10112 Landesschule Meißen (Bestand)

Verzeichnungsstufe:
Bestand
Bestandssignatur:
Sächsisches Staatsarchiv, 10112
Kontext:
Sächsisches Staatsarchiv (Beständegliederung) >> 01. Markgrafschaft Meißen, Albertinisches Herzogtum und Kurfürstentum / Königreich Sachsen bis 1831 >> 01.05 Behörden und Einrichtungen der Erblande >> 01.05.06 Kultus und Unterricht
Bestandslaufzeit:
1537 - 1950
Bestandsbeschreibung:
Geschichte: Mit der Neuen Landesordnung vom 21.05.1543 legte Kurfürst Moritz die Grundlage für die Einrichtung der drei staatlichen Schulen in Pforta, Grimma und Meißen, die den gestiegenen Bildungsansprüchen im Zusammenhang mit dem Umbau der Landesverwaltung und den veränderten kirchlichen Verhältnissen Rechnung tragen sollten. Sie dienten als Eliteschulen der Vorbereitung auf das Universitätsstudium in Leipzig, Wittenberg und Jena. Unterricht, Unterkunft, Verpflegung, Kleidung und medizinische Betreuung der Alumnen erfolgten im Rahmen von Freistellen, für deren Besetzung vor allem der Adel und die Städte Vorschläge unterbreiteten.

Zur Bestreitung des Unterhalts der Schule wurde der Besitz der Klöster Sankt Afra und Heiligkreuz in Meißen und des Klosters Seußlitz im Schulamt Meißen zusammengefasst. An der Spitze des Amtes stand ein Schulverwalter, der sowohl die Justiz als auch die Ökonomieverwaltung innehatte. Von 1768 an waren die Justizverwaltung unter dem Schulamtmann einerseits und die Renterei unter dem Schulökonomieverwalter andererseits getrennt. 1827 wurde die Schulrentamts- und Ökonomieverwaltung mit der des Prokuraturamts Meißen vereinigt. Die Einkünfte des Prokuraturamts, das seit der Säkularisation den Besitz des Domkapitels Meißen verwaltete, dienten unter anderem zur Besoldung der Lehrer an der Landesschule.

Die Schule unterstand zunächst dem Kirchenrat, später dem Oberkonsistorium in Dresden. 1831 - 1945 lag die Schule in der Zuständigkeit des Ministeriums für Volksbildung und wurde in die allgemeine Entwicklung der Gymnasien einbezogen. Mit den Reformen von 1920/21 und 1924 hob der Staat die Sonderstellung der Landesschule auf, womit sich die zielgerichtete Auslese besonders begabter Schüler erledigte. Seit 1938 war die Landesschule eine Oberschule, der 1942 die Deutsche Heimschule unter Leitung der SS folgte. Im November 1945 kam der Unterricht durch die Entlassung der noch verbliebenen Lehrkräfte vollständig zum Erliegen. Die formelle Auflösung der Einrichtung erfolgte 1950.

Der Bestand vereinigt in sich Akten der Landesschule, des Schulamtes, des Prokuraturamtes, des Stiftsamtes und des Kreisamtes Meißen sowie des Amtes Mügeln.

Weitere Angaben siehe 1.5.6 Kultus und Unterricht

Inhalt: Schulverwaltung.- Schulordnungen.- Lehrer und Geistliche.- Freistellen und Internat.- Unterricht, Zensuren und Examen.- Unterbringung und Versorgung der Schüler.- Disziplinarsachen.- Bibliothek.- Inventare.- Rechnungswesen.- Stiftungen.- Justizsachen.- Bausachen an der Landesschule und am Bischofshof auf dem Burgberg in Meißen.- Forst- und Jagdsachen.- Verwaltung der Schulgüter und Schuldörfer.- Ablösungen.- Zinsen, Dienste und Hufengelder.- Verein ehemaliger Fürstenschüler e. V.- Lehrerbildungsanstalt Meißen.

Ausführliche Einleitung: Landesschule Meißen
Mit der Neuen Landesordnung vom 21.05.1543 legte Kurfürst Moritz die Grundlage für die Einrichtung der drei landesherrlichen Schulen in Pforta, Grimma und Meißen, die den gestiegenen Bildungsansprüchen im Zusammenhang mit dem Umbau der Landesverwaltung und den veränderten kirchlichen Verhältnissen Rechnung tragen sollten. Sie dienten als Eliteschulen der Vorbereitung auf das Universitätsstudium in Leipzig, Wittenberg und Jena. Unterricht, Unterkunft, Verpflegung, Kleidung und medizinische Betreuung der Alumnen erfolgten im Rahmen von Freistellen, für deren Besetzung vor allem der Adel und die Städte Vorschläge unterbreiteten.
Die Finanzierung der Schule wurde aus dem Verkauf des 1540 an den Staat gefallenen Klosters St. Afra bestritten. Einige Besitzungen inklusive der Klostergebäude verblieben aber bei der Landesschule. Außerdem wurde ihr das ehemalige Kloster Seußlitz zugeschlagen. Dieses war als Finanzierungsgrundlage aber nicht ausreichend, so dass ab 1570 auch Güter des Kreuzklosters in Meißen der Schule übereignet wurden. Die genannten Besitzungen wurden im Schulamt Meißen zusammengefasst. Die Verwaltung lag zunächst beim Schösser [01] bzw. Schulverwalter. 1768 wurde die Justiz- von der Finanzverwaltung getrennt, so dass es von nun an einen Justizamtmann und einen Schulökonomieverwalter gab. Auch der Gerichtsvogt von Schrebitz gehörte zum Schulamtspersonal. Er erhob die Einkünfte aus der zum Schulamt geschlagenen Gerichtsvogtei Schrebitz, in Fragen der Gerichtsbarkeit unterstand er aber dem Schulamt [02] . 1835 wurde das Schulamt mit dem Prokuraturamt Meißen zusammengelegt, beim Schulrentamt geschah dies schon einige Jahre eher.
Die Schule unterstand zunächst dem Kirchenrat, später dem Oberkonsistorium in Dresden. 1831 - 1945 lag die Schule in der Zuständigkeit des Ministeriums für Volksbildung und wurde in die allgemeine Entwicklung der Gymnasien einbezogen. Mit den Reformen von 1920/21 und 1924 hob der Staat ihre Sonderstellung auf, womit sich die zielgerichtete Auslese besonders begabter Schüler erledigte. Seit 1938 war die Landesschule eine Oberschule, der 1942 die Deutsche Heimschule unter Leitung der SS folgte. Sie wurde 1945 beim Einmarsch der russischen Truppen bis zum Dezember 1946 besetzt. Der Lehrbetrieb lief jedoch offensichtlich eingeschränkt weiter. Bereits am 23. Mai 1945 wurde Dr. Lorenz als neuer kommissarischer Leiter eingesetzt. Im Zuge der Überprüfung des Lehrpersonals erfolgte jedoch auf Veranlassung der Landesverwaltung im November 1945 die Entlassung aller noch verbliebenen Lehrkräfte einschließlich des kommissarischen Leiters aufgrund ihrer vormaligen Mitgliedschaft in der NSDAP. Daraufhin musste der Abiturkurs aufgelöst werden und der Lehrbetrieb kam zum Erliegen. Dennoch wurde die Schule offensichtlich nicht aufgelöst. Der kommissarische Leiter Dr. Lorenz führte in Ermangelung eines Nachfolgers die Amtsgeschäfte vorerst weiter. [03] Bereits im Januar 1946 gab es Überlegungen, die Lehrerbildungsanstalt Meißen (Weinbergschule) im Gebäude der Landesschule unterzubringen. Deren Direktor Arno Huss setzte dieses Vorhaben durch. Ab 1. September 1946 nutzte die Lehrerbildungsanstalt Räume der Landesschule, ohne jedoch mit ihr institutionell zu verschmelzen. Die Kassengeschäfte vollzog auch weiterhin das Rentamt der Landesschule, wobei es die Geschäfte des Lehrerbildungsheims nur in Auftrag verwaltete. [04]
Das Lehrerbildungsheim wurde 1950 nach Zwickau verlegt. [05] Im selben Jahr kam es auch zur Abwicklung des Rentamts der Landesschule und damit endgültig auch zur Auflösung der Landesschule Meißen.

Bestandsgeschichte und Hinweise zur Benutzung

Die Akten der Landesschule wurden am 1. und 18. Juni 1948 in das damalige Landeshauptarchiv überführt. [06] Obwohl die Akten aus dem Archiv der Landesschule stammen, handelt es sich von den Provenienzen vor allem um Unterlagen des Schul- und Prokuraturamts Meißen, aber auch des Kreis- und Stiftsamts Meißen, des Stadtrats von Meißen und des Amts Mügeln, aus denen aufgrund ihrer Herkunft aus der Landesschule Meißen der gleichnamige Bestand gebildet wurde. Die Gliederung des Findbuches erfolgte nach der Provenienz der Akten. Dabei wurde die ursprüngliche Gliederung aus der Registratur der Landesschule weitestgehend beibehalten.
Entweder im Rahmen der Bearbeitung des Bestandes im Landeshauptarchiv 1950 oder nach einer späteren Aktenabgabe des Stadtarchivs Dresden aus dem Jahr 1970 wurden Akten, deren Laufzeit über das Jahr 1945 hinausgeht, herausgelöst und entsprechend der archivischen Zäsur 1945 einem gesonderten Bestand "Städtische Oberschule Meißen" zugewiesen. Da die Unterlagen jedoch nur die Provenienz Landesschule Meißen enthielten, erfolgte 1999 die Wiedereingliederung in den Bestand. Dabei wurden ca. 0,03 lfm Kassenanweisungen, Auszahlungsanordnungen sowie Unterlagen zur Bestellung von Kleinteilen kassiert. Im Jahr 2012 wurden bislang unverzeichnete Akten mit einem Umfang von etwa 1,3 lfm bearbeitet und in die bestehende Klassifikation eingefügt. Dabei handelt es sich vor allem um die Gewährung von Darlehen aus dem Vermögen der Landesschule sowie Personalangelegenheiten und die Vergabe von Freistellen aus dem Zeitraum von 1830 bis 1949. Eine Reihe von Akten ist aus Bestandserhaltungsgründen für die Benutzung gesperrt.
Für weitere Recherchen im Hauptstaatsarchiv Dresden kann auch die zentralbehördliche Überlieferung in den Beständen 10024 Geheimer Rat (Geheimes Archiv), 10036 Finanzarchiv, 10026 Geheimes Kabinett, 10025 Geheimes Konsilium und 10079 Landesregierung herangezogen werden. Außerdem befinden sich Unterlagen zur Landesschule in den Beständen 10057 Kreisamt Meißen, 10058 Prokuraturamt Meißen, 13469 Schulamt Meißen, 10059 Stiftsamt Meißen, 11125 Ministerium des Kultus und Öffentlichen Unterrichts und 11148 Bezirksschulamt Meißen.
(Horst Schlechte, Angela Ullmann, Andrea Tonert)

Literatur

Arnhardt, Gerhard, Reinert, Gerd-Bodo: Die Fürsten- und Landesschulen Meißen, Schulpforte und Grimma. Lebensweise und Unterricht über die Jahrhunderte, Weinheim, Basel, 2002. [V 666] [07]

Blaschke, Karlheinz: Das Archiv des Hochstifts Meißen, in: Das Bistum Meißen. Aufsätze zur sächsischen Kirchengeschichte, hg. von Franz Lau (Herbergen der Christenheit. Sonderband), Berlin 1973, S. 15–32. [J 16]

Ders.: Zur Behördenkunde der kursächsischen Lokalverwaltung, in: Archivar und Historiker, Berlin 1956. [La 183]

Bönhoff, Leo: Die ältesten Ämter der Mark Meißen, in: Neues Archiv für sächsischen Geschichte und Altertumskunde, Bd. 38, 1917, S. 17-46. [Sa 2115]

Brück, Beate: Die Geschichte der Bibliothek der Fürsten- und Landesschule St. Afra zu Meißen von ihren Anfängen bis zu ihrer Auflösung im Jahre 1948, Diplomarbeit, Meißen 1992. [AA 1017j]

Erneuerte Schulordnung für die Chur-Sächsischen drey Fürsten- und Landesschulen Meißen, Grimma und Pforta, Dresden 1773. [AA 1013c]

Flöter, Jonas, Wartenberg, Günther (Hg.): Die sächsischen Fürsten- und Landesschulen. Interaktion von lutherisch-humanistischem Erziehungsideal und Eliten-Bildung (Schriften zur sächsischen Geschichte und Volkskunde 9), Leipzig 2004. [Sa 2263]

Flügel, Gustav: Geschichte der dreihundertjährigen Jubelfeier der Königlich Sächsischen Landesschule St. Afra zu Meißen den 2. - 4. Juli 1843, Meißen 1844. [AA 1016]

Friedrich , Hermann August: Leben des zweiten Professors an der Kgl. Sächs. Landesschule St. Afra zu Meißen Dr. Johann Gottlieb Kreysig , Meißen 1854. [BB 148m]

Hartlich, Otto (Hg): Die Fürsten- und Landesschule St. Afra zu Meissen in den Jahren 1918-1922, Meißen 1922 [AA 1016a]

Jahresbericht über die Fürsten- und Landesschule Meißen, 1878/79, 1893/94 – 1901/02, 1905/06 – 1908/09, 1911/12 – 1916/17, 1928 – 1930. [AA 1016d]

Kreyssig, August Hermann: Afraner-Album. Verzeichnis sämtlicher Schüler der Kgl. Landesschule zu Meißen von 1543 bis 1875, 8422 an der Zahl. Mit Nachtrag 1. 1893 und 2. 1900, Meißen 1876. [AA 1017]

Mueller, Johann August: Versuch einer vollständigen Geschichte der Chursächsischen Fürsten- und Landesschule zu Meißen aus Urkunden und glaubwürdigen Nachrichten, Bd. 1 - 2, Leipzig 1787 - 1789 [AA 1014]

Schultze, Alfred: Die Rechtslage der evangelischen Stifter Meißen und Wurzen. Zugleich ein Beitrag zur Reformationsgeschichte (Leipziger rechtswissenschaftliche Studien 1), Leipzig 1922. [X471]


[01] Arnhardt, Gerhard, Reinert, Gerd-Bodo: Die Fürsten- und Landesschulen Meißen, Schulpforte und Grimma. Lebensweise und Unterricht über die Jahrhunderte, Weinheim, Basel, 2002, S. 27, 39, 41.
[02] Schumann, August: Vollständiges Staats-, Post- und Zeitungslexikon von Sachsen, Zwickau 1824, Bd. 6, S. 318.
[03] 10112 Landesschule Meißen, Nr. 2134.
[04] 10112 Landesschule Meißen, Nr. 2138.
[05] 10112 Landesschule Meißen, Nr. 2136.
[06] 10707 Hauptstaatsarchiv Dresden, Nr. 3493, Bd. 1, Bl. 71, 81ff.
[07] Bei den in eckigen Klammern stehenden Angaben handelt es sich um die Bibliothekssignaturen im Sächsischen Hauptstaatsarchiv Dresden.

Umfang:
91,90 (nur lfm)
Online-Beständeübersicht im Angebot des Archivs:
Rechteinformation:
Es gilt die Sächsische Archivbenutzungsverordnung (SächsGVBl. Jg.2003, Bl.-Nr. 4 S. 79)