR-Bestands verdient gemacht hatte (vgl. 111/70). Brodhags Titel weichen von den Formulierungen der Aktentitel ab, sodass für eine exakte Identifizierung auch das 1730 erstellte Abgabeverzeichnis (111/179) heranzuziehen ist, das sich wörtlich an die Rubra auf den Akten hält. Beide Verzeichnisse ergänzen einander, da das Verzeichnis von 1730 einige Volumina nur ganz kursorisch erwähnt. wie RA ist auch GR in Volumina und Fascicula eingeteilt, die Volumina (I-XIV) werden mit römischen, die Faszikel mit arabischen Ziffern auf den Akten gekennzeichnet. Nur im GR, nicht auf den Akten sind die Faszikel bzw. Repertoriumseinträge durchgezählt von 731 bis 813, vermutlich von Steinhäuser, der auch Nachträge anbrachte. Angesichts der Bedeutung der Akten erhielt der Registrator Carl Friedrich Drollinger, später ein renommierter Literat (zu ihm als Archivar vgl. ROTH), den Auftrag, die für die Betreibung des Prozesses in Sachen Hohengeroldseck wichtigen Akten des GR- Bestandes genau zu verzeichnen (47/77). Im Oktober 1711 hatte Drollinger diese Aufgabe beendet. Ein Exemplar dieser vorzüglichen Einzelblatterschließung - bei wichtigeren Stücken ist der Inhalt ausführlich zusammengefasst - wurde den jeweiligen Akten beigegeben (in diesem Findbuch weist die Bemerkung "Aktenverzeichnis" auf ein solches Drollingersches Resümee hin), ein anderes kam in den Faszikel 47/77. Auch einige RA-Bestände wurden von Drollinger auf politisch be deutsames durchgesehen. Er zitiert sie nach der alten Ladenanordnung des Basler Archivs, die auch auf den alten Hohengeroldsecker Repertorien vermerkt ist, z.B. "Kast. L Lad. 91 tom 7 fasc. 1". 1714 wurden alle GR-Akten vom Geheimen Rat nach Karlsruhe angefordert und auch expediert (47/77; 111/179, 378). Es ist müßig, den jeweiligen Aufenthaltsort der GR-Akten während des 18. Jahrhunderts feststellen zu wollen -Auskunft über die häufigen Aktenversendungen gibt die Korrespondenz mit dem Basler Archiv in 111/179 (vgl. auch 74/696 und 697). Noch 1773 befand sich der GR- Bestand, der als die Geroltzeckischen Geheimen Rats Acta angesprochen wird, geschlossen beim Geheimen Rat (111/300). Erst 1784 wurden sie zurückgesandt. Damals sollten die Akten der Herrschaften Geroldseck, Lahr und Mahlberg in Ordnung gebracht werden- ein vergeblicher Wunsch, wie ein Vermerk aus dem Jahr 1800 zu der entsprechenden Anweisung berichtet (111/289). Der Geheime Rat Brauer bemerkte 1790 zur Aktenlage, dass die 1749 von dem Geheimen Rat Reinhard für den Geheimen Rat eingeforderten Akten erst bei seinem Amtsantritt zurückgesandt wurden. Sie waren in der Geheimen Registratur geblieben, "wo sie als stiefkinder behandelt u. wegen Mangel des Plazes bald hier bald dorthin gestossen wurden"(111/175). Damals bestand der Plan, alle geroldseckischen Akten zusammenzuführen. Von den "Archivakten" (GR oder RA?) wird bemerkt, sie würden am Ende des 17. Jahrhunderts schließen, während die Akten der (Geheimen) Registratur in den 1750er Jahren beginnen würden (ebd.) Neben einigen Stücken der Provenienz Hohengeroldseck enthält der GR-Bestand vor allem die "politische Korrespondenz" in der Hohengeroldsecker Sache (für Ergänzungen vgl. Inventare. ..Bd. 2 und 3, Register s.v. Geroldseck). Die Frage, wie die Akten 111/117, die unzweifelhaft Provenienz "von Mercy" sind, in das baden-durlachische Schriftgut gerieten, kann glücklicherweise aufgrund der Akten 111/124 beantwortet werden: sie wurden auf Befehl des Markgrafen vom 26. Juli 1694 für Baden-Durlach in Wien gekauft und nach Ausweis des Aktentitels 1701 von Durlach nach Basel übersandt (vgl. auch Brodhag auf 111/118). Nach der Vereinigung mit Baden-Baden wurden gelegentlich Stücke aus dem baden-badischen Archiv Lahr-Mahlberg in die GR-Akten eingeschoben (111/68, 101, 129, 314), 1804 auch Stücke aus XII Ettenheimmünster in die RA-Akten 111/284- freilich durch entsprechende Vermerke gekennzeichnet. Überhaupt kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Archivare des 17. und 18. Jahrhunderts zuweilen bewusster Rechenschaft über ihre Arbeit abgelegt haben als ihre Kollegen in der Folgezeit. Die Akten der baden-durlachischen bzw. badischen Geheimen Registratur über Geroldseck setzen im wesentlichen um die Mitte des 18. Jahrhunderts ein; sie sind in einem nach 1802 angelegten Repertorium verzeichnet (68/80, zusammen mit Verzeichnissen von Amtsakten). Im 19. Jahrhundert wurde der Bestand auf unsinnige Weise zerrissen; außer den Akten der Abt. 111 gehören 47/78-80, 82-85 und 74/696, 697 hierher. Diese Akten des Geheimen Rats werfen auch einiges Licht auf das wirken des Historiographen der Herrschaft Hohengeroldseck, des Geheimen Rats Johann Jakob Reinhard (1714-1772). Er war einer der bedeutendsten Staatsdiener Baden-Durlachs im 18. Jahrhundert und ist als aufgeklärter Reformer bekannt (WOLF; ZIMMERMANN S. 47- 52). Seine historiographischen Bemühungen um Hohengeroldseck wurden von Magda Stemmler in ihrer leider ungedruckt gebliebenen Zulassungsarbeit eingehend analysiert und gewürdigt (Zusammenfassung ohne Belege: FISCHER). Auf Reinhards Betreiben wurde 1749 die Geroldsecker Sache wiederaufgenommen (47/78; 74/696). Reinhard verfasste etliche Gutachten in Sachen Hohengeroldseck (autographe Konzepte in 47/78 und 111/300) sowie auch die Texte der 1752 bzw. 1753 erschienenen Drucke "Kurzgefaster -Abris. .." und "Gründliche. ..Vorstellung". Der "Abriß", eine Vorpublikation zu der um etliche Beilagen erweiterten Vor stellung (Erscheinungsjahr 1753) , ist undatiert und wird von HOLZSCHUHER S. 25 in das Jahr 1753 gesetzt. Aus den Akten 47/78 ergibt sich jedoch, dass der Druck bereits im September 1752 vorlag, aufgrund der von dem Wiener Agenten Fabrice nachträglich gewünschten Änderungen aber erst im Oktober 1752 übergeben werden konnte. Ein weiterer von Reinhard konzipierter Aufsatz sollte 1771 gedruckt werden, ist jedoch nie erschienen (Autograph 111/300). Auch das bekannteste Werk Reinhards, die "Pragmatische Geschichte" von Geroldseck aus dem Jahr 1766, ging eindeutig aus der amtlichen Beschäftigung des Geheimen Rates Reinhard mit den baden-durlachischen Ansprüchen auf Geroldseck hervor. Das autographe Konzept des Werks in 111/172-173 (Darstellungs- und Urkundenteil sind vermischt) ging aus Reinhards schriftlichem Nachlass in den Besitz des Geheimen Rats über (74/558). Reinhards Rötelstift, mit dem er in diesem Konzept Notizen anbrachte, findet man auch auf etlichen Abschriften von Urkunden zur Rechtsstellung Hohengeroldsecks wieder (111/164-168; 47/197). Reinhard war wegen der leyenschen Ansprüche auf die Reichslehen der Lahrer Linie der Herren von Geroldseck besorgt. An den nassauischen Regierungsrat von Fleckenbühl genannt Bürgel schrieb er am 17. Oktober 1764, er sei entschlossen "unter Verschweigung meines Nahmens ein historisches Werk zu schreiben, welches die Absicht nicht deutlich zu erkennen gibt, doch aber allen den Dienst leistet, den man verlangt" (117/18). Der Druck des Werkes, das sich in der Vorrede eher unparteiisch gibt, erfolgte im Auftrag des Geheimen Rats durch den Karlsruher Hofbuchdrucker Michael Macklot. Der Verlagsort "Frankfurt und Leipzig" ist somit fiktiv. Bereits am 22. Juli 1765 legte Macklot dem Geheimen Rat einen Kostenvoranschlag wegen der Staatsschrift Reinhards vor, dem ein gedrucktes Titelblatt mit der Druckangabe "Frankfurt und Leipzig 1766" beigelegt war (47/80). Im September 1765 wurden 500 XIII Exemplare bestellt. Nach dem Tod Reinhards bat Macklot am 29. I Oktober 1772, man möge ihm erlauben, den Namen Reinhards auf einem neuen Titelblatt zu nennen. Er habe von der auf Befehl des Markgrafen gedruckten Schrift noch eine große Anzahl unverkäuflich auf Lager liegen und Reinhard habe ihm seinerzeit versichert, es werde eine zeit kommen, wo er sich als Autor nennen dürfte. Der Geheime Rat schlug die Eingabe des Buchdruckers ohne Begründung ab (ebd.). An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass die von KLEIN S. 98 als autographer erster Entwurf Reinhards zu seiner Pragmatischen Geschichte in Anspruch genommene Handschrift 65/243 über die Geschichte des Hauses Geroldseck nebst topographischer Beschreibung der Grafschaft Hohengeroldseck in Wirklichkeit das wohl nach 1819 entstandene Werk (vgl. fol. 23, 24v: 1806 erwähnt) eines vorerst anonymen Autors enthält. Zum Druck gebracht wurden nicht nur die beiden Deduktionsschriften Reinhards -1698 war bereits eine Deduktionsschrift Baden-Durlachs wegen der Vertreibung aus Hohengeroldseck gedruckt worden ("Kurtze. ..Deduction") - sondern auch zwei Stammtafeln der Herren von Geroldseck. Die eine ("Erläuterung. ..") betrifft die Rechte auf die Reichslehen Lahr und Mahlberg. Da sie Reinhards Geschichte zitiert, wurde sie nach deren Erscheinungsjahr 1766 publiziert. HOLZSCHUHER S. 431 gibt das Jahr 1768 und als Verfasser Reinhard an - was nicht unwahrscheinlich ist. Von der 1771 erfolgten Vereinigung Baden- Badens mit Baden-Durlach weiß die Schrift noch nichts. Ein Exemplar befindet sich bei den Akten des Geheimen Rats über die Drucklegung einer Stammtafel zur Begründung der badischen Ansprüche auf Hohengeroldseck 1776 (111/301). Es ist anzunehmen, dass sie hier versehentlich anstelle der nach 1774 gedruckten Stammtafel "Geschlechts-Reihe" eingeordnet wurde, die sich in der Tat auf diese Ansprüche bezieht. Dann würde sich der am 1. August 1776 von dem Geheimen Referendar Seubert im Auftrag des Geheimen Rats erteilte Druckauftrag an den Hofbuchdrucker Macklot a uf den Druck der "Geschlechts-Reihe" beziehen, die von HOLZSCHUHER S. 431 ohne Beachtung des Terminus post quem 1774 "ca. 1771" datiert und Preuschen zugewiesen wird (vgl. Badische Bibliothek Bd. I1 S. 62: "1766"). Die Auflage wurde auf 500 Stück festgesetzt (111/301; vgl. auch 47/88, entspricht dem Protokoll des Geheimen Rats 61/1678 Nr. 3620). Nicht unerwähnt bleiben darf das nur handschriftlich überlieferte Werk Johann Erhard Steinhäusers "Erläuterung der Hohengerolseggischen Allodien" (Autograph 111/303) , das er als Frucht seiner Nebenstunden 1772 dem Markgrafen überreichte. Das Werk des Archivars geriet zeitweise in Vergessenheit und wurde 1789 von dem Geheimen Rat Volz wiederentdeckt, der es als willkommenes Hilfsmittel für den Prozessgebrauch benutzte (111/175). Auch heute noch besitzt es seinen Wert als wichtige Zusammenstellung zur Besitzgeschichte der Herren von Geroldseck (von BÜHLER, Herrschaft, übersehen). Im 19. Jahrhundert wurde das Aktenmaterial von RA und GR mit dem Schriftgut österreichischer bzw. leyenscher Provenienz sowie versprengten Einzelstücken vereint: 111/289 (Hofrat Baden), 111/347 (Lahr-Mahlberg), 111/271 (Nassau-Saarbrücken, doch ist der Aktentitel im Idsteiner Einlieferungsverzeichnis 68/746 nicht identifizierbar), 111/379 (Innenministerium- das jüngste Stück des Bestands von 1822/23). Bei den Ordnungsarbeiten im GLA wurde teils zusammengehöriges auseinandergerissen (so die Beilagen zu 111/158), teils Stücke unterschiedlicher Provenienz willkürlich XIV zu einem Faszikel vereint (111/7). 3. Das österreichische bzw. leyensche Schriftgut Nach dem badischen Schriftgut bilden die Archivalien österreichischer Provenienz den größten Block innerhalb des Bestands 111. sie setzen sich zusammen aus dem Schriftgut, das aus der vorderösterreichischen Registratur in Freiburg übernommen wurde, und aus den 1829 aus Wien extradierten Akten von Reichsbehörden. Die Aufteilung der vorderösterreichischen Archivalien 1806 unter die Nachfolgestaaten und die damaligen Archivalienvernichtungen haben provenienzgeschichtliche Ermittlungen extrem erschwert, wenn nicht gar verunmöglicht (vgl. auch QUARTHAL-WIELAND S. 47, 96-98; STEMMLER, Archivalien, S. 64). An die vorderösterreichische Regierung waren 1753 und 1787 auch die Vorderösterreich betreffenden Akten der oberösterreichischen Regierung in Innsbruck abgegeben worden (QUARTHAL-WIELAND S. 53, 98). Nur in einem Fall (111/162) wurde die Herkunft der Akten von den Karlsruher Beamten eindeutig vermerkt (das Stück stammt aus dem vorderösterreichischen Archiv Lupfen). Worauf sich die Herkunftsangabe "Aus den Fröhlichschen Separazions Akten" (111/307, 307a, 145) bezieht, ist unklar -da sich die Stücke nicht im Straßburger Abgabeverzeichnis nachweisen lassen, sicher nicht auf die Fröhlich'sche Übernahme Straßburger Akten 1764 (es gab mehrere österreichische Beamten dieses Namens). Über die Abgabe geroldseckischer Akten ehemals vorderösterreichischer (Freiburger und Ensisheimer) Provenienz (vgl. BAIER S. 61), die in das Archiv der Elsässischen Intendanz in Straßburg übergegangen waren, an Österreich 1764 unterrichten die Akten 79/75 (vgl. aber auch 47/181 gleichfalls vorderösterreichischer Provenienz). Es wurde ein Übergabeverzeichnis der Akten erstellt, in dem die Zustimmung des Grafen von der Leyen festgehalten wurde, der von den Stücken Kopien anfertigen lassen durfte (111/255). Leyen hatte bereits früher mit Straßburg Kontakt aufgenommen und 1756 Kopien später ausgelieferter Stücke erhalten (111/169). Auch Nassau-Usingen war 1737 mit einer Extradition bedacht worden (79/75). In Wien interessierte man sich 1764 auch für den Reichskammergerichtsprozess Hohengeroldseck versus Nassau; Maria Theresia selbst griff in den Schriftwechsel ein. Ihr enger Vertrauter Graf Chotek, der die Verhandlungen der Freiburger Regierung von Wien aus steuerte, versuchte sogar den namhaften Gelehrten Schöpflin vor den österreichischen Karren zu spannen (79/75). Das in dies em Findbuch als "Straßburger Extradition" bezeichnete Archivgut blieb in Freiburg als geschlossener Bestand erhalten, wie Entnahmevermerke des Sekretärs Plank mit Hinweisen auf die Seiten des Übergabeverzeichnisses belegen (111/67; 111/2; 111/169). Baden-Durlach bemühte sich zwar auch um die Straßburger Stücke, doch konnte es nur eine Teilabschrift des Übergabeverzeichnisses erlangen (74/696 mit 111/255). Bereits 1754 hatte Baden-Durlach zur Ergänzung seiner eigenen Akten aus Innsbruck Abschriften von Geroldsecker Akten bestellt (74/696 mit Aktenverzeichnis). Natürlich bemühte Baden-Durlach sich auch in Wien um Akteneinsicht. 1770 ordnete der Geheime Rat an, dass das Archiveinen Sammelfaszikel nach den aus Wien erhaltenen Aktenverzeichnissen aus der baden-durlachischen Aktenüberlieferung herstellen sollte (111/300) - das Ergebnis sind die beiden Faszikel 111/71 und 111/125. Der interessanteste Bestandteil der unter die Faszikel der Abt. 111 verstreuten Straßburger Extradition, die durch das französischsprachige Abgabeverzeichnis nach Einzelblättern erschlossen wurde, sind die aus dem Ende des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts stammenden Archivalien kurpfälzischer Provenienz, von denen allerdings unklar ist, wie sie in österreichischen Besitz gekommen sind. Nach Übergang Hohengeroldsecks an Baden konnten 1829 die Wiener Akten über Hohengeroldseck erfolgreich angefordert werden - Ergebnis eines Berichts des Großherzoglichen Fiskalats an das Außenministerium vom 26. November 1828, der über den Stand der Geroldsecker Sache nach der napoleonischen Neugliederung Auskunft gibt und der der Frage nachging, ob Leyen die Allode an das Großherzogliche Haus abgeben müsse (48/5616) .Erst am 27. Mai 1830 erklärte das Staatsministerium endgültig, dass der Prozess wegen Hohengeroldseck nicht fortzusetzen sei. In dem genannten Bericht wird auch auf die Aktenüberlieferung eingegangen. Außer 1. den badischen Akten nennt der Bericht 2. die österreichischen Akten, die bis 1757 in Innsbruck verwahrt wurden, dann nach Konstanz versendet wurden und von dort aus nach Wien in die Hände des Hofrats von Baal gelangt sind, 3. die Lehensakten im Reichsarchiv Wien und 4. die Reichshofratsakten über die Cronbergische Verlassenschaft. Die Wiener Gesandtschaft Badens wurde am 15. Dezember 1828 angewiesen, um die Auslieferung der genannten Wiener Akten zu ersuchen. Am 23. März 1829 wurde ein Faszikel Geroldsecker Akten übergeben, nämlich der "Fasc. 50 Geroldsegg", bestehend aus 1113 Stücken aus den Jahren 1666-1739. Die "Consignation" vom 5. März 1829 mit einem Einzelblattverzeichnis wird als Repertorium 68/161 verwahrt, eine beglaubigte Abschrift befindet sich in 48/5616. Der größte Teil dieser Akten konnte in Faszikeln der Abteilungen 79 (Breisgau- Generalia) und 111 identifiziert werden: Nr. 12-19 (79/2710), 20- 27 (79/2712), 28-34, 38 (79/2713), 39-43 (79/2714), 75, 84-87 (111/296), 76-77, 83 (111/294), 81 (111/295), 82 (111/293) , 88- 106 (111/148), 107-111 (111/149), 112 (111/154) , 113 (111/147) . Es bedurfte weiterer Verhandlungen, bis auch die Lehen- und Reichshofratsakten im Dezember 1829 aus wien angeliefert werden konnten. Die von dem wiener Registraturdirektor Niklas von Wolf unterzeichneten übergabeverzeichnisse mit Einzelblatterschließung sind den Akten vorgebunden; beglaubigte Abschriften enthält 48/5616. 150 Stücke über den Reichshofratsprozess 1692-1795 sind heute 47/72-75, 110 Stücke Reichslehenakten 1527-1767 sind heute 72 v. Geroldseck/3 und 40 Stücke Reichshofratsakten 1775-1800 sind heute 47/198-199. Akten leyenscher Provenienz, genauer: Akten des leyenschen Oberamtes Seelbach, kamen nur über den Nachlass des leyenschen Geheimen Rats Philipp Karl von Schmidt (zu ihm FINKENBEINER S. 133; SINGLER) in den Bestand 111 (nämlich 177, 178, 180-187, 288, 308, 380-382, 385, 398) .Der Lahrer Oberamtmann Wundt berichtete am 30. August 1822 über die im Nachlass vorgefundenen Dienstakten und sandte sie samt einem Aktenverzeichnis ein (111/257) . Die übrigen leyenschen Akten über Hohengeroldseck befinden sich im leyenschen Hausarchiv in Waal (Bayerisch-Schwaben). Ein - inzwischen allerdings unvollständiges -summarisches Verzeichnis dieser Archivalien erschien 1907 (Archivalien ...; zum Waaler Archiv vgl. KRÄMER; Minerva-Handbücher Archive Bd. 2, S. 1016f.) . Archivsachen betreffen dort die Nummern 5067, 5072, 5081, 5102, 5139f., 5143a. Da keine cronbergischen Herrschaftsakten an die Leyen extradiert worden waren (so der Graf von der Leyen 1763: 79/75), waren die Leyen für die älteren Akten auf Kopien angewiesen, um die sie sich eifrig bemühten (vgl. z.B. 111/5).
Umfang:
401 Akten
Verwandte Bestände und Literatur:
Rainer Brüning/Gabriele Wüst (Bearb.), Die Bestände des Generallandesarchivs Karlsruhe, Teil 6, Bestände des Alten Reiches, insbesondere Generalakten (71-228), Stuttgart 2006, S.217-218.
Archivalien, die ehemalige Grafschaft Hohengeroldseck betreffend. Mitgeteilt vom Fürstlich v. d. Leyenschen Hausarchiv in Waal, in: Zeitschrift für Geschichte des Oberrheins 61 (1907) S. 105-111.- Wolfgang Krämer, Geschichte des Fürstlich v. d. Leyenschen Archivs in Waal, in: Archivalische Zeitschrift 46 (1950) S. 125 ff.- Klaus Graf, Hohengeroldsecker Akten. Ein Beitrag zur badischen Archivgeschichte, in: Die Ortenau 70 (1990) S. 101-127.
Online-Beständeübersicht im Angebot des Archivs: