Oberamt Besigheim: Verwaltungs- und Bauakten (Bestand)

Verzeichnungsstufe:
Bestand
Bestandssignatur:
Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 154 II
Kontext:
Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Staatsarchiv Ludwigsburg (Archivtektonik) >> Untere Verwaltungsbehörden 1806-um 1945 >> Geschäftsbereich Innenministerium >> Oberämter
Bestandslaufzeit:
1807-1938 (Vorakten ab 1701, Nachakten bis 1957)
Bestandsbeschreibung:
Zur Verwaltungsgeschichte der württembergischen Oberämter: 1. Die Oberämter in ihrem Zusammenhang (Verfassungsgefüge, "Staatsverein"). Die Verwaltungsgliederung, die Anfang des 19. Jahrhunderts für das gegenüber dem Herzogtum etwa doppelte Gebiet des Königreichs Württemberg geschaffen wurde, hatte mit geringfügigen Veränderungen bis zum Jahr 1938, teilweise noch darüber hinaus, Bestand. Das Land war in dieser Zeit in 63 Oberämter zuzüglich der Stadtdirektion Stuttgart eingeteilt (1). Die durchschnittliche Fläche eines Oberamtsbezirks betrug um 1822 5,7 Quadratmeilen = 316 Quadratkilometer, die durchschnittliche Einwohnerzahl 20.700 (1926 : 41.604), wobei sich im Lauf der Zeit ein erhebliches Ungleichgewicht ergab (die Einwohnerzahlen je Oberamt schwankten 1926 zwischen 18.000 und 341.000). Als Mittelbehörden zwischen den einzelnen Oberämtern und der Ministerialebene standen die vier Kreisregierungen, die 1817 an die Stelle der 1806 (2) eingerichteten zwölf Landvogteien getreten waren. Die von 1819 bis 1919 geltende württembergischen Verfassung (3) war auf den Gemeinden als "Grundlage des Staatsvereins" (4) aufgebaut. Den Oberämtern kam die Aufgabe zu, die unmittelbar die einzelnen Bürger berührenden Verwaltungsangelegenheiten, die die Gemeinden weitgehend in eigener Verantwortung behandelten, in die staatliche Verwaltung einzubringen. Das Problem einer größtmöglichen Integration aller von Verwaltungsmaßnahmen Betroffenen stellte sich dabei für die Oberämter ebenso wie das Problem einer gleichmäßigen Durchführung innenpolitischer Regierungsmaßnahmen. Die Oberämter waren auch die Wahlkreise für die Wahlen zur Abgeordnetenkammer (5). 2. Funktionsträger Das Ministerium des Innern übertrug die Verantwortung für die Oberamtsverwaltungen jeweils einem Oberamtmann, seit den 1830er Jahren in der Regel ein Jurist mit abgeschlossenem Hochschulstudium. Er war als Staatsbeamter zuständig für alle Verwaltungsgeschäfte, die nicht den Gerichts- (6) oder Finanzbehörden (7) oblagen, handhabte die Polizei sowie (bei Übertretungen) die Strafgewalt und übte die Aufsicht über die Gemeindeverwaltungen aus. Als Verwaltungsbeamte unterstanden ihm ein Oberamtssekretär und (seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts) ein Amtmann als Stellvertreter. Neben dieser Verwaltung stand als Organ mit Koordinations- und Integrationsfunktionen die Amtsversammlung. In ihr waren die einzelnen Gemeinden eines Oberamtsbezirks als Amtskörperschaft zusammengefaßt. Die Zahl der Abgeordneten, die eine Gemeinde jeweils stellte, hing von ihrem Anteil an den gemeinsam zu tragenden öffentlichen Lasten, dem "Amtsschaden", ab. Als Obergrenze durfte dabei eine Gemeinde höchstens ein Drittel (8) der Angehörigen der Amtsversammlung stellen, während Kleinstgemeinden einen gemeinschaftlichen Verordneten entsandten. Die Amtsversammlung trat zweimal jährlich zusammen. Aus ihrer Mitte wählt sie zur Wahrung ihrer Präsenz einen geschäftsführenden Ausschuß, einen Aktuar, (der zugleich Rechnungsrevisionsgehilfe des Oberamts war) und bestimmte in Eigenverantwortung für die Kassen- und Rechnungsführung den Oberamtspfleger (9) sowie die übrigen Beamten der Amtskörperschaft (10). Entsprechend der