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Gesandtschaft Madrid (Bestand)

Verzeichnungsstufe:
Bestand
Bestandssignatur:
I. HA Rep. 81 Madrid
Kontext:
Tektonik >> STAATSOBERHAUPT UND OBERSTE STAATSBEHÖRDEN, MINISTERIEN UND ANDERE ZENTRALBEHÖRDEN PREUSSENS AB 1808 >> Auswärtige und Bundes-Angelegenheiten >> Auswärtige Angelegenheiten
Bestandslaufzeit:
Laufzeit: 1796 - 1873
Bestandsbeschreibung:
Findmittel: Datenbank; Findbuch, 1 Bd.

Vorbemerkung

Behördengeschichte
Die Gesandtschaft Madrid nahm im Rahmen des preußischen Gesandtschaftssystems nur einen mittleren Rang ein. Die Beziehungen zwischen beiden Staaten wurden hauptsächlich bestimmt durch die preußischen Wirtschaftsinteressen, besonders durch den Export von Leinwand nach Spanien und den Import von Schafen bzw. Wolle nach Preußen. Bis zur Französischen Revolution und den Napoleonischen Kriegen hatten Spanien und Preußen über die Handelsbeziehungen hinausgehend kaum Kontakte.
Nachdem Preußen im Pariser Vertrag vom 8. September 1808 die Regierung von Joseph Bonaparte in Spanien anerkennen musste, fanden 1810 die ersten diplomatischen Anknüpfungsversuche zwischen beiden Staaten statt. Der bereits ernannte Gesandte wurde jedoch auf Grund der innenpolitischen Lage Spaniens und der Haltung Napoleons nicht akkreditiert, so dass es zunächst nicht zur Errichtung einer Gesandtschaft in Madrid kam. Infolge des Vertrags von Valençay vom 11. Dezember 1813 musste Joseph Bonaparte abdanken. Der Vertrag sah die Rückkehr Ferdinands VII. auf den spanischen Thron und die Anerkennung der spanischen Besitzungen vor.
Jetzt erfolgte eine erneute Ernennung eines preußischen Gesandten für Spanien, der 1814 die diplomatischen Beziehungen mit dem bourbonischen Königreich Spanien aufnahm. Baron von Werther war bis 1821 in Madrid akkreditiert. In der Folgezeit unterstützte Preußen König Ferdinand VII. von Spanien. Demgemäß ließ es nach der spanischen Revolution von 1820, nach der Spanien zur konstitutionellen Monarchie zurückkehrte, die diplomatischen Beziehungen einfrieren und zog seinen Gesandten ab.
Erst nach der Niederwerfung der Revolution wurden 1823 die regulären diplomatischen Beziehungen wiederhergestellt. Das Kreditiv des Barons von Liebermann datiert auf den 1. November 1825. Während seiner Abwesenheiten 1830 wurde er von Legationsrat Petitpierre und dann von dem Geschäftsträger Graf von Königsmarck vertreten. Nach dem Tod König Ferdinands VII. im Jahr 1833 unterstützte Preußen mehr oder weniger offen die um den Kronprätendenten Don Carlos entstandene Gruppierung der sogenannten Carlisten in ihrem Kampf gegen die von den spanischen Liberalen getragene offizielle Regierung der Königin Maria Christine. Diplomatischer Ausdruck dieser mit Russland und Österreich abgestimmten preußischen Politik war der faktische Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu der offiziellen spanischen Regierung. Zunächst wurde 1834 der preußische Gesandte abberufen und Konsularagent Jentsch übernahm die Aufgaben, der 1836 ebenfalls abberufen wurde. Auch nach der Niederlage von Don Carlos und seinen Anhängern in den ersten sogenannten Carlistenkriegen (1834 - 1840) blieben die Beziehungen zwischen Preußen und Spanien unterbrochen. Zwar wurden im Anfang der 1840er Jahre wieder Kontakte zwischen der preußischen und der spanischen Regierung aufgenommen, doch kam es erst im Mai 1848 zur offiziellen Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen. Bis 1871 residierte eine preußische Gesandtschaft in Madrid.

(Außerordentliche) Gesandte, bevollmächtigte Minister und Geschäftsträger (1)
1660 Christoph Caspar von Blumenthal (wegen der Subsidien)
1667 Werner Blaspiel (wegen eines Bündnisses)
?? Carl Abreu
1676 - 1680 Melchior von Ruck (wegen der Subsidien)
1689 Friedrich Wilhelm von Diest (wegen Geldern)
1691 - 1701 Johann Joseph von Afferden
1691 - 1693 Egidius Strauß
1699 - 1701 Pierre de Falaiseau
1707 Friedrich Ernst zu Inn- und Knyphausen
1711 Friedrich Heinrich von Bartholdi

1749/50 Karl von Cagnony (wegen Ansprüchen aus einem Subsidienvertrag)
1758 - 1760 George Keith
1782 - 1784 Carl Friedrich Ludwig von Nostitz
1784 - 1795 Daniel Alfons von Sandoz-Rollin
1796 - 1802 Jakob Friedrich von Rohde
1803 - 1805 Hieronymus Gottfried Scholtz (Geschäftsträger)
1805 Peter Albert Samuel de Gualtieri (2)
1805 Henry (Geschäftsträger)
1814 -1821 Heinrich August Alexander Wilhelm von Werther
1823 - 1824 Bogislav Helmuth von Maltzahn
1825 - 1835 August Carl Friedrich von Liebermann (Geschäftsträger: Graf v. Königsmarck)
1848 - 1852 Athanasius von Raczynski
1853 - 1864 Ferdinand Carl Hubert von Galen
1864 - 1866 Georg Freiherr von Werthern-Beichlingen
1866 Julius Carl August von Canitz und Dallwitz

Geschäftsträger und (Vize-) Konsuln
A Coruña: Johann Peter Delagoanère
Barrié 1818-1854
P. M. Barrié 1855
vakant 1855
A. Zuske 1857-1858
vakant 1859-1961
Bruno Herce 1861
José Pastor 1862-1868
Alicante: Johann Longden 1798-1800
(GK und K) Althoff bis 1806]
Jacob d'Arabet 1818-1841
G[aspar] White 1847-1868
Almería J. M. Ortieno 1855-1868
J. M. Ortieno Martinez 1868
Andalusien: Sylingk 1792-1798
Barcelona: Paul Molin [auch Molins], 1800
(GK und K) Anton d'Ogny 1818-1841
vakant 1842-1846
A. Peyra y Mach 1847-1870
Benicarlo: A. Oller 1854-1861
(VK) vakant 1862-1864
Diego O'Connor 1865
Jean E. O'Connor 1868-1870
Bilbao: Johann Klaeger 1824-1827
Wilhelm Klee 1828-1830
Johann Amann 1831-1852
J. E. Röchelt 1857-1868
Cadiz: Peter Albert Samuel de Gualtieri 1763-1805
(K und VK) Gerhard Lameyer, ab 1804?
David von Wieling
Daviesl
Jean Francois Barrié
Ludolph Christian Uhtoff 1818-1854
Friedrich Uhtoff 1855-1868
Cartagena: Bartholomé Spottorno 1853-1868
Cordoba: H. Fink 1859-1868
Ferrol: Anton Ignaz Fernandes 1853-1859
(K und VK) Manuel Anton Garcia 1862-1868
Gijon: José Maria Marina 1853-1868
Huelva (VK): Heinrich Diaz-Gomez 1859-1868
Madrid (GK): Hieronymus Gottfried Scholtz, Legationssekretär und Geschäftsträger
[Ludwig Franz] Henry, Geschäftsträger 1805-1808
Julius Rudolph Ottomar von Minutoli 1852-1859
vakant 1861-1868
Malagá: Johann [auch: Jean / Juan] Roose 1818-1837
(K und GK) Heinrich Roose 1838-1865
Maó: B. Uhler 1857-1868
Palma de Mallorca: J. Almiral 1853-1868
Sanlúcar de Barrameda: J. N. Colom 1861-1868
Santander: Jean Planté der Jüngere 1818-1831
vakant 1931-1836
Felin y Lafont 1853-1861
G. Ad. Lübbers 1862-1868
Sevilla: Friedrich Grund 1820-1827
Anton [Antoine] Merry 1828-1868
Tarragona: D. Theilo 1853-1860
vakant 1861
Anton v. Müller 1862-1868
Torrevieja Antonio H. Sanchez 1853-1863
Rafael Sanchez 1865-1868
Valencia: Johann Peratoner 1831-1848
(K und VK) Jacob d'Arabet 1834-1838
Vincent Ferrer y Valles 1851-1854
vakant 1855
Vincente Ferrer y Bartual 1856-1868
Vigo: [Joseph von] Lapeire [Lapeyre]
(K und VK) Manuel Barcena 1853-1858
Vakant 1859-1863
August Barcena y Franco 1865-1868



Bestandsgeschichte
Wie aus den Unterlagen der Generaldirektion der Preußischen Staatsarchive vom Oktober 1869 hervorgeht, wurden die Gesandtschaften angewiesen, sämtliche Unterlagen zur Aufbewahrung an das Außenministerium abzugeben. Ab 1870 gelangten die Akten dann an das Geheime Staatsarchiv. Die Überlieferung der Preußischen Gesandtschaft in Madrid ist Teil-Bestand der Bestandsgruppe I. Hauptabteilung Repositur 81 "Gesandtschaften (Residenturen) und (General-) Konsulate" und wurde Ende des 19. Jahrhunderts klassifiziert und verzeichnet.
Im II. Weltkrieg wurden die fast alle Bestände des Geheimen Staatsarchivs in die Salzbergwerke von Staßfurt und Schönebeck verbracht. Dazu gehörte auch die Bestandsgruppe I. HA Rep. 81 und somit das Schriftgut der Gesandtschaft Madrid. Nach Ende des Krieges wurden diese Akten von der Sowjetunion beschlagnahmt und nach Moskau überführt. Die Rückgabe der beschlagnahmten Archivalien des Geheimen Staatsarchivs an die Regierung der DDR erfolgte in den 1950er Jahren, als Standort des Archivs wurde das "Karteihaus der Landesversicherungsanstalt Merseburg" in Sachsen-Anhalt ausgewählt, die administrative Unterstellung erfolgte unter das Zentrale Staatsarchiv Potsdam, Merseburg. Im Oktober 1955 fand eine Bestandsrevision statt (roter Haken). Im Oktober 1955 fand eine Bestandsrevision statt (roter Haken); die vier als vermisst gekennzeichneten Archivalieneinheiten sind im vorliegenden Findbuch ebenso wie in der Datenbank mit Titel, jedoch ohne Signatur erfasst.
Das Findbuch aus dem 19. Jahrhundert wurde 1962 verfilmt. 1967 wurde die Trennung der Gesandtschafts-Überlieferung nach sogenannten ‚Gesellschafts-Epochen' vorgenommen. Die Zeit vor 1807 galt als die Zeit des Feudalismus und die Zeit nach 1807 galt als die Zeit des Kapitalismus. Dabei wurden drei Verzeichnungseinheiten aus der archivischen Heftung gelöst, um sie den jeweiligen Teilbeständen zuzuordnen. (3) Der jüngere Teil-Bestand "nach 1807" wurde im Dezember 1986 revidiert (grüner Haken).
Im Zuge der deutschen Wiedervereinigung erfolgte 1993 die Überführung der Archivalien aus dem Zentralen Staatsarchiv, Abteilung Merseburg in die Zuständigkeit des Geheimen Staatsarchivs Preußischer Kulturbesitz. 2005 fiel die Entscheidung, den Gesamtbestand "I. HA Rep. 81 Gesandtschaften (Residenturen) und (General-) Konsulate" provenienzgerecht als Einzelbestände der verschiedenen Gesandtschaften etc. aufzustellen, so dass die vorliegenden Archivalien nun unter der Bestandsbezeichnung GStA PK, I. HA Rep. 81 Gesandtschaft Madrid vor bzw. nach 1807 firmierten.
Die 1967 getroffene Entscheidung, die Gesandtschaftsüberlieferungen zu trennen, wurde im Mai 2018 jedoch wieder rückgängig gemacht. (4) Daraufhin wurden im Sommer 2019 die Teil-Bestände wiedervereint; der ältere Teil wurde in die vorhandene Klassifikationsstruktur wieder integriert. Im Zuge der Revision wurden einige Verzeichnungseinheiten neu klassifiziert. Archivinspektoranwärter Moritz Hülk modernisierte und vereinheitlichte die Titel, darüber hinaus hat er zum Teil sowie umfangreiche Enthält-Vermerke aufgenommen. Da die Dokumente überwiegend in französischer und in spanischer Sprache verfasst sind, war dies besonders komplex, zumal das vorliegende Findbuch aus dem 19. Jahrhundert zu summarisch ist. Soweit es in einem angemessenen Zeitaufwand ermittelbar war, wurden für Personen und Orte Verknüpfungen mit der Gemeinsamen Normdatei (GND) erstellt. Der Bestand wurde nach numerus currens umsigniert. Die Konkordanz "Altsignatur" - "Signatur" ist am Schluss des Findmittels.
Der Bestand, der 349 Verzeichnungseinheiten mit einer Laufzeit von 1767 bis 1873 umfasst, firmiert nun unter der Bezeichnung "I. HA Rep. 81 Gesandtschaft Madrid".

Verwandte Bestände
GStA PK, I. HA Rep. 96 (insbesondere Nr. 3 Y 1; Nr. 69 M-Q; Nr. 163 D-O)
GStA PK, III. HA MdA
Da die auswärtigen Beziehungen Preußens ab dem Jahr 1871 in die Zuständigkeit des Deutschen Reichs fielen, sind heute im Politischen Archiv des Auswärtigen Amts die chronologisch folgenden Bestände zu einzelnen Konsulaten zu finden.

Literatur
Historias de todas las Familias y Apellidos que dejaron su granite en la Cuidad, online: https://www.facebook.com/MalagaHistoriasDeSusFamilias/ [jüngster Abruf 26.09.2019]
Humboldt, Wilhelm von: Tagebücher. Bd. 2. 1799-1835, 1. Aufl., Berlin 1918 (Nachdruck 1968/2015).
Ibarra, Joaquin Viuda de: Almanak mercantil o guía de comerciantes para el año de 1803, Madrid 1803.
Straubel, Rolf: Biographisches Handbuch der preußischen Verwaltungs- und Justizbeamten: 1740-1806/1815, 2 Teile, München 2009.

Anmerkungen
(1) Repertorium der diplomatischen Vertreter aller Länder seit dem Westfälischen Frieden (1648 - 1815), 3 Bde., Bd. 1 hrsg. von Ludwig Bittner u. Lothar Groß, Oldenburg 1936, Bd 2 hrsg. von Friedrich Hausmann, Zürich 1950, Bd 3 hrsg. von Otto Friedrich Winter, Graz / Köln 1965.
Handbuch über den Königlich Preußischen Hof und Staat 1794 bis 1848; Königlich Preußischer Staats-Kalender 1851 bis 1765; Handbuch über den Königlich Preußischen Hof und Staat ab 1868
Bundesgesetzblatt des Norddeutschen Bundes 1868, Nr. 27.
Deutsches Reichsgesetzblatt 1871.
(2) Varnhagen von Ense, Karl August: Peter von Gualtieri, in: Vermischte Schriften, Bd. 1, Leipzig 1843 (Denkwürdigkeiten und vermischte Schriften, Bde. 4-6), S. 42-47.]
(3) Es sind die Archivalien III Nr. 1 und Nr. 2 sowie V Nr. 1. Vgl. I. HA Rep. 178 E, Nr. 168: Arbeitsbericht über die durchgeführten Abgrenzungsarbeiten im II. Quartal 1967.
(4) Vgl. Arbeitsbericht über die durchgeführten Abgrenzungsarbeiten im II. Quartal 1967, in: GStA PK, I. HA Rep. 178 E, Nr. 168 sowie GStA PK, TgbNr. 9183/18 (Registratur Aktenzeichen C 1/1/1).

Der Bestand lagert im Magazin Westhafen.
Zu bestellen mit gelben Bestellscheinen: I. HA Rep. 81 Madrid, Nr. #

Zitierweise: GStA PK, I. HA Rep. 81 Gesandtschaft Madrid, Nr. #


Berlin, den 22.11.2019 AR'in Dr. Puppel
Inspektoranwärter M. Hülk

Umfang:
Umfang: 6,0 lfm (349 VE)
Sprache der Unterlagen:
deutsch
Rechteinformation:
Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz