Auf unserer Webseite werden neben den technisch erforderlichen Cookies noch Cookies zur statistischen Auswertung gesetzt. Sie können die Website auch ohne diese Cookies nutzen. Durch Klicken auf „Ich stimme zu“ erklären Sie sich einverstanden, dass wir Cookies zu Analyse-Zwecken setzen. Sie können Ihre Cookie-Einstellungen hier einsehen und ändern.
Patrizierarchiv Schad Akten (Bestand)
Anmelden
Um Merklisten nutzen zu können, müssen Sie sich zunächst anmelden.
>> Familien- und Herrschaftsarchive, Archive von Organisationen und Firmen
1168/1997
Vorwort: Im Rahmen der von der Stiftung Kulturgut des Landes Baden-Württemberg geförderten Erschließung und Bestandserhaltung der Archive der Ulmer Patrizierfamilien Besserer und Schad wurden zwischen September 2005 und Mai 2006 die Akten und Amtsbücher des Familienarchivs der Schad von Mittelbiberach parallel zur Erschließung der Urkunden verzeichnet.
1. Zur Geschichte der Schad von Mittelbiberach und ihren Besitzungen
Die Familie Schad gehörte nicht zu den ältesten unter den großen Ulmer Patriziergeschlechtern. In Ulm wird die Familie erst in den 80er Jahren des 15. Jahrhunderts mit Hans Schad sesshaft, wurde aber bereits wenige Jahre später zu den adligen Geschlechtern gezählt. Zu diesem Zeitpunkt war die Familie in Oberschwaben bereits weit verzweigt und stellte Mitglieder im Memminger und Ravensburger Patriziat. Die Vorfahren der Ulmer Line lassen sich über das Memminger Patriziat nach Waldsee und Winterstetten zurückverfolgen, wo die Stammreihe mit dem 1240 belegten Konrad Schad einsetzt. Nach den Forschungen Eitel Eberhard Schads soll dieser Konrad wiederum ein Sohn des 1188 belegten Edelfreien Heinrich Schad von Radegg und einer Ministerialen gewesen sein. Neben den Ulmer Schad gab es noch die Linie der Schad von Mittelbiberach und Warthausen (ausgestorben 1596) und einen bayerischen Zweig der Familie, der diese beerbte und 1637 in den Freiherrenstand erhoben wurde.
In Ulm stellte die Familie vom 16. - 19. Jahrhundert das nach den Besserer von Thalfingen am stärksten verzweigte Patriziergeschlecht dar, das an der Politik der Stadt stets aktiven Anteil nahm, diese gelegentlich auch bestimmend beeinflusste. Von 1548 bis 1803 waren 39 Angehörige der Familie Schad Ratsherren, 17 Bürgermeister und 8 Ratsältere. Darüber hinaus waren sie als Herrschaftspfleger und Obervögte in Leipheim, Langenau und Geislingen an der Verwaltung des Ulmer Gebietes beteiligt. Viele waren zudem als Gesandte der Reichsstadt auf Reichstagen, beim Reichshofrat in Wien, bei Versammlungen des Schwäbischen Kreises, Städtetagen und den umliegenden Herrschaftsträgern tätig.
Als Einzelpersönlichkeiten sind herauszuheben. Daniel Schad der Ältere (1503-1608) wirkte Ende des 16. Jahrhunderts zwischen der protestantischen Reichsstadt und dem katholischen Kaiserhaus ausgleichend. Aufgrund seiner beinahe diktatorischen Amtsführung in Ulm wurde er jedoch 1604 seiner Ämter enthoben. Während des Dreißigjährigen Krieges bestimmten vor allem Daniel Schad der Jüngere (1563-1635), Hans Schad (1575-1634) und Johann Jacob Schad (1574 - 1653) die Geschicke der Stadt Ulm. Hans Schad verhandelte mehrfach mit französischen Gesandtschaften und mit König Gustav Adolf von Schweden. Von diesem erhielt er 1632 als Anerkennung seiner Leistungen Anteile am Dorf Finningen. Nach der Niederlage der Schweden in der Schlacht von Nördlingen 1634 verhandelte Johann Jacob Schad mit Ferdinand III. über den Beitritt Ulms zum Prager Frieden. Nach dem Dreißigjährigen Krieg erhielt er von Ferdinand III. neben der Bestätigung des ritterbürtigen Adels und der Turnier- und Stiftsfähigkeit auch das Recht, sich Schad von Mittelbiberach nennen und das quadrierte Wappen der freiherrlichen Familie führen zu dürfen. Den restlichen Ulmer Linien wurde dieses Wappen 1718 durch Kaiser Karl VI. verliehen.
Die herausragende Persönlichkeit unter den Patriziern der Umbruchszeit um 1800 war Johann Jakob Schad (1761-1828). 1761 geboren, studierte er Jura in Göttingen und trat in Berlin in die dortige Freimaurerloge "Zum Widder" ein. Nach Ulm zurückgekehrt, war er führend an der Gründung der Loge "Astraea zu den drei Ulmen" und der Lesegesellschaft beteiligt. Nach der Inbesitznahme Ulms durch Bayern war er als Justiz- und später Oberjustizrat am Ulmer Oberappellationsgericht tätig, bis ihn seine zunehmende Schwerhörigkeit 1808 den Dienst quittieren ließ. 1811 erreichte er die Aufnahme seiner Familie in die württembergischen Adelsmatrikel. Mit Eitel Albrecht Schad (1900-1975) starb die Familie im Mannesstamm aus.
Die Ulmer Linie der Schad von Mittelbiberach war mit weitläufigem Streubesitz um Ulm und in Oberschwaben begütert. Größere Güterkomplexe befanden sich in Grimmelfingen, Mussingen, Ringingen, Steinenfeld und den Harthöfen bei Baustetten. Daneben besaßen sie Anteile an der Riedmühle bei Langenau und der Roth- bzw. Bürglensmühle in Ulm. Vom einst bedeutenden Hausbesitz in Ulm (Weinhof, Münsterplatz, Frauen- und Hirschstrasse) zeugen nach den Zerstörungen des zweiten Weltkrieges nur noch die Archivalien.
2. Zur Archivgeschichte
Für die ältere Zeit fehlen uns Nachrichten über Archiv und Registratur sowie deren Aufbewahrung. Seit der Mitte des 17. Jahrhundert sind Dokumentenverzeichnisse zu einzelnen Güterkomplexen überliefert. Eine Professionalisierung trat jedoch erst Mitte des 18. Jahrhunderts durch die Anlage eines ausführlichen Repertoriums durch den kaiserlichen Notar Andreas Alexander Christian Sperl (1749) ein. Beide Exemplare des Repertoriums
(E Schad Nr. 1561 und 1562) erfuhren Nachträge bis 1768 bzw. 1846.
Nachdem seit 1903 kein Angehöriger der Familie Schad mehr in Ulm seinen Lebensmittelpunkt hatte, gelangte 1919 der größte Teil des Schad'schen Archivs als Depositum ins Stadtarchiv Ulm. Das Restarchiv konnte zusammen mit der familiengeschichtlichen Sammlung 1971 von Eitel Albrecht Schad erworben werden. Mit diesem Erwerb war gleichzeitig eine Umwandlung des 1919 als Depositum ins Archiv gelangten ersten Teils in eine Schenkung verbunden.
3. Zur Ordnung und Verzeichnung des Archivs
Die Akten befanden sich teilweise noch in situ in den alten Archivladen. Bei einer ersten Sichtung konnten Reste einer Ordnung nach Orten und Betreffen ermittelt werden. Zu deren Rekonstruktion wurde auf Registraturrepertorien aus dem Jahren 1749 zurückgegriffen und im Abgleich mit ihnen lediglich geringe Verluste an Archivgut festgestellt. Die Umbrüche des 19. Jahrhunderts - Aufhebung der Grundherrschaften, Allodifizierung der Lehen und Ablösung der Grundrenten - spiegeln sich in der Ordnung des Archivs deutlich wider. Die bis ins 18. Jahrhundert erkennbare Ordnung löst sich auf, Findmittel wurden nicht mehr geführt. Erst Eitel Albrecht Schad ordnete das ihm verbliebene Restarchiv neu und legte ein alphabetisches Register mit Kurzbetreffen an (E Schad Nr. 1563). Der sich im Stadtarchiv befindliche Teil des Familienarchivs wurde 1968 durch Dr. Franz Müller grob vorsortiert und verzettelt (E Schad Nr. 1566).
Eine Orientierung an der Klassifikation des Repertoriums von 1749 erschien wegen des verwendeten Pertinenz- und Lokaturprinzips nicht sinnvoll. Durch die Verzeichnung der Altsignaturen und mit Hilfe der Findmittel des 18. Jahrhunderts bleibt diese Ordnung aber jederzeit nachvollziehbar. Aufgrund der Kontinuität der Aktenführung wurde auf eine mögliche Aufteilung in ältere und neuere Akten, etwa orientiert am Jahr 1810, verzichtet. Die Ordnung des Akten- und Amtsbuchbestandes folgte daher der für Adelsarchive in den Inventaren nichtstaatlicher Archive in Baden-Württemberg entwickelten sachthematischen Klassifikation. Sie unterscheidet Familienangelegenheiten von Gutsherrschaft, -verwaltung und der Ausübung von Hoheitsrechten. Ein Personen- und Ortsindex erschließt den Bestand zusätzlich.
Nach dem Abschluss der Erschließung wurde das Familienarchiv Schad in säurefreie Aktenumschläge und Archivkartons verpackt und magaziniert. Der gesamte Akten- und Amtsbuchbestand umfasst nunmehr 1649 Akteneinheiten im Umfang von rund 30 Regalmetern.
Literatur zur Geschichte der Familie Schad von Mittelbiberach
Bernd Breitenbruch, Die Bibliothek des Ulmer Patriziers Erhard Schad, in: Ulmer Forum 59 (1981), S. 11-13.
Friedrich Cast, Historisches und Genealogisches Adelsbuch des Königreichs Württemberg, Stuttgart 1839, S. 314-318.
Oliver Fieg, Das Ulmer Patriziat zwischen Zunftbürgertum und Landadel, in: Adel im Wandel. Oberschwaben von der frühen Neuzeit bis zur Gegenwart, Ostfildern 2006, S. 631-642.
Johannes Greiner, Das Memorial- und Reisbuch des Hans Schad. Ein Beitrag zur Geschichte Ulms im 17. Jahrhundert, in: Württembergische Vierteljahreshefte N.F. 17 (1908), S. 334-420.
Albrecht Rieber, Das Patriziat von Ulm, Augsburg, Ravensburg, Memmingen, Biberach, in: Helmut Rößler (Hrsg.), Deutsches Patriziat 1430-1740, Limburg/Lahn 1968, S. 299-351.
Christine Rieber, Dr. Hans Schad. Vom Patriziat zum Landadel (Biberacher Studien 2), Biberach 1975.
Konrad Schad, Die Totenschilde der Familie von Schad im Ulmer Münster, in: Ulmer Historische Blätter 2 (1926) Nr. 12, S. 4-7.
Eitel Albrecht Schad von Mittelbiberach, Die Schad von Mittelbiberach, Bd. 1-3 und 5, Weißenhorn 1971.
Albrecht Weyermann Nachrichten von Gelehrten und Künstlern und anderen merkwürdigen Personen aus Ulm, Ulm 1798.
Albrecht Weyermann, Neