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Eingabe der Metzgerzunft an den Magistrat zu Reuttlingen

Verzeichnungsstufe:
Archivale
Archivaliensignatur:
Stadtarchiv Reutlingen, A 2 c (Zünfte) Nr. 2907
Kontext:
Reichsstädtische Urkunden und Akten (Bde. 8-11 u. 18) >> Bd. 8 Zünfte Metzger
Laufzeit:
1732 Juni 27
Enthältvermerke:
Regest: Die gesamte Meisterschaft hat sich in Zeit von 30 Jahren um 2/3 vermehrt, Bei der jetzt wieder beliebten Metzg-Ordnung kann es nicht ausbleiben, daß einzelne Meister zur Erhaltung der Ihrigen und sonderlich zu Beitragung der bürgerlichen Anlagen vollkommen untüchtig gemacht werden. Obendrein ist mit diesem vielen Viehschlachten nur zuwege gebracht, daß anstatt des erhofften besseren und wohlfeileren Fleisches viel schlechteres unter die Metzg gekommen ist. Jeder hat gefürchtet, daß, wo soviel Fleisch geschlachtet wird, ihm das seinige verderben und liegen bleiben möchte. Daher hat keiner sich getraut, ein rechtes gutes Stück Vieh zu schlagen. Bis hieher hat wider die Güte und wohlfeilen Preis nichts mit Bestand eingewendet werden können. Fleisch und Schmalz sind jederzeit um 1-1 1/2 Kreuzer wohlfeiler als in der ganzen Nachbarschaft gewesen. Man hat auch die besten und schwersten Ochsen zu schlachten sich unterstanden, da doch allezeit (nur) etliche wenige Personen dergleichen Fleisch hier kaufen und ein offenbarer Verlust dabei sich allezeit gezeigt hat. Es braucht auch nicht in Consideration gezogen (= berücksichtigt) zu werden, wenn es geheißen hat, es seien gar viele der Meister selbst, die gegen diese Ordnung protestieren, weil keiner Profession allhier in der Betreibung ihres Gewerbs Ziel und Maß gesetzt und nicht erlaubt sei, nach Gefallen darauf zu arbeiten und zu verschließen (= abzusetzen, zu verkaufen), was möglich. Obenhin (= außerdem) sei es höchst unbillig, daß, wenn einer das Handwerk um 40, der andere um 60 oder bis 80 fl versteure, der höhere nicht mehr als der geringste zu metzgen befugt sein solle. Darauf wird geantwortet, daß nach Publicierung des obrigkeitlichen Decrets ein allgemeiner Durchgang auf der Zunft gehalten worden ist und unter 170 nicht mehr als 5 Meister, darunter 3 unverbrannte, erfunden wurden, welche nicht die bisherige, wohleingeführte und obrigkeitlich genehmigte Metzg-Ordnung gebilligt haben. Diese wenige sind also gegenüber der großen Anzahl gar nicht zu considerieren (= in Betracht zu ziehen). Es ist auch bekannt, daß das Fleisch sich nicht aufhalten (= aufbewahren) läßt wie andere Sachen. Mithin ist ein Vergleich mit andern Professionen nicht möglich. Es ist weltkundig, daß bei allen Metzgern in allen Landen und sonderlich im Württembergischen wie Stuttgart, Tübingen, Urach, Kirchen (= Kirchheim), Candtstatt etc. eine gewisse Ordnung aufgerichtet ist, kraft deren sie nicht wie und was sie wollen schlachten dürfen, sondern mit dem Angewiesenen sich begnügen müssen, wie denn speziell zu Kirchen an der Töck, wenn ein Meister 8 Tage geschlachtet hat, er wieder 14 Tage vollkommen zurückstehen und solange warten muß. Es ist ein fälschliches Vorgeben, daß das Handwerk allhier so ungleich versteuert werde. Denn beim letzten Steuersatz ist es, 3 oder 4 ausgenommen, welche die alte Ordnung beizubehalten wünschen, ganz gleich gemacht worden, weil fast die ganze Zunft aufs elendiglichste verbrannt ist und im Metzgen ganz gleich gehalten wird. Es ist leichtlich zu ermessen, daß die sämtlichen Zünftigen sich nicht wider die neu eingeführte Ordnung beschweren und lieber viel als nur wenig Fleisch verschließen (= verkaufen) würden, wenn es nur möglich und nicht zu befürchten wäre, daß fast der ganze Teil, abgesehen von etlichen wenigen Meistern, zu Grunde gehen und mit ihren bisher beigetragenen bürgerlichen Anlagen (= Umlagen, Steuern) ausfallen müßte.
Der Magistrat wird daher gebeten, die Metzger bei der bisherigen Metzg-Ordnung zu lassen und die etlichen wenigen Meister mit ihrem ungerechten und dem Publico höchst schädlichen Gesuch abzuweisen, dagegen zu erlauben, daß an den jährlichen Haupt- und hohen Festtagen sowie den Jahrmärkten, allwo das meiste Fleisch verzehrt wird, nach dem letzten obrigkeitlichen Dekret gemetzget und geschlachtet wird.
Sämtliche Metzgerzunft, einige 4 Personen ausgenommen
Umfang:
5 S. Text
Formalbeschreibung:
Beschreibstoff: Pap.
Sonstige Erschließungsangaben:
Bemerkungen: Das Gesuch wendet sich gegen den Ratsbeschluß vom 17. Mai 1732.

Genetisches Stadium: Or.
Digitalisat im Angebot des Archivs:
kein Digitalisat verfügbar
Bestand:
A 2 c (Zünfte) Reichsstädtische Urkunden und Akten (Bde. 8-11 u. 18)
Rechteinformation:
Rechteinformation beim Datenlieferanten zu klären.