konstitutionalistischen Theorie lag damit die Zuständigkeit für eine kontinuierliche, aktive Verwaltungsarbeit bei den Regierungsbeamten, während die Regulierung der Finanzen sowie Kontrollfunktionen von einer Körperschaft ausgeübt wurden, in der die von Verwaltungsmaßnahmen Betroffenen und die, die sie finanzierten, zusammengefaßt waren. Ansätze, die über ein rein auf Kontrolle und Finanzfragen ausgerichtetes Repräsentativsystem hinauswiesen, zeigten sich zwar nicht im Verwaltungssektor, dafür aber doch im Bereich sozialer Aufgaben und Dienstleistungen, wo Beamte der Amtskorporation tätig waren. 3. Grenzen der einheitlichen Bezirksorganisation. Störfaktoren. Nicht für alle Verwaltungsfunktionen war von vornherein eine Organisation möglich, bei der (wie bei der Innen- und Justizverwaltung) (11) die Verwaltungsbezirke den Oberamtsbezirken entsprachen. Bei den Dekanatsämtern der beiden großen Kirchen versteht es sich aus der regionalen Verteilung der Konfession, daß nicht jeweils für jedes Oberamt eine Bezirksverwaltung eingerichtet wurde; dennoch waren, soweit durchführbar, Dekanats- und Oberamtsgrenzen häufig identisch. Soweit praktische Gründe dafür sprachen, bestanden auch für die Forst-, Kameral-, Zoll- und Bauinspektionsämter Zuständigkeitsbezirke, die von den Oberamtsbezirken abwichen. Der entscheidende Störfaktor für eine einheitliche Verwaltungsorganisation auf Bezirksebene, die nach 1819 durch die Bundesakte wiederhergestellte Patrimonialgerichtsbarkeit des Standesherrn, wurde 1849 beseitigt. Ebenso das Sonderrecht selbstständiger königlicher und adliger Güter, die vor 1849 nicht in die Gemeindeverbände und damit auch nicht in die Bezirksverwaltung eingegliedert waren. 4. Einzelne wichtige Veränderungen der Oberamtsorganisation 1842: Wegen zu großer Entfernungen vom Oberamtssitz oder sonstigen wirtschaftlichen und verkehrsmäßigen Gegebenheiten werden in 31 Oberämtern einzelne Gemeinden neu zugeordnet (Reg.Bl. 1842, S. 386 - 389). 1850 ff.: Die regional unterschiedliche Entwicklung des Landes führt bei konstanter Bezirkseinteilung im Lauf der Zeit trotz ursprünglicher Ausgewogenheit zu erheblichem Ungleichgewicht zwischen einzelnen Bezirken. Änderungen an einzelnen Einteilungen (z.B. Auflösung des Oberamts Cannstatt 1923; Auflösung des Oberamts Weinsberg 1926) heben diese Unterschiede nicht auf. 1906: Der Amtsversammlungs-Ausschuß erhält die Bezeichnung Bezirksrat und wird auch zu den Geschäften der staatlichen Verwaltung herangezogen. Die Amtsversammlung kann Ausschüsse zur Kontrolle einzelner Anstalten und Einrichtungen der Amtskörperschaft einsetzen. Der Aktuar wird durch einen auf 3 Jahre von der Amtsversammlung gewählten Schriftführer ersetzt. 1933: Wiedereinrichtung einer Amtskorporation, die auf Beratungsfunktion beschränkt ist und die Bezeichnung Kreisverband erhält. Der Landrat wird zum "Führer" der Kreisverwaltung bestimmt. Die Bezeichnungen Kreis (für Oberamt), Kreistag (für Amtsversammlung) und Kreisrat (für Bezirksrat) werden eingeführt. Der Kreisrat setzt sich zusammen aus dem Landrat als Vorsitzenden, dem Kreisleiter der NSDAP und fünf weiteren, vom Landrat im Einvernehmen mit dem Kreisleiter berufenen Mitgliedern (Reg. Bl. 1938, S. 51 - 72, 82, 139, 189). 1938: 27 Kreisverbände werden aufgelöst und den übrigen 34 angegliedert (Regelungen und Verteilung der einzelnen Gemeinden vgl. Reg. Bl. 1938, S. 155 - 162). Der Stadtdirektions-Bezirk Stuttgart bleibt als Stadtkreis bestehen. Die Städte Ulm und Heilbronn (mit Neckargartach und Sontheim) werden zu Stadtkreisen. Mögle-Hofacker Fußnoten (1) Von den 65 Oberamtsbezirken von 1808 blieben nach 1819 63 bestehen: 1819 waren die Bezirke Ulm und Albeck zum Oberamtsbezirk Ulm zusammengefügt worden. 1811 war für den Stuttgarter Stadtdirektionsbezirk die für die Oberämter allgemein eingefügte Zwischeninstanz (damals Landvogteien) zur Ministerialebene hin entfallen. Als 1822 die Stadtdirektion Stuttgart instanzmäßig wieder den Oberämtern angeglichen worden war, wurde sie danach trotzdem nicht mehr als Oberamt, sondern stets selbständig aufgeführt. (2) Die ersten Landvogteien waren 1803 für Neuwürttemberg eingeführt worden. Die Kreisregierungen bestanden bis 1924. (3) Vgl. A.E. Adam. Ein Jahrhundert Württembergischer Verfassung, 1919. (4) Verfassungsurkunde § 62; Regierungsblatt von 1819, S. 645. (5) Die Abgeordneten der Zweiten Kammer, die nicht ausgesprochen als Vertreter spezifischer Interessen, (Ritterschaft, Vertreter beider großer Kirchen, Kanzler der Universitäten, Führungen ) entsandt waren, wurden jeweils in den 63 Oberämtern und den 7 "guten Städten" (Stuttgart, Tübingen, Ludwigsburg, Ellwangen, Ulm, Heilbronn, Reutlingen) gewählt. (6) Die für jedes Oberamt 1811 errichteten Oberamtsgerichte tagten ursprünglich unter dem Vorsitz des Oberamtmanns. Seit 1819 (Edikt über die Oberamtsversammlungen vom 31.12.1818) waren sie selbständig. Damit war auf Bezirksebene die Trennung von Justiz und Verwaltung vollständig durchgeführt; dem Oberamtmann stand der Oberamtsrichter gegenüber. (7) Besitz und Einkommen des Staats verwalteten die Kameralämter (Domanial-, Bau-, Forstverwaltung). Sie entwickelten sich schließlich im Lauf des 19. Jahrhunderts zu Bezirkskassen bzw. zu Bezirkssteuerämtern. 1895 war die Angleichung der Kameralamtsbezirke an die Oberamtsbezirke abgeschlossen. (8) Ab 1881 zwei Fünftel; vgl. Grube, Vogteien, Ämter, Landkreise in der Geschichte Südwestdeutschlands, 3. Auflage 1975. (9) Der Oberamtspfleger erhielt Sitz und beratende Stimme in der Amtsversammlung, durfte aber nicht zugleich Gemeinderechner der Oberamtsstadt sein. (10) Vor allem Amtsarzt, Oberamtstierarzt, Oberamtsbaumeister, Oberamtsstraßenbaumeister. (11) Jedes Amtsgericht war für einen Oberamtsbezirk zuständig.

Zum Bestand: Das Oberamt Besigheim entstand 1810, als der Sitz des 1808 aus der Vereinigung der Oberämter Besigheim, Bietigheim und Lauffen entstandene Oberamts Bietigheim nach Besigheim verlegt wurde. Zunächst der Landvogtei an der Enz zugeteilt, kam es nach der Aufhebung der Landvogteien 1817 zum Neckarkreis. Nachdem 1842 die Orte Ober- und Untergruppenbach, Donnbronn, Stettenfels und Abstatt an das Oberamt Heilbronn abgetreten worden waren, umfasste der Oberamtsbezirk folgende Gemeinden: Besigheim, Bietigheim, Bönnigheim, Erligheim, Freudental, Gemmrigheim, Großingersheim, Hessigheim, Hofen, Hohenstein, Ilsfeld, Kirchheim am Neckar, Kleiningersheim, Lauffen am Neckar, Löchgau, Metterzimmern, Neckarwestheim (Kaltenwesten), Schozach und Walheim. Im Zuge der nationalsozialistischen Verwaltungsreform von 1938 wurde das Oberamt Besigheim aufgelöst. Die Gemeinden Ilsfeld, Lauffen am Neckar, Neckarwestheim und Schozach kamen an den neugeschaffenen Landkreis Heilbronn, die übrigen Gemeinden an den Landkreis Ludwigsburg, der auch Rechtsnachfolger des Oberamts Besigheim wurde. Während diejenigen Akten des Oberamts Besigheim, die bis 1933 an das Staatsarchiv Ludwigsburg abgegeben wurden, den Bestand F 154 I bilden, umfasst der Bestand F 154 II die Akten, die das Staatsarchiv zwischen 1950 und 1967 vom Landratsamt Ludwigsburg übernahm. Sie wurden 1982 mit Ausnahme der Bauakten durch den Archivangestellten Alfred Ibrom verzeichnet. Der Wiss. Angestellte Volker Trugenberger überprüfte 1984 die Titelaufnahmen und nahm die Gliederung in Anlehnung an den Aktenplan für württembergische Oberämter vor. Im Januar 1984 wurden die Amtsversammlungsprotokolle (Bd 11-20,33) gemäß einer Vereinbarung zwischen dem Ministerium für Wissenschaft und Kunst und dem Landkreis Ludwigsburg an das Kreisarchiv Ludwigsburg abgegeben. Der Bestand F 154 II umfaßt 33,9 lfd. m (Büschel 1 - 4268 mit Zwischennummern). Ludwigsburg, Oktober 1984 Volker Trugenberger

Zu den Bauakten (Kapitel 11): Die unter Kapitel 11 verzeichneten Bauakten des Oberamts Besigheim wurden vom Landratsamt Ludwigsburg in den Jahren 1959, 1963 und 1964 übergeben. Nach ihrer Herauslösung aus Bestand FL 20/12, dem sie zunächst angegliedert waren, wurden die Bauakten 1981 von den Zeitangestellten Paula Lepold (Besigheim) und Erwin Heim (Bietigheim - Walheim) unter fachlicher Anleitung des Unterzeichnenden geordnet und verzeichnet. Die Titelaufnahmen wurden ortsalphabetisch gegliedert und anschließend gemeindeweise chronologisch gereiht. Innerhalb der einzelnen Jahrgänge erfolgte eine alphabetische Feinordnung nach den Namen der Bauherren. Der vorliegende Bestand weist für die Zeit vor 1860 eine Überlieferungsdichte auf, die bemerkenswert ist, wenn man berücksichtigt, dass Bauakten aus dieser Zeit in zahlreichen Oberamtsbeständen des Staatsarchivs Ludwigsburg nur spärlich enthalten sind oder völlig fehlen. Um diesen besonderen Dokumentationswert beispielhaft zu verdeutlichen, wurden jene Unterlagen, die Bauvorhaben des 19. Jahrhunderts in der Oberamtsstadt Besigheim betreffen, ausführlicher als üblich verzeichnet, indem die enthaltenen Bau- und Lagepläne bei den ¿Darin¿-Vermerken im einzelnen aufgeführt wurden. Ansonsten wurde lediglich das Vorhandensein bzw. Fehlen von Plänen bei der Umfangsangabe wie folgt vermerkt: Beispiele: 4 Schr., 2 Pläne; aber: 4 Schr. (= ohne Pläne) oder: 1 Fasz., ohne Plan; bzw. Qu. 1-8, Plan fehlt aber: Qu. 1-8 (= mit Plan/Plänen, sofern die Akten nicht bloß Baubeschwerden, Gesuche um Befreiung von Bauvorschriften, Mahnungen o.ä. betreffen). Die Bauakten des Oberamts Besigheim über die Gemeinden Ilsfeld, Lauffen, Neckarwestheim, Schozach und Wüstenhausen, die 1938 dem Landkreis Heilbronn angegliedert wurden, dürften damals dem Heilbronner Landratsamt übergeben worden sein. Die ebenfalls fehlenden Bauakten über Metterzimmern wurden wahrscheinlich bei der Eingemeindung dieser Ortschaft nach Bietigheim 1930 der Stadt Bietigheim ausgehändigt. Möglicherweise befinden sich dort auch die oberamtlichen Bauakten betreffend Bietigheim aus der Zeit vor 1911, die nicht ins Staatsarchiv Ludwigsburg gelangt sind. Vereinzelte Bausachen und Baugenehmigungen des Oberamts Besigheim befinden sich in Bestand FL 20/12 I (Landratsamt Ludwigsburg: Bauakten) und sind im dortigen Findbuch als Vorakten ausgewiesen. Ludwigsburg, Januar 1986 Udo Herkert

Zur Retrokonversion: Bei diesem Findbuch handelt es sich um ein bisher nur in hand- oder maschinenschriftlicher Form vorliegendes Repertorium, das nach einem von der "Arbeitsgruppe Retrokonversion im Staatsarchiv Ludwigsburg" erarbeiteten Verfahren in ein datenbankgestütztes und damit onlinefähiges Format umgewandelt wurde. Bei dieser sogenannten Retrokonversion wurden die Grundstruktur der Vorlage und die sprachliche Fassung der Texte grundsätzlich beibehalten (Motto: "Abschrift statt Neubearbeitung"). Dies kann zu einer gewissen Diskrepanz zwischen dem modernen äußeren Erscheinungsbild und der heute teilweise überholt wirkenden Gestaltung und Formulierung der Titelaufnahmen führen. Berichtigungen, Streichungen und Nachträge wurden überprüft und eingearbeitet.
Umfang:
4300 Archivalieneinheiten (39,5 lfd. m)
Online-Beständeübersicht im Angebot des Archivs: