Sammlung von Seckendorf (1813-1875) zur Genealogie adeliger Familien (Bestand)

Verzeichnungsstufe:
Bestand
Bestandssignatur:
Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Hauptstaatsarchiv Stuttgart, J 63
Kontext:
Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Hauptstaatsarchiv Stuttgart (Archivtektonik) >> Sammlungen >> Familienpapiere und genealogische Sammlungen >> Weitere Familienpapiere und genealogische Sammlungen
Bestandsbeschreibung:
Überlieferungsgeschichte

Eduard Christoph Ludwig Karl Freiherr v. Seckendorff-Gutend wurde am 3. Mai 1813 in Stuttgart als einziger Sohn des Oberregierungsrats und Kammerherrn Karl Ernst Julius Freiherr v. Seckendorff-Gutend geboren. Nach seiner Schulzeit in Erlangen und Ellwangen studierte er von 1831 bis 1836 Philologie, Philosophie und Rechtswissenschaften an der Universität Tübingen. Die Befähigung zum Richteramt im Jahre 1838 erlangt, fand er als Referendar an verschiedenen Gerichten in Calw, Ulm und Stuttgart Verwendung. Bereits 1840 - nach dem Tode seiner Mutter - verließ er den Staatsdienst, um allein schriftstellerisch tätig zu werden. Aus dieser Zeit stammen mehrere Übersetzungen sowie sein bekanntestes Werk "Der Civil-Prozeß", eine Parodie auf Schillers "Glocke". Nur kurze Zeit später bemühte sich Seckendorff wieder, - diesmal als Archivar - in den Staatsdienst einzutreten, was ihm im Sommer 1843 gelang: zunächst mit kleineren Arbeiten im Stuttgarter Staatsarchiv betraut, wurde ihm 1844 die Ordnung und Verzeichnung der Akten des kaiserlichen Hofgerichts Rottweil übertragen. Die folgenden fünf Jahre verbrachte er als Kommissar der deutschen Bundesversammlung beim Archiv des ehemaligen Reichskammergerichts in Wetzlar. In dieser Funktion fertigte er zusammen mit einem zweiten Kommissar und Hilfskräften ein Generalrepertorium sämtlicher Prozeßakten sowie Sonderverzeichnisse der an die einzelnen Bundesstaaten auszuliefernden Akten. Nach Auflösung der Kommission (1852) kehrte Seckendorff nach Stuttgart zurück, wo er im November zum württembergischen Kammerherrn ernannt wurde. Der erneute Zugang zum württembergischen Staatsdienst wurde ihm aber erst 1854 möglich: zunächst als Kanzleiassistent, dann als Sekretär am Staatsarchiv in Stuttgart, 1868 als Leiter des Staatsfilialarchivs in Ludwigsburg. 1872 wurde ihm der Titel eines Hofrats verliehen. Am 19. Oktober 1875 starb er infolge eines Unglücksfalles am Ludwigsburger Bahnhof.
Noch ehe Eduard Freiherr v. Seckendorff-Gutend im Juni 1853 beim württembergischen Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten den Antrag auf Benutzung der Urkunden des Königlichen Staatsarchivs zum Zwecke einer "Geschichte der ausgestorbenen Geschlechter des niederen Adels in Württemberg" gestellt hat, scheint er Interesse für genealogische Zusammenhänge entwickelt zu haben. Bereits während der Verzeichnung der Unterlagen des Hofgerichts Rottweil (1844-46) wurde sein genealogisches Interesse Bestandteil seiner Bewertungsgrundsätze. Auch zeugen zahlreiche Verweise auf z.T. außerwürttembergischen Bundesländern zugewiesene Reichskammergerichtsakten von einer aktiven Sammeltätigkeit während seiner Zeit in Wetzlar. Noch im Juni 1853 wurde Seckendorffs Forschungsvorhaben vom Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten sanktioniert - mit der Maßgabe freilich, die Arbeit vor der Veröffentlichung der Königlichen Archivdirektion zur Prüfung vorzulegen. Zweck der Sammlung war aber weniger, wie man zunächst annehmen könnte, das gesamte Material im Sinne eines Adelslexikons, als vielmehr Teile daraus in Form von Monographien über einzelne Familien zu publizieren.Tatsächlich erschien aber keine darauf basierende Veröffentlichung aus der Urheberschaft Seckendorffs.
Die Sammlung wurde nach dem Tode Seckendorffs im Staatsfilialarchiv in Ludwigsburg aufgefunden. Gemäß einem bereits zu Beginn seiner Forschungen geäußerten Wunsch, das Manuskript nach seinem Tode im Archiv neben den Gabelkover'schen und Schmid'schen Sammlungen verwahren zu lassen, wurde die Sammlung gesichtet und mit dem Einverständnis der Familie von der Archivverwaltung einbehalten.

Inhalt und Bewertung

Der Bestand enthält eine umfangreiche Sammlung von Zetteln unterschiedlichsten Formates über niederadelige, vereinzelt auch bürgerliche Geschlechter, Seckendorffs ursprünglicher Disposition entsprechend schwerpunktmäßig den süddeutschen Raum betreffend, aber auch weit darüber hinausgehend, den Zeitraum vom 10. bis 19. Jahrhundert abdeckend. Die Aufzeichnungen sind notizartig kurz gehalten und stellen lediglich Nennungen von Geschlechtsangehörigen dar oder geben auch Beruf bzw. Funktion, Lebensdaten, Familien- (z.B. in Form von Stamm- und Ahnentafeln), Besitz- und Lehensverhältnisse an oder bilden das Wappen ab. Bedeutendere Adelsgeschlechter sind öfter mit umfangreicheren Unterfaszikeln versehen, die dann auch Urkundenabschriften oder -regesten enthalten können.

1. Zur Biographie Seckendorffs (1813-1875): Eduard Christoph Ludwig Karl Freiherr v. Seckendorff-Gutend wurde am 3. Mai 1813 in Stuttgart als einziger Sohn des Oberregierungsrats und Kammerherrn Karl Ernst Julius Freiherr v. Seckendorff-Gutend geboren. Nach seiner Schulzeit in Erlangen und Ellwangen studierte er von 1831 bis 1836 Philologie, Philosophie und Rechtswissenschaften an der Universität Tübingen. Die Befähigung zum Richteramt im Jahre 1838 erlangt, fand er als Referendar an verschiedenen Gerichten in Calw, Ulm und Stuttgart Verwendung. Bereits 1840 - nach dem Tode seiner Mutter - verließ er den Staatsdienst, um allein schriftstellerisch tätig zu werden. Aus dieser Zeit stammen mehrere Übersetzungen sowie sein bekanntestes Werk "Der Civil-Prozeß", eine Parodie auf Schillers "Glocke". Nur kurze Zeit später bemühte sich Seckendorff wieder, - diesmal als Archivar - in den Staatsdienst einzutreten, was ihm im Sommer 1843 gelang: zunächst mit kleineren Arbeiten im Stuttgarter Staatsarchiv betraut, wurde ihm 1844 die Ordnung und Verzeichnung der Akten des kaiserlichen Hofgerichts Rottweil übertragen. Die folgenden fünf Jahre verbrachte er als Kommissar der deutschen Bundesversammlung beim Archiv des ehemaligen Reichskammergerichts in Wetzlar. In dieser Funktion fertigte er zusammen mit einem zweiten Kommissar und Hilfskräften ein Generalrepertorium sämtlicher Prozessakten sowie Sonderverzeichnisse der an die einzelnen Bundesstaaten auszuliefernden Akten. Nach Auflösung der Kommission (1852) kehrte Seckendorff nach Stuttgart zurück, wo er im November zum württembergischen Kammerherrn ernannt wurde. Der erneute Zugang zum württembergischen Staatsdienst wurde ihm aber erst 1854 möglich: zunächst als Kanzleiassistent, dann als Sekretär am Staatsarchiv in Stuttgart, 1868 als Leiter des Staatsfilialarchivs in Ludwigsburg. 1872 wurde ihm der Titel eines Hofrats verliehen. Am 19. Oktober 1875 starb er infolge eines Unglücksfalles am Ludwigsburger Bahnhof.

2. Zur Geschichte, Ordnung und Verzeichnung des Bestandes: Noch ehe Eduard Freiherr v. Seckendorff-Gutend im Juni 1853 beim württembergischen Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten den Antrag auf Benutzung der Urkunden des Königlichen Staatsarchivs zum Zwecke einer "Geschichte der ausgestorbenen Geschlechter des niederen Adels in Württemberg" gestellt hat (E 53 (Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten betreffend Staatsarchiv) Bü 759 und S 203 (Gesch.akten HStAS: v. Seckendorff) /1), scheint er Interesse für genealogische Zusammenhänge entwickelt zu haben. Bereits während der Verzeichnung der Unterlagen des Hofgerichts Rottweil (1844-46) wurde sein genealogisches Interesse Bestandteil seiner Bewertungsgrundsätze (E 61 (Württ. Archivdirektion) Bü 544 /30 "Unter den Rechts Sachen habe ich mehre(re) Prozesse, ..., blos um des rechtshistorischen Interesse, oder um genealogische Notizen willen zum Aufbewahren verzeichnet."). Auch zeugen zahlreiche Verweise auf z.T. außerwürttembergischen Bundesländern zugewiesene Reichskammergerichtsakten von einer aktiven Sammeltätigkeit während seiner Zeit in Wetzlar. Noch im Juni 1853 wurde Seckendorffs Forschungsvorhaben vom Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten sanktioniert - mit der Maßgabe freilich, die Arbeit vor der Veröffent-lichung der Königlichen Archivdirektion zur Prüfung vorzulegen. Zweck der Sammlung war aber weniger, wie man zunächst annehmen könnte, das gesamte Material im Sinne eines Adelslexikons, als vielmehr Teile daraus in Form von Monographien über einzelne Familien zu publizieren (E 61 Bü 431 10. /20 Schreiben Seckendorffs vom 5. März 1864). Tatsächlich erschien aber keine darauf basierende Veröffentlichung aus der Urheberschaft Seckendorffs. In der Folge wurden neben bekannten genealogischen Publikationen wie G. Bucelin, "Germania topo-chrono-stemmato-graphica sacra et profana", D.H. von und zu Hattstein, "Die Hoheit des deutschen Reichsadels", C.Fr. Schilling v. Cannstatt, "Geschlechtsbeschreibung der Familien von Schilling", F.L.A Hoerschelmann, "Genealogische Adelshistorie ... " und verschiedenen Veröffentlichungen von J.G. Biedermann über fränkische Geschlechter die hiesigen Staatsarchive Stuttgart und Ludwigsburg, das badische Generallandesarchiv in Karlsruhe, die bayerischen Staatsarchive in München und Nürnberg sowie einzelne Stadtarchive zu seinen wichtigsten Forschungsstätten. In den o.a. genealogischen Werken noch befindliche Zettel aus der Hand Seckendorffs wurden den Büchern entnommen und in die Sammlung eingereiht. Begünstigt wurde das Fortschreiten seiner Arbeit natürlich durch den erneuten Eintritt in den württembergischen Staatsdienst: 1854 im Staatsarchiv Stuttgart, anschließend seit 1868 im damaligen Staatsfilialarchiv Ludwigsburg. Es ist davon auszugehen, dass Seckendorff während der Erledigung seiner Dienstgeschäfte auch immer sein privates Anliegen, seine genealogische Sammlung, im Auge hatte. So dürften z.B. die zahlreich vertretenen, Deutschordensakten entnommenen Aufzeichnungen der von ihm unternommenen Bearbeitung von Deutschordensbeständen, insbesondere der Übergabe von Teilen an auswärtige Archive zuzurechnen sein. Weitere wesentlich verwendete Archivaliengruppen sind: Akten der Ritterkantone, Johanniterorden, Lehenakten, handschriftliche Chroniken und Kopialbücher, Domstift Speyer, Domstift Konstanz. Bedauerlicherweise hat Seckendorff aber auf präzise Quellenangaben verzichtet. So entstand eine umfangreiche Sammlung von Zetteln unterschiedlichsten Formates über niederadelige, vereinzelt auch bürgerliche Geschlechter, Seckendorffs ursprünglicher Disposition entsprechend schwerpunktmäßig den süddeutschen Raum betreffend, aber auch weit darüber hinausgehend, den Zeitraum vom 10. bis 19. Jahrhundert abdeckend. Die Aufzeichnungen sind notizartig kurz gehalten und stellen lediglich Nennungen von Geschlechtsangehörigen dar oder geben auch Beruf bzw. Funktion, Lebensdaten, Familien- (z.B. in Form von Stamm- und Ahnentafeln), Besitz- und Lehensverhältnisse an oder bilden das Wappe n ab. Bedeutendere Adelsgeschlechter sind öfter mit umfangreicheren Unterfaszikeln versehen, die dann auch Urkundenabschriften oder -regesten enthalten können. Deren Namen sind im Findbuch ausgeworfen; aufgrund der gleichförmigen Anlage der Notizen erübrigte sich aber eine zusätzliche Inhaltsangabe sachlicher Art. Ansonsten ist die Verzeichnungsweise summarisch gehalten, auf eine Auflistung sämtlicher in der Sammlung behandelter Adelsgeschlechter wurde nicht zuletzt der einfachen Benutzung und Bestellung wegen (alphabetische Ordnung!) verzichtet. An dieser Stelle sei vermerkt, dass die Sammlung entgegen den Äußerungen früherer Archivare doch Unterlagen über die Familie v. Seckendorff selbst enthält. Da diese geringen Umfangs sind, befinden sich möglicherweise weitere Teile im Besitz der Familie. Die Sammlung wurde nach dem Tode Seckendorffs im Staatsfilialarchiv in Ludwigsburg aufgefunden. Gemäß einem bereits zu Beginn seiner Forschungen geäußerten Wunsch, das Manuskript nach seinem Tode im Archiv neben den Gabelkover'schen und Schmid'schen Sammlungen verwahren zu lassen, wurde die Sammlung gesichtet und mit dem Einverständnis der Familie von der Archivverwaltung einbehalten. In den folgenden Jahren muss der offensichtlich vollkommen ungeordnete Bestand gemäß einem Verzeichnungsauftrag der Archivdirektion an das Staatsfilialarchiv vom November 1875 (E 61 Bü 552 /303 Erlaß vom 2. November 1875) eine grobe Vorordnung erhalten haben und schließlich spätestens zu Beginn des 20. Jahrhunderts ins Stuttgarter Staatsarchiv gelangt sein (Theodor Schön hat für seine 1910 erschienene "Geschichte der Familie von Ow" die Sammlung benutzt und gibt als Standort das Staatsarchiv in Stuttgart an). K.O. Müller erwähnt ihn wohl im Vorwort seiner Gesamtübersicht der Bestände von 1937, in der Reihe der Bestände selbst erscheint er jedoch erst in einem Nachtrag unter der Signatur J 42, nach der systematischen Gliederung der J-Bestände im Jahr 1972 schließlich unter der Signatur J 63. Die zum Jahreswechsel 1989/90 begonnene Ordnung des Bestandes, Verzeichnung sowie Formierung leichter benutzbarer Einheiten wurde nach Unterbrechungen im Herbst 1992 fertiggestellt. Das vorliegende Findbuch wurde mit Hilfe der Datenverarbeitung auf der Basis des Programmpakets MIDOSA der Staatlichen Archivverwaltung Baden-Württemberg verzeichnet. Die Eingabe der Titelaufnahmen erfolgte durch Frau Gisela Filipitsch. Der Bestand umfasst jetzt 62 Büschel in 2 lfd. m. Stuttgart, im Oktober 1992 Petra Schön

Literatur: ADB 33, S. 513 Wilhelm Kosch, Deutsches Literatur-Lexikon, Bd. 2, Sp. 2432 f. Franz Brümmer, Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten, Bd. 6, S. 388 f. Hans Hattenhauer, Ein Kapitel bürgerliches Rechtsleben, in: E. v. Seckendorff, Der Civil-Prozeß, Faksimile-Ausgabe 1984 Übersicht über die Bestände des HStAS: Reichs- und Kreisinstitutionen vor 1806 (C-Bestände): Vorbemerkungen zu den Beständen C 1 und C 3
Umfang:
62 Büschel
Verwandte Bestände und Literatur:
ADB 33, S. 513
Wilhelm Kosch, Deutsches Literatur-Lexikon, Bd. 2, Sp. 2432 f.
Franz Brümmer, Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten, Bd. 6, S. 388 f.
Hans Hattenhauer, Ein Kapitel bürgerliches Rechtsleben, in: E. v. Seckendorff, Der Civil-Prozeß, Faksimile-Ausgabe 1984
Übersicht über die Bestände des HStAS: Reichs- und Kreisinstitutionen vor 1806 (C-Bestände): Vorbemerkungen zu den Beständen C 1 und C 3
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