Graf Schenk von Stauffenbergisches Archiv Lautlingen: Rentamt Lautlingen: Amtsbücher (Bestand)

Verzeichnungsstufe:
Bestand
Bestandssignatur:
Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Staatsarchiv Sigmaringen, Dep. 37 T 3
Kontext:
Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Staatsarchiv Sigmaringen (Archivtektonik) >> Deposita (ohne FAS - Dep. 39) >> Gfl. und Frh. Schenk von Stauffenbergische Archive >> Graf Schenk von Stauffenbergisches Archiv Lautlingen
Bestandslaufzeit:
1346-1875
Bestandsbeschreibung:
Überlieferungsgeschichte

Geschichtlicher Überblick
Das Rentamt Lautlingen ist, gemessen an der langen Herrschaftstradition der Familie Schenk von Stauffenberg, eine relativ junge Verwaltungsbehörde. Es ging Ende 1864 aus dem von der erloschenen Wilflinger Linie eingerichteten Rentamt Geislingen hervor, das 1698 nach dem Erwerb von Ort und Herrschaft Geislingen (bei Balingen) durch die Brüder Johann Wilhelm, bambergischer und kurmainzischer Geheimrat und Oberstallmeister, Johann Werner, würzburgischer Obrist, Johann Albrecht, bambergischer Hofrat und kurmainzischer Kämmerer, Johann Franz, Fürstbischof von Konstanz, und Johann Friedrich Schenk von Stauffenberg, Johanniterkomtur und Feldmarschalleutnant der Schwäbischen Kreiskavallerie, errichtet wurde.
1697 erwarben die fünf Brüder eine Hälfte von Geislingen von dem Grafen Ignaz Lamoral von Thurn-Valsassina um 30.000 fl. und 1698 die andere Hälfte für 34.000 fl.von Baron Adam André von Vogelmayer zu Tierberg. Etwas vorher kamen durch Aussterben der Herren von Wernau Baisingen und ein Teil der Herrschaft Glatt mit Dießen, Dettlingen, Hennental und weitere Lehen in Bittelbronn, Grünmettstetten, Dietersweiler, Dettingen und Sulz a.N. an die Brüder Schenk von Stauffenberg. Bereits 1619 (Anwartschaft) bzw. 1625 (Erbanfall) war die Herrschaft Lautlingen mit Margrethausen und den Gütern Tierberg und Ochsenberg an Wolf Friedrich Schenk von Stauffenberg, den Vater der Obengenannten, gefallen. Zum Erbe gehörten auch noch Besitz und Rechte in Hossingen, Straßberg und bei der abgegangenen Burg Hohenberg: einige Lagerbücher zu dieser Gruppe sind in diesem Bestand enthalten.
Im Jahr 1694 wurde dem ältesten der Brüder, Johann Wilhelm, von seinem Onkel Johann Georg von Wernau in Erwartung des Erbanfalls Baisingen testamentarisch im Voraus vermacht und im folgenden Jahr der Blutbann von Baisingen als österreichisches Lehen vergeben.
Als Georg von Wernau am 31.1.1696 starb, kam es in Dießen am 14.2.1697 zur Erbteilung: während Pfauhausen (heute: Stadt Wernau a. Neckar) mit Ausnahme einiger Lehen an die v. Rotenhan und Bieringen an die v. Ow fiel, verblieb der Rest bei den fünf Brüdern. Verkauft wurde von Johann Wilhelm 1697 noch die Burg Wernau bei Erbach und das Haus in Ulm an die Freiherren v. Ulm. Von dem Verkaufserlös wurde dann Geislingen erworben. Zu dieser erheblichen Besitzvermeh-rung erfolgte 1698 auch noch die Standeserhöhung der Schenken von Stauffenberg sowohl der Wilflinger als auch der Amerdinger Linie in den Reichsfreiherrenstand.
Zur Teilung unter den Brüdern kam es dann am 28. Oktober 1698. Der älteste Bruder, Johann Wilhelm, erhielt Geislingen (mit 56.000 fl. dotiert und mit 20.000 fl. versichert) und das Gut Hennental (6.000 fl.), Johann Werner, Stammhalter der Wilflinger Linie, Lautlingen und Margrethausen (80.000 fl.) und Johann Albrecht Dießen, Dettlingen (28.000 fl.) und die württembergischen Kunkellehen Bittelbronn, Dietersweiler, Sulz a.N. und Grünmettstetten: Rechnungsbände zu diesen Orten sind in diesem Bestand vorhanden. Fürstbischof Johann Franz von Konstanz und der Johanniterkomtur Johann Friedrich erhielten zusammen Wilflingen und Egelfingen, wobei der Bischof die Einnahmen des Stammguts großenteils Johann Friedrich überließ.
Im Jahr 1700 ernannte der Großmeister des Johanniterordens Johann Friedrich zum Komtur von Hemmendorf und Rexingen (mit Rechten in Walddorf bei Altensteig), beide Orte hatte er bis zu seinem Tod 1720 inne: einige Amtsbücher aus dieser Epoche sind in diesem Bestand enthalten.
Eine Besitzveränderung ergab der Verkauf von Dießen und Dettlingen 1708 durch Johann Albrecht, den dritten der Brüder, an den Abt Placidus von Muri für 50.000 fl. (ein folgender Rechtsstreit zwischen der Ritterschaft und der Reichsabtei dauerte bis 1723).
Verwal ter und Bewahrer der meisten Güter als Majoratsherr war jedoch der älteste der Brüder, Johann Wilhelm. Nach den Erbschaften und Teilungen von 1694 - 98 besaß er Geislingen, Baisingen und Hennental, konnte aber in den nächstenJahren noch weiteren Besitz erwerben. Im Jahr 1716 kaufte er von seinem Bruder Johann Albrecht die württembergischen Kunkellehen Bittelbronn, Dietersweiler, Sulz a.N. und Grünmettstetten für 3.200 fl. - mit diesem Erlös und dem Verkauf von Dießen legte Johann Albrecht die Grundlage zum Erwerb von Eberstall und Unterwaldbach - und 1723 für 8.000 fl., ein halbes silbernes Brettspiel und ein sechsteiliges Silberbesteck das Gut Eutingertal bei Horb, das einst seinem Ahnen Böcklin vom Eutingertal gehört hatte, von Karl Friedrich von Türk. 1718 hatte er von seinem Bruder Johann Werner Lautlingen geerbt, 1726 erwarb er noch die Anwartschaft auf den Geislinger Großzehnt vom Hochstift Konstanz, der nach seinem Tod 1728 seinem Neffen zufiel.
Damit waren die Besitzerwerbungen der Wilflinger Linie im Wesentlichen abgeschlossen, endgültig kamen noch 1730 Eberstall und ab 1747 Jettingen dazu. Um diesen Besitz vor willkürlichen Veräußerungen zu sichern bildeten die fünf Brüder am 30.10.1717 im Dillinger Vertrag einen Fideikommiss, der indirekt auch eine Beerbung der Amerdinger Linie bei Erlöschen der Wilflinger Linie vorsah.
Nach der Übernahme des Wernauischen Erbes und dem Erwerb Geislingens durch Johann Wilhelm Schenk von Stauffenberg kristallisierte sich ab 1700 ein Herrschaftskomplex mit drei Gebietsschwerpunkten (Vogtei, Amt oder Majorat) heraus: 1. Geislingen (mit Gut Waldhof und Witticher Lehen), 2. Lautlingen mit Margrethausen, den Domänen Ochsenberg und Tierberg, und 3. Baisingen mit den Domänen Eutingertal und Hennental.
Zentraler Ort und Schwerpunkt dieses Bestands ist Baisingen im Gäu (heute: Stadt Rottenburg a. Neckar). Erstmals 1258 als "Bözzingen" (PN) erwähnt, reichen die Wurzeln wahrscheinlich bis in die Hallstattzeit (Grabhügel), zumindest bis in die Zeit der alemannischen Landnahme (Reihengräber) zurück. Im 13. und 14. Jahrhundert ist ein Niederadelsgeschlecht von Baisingen genannt, der Ort selbst gehörte zur Grafschaft Hohenberg und ging mit dieser 1381 an Österreich über. Die Ortsherrschaft wurde 1380 an die Herren von Gültlingen (bis 1505) verpfändet. Es bildete sich ein Rittergut heraus, das später zum Kanton Neckar und Schwarzwald gehörte. 1507 kam der Ort an die Schütz von Eutingertal, die auch die von Österreich bestrittene Hoch- und Blutgerichtsbarkeit ausübten. 1658 erwarb Johann Georg von Wernau eine Hälfte des Guts von Sigmund Jäcklin (Erbe der Schütz v. Eutingertal) für 8.000 fl. und 100 Taler, die andere Hälfte 1660 von Georg Adam von Themar zu Schadenweiler für 9.000 fl. 1694 - 98 übernahmen die Schenken von Stauffenberg, wie oben erwähnt, die Herrschaft. 1805 wurde der Ort der württembergischen Landeshoheit unterstellt, der Familie verblieben nur noch die eigentlichen Ritter- und sonstigen Güter, und die Patronatsrechte. 1807 kam Baisingen an das Oberamt Horb, 1938 an den Landkreis Horb, und nach der Kreis- und Kommunalreform 1972 an den Landkreis Tübingen. Einen bedeutender Schritt zur Wirtschaftsförderung war die Aufnahme von Schutzjuden nach der Übernahme Baisingens durch die Schenk von Stauffenberg. Bereits zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurden mehrere Juden in den Amtsrechnungen von Baisingen erwähnt (s.a. 2. Geschichte und Bildung des Bestands), seit 1781 gab es 4 "Schutzhäuser" der Herrschaft. Ein Judenfriedhof existierte seit 1778, 1856 wurde er von der jüdischen Gemeinde übernommen. Die Synagoge wurde 1782 erbaut, 1938 verwüstet, zwischenzeitlich als Scheune benützt und jüngst zur Gedenkstätte umgebaut. 1771 zählte die Gemeinde 21 jüdische Familien, 1843 235 und 1933 86 Personen. 1941/42 wurden über 60 Juden deportiert, von denen nur 4 überlebten!
Eng verbunden mit Baisingen waren die Domänen Hennental und Eutingertal. Der Herrschaftshof Hennental war bereits mit Baisingen 1697 an die Schenken von Stauffenberg gekommen: im 19. Jahrhundert als Meiereihof geführt, existiert der Hof noch heute. Das Herrschaftsgut Eutingertal bestand aus Burg und Herrschaftshof. Die Burg war wohl Sitz eines örtlichen Adelsgeschlechts, im 14. Jahrhundert in der Hand der Böcklin, im 15. Jahrhundert in der Hand der Schütz von Eutingertal, kam sie dann an die von Ow und um 1680 an die von Wernau, dann an die von Türk, bis sie 1723 von Johann Wilhelm gekauft wurde. Sie bildete das 18. und das beginnende 19. Jahrhundert hindurch eine eigene Verwaltungseinheit. 1818 wurde die Burg an den Papierfabrikanten Beck (Papierfabrik Egelstal) verkauft, der sie für den Bau seiner Fabrik als Steinbruch verwendete. Bis heute existiert der Herrschaftshof, der bis weit in das 19. Jahrhundert in die zwei Höfe Unterer Eutinger und Oberer Eutinger Talhof aufgeteilt war. Der Untere Eutingertalhof wurde zeitweilig als Försterei eingerichtet, später dann aufgelassen: die Wohnplatzbezeichnung Blockstelle Talhof wurde 1970 amtlich aufgehoben, der Obere Eutinger Talhof hat sich jedoch bis heute erhalten.
Aus der Übernahme der Herrschaft erwuchs sehr schnell die Notwendigkeit eine geordnete Verwaltung für alle Gebietsteile einzurichten. Zuerst wurden die einzelnen Majorate noch getrennt geführt, zumindest seit 1707 ist aber eine gemeinsame Verwaltung für die Komplexe Geislingen und Baisingen nachweisbar: als gemeinsamer Verwalter wird ein Johann Rumpf genannt. Dieser übernahm dann ab 1718 bis zu seinem Aussscheiden 1736 auch die Verwaltung für Lautlingen und Margrethausen. Ab diesem Zeitpunkt wurden Geislingen, Lautlingen und Baisingen, mit einer Unterbrechung von 1754 - 1768 gemeinsam verwaltet, ab 1736 wird nachweisbar ein Rentamt genannt mit Sitz am Herrschaftsort Geislingen. Von 1768 - 1864 verblieb die zentrale Verwaltung beim Rentamt Geislingen, zuerst unter einem Obervogt von Geislingen, Lautlingen und Baisingen, von 1789 - 1805 dann unter einem Kanzlei- und Rentamtsverwalter, ab 1805 unter einem Rentamtsverwalter oder Rentbeamten. Nach dem Tod Johann Wilhelms 1726 in Geislingen erbte sein Bruder Johann Albrecht Baisingen, Geislingen und Lautlingen fielen gemeinsam an die Neffen, die Söhne Johann Werners. 1728 starb auch Johann Albrecht, Baisingen übernahm jetzt sein Bruder, Bischof Johann Franz. Haupterbe und Alleinbesitzer aber wurde Lothar Philipp: 1726/28 erbte er mit seinen Brüdern Marquard, Josef und Wilhelm Lautlingen, 1734 nach dem Tod seines Bruders Marquard Geislingen und nach dem Tod Bischofs Johann Franz 1740 Baisingen und Wilflingen. Mit ihm setzte sich die Wilflinger Linie fort. Nach seinem Tod 1758 erbten seine Söhne Anton Damian Baisingen und Franz Xaver Geislingen und 2/3 von Lautlingen. Nach dem Tod seines Bruders 1762 erwarb Anton Damian dessen Anteil, nach dem Tod seines Oheims Josef 1768 noch das restliche Drittel von Lautlingen und Rißtissen. Damit war Anton Damian, wie sein Vater, Alleinherr über den Herrschaftskomplex. Weitere kleinere Erwerbungen kamen noch hinzu, insbesondere 1788 Gülten und 1789 Zinsen und das Kirchenpatronat von Bieringen (vom aufgehobenen Kloster Rohrhalden b. (Rottenburg-) Kiebingen): einige Amtsbücher zum Gefällort Bieringen sind in diesem Bestand vorhanden. 1791 schließlich erreichte Anton Damian einen lange gehegten Wunsch der Familie, er wurde von Kaiser Leopold II. in den erblichen Reichsgrafenstand erhoben. Die mit dieser Standeserhöhung verbundene Hoffnung, die Reichsstandschaft und damit ein eigenes Territorium zu erwerben, erfüllte sich nicht. Durch die Auswirkungen der fr anzösischen Revolution wurde nicht nur dieses verhindert, sondern die Familie verlor auch die Reichsunmittelbarkeit: 1805 fielen die Familiengüter teils dem württembergischen, teils dem bayerischen Staat zu.
Diese Zäsur wirkte sich nur langsam auf die Verwaltung aus, das Rentamt Geislingen mit seinen Aufgaben funktionierte als standesherrliche Behörde weiter. Zwar fielen die Ortsherrschaften über Geislingen, Baisingen und Lautlingen weg, aber erst im Laufe der 1820er und 1830er wurde durch den Wegfall der Fronpflichten und etlicher älterer Abgaben die Aufgaben der Verwaltung auf die eigentlichen Herrschaftsgüter - zum Teil als Meiereien geführt - reduziert.
Einen weiteren entscheidenden Einschnitt in die Besitzverhältnisse bedeutete der Tod des letzten Reichsgrafen Klemens Wenzeslaus 1833, der die Herrschaft nach dem Tod seines Vaters Anton Damian 1803 übernommen hatte. Mit seinem Dahinscheiden endete die Wilflinger Linie und wurde von der Amerdinger Linie, wie schon in den Verträgen von 1717 (Dillinger Vertrag, Testament Johann Wilhelms) festgelegt, beerbt.
Franz Ludwig Freiher Schenk von Stauffenberg, der spätere bayerische Reichsrat, Präsident der Kammer der bayr. Reichsräte und "Exzellenzherr", übernahm als Senioratsherr die Wilflinger Güter (mit Ausnahme Unterwaldbachs), die jüngeren Brüder Philipp (¿ 1850) und Friedrich wurden apanagiert. Mit seiner Herrschaftsübernahme wurde die Amtsführung auf das Akkurateste geführt: die Zunahme der Revisionsprotokolle in den Amtsrechnungen gibt einen deutlichen Hinweis darauf. Das Revolutionsjahr 1848 brachte eine weitere Veränderung mit den Zehntablösungen mit sich, deren Abwicklung sich bis Ende der 1850er Jahre hinzog. Trotz der Verringerung der Aufgaben, blieben das Rentamt Geislingen und die lokalen Verwaltungen bestehen.
Die grundlegende und für die Bildung dieses Bestands wichtige Veränderung erfolgte 1864. Nach dem Tod des letzten gemeinsamen Rentamtsverwalter Johann Caspar Gerst im August 1864, erfolgte eine vorläufige Besitz-, und damit auch Ämterteilung (vermutlich noch zu gesamter Hand) zwischen dem Exzellenzherrn Franz und seinem Bruder Friedrich. Während das Rentamt Geislingen unter Freiherr Friedrich von einem eigenen Rentbeamten fortgeführt wurde, richtete Baron Franz in Lautlingen (erwarteter Eisenbahnanschluß?) ein neues Rentamt ein, das die Aufgaben und einen Teil des Schriftguts des alten Rentamts übernahm. Schon kurz nach der Einrichtung des Rentamts Lautlingen muß sich aber die Frage nach einer Verwaltungsvereinfachung erhoben haben, denn gleichzeitig mit der Erhebung von Baron Franz in den bayerischen Grafenstand und dem Tod seines Bruders Friedrich (beide Ereignisse 1874) endete die Rechnungsführung für die einzelnen Orte bzw. Herrschaftsgüter Lautlingen, Baisingen, Eutingertal und Hennental und wurde ab jetzt im Rentamt Lautlingen zentral geführt. Die Laufzeiten des hier bearbeiteten Bestands enden daher, mit Ausnahme einer Lautlinger Rechnungsbeilage (siehe 8.3) von 1884/85, folgerichtig mit dem Jahr 1874 bzw. 1875.
Nach dem Tod von Franz Graf Schenk von Stauffenberg 1881 wurden die Güter endgültig geteilt. Die Erben Baron Friedrichs, Begründer der bis heute existierenden freiherrlichen Linie bildeten ein Fideikommiss mit Rißtissen, Wilflingen und Geislingen, die Erben von Graf Franz, Begründer der bis heute existierenden gräflichen Linie ein Fideikommiss mit Jettingen, Eberstall, Amerdingen, Greifenstein, Lautlingen und Baisingen. Die Fideikommisse beider Linien wurden 1922 aufgehoben und zur zukünftigen Sicherung des Besitzes durch Familienverträge ersetzt.

Inhalt und Bewertung

Geschichte und Bildung des Bestands
Die Archive der Familie Schenk von Stauffenberg, 1966 als Depositalbestände in das Staatsarchiv Sigmaringen gekommen, lassen sich in ihren Anfängen bis etwa 1454 zurückverfolgen. Mit der Übernahme von Vorläuferbeständen der Herren von Hornstein zu Schatzberg und Wilflingen, der Truchsessen von Bichishausen und der Herren von Mulfingen nach dem Erwerb der Herrschaft Wilflingen 1454 und besonders nach dem Erwerb der Herrschaft Egelfingen 1538 wurde ein erstes herrschaftliches Archiv gebildet.
Von einem voll ausgebildeten Archiv, zuerst nur für das Amt Wilflingen, kann man sicher aber erst mit dem Auftauchen eines Repertoriums/Findbuchs ab 1650/55 sprechen. Dieses Repertorium, offenbar durch die Verwaltungsintensivierung nach dem Dreißigjährigen Krieg entstanden, war in 40 Rubriken eingeteilt und enthielt neben Unterlagen der Herrschaften Wilflingen mit Egelfingen, neben Inventaren, Testamenten und Prozeßakten auch Schriftgut aus den Herrschaften Lautlingen und Horn (bei Biberach).
Der Besitzzuwachs der Wilflinger Linie Ende des 17. Jahrhunderts mit der damit verbundenen Steigerung der Verwaltungsaufgaben zog auch eine Differenzierung der stauffenbergischen Archivorganisation nach sich. Neben den einzelnen Amtsarchiven wurde ab 1741 in Dillingen von Reichsfreiherrn Lothar und danach von Reichsgraf Anton Damian Schenk von Stauffenberg ein Familien- und Direktoralkanzleiarchiv gebildet. Bereits 1741 erfolgten Aktenablieferungen durch das Amt Wilflingen, umfangreichere Ablieferungen dann zwischen 1762 und 1792 durch die Ämter Jettingen und Geislingen, ab 1795 kam auch das Amtsarchiv Rißtissen nach Dillingen.
Die Bestallungsurkunde für den Rechtskonsulenten Justus Philipp Volkmut durch Reichsgraf Anton Damian 1790 stellte zugleich eine erste Archivordnung dar, in der Anton Damian die Bedeutung des Archivs wie folgt ausdrückte "Nebst denen und weilen ein gut eingerichtes Acten-Archiv gleichsam die Seele einer Herrschaft ist...", und neben der Anweisung, Repertorien für das Kanzleiarchiv und die Amtsarchive zu erstellen, auch noch die Unterbringung der Archivalien in leicht zu transportierenden Behältnissen anordnete. Wie vorausschauend letztere Anordnung war, zeigte sich ab 1794 bzw. 1796, als durch das Herannahen der französischen Truppen die Archive evakuiert werden mußten. Über Rißtissen und Dillingen kamen die Archive nach Passau, das Wilflinger Archiv wegen Verspätung nach Augsburg in den dortigen stauffenbergischen Domherrenhof.
Mit dem Tod des Rechtskonsulenten und Archivars Volkmut 1800 erfolgte eine Verlegung der Verwaltung und des Archivs. Der neue Kanzleidirektor und Archivar Anton von Böck nahm 1801 seinen Sitz in dem im Mittelpunkt der reichsgräflichen Besitzungen gelegenen Rißtissen. Zwischen 1801 und 1812 wuchs das nun Hauptarchiv genannte zentrale Archiv durch Zugänge aus den Ämtern erheblich an, es gelangten Archivalien aus Jettingen, Wilflingen, Lautlingen und Geislingen nach Rißtissen.
Die Wilflinger Linie hatte nun ihr Zentralarchiv, bei der Amerdinger Linie hingegen fehlte ein solches. Um diesem Umstand abzuhelfen, auch in Erwartung des Erbanfalls der Wilflinger Besitzungen an die Amerdinger Linie und auf Drängen des Kanzleidirektors Böck, beschloß eine Familienkonferenz 1807, der noch einige weitere folgten, den Austausch ausführlicher Güterbeschreibungen, jedoch ohne das gewünschte Resultat. Erst der Neresheimer Familienrezeß vom 16. September 1830, der die Beerbung des kinderlosen Reichsgrafen Klemens Wenzeslaus durch die Amerdinger Linie regelte, ordnete die Archivverhältnisse. Im § XIX Abs. 9 des Vertrag hieß es: Alle auf die Gesammtfamilie und die Fideikommißgüter Bezug habenden Dokumente und Akten werden in einem zu Amerdingen zu errichtenden Familien Arc hive aufbewahrt...
Nach dem Tod des letzten Reichsgrafen aus der Wilflinger Linie 1833 trat der Erbfall ein, die Einrichtung eines zentralen Familienarchivs in Amerdingen dauerte aber noch bis 1835 an. Erst ab diesem Zeitpunktfolgten dann die stauffenbergischen Rentämter die auf die Gesamtfamilie und Fidiekommissgüter bezugnehmenden Archivalien an das Zentralarchiv aus. So kamen im Zeitraum von 1835 - 1837 Unterlagen von Geislingen, Rißtissen, Wilflingen, Margrethausen und Jettingen nach Amerdingen. Neben dem Zentralarchiv blieben jedoch ausdrücklich Archive bei den einzelnen Guts- bzw. Rentamtsverwaltungen erhalten. Ihre Aufgabe war die für den alltäglichen Geschäftsgang erforderlichen Urkunden, Akten und Bände u.a. auch feuerfest aufzubewahren.
Die mit der Betreuung des Zentralarchivs zuerst beauftragten Patrimonialrichter und Rentbeamten waren jedoch mit dieser Aufgabe überfordert, es reichte nur zu einer ordnungsgemäßen Aufbewahrung der Archivalien, zum Kopieren von Dokumenten und gelegentlichen Versenden von Akten an die einzelnen Verwaltungen.
Mit dem Amtsantritt des Patrimonialrichters Ehrensberger 1845 änderte sich der Umgang mit dem Archiv grundlegend: er entwarf 1846 ein Archivschema, das, mit geringen Abänderungen, bis zur Überführung des Archivs nach Sigmaringen seine Gültigkeit behalten sollte. Das Archiv gliederte sich in vier Abteilungen: die I. Abteilung: Personen mit den Untergruppen A. Familie und B. Beamte, die II. Abteilung: Sachen mit 8 Teilbeständen und weiteren Unterabteilungen zu den einzelnen Herrschaften, wobei - für die Bildung dieses Bestands wichtig - die Güter Eutingertal und Hennental dem Teilbestand Baisingen zugeschlagen wurden, die III. Abteilung: Stiftungen mit Unterabteilungen a - f und für Archivalien, die nicht einer der drei Gruppen zuzuordnen waren, die IV. Abteilung: Nachtrag. Eine umfassende Dienstinstruktion bzw. Archivordnung, von Freiherr Franz Schenk von Stauffenberg 1847 erlassen, nannte den eigentlichen Zweck des Archivs: es sollte der Wahrung der Rechte und Besitztümer der Familie, ihrem Rang und ihrer Geschichte dienen und zumindest zu diesem Zeitpunkt nicht der historischen Forschung. Dementsprechend war das Archiv auch nicht für die Öffentlichkeit zugänglich und die Archivare deshalb vorerst auch nicht Historiker, sondern Juristen und Verwaltungsbeamte mit rechtsberatender Funktion für die Familie. So blieb es nicht aus, daß, trotz der Archivordnung Ehrensbergers und der jetzt geschäftsmäßig erfolgenden Ablieferungen durch die Rentämter, das Zentralarchiv in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts zunehmend in Unordnung geriet.
1901 wurde das Archiv aufgrund eines Familienvertrags von Amerdingen nach Schloß Eberstall bei Jettingen (Kr. Günzburg, Bayern) überführt und mit den gemäß Familienstatut für die Familie wichtigen, historisch wertvollen und von allen stauffenbergischen Verwaltungen abzuliefernden Urkunden und Akten zu einem Gesamtarchiv vereinigt. Somit verblieben in den Archiven der Rentämter nur die für den Geschäftsgang wichtigen Akten und die Amtsbuchreihen.
Mit der Neuordnung des Archivs und der Verzeichnung und Eingliederung der Neuzugänge wurde der Pfarrer Hoermann aus Ried bei Jettingen beauftragt, der die Arbeiten 1912 mit einem neuen Archivrepertorium abschloß. Dieses Findbuch behielt im wesentlichen das Archivschema Ehrensbergers bei, wurde jedoch im Zuge weiterer Ablieferungen bis zur Überführung in das Staatsarchiv Sigmaringen um die Abteilungen V. Ohne Signatur und fremde Archivalien (nicht zuzuordnende Archivalien) und Abt. VI. Von und zu Haimhausen (Archiv d. Grafen Butler) ergänzt. Die Ablieferungen der Rentämter Wilflingen, Geislingen und Lautlingen wurden als Anhänge den Untergruppen der Abt. II hinzugefügt, die Akten des Rentamts Jettinge n als Untergruppe III. der II. Abteilung.
Mit den rechtlich-politischen Veränderungen nach dem 1. Weltkrieg (Aufhebung des stauffenbergischen Familienfideikommisses 1922) änderte sich auch die Funktion der sich jetzt im Besitz einzelner Familienmitglieder befindlichen Archive. Waren sie vorher Sammelstellen für Schriftgut zur Wahrung ständischer Rechte und Privilegien, so wurden sie ab jetzt ein zunehmend unersetzlicheres Quellenreservoir sowohl für die historische Forschung im allgemeinen, als auch für die Familiengeschichte im besonderen. Um diese Überlieferung für die Nachwelt zu erhalten, wurden mit den Eigentümern Verhandlungen aufgenommen mit dem Ziel der Hinterlegung der Schenk von Stauffenbergischen Archive unter Eigentumsvorbehalt im Staatsarchiv Sigmaringen.
Nach Abschluß von Depositalverträgen im Spätsommer und Herbst 1966 mit Markwart Graf Schenk von Stauffenberg für das Gesamtarchiv in Eberstall, Alfred Graf Schenk von Stauffenberg für das Lautlinger Archiv und Friedrich Freiherr Schenk von Stauffenberg für das Geislinger Archiv wurde das Geislinger Archiv (mit einer späteren Ablieferung 1976 ca. 64 lfd. m) als Depositum 36, Freiherrlich Schenk von Stauffenbergisches Archiv Wilflingen/Geislingen, das Lautlinger Archiv (ca. 66 lfd. m) als Depositum 37, Gräfl. Schenk von Stauffenbergisches Archiv Lautlingen und das Gesamtarchiv (ca. 114 lfd. m) als Depositum 38, Schenk von Stauffenberg/Gesamtarchiv hinterlegt.
Das Lautlinger Rentamtsarchiv bestand, als man 1966 die Verhandlungen mit Graf Alfred Schenk von Stauffenberg als Besitzer des Guts Lautlingen aufnahm, nur noch aus den Amtsbüchern, wenigen Urkunden und einigen jüngeren Akten. Die wichtigen, älteren Urkunden und älteren Akten waren bereits 1901 in das Gesamtarchiv nach Eberstall/Jettingen überführt worden. Die restlichen Archivalien befanden sich in zwei Räumen im 1. Stock eines ehemaligen Gesindehauses des Schlosses Lautlingen; ein Findbuch war nicht vorhanden. Nachdem das Archiv in Sigmaringen hinterlegt worden war, erfolgte 1976 eine erste Bearbeitung mit der Trennung der Urkunden und Akten von den Amtsbüchern und mit Beginn der Erschließung der Bände. Das 1979 von Archivdirektor Dr. Otto H. Becker und Archivinspektorin Hiltrud Rohrer zuerst erstellte Findbuch mit der Signatur Dep. 37 T 2 (Gräfl. Schenk von Stauffenbergisches Archiv Lautlingen, Amtsbücher, Laufzeit 1606 - 1924) umfasste aber ausschließlich den Bestand der Herrschaft Lautlingen (mit Margrethausen, Ochsenberg und Tierberg) im engeren und den des Rentamts Lautlingen (ab 1874/75) im weiteren Sinn. Die restlichen Amtsbücher des Rentamts Lautlingen, die schwerpunktmäßig die Herrschaft Baisingen, mit den Domänen Eutingertal und Hennental, und den Ort Margrethausen mit den restlichen Amtsbuchserien umfassten, blieben vorerst unbearbeitet.
Nach einer ersten Sichtung Ende 2000 mit einer Einteilung nach Provenienzen wurde der Bestand ab Frühjahr 2002 durch den Bearbeiter geordnet, gereinigt, verpackt und mit weiteren Bänden, die aus dem Aktenbestand herausgezogen wurden, ergänzt. Ein zuerst in der Überlegung befindliches Modell, zu den jeweiligen Orten einzelne Findbücher zu erstellen, wurde wegen der z.T. engen Verzahnung der Teilbestände nicht weiter umgesetzt. Damit ergab sich zwangsläufig eine Einordnung des Bestands unter die Rubrik Rentamt Lautlingen; um aber die ursprüngliche Einteilung beizubehalten, wurde der Bestand in der ersten Gliederungsstufe nach insgesamt 14 Orten klassifiziert: Margrethausen, Baisingen, Geislingen, Bieringen (bei Rottenburg), Dießen (bei Horb), Hemmendorf, Rexingen (bei Horb), Lautlingen, Hossingen (bei Meßstetten), Hennental, Eutingertal, Hohenberg (abgeg., bei Schömberg), Straßberg und Walddorf (bei Altensteig). Die in diesem Zusammenhang festgestellten Frem dprovenienzen erwiesen sich bei näherer Betrachtung als Bestände aus Orten, die entweder zeitweilig unter stauffenbergischer Herrschaft standen oder in denen die Familie Besitz und Gefällrechte besaßen (s. oben 1. Geschichtlicher Überblick), sie wurden daher nicht von diesem Bestand separiert.
Der Komplex Baisingen bildet die größte Gruppe des Bestands: zuerst Amt und Ort Baisingen, dann Eutingertal, gefolgt von der Gruppe Hennental. Die Gruppe, welche die nächstfolgende in der Größenordnung ist, wird von den restlichen Bänden der Amtsbuchreihen Geislingen, Lautlingen und Margrethausen gebildet, die die Bestände Dep. 36 T 3, Stauffenbergisches Rentamt Geislingen und Dep. 37 T 2, Gräfl. Schenk v. Stauffenberg. Archiv Lautlingen, Amtsbücher sinngemäß ergänzen: eine parallele Benutzung der entsprechenden Findbücher empfiehlt sich. Der Rest des Bestands verteilt sich dann auf verschiedene kleinere Gruppen mit einer nur lückenhaften Überlieferung, es handelt sich vorwiegend um die bereits oben erwähnten Lehens- und Gefällorte. Die zweite Klassifikationsstufe teilt den Bestand in verschiedene Amtsbuchtypen: aus Gründen einer einheitlichen und damit leichteren Benutzung orientiert sich die Gliederung weitgehend am Einteilungsschema des Parallelbestands Dep. 37 T 2, Amtsbücher. Etwa drei große Gruppen lassen sich unterscheiden: 1. Rechnungen, 2. Besitzbeschreibungen mit ihren Rechten, sonst Urbare, hier aber Lagerbücher genannt, und die 3. Sonstigen, wie z.B. Misch- und Kopialbücher oder Verwaltungsinstruktionen
Die Amtsrechnungen, sofern vorhanden, bilden in der Regel die erste und auch umfangreichste Gruppe der Amtsbücher. Innerhalb dieser Gruppe stellen die Amtsrechnungen Baisingen die größte Reihe dar, mit der Laufzeit von 1690 bis 1874, gefolgt von Eutingertal und Hennental (Laufzeit 1785/1804 - 1874). Geführt wurden alle drei Reihen jahresweise von dem jeweiligen Rentamtsverwalter in Geislingen bzw. Lautlingen.
Interessant für die Erforschung der jüdischen Gemeinde in Baisingen: In der Sparte "Schutz- und Schirmgeld" in den Amtsrechnungen Baisingen (2.2) wurden seit Beginn des 18. Jahrhunderts die jüdischen Einwohner ("Schutzjuden") namentlich aufgeführt, z.T. als Einzelpersonen, z.T. als Familienvorstände.
Als zweite Gruppe folgen die Amtsrechnungsmanuale, d.h. die Amtsrechnungskonzepte der jeweiligen Rentbeamten, die, mit wenigen Ausnahmen, in ihrer formalen Aufmachung identisch mit den Amtsrechnungen sind, da sie bei eventuellem Verlust der Reinschriften als letzter Beleg dienen mußten. Vom Umfang und von der Laufzeit her sind diese Reihen bedeutend kleiner, da aller Wahrscheinlichkeit nach etliche Manuale doch nicht abgeliefert wurden, vielleicht auch einfach verschollen oder kassiert worden sind. Die dritte Gruppe bilden die Beilagen zu den jeweiligen Amtsrechnungen, die ebenfalls jahresweise geführt wurden. Überwiegend gebunden, enthalten sie Quittungen, Rechnungsbelege, Register etc., in einigen Fällen aber auch Rechnungen aus anderen Gruppen (z.B. Meierei- oder Forstrechnungen), die für einen bestimmten Zeitraum in den Beilagen als Serien mitliefen: Hinweise auf die entsprechende Rechnungsgruppe wurden vom Bearbeiter als Bemerkung mit in die Titelaufnahme aufgenommen. Als weitere Gruppen folgen Sonderrechnungen der unterschiedlichsten Art. Am engsten noch mit den Amtsrechnungen verbunden sind die Herbst- und Untertanenrechnungen, bei Baisingen, wegen der teilweise gemeinsamen Rechnungsführung in einem Band, als ein Klassifikationspunkt aufgeführt. Ebenso in diesen Bereich gehören die mit kirchlichen Institutionen, resp. Pfründen verbundenen Rechnungen, die hier als Heiligen- oder Stiftungsrechnungen (Laufzeit bis 1806) aufgeführt sind. Sie dürften insgesamt eine wichtige Quelle für genealogische Untersuchunge n im lokalen Bereich sein, da auch hier die Gläubiger und Schuldner der Herrschaft namentlich genannt werden. Eine eigene Gruppe formen die z.T. nur lückenhaft überlieferten Meiereirechnungen, Meiereirechnungsmanuale und -kassentagebücher der Gutsverwaltungen direkt vor Ort. In ihnen ist der monatliche Geschäftsgang und die Jahresabrechnung dokumentiert, der in der Regel durch den jeweiligen Meier (Gutsverwalter oder -pächter) geführt wurde (Laufzeit bis 1875). Als Selekte sind noch die Aktivkapitalrechnungen, Zehnt- und Gültrechnungen (bei Baisingen für die ehemaligen Wernauischen Rechte in Sulz, Bittelbronn usw., mit einer eigenen Manual - Serie), aber auch die Zins- und Gefällbücher zu nennen. Die Förstereirechnungen Eutingertal sind wegen ihres Umfangs mit separaten Titelaufnahmen aufgenommen worden: sie sind in den Amtsrechnungen Baisingen enthalten.
Die Gruppe der Lagerbücher ist deutlich kleiner, sie wurden in der Regel in größeren Abständen, z.T. in Mehrfachexemplaren (Laufzeit 16. Jahrhundert bis 1806) angefertigt. Renovatoren waren in der Regel der Bürgermeister und Gemeinderat vor Ort oder von den Nachbargemeinden, oder juristisch und kartographisch ausgebildete Personen, wie z.B. Notare und Feldmesser. Insbesondere sind Lagerbücher erhalten, die Einnahmen und Besitz in nicht zur Herrschaft gehörigen Orten (Fremdprovenienzen) aufgezeichnet haben. Um zwischen Besitz und Rechten an weltlichen und an kirchlichen Gütern zu unterscheiden, wurde bei den Orten Margrethausen und Baisingen eine dritte Klassifikationsstufe mit der Trennung in Heiligen- und Herrschaftliche Lagerbücher eingerichtet.
Die letzte Gruppe des Bestands bilden diejenigen Amtsbücher, die weder eindeutig in die Kategorie der Rechnungen, noch in die der Lagerbücher eingeordnet werden können und bei denen es sich zumeist um Splitterbestände handelt. Der Größenordnung nach am häufigsten vertreten sind die Kataster und Bauetats, die zum einen Teil die reinen Besitzverhältnisse beschreiben, zum anderen die Kosten für Renovierungen, Um- und Neubauten an Schlössern und Gutsgebäuden. Einige der Kataster, sowie die Lagerbücher von Hossingen, enthalten außerdem handgezeichnete Karten bzw. Pläne und Grundrisse. Bei den restlichen Amtsbüchern handelt es sich um verschiedene Registergruppen (Holz-, Teilungs-, Einfuhr- u. Sennereiregister), Misch-, Kopial- und einige Kastenbücher, Veränderungen an Grundstücken und Schuldverschreibungen, aber auch noch einige Altrepertorien und eine Verwaltungsinstruktion.
Bei der Verzeichnung wurde gewöhnlich ein generalisierter Titel aufgenommen, bei besonders prägnanten oder eine Serie beginnenden Bänden auch der Originaltitel; wenn feststellbar wurde der Verfasser (Rechner, Renovator, Beständer) automatisch in die Titelaufnahme einbezogen. Besonderheiten, wie Karten, andere Rechnungen, Fruchtpreise und sonstige aufnahmewürdige Abweichungen wurden mit einem Enthält- oder Darinvermerk versehen. Die Laufzeit der Bände erstreckt sich in der Regel über ein Jahr, oft aber auch über zwei Kalenderjahre, da die Rechnungsablegung an den früher üblichen Zahltagen im Frühjahr (Lichtmess, Georgii) oder im Spätsommer und Herbst (Jacobi, Martini) erfolgte und nicht zu Beginn oder am Ende des Kalenderjahres. In den Titelaufnahmen mit früheren Laufzeiten sind diese Tage mitverzeichnet, in einigen seltenen Fällen auch noch das Tagesdatum, ab den 1820er Jahren fast nur noch die Jahresangaben. Die Bestellnummer bezeichnet zugleich die Verzeichnungsnummer des Bandes, der Umfang der verzeichneten Archivalieneinheit wurde entweder mit 1 Band oder, bei entsprechender Größe, mit 1 Heft angegeben, wobei zwischen gebundenen und ungebundenen (ungeb.) Einheiten unterschieden wird. Wenn mehrere Schriftstücke pro Einheit enthalten sind, sind sie zusätzl ich als Schreiben (Schr.) angegeben. Bei den Vorsignaturen, die außer in der Gruppe Margrethausen nur spärlich vorhanden sind, handelt es sich meist um arabische oder römische Ziffern ("14" oder "43." oder "LVI"), , mit oder ohne Nummerangabe ("N. 20" oder "Nro. 17") , und in einigen wenigen Fällen mit der Repositurangabe bzw. mit Angabe der Kombination Fach, Nummer, Faszikel (2.17 Baisingen, Grundstücksbelastungen). Bei Archivalieneinheiten ursprünglich fremder Herkunft wurde die Vorprovenienz mitaufgenommen. Eine Aufnahme in die Sparte "Bemerkung" erfolgte z.B. bei der Angabe der Nummerierung der Schriftstücke in den Amtsrechnungsbeilagen und sonstiger Beilagen in den jeweiligen Bänden, und bei Angabe des Fundorts in einer anderen Titelaufnahme, wenn zwei verschiedene Amtsbücher (s. oben) zu einem Band zusammengebunden sind.
Soweit Amtsbücher einer Serie sich auf andere Gruppen oder sogar auf mehrere Bestände verteilen, wird am Ende des Kapitels auf den entsprechenden Fundort in diesem Bestand oder auf die anderen Bestände verwiesen, in denen weitere Bände der gleichen Kategorie aufgeführt oder die jeweiligen Amtsbücher überhaupt im Bestand abgelegt sind. Wegen der unterschiedlichen Eigentumsverhältnisse wurde auf eine Zusammenführung verzichtet.
Ordnung, Verzeichnung und Verpackung des Bestands wurde durch den Bearbeiter im Sommer 2002 vorgenommen. Innerhalb der Klassifikationsgruppen wurden die jeweils zusammengehörenden Bände chronologisch nach ihrer Entstehung geordnet. Im Anhang ist eine Liste der im Bestand auftretenden Rechner bzw. Rentbeamten aufgeführt, sortiert nach der zeitlichen Reihenfolge ihrer Tätigkeit, jedoch ohne Anspruch auf Vollständigkeit bei der Amtsdauer oder den Personen selbst. Die Schlußredaktion des vorliegenden Findbuchs erfolgte im Oktober 2002 durch den Bearbeiter.
Das vorliegende Findbuch umfasst 1389 Titelaufnahmen bei einem Umfang von ca. 30,5 lfd. m bei einer Laufzeit von 1346 bis 1875. Der Bestand trägt die Bezeichnung: Dep. 37 T 3 (Gräfl. Schenk von Stauffenbergisches Archiv Rentamt Lautlingen, Amtsbücher, Laufzeit 1346 - 1875). Für Korrektur, formale Einrichtung und Internetzugänglichkeit des Repertoriums sorgten Herr Dr. Franz-Josef Ziwes und Herr Holger Fleischer.
Sigmaringen, im Oktober 2002
Dirk Nicklaus
Verzeichnis der Rechner und Rentamtsverwalter
Rechner von Baisingen, Eutingertal und Hennental
Name Amt/ Funktion Amtsdauer
(Michel Küpfeler, Urban Stopper, Jörg Scheibell Rechner v. Baisingen 1694 - 1703
Johann Geog Höchter Rechner v. Baisingen 1697 - 1700
Johann Georg Lutz Rechner v. Baisingen 1700 - 1702
Georg [Jörg] Stopper d. Ä. Kirchenpfleger d. St. Anastasiakirche Baisingen 1706 - 1715
Georg Graf Kirchenpfleger d. St. Anastasiakirche Baisingen 1706 - 1717
Johann Rumpf Verwalter v. Baisingen 1707 - 1736
Georg Stopper d. J. Kirchenpfleger d. St. Anastasiakirche Baisingen 1715 - 1730 [1731?]
Hanns David Schmid Kirchenpfleger d. St. Anastasiakirche Baisingen 1717 - 1729
Johann Herrmann Franz Sahrhoff Verwalter v. Baisingen 1736 - 1745
Martin Bernhard Kirchenpfleger d. St. Anastasiakirche Baisingen 1736 [1731?] - 1763
Joseph Stopper Kirchenpfleger d. St. Anastasiakirche Baisingen 1736 [1731?] - 1775
Fran[t]z Ignatius/ Ignaz Neupp Obervogt v. Baisingen 1746 - 1768
Sebastian Henger Schütz, Kastenknecht 1759 - 1792
Johann Georg [Hans- Jörg/ Jerg] Bernhard Kirchenpfleger d. St. Anastasiakirche Baisingen 1764 - 1803
(S. J. Richter 1765 - 1766)
Sebastian Renz Obervogt v. Baisingen 1768 - 1770
Judas Thadaeus [Thadäus] Köhler Obervogt v. Baisingen 1770 - 1790
Joseph Angster Kirchenpfleger d. St. Anastasiakirche Baisingen 1776 - 1785
Franz Dominic v. Khuon Konsulent bei Hof; Rechnungsprüfer 1783 - 1789
Anton Wo llensack[h] Kirchenpfleger d. St. Anastasiakirche Baisingen 1783 - 1795
Matheis (Mathias) Henger Meier von Eutingertal 1785 (ca.) - 1791
Anthoni (Anton) Henger Schloßmeier von Baisingen 1785 (ca.) - 1791
Johann Georg Brobeil Meier von Hennental 1785 (ca.) - 1791
Leopold Martin Reiner Verwalter 1787 - 1790
Anton Weiß Rentamtsverwalter 1789 - 1795
Joseph Pfaff (?) Schloßmeier von Baisingen 1791 - 1796
Johann[es] Evang[elista] Endres Oberamtmann v. Baisingen 1791 - 1806
Konrad Henger Meier von Eutingertal 1791 - 1809
Ignaz Brobeil Meier von Hennental 1792 - 1807
Mathias Blanck Schütz, Kastenknecht, Stiftungspfleger, Mesner 1792 - 1835
Neumayer Oberamtsrat in Baisingen 1794 - 1795
Entreß [Endress/ Endres] Landschreiber von Baisingen 1794 - 1795
J[ohann] Bapt[ist] Hilber Rentamtsverwalter 1795 - 1834
Franz Joos Schloßmeier von Baisingen 1796 - 1821
Xaver Berg Amtsdiener in Baisingen 1802 - um 1820
Michael Bernhard Kirchenpfleger d. St. Anastasiakirche Baisingen 1803 - 1805
Johann Amann Kastenknecht von Hennental 1803 - 1806
Michael Roth Meier von Eutingertal und Baisingen 1803 - 1827
Anton Roth Kastenknecht von Hennental 1804 - 1806
Franz (I.) Brobeil Meier/Pächter von Hennental 1807 - 1845
Johannes Haas Meier von Eutingertal 1809 - 1828
Gerald Widmaier Feldmesser u. Wegmeister von Eutingen in Baisingen 1811 - 1812
Anton Mohr Hausmeister Gut Baisingen 1814 - 1822
Peter Koch Meier von Baisingen 1821 - 1857
Anselm Gulde Waldschütz in Eutingertal 1821 - um 1850
Peter Haas Meier von Eutingertal 1828 - 1839
Johann Caspar Gerst Rentamtsverwalter 1834 - 1841, 1852 - 1864
Anton Buhl Kastenkontrolleur 1835 - um 1850
Huber Kastenverwalter 1836 - um 1850
Blasi[us] Schluck provisorischer Meier von Eutingertal 1839
Stefan Schmid/ Stephan Schmied Meier von Eutingertal 1839 - 1845
Flaig, Göggelein Rentbeamte 1841 - 1843
Anselm Keller Rentbeamter 1844 - 1852
Michael Brobeil Meier/Pächter von Hennental 1845 - 1863
Gordian Brobeil Meier von Eutingertal 1845 - 1867
J. Schmid Meier von Baisingen 1857 - 1875
(Werner Assessor 1863 - 1864)
Franz (II.) Brobeil Meier/Pächter von Hennental 1863 - 1875
Julius Gerst Rentamtsverwalter 1864 - 1875
Jos[eph] Anton Leupolz Meier von Eutingertal 1867 - 1872
Jacob Gehrung Meier von Eutingertal 1872 - 1875
Rechner von Margrethausen
Name Amt Funktion Amtsdauer
Antonius Schädel Renovator 1661 - 1661
Christoph Fridrich Zeller Renovator 1725 - 1726
Johann Kumpf Renovator 1725 - 1726
Johann Georg Roth Renovator 1725 - 1726
Johannes Traub Schultheiß von Rosenfeld Renovator 1759 - 1793
Hanns Schuirer [Scheurer] Rechner 1718 - 1722
Christoph Spohn Rechner 1718 - 1724, 1730 - 1731
Frantz Schuirer [Scheurer] Schultheiß von Margrethausen Rechner 1722 - 1745
Christoph Schayrer [Scheurer] Schultheiß von Margrethausen Rechner 1725 - 1730, 1731 - 1734
Joseph Narr Rechner 1734 - 1756
J. Daniel Schuirer [Scheurer] Rechner 1745 - 1749
Jacob Spohn Schultheiß von Margrethausen Rechner 1745 - 1753
Johannes Scheurer Rechner 1754 - 1761, 1764 - 1774
Simon Narr Rechner 1758 - 1785
Baltasar Spohn Rechner 1776 - 1788
Johannes Narr Rechner 1785 - 1799
Dionysius Schuirer [Scheurer] Rechner 1788 - 1799
Rechner von Geislingen, Lautlingen und anderen Herrschaftsorten
Name Amt/ Funktion Amtsdauer
Ludwig Burckhard Kopp[en] Prüfer aus Tübingen, Verwalter von Hemmendorf u. Rexingen 1701 - 1704, 1716 - 1720
Franz Anton Kirchmayer Vogt von Dießen 1701 - 1705
Johann Georg Bo[o]gen Verwalter v. Hemmendorf u. Rexingen 1715 - 1718
Aurelian Kräutter/ Gräuter Renovator in Lautlingen 1719 - 1720
Johannes Eppler Senner v. Lautlingen 1752 - 1753
Martin Miller Heiligenpfle ger v. Geislingen 1752 - 1754
Joseph Eutt Heiligenpfleger v. Geislingen 1752 - 1754
Johannes Traub Renovator, Feldmesser u. Schultheiß von Rosenfeld 1759 - 1793
L. Beck Gräfl. Attemsischer Stabsrentmann in Bieringen 1767 - 1770
Philipp Ferdinand Nözel Stabsrentmann in Hirrlingen, Renovator in Bieringen 1767 - 1770
Kupfer Schultheiß v. Lautlingen 1833 - 1834
Sebastian Hauser Meier v. Lautlingen 1833 - 1834
J. B. Leupolz Meier v. Lautlingen 1861 - 1862
Rentamtsverwalter von Geislingen/Lautlingen in Baisingen
Name Amt/ Funktion Amtsdauer
Johann Rumpf Verwalter v. Baisingen 1707 - 1736
Johann Herrmann Franz Sahrhoff Verwalter v. Baisingen 1736 - 1745
Fran[t]z Ignatius/ Ignaz Neupp Obervogt v. Baisingen 1746 - 1768
Sebastian Renz Obervogt v. Baisingen 1768 - 1770
Judas Thadaeus [Thadäus] Köhler Obervogt v. Baisingen 1770 - 1790
Anton Weiß Rentamtsverwalter 1789 - 1795
J[ohann] Bapt[ist] Hilber Rentamtsverwalter 1795 - 1834
Johann Caspar Gerst Rentamtsverwalter 1834 - 1841, 1852 - 1864
Flaig, Göggelein Rentbeamte 1841 - 1843
Anselm Keller Rentbeamter 1844 - 1852
Julius Gerst Rentamtsverwalter 1864 - 1875
Umfang:
1310 Bände (30,5 lfd.m)
Verwandte Bestände und Literatur:
- Gerd Wunder, Die Schenken von Stauffenberg. Eine Familiengeschichte (Schriften zur südwestdeutschen Landeskunde, Band 11), Stuttgart 1972 - Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden, hrsg. v. d. Landesarchivdirektion Baden-Württemberg, Band III, V und VII, Stuttgart 1976 - Otto H. Becker, Gesamtarchiv Schenk von Stauffenberg. Herrschaft Wilflingen, Urkundenregesten 1366 - 1805 (Inventare der nichtstaatlichen Archive, Band 17), hrsg. v. d. Landesarchivdirektion Baden-Württemberg, Stuttgart 1981 - Otto H. Becker, Nebst denen und weilen ein gut eingerichtes Acten- Archiv gleichsam die Seele einer Herrschaft ist. Studien zur Geschichte des Gesamtarchivs Schenk von Stauffenberg (Zeitschrift für Hohenzollerische Geschichte, 19. Band - der ganzen Reihe 106. Band), Sigmaringen 1983 - Otto H. Becker, Die Stauffenbergarchive und die Ortsgeschichte von Lautlingen. Ausstellungskatalog zur Ausstellung des Staatsarchivs Sigmaringen im Stauffenbergschloß Lautlingen im Rahmen der Heimattage Baden-Württemberg, Sigmaringen 1987
Indexbegriffe Person:
Schenk von Stauffenberg
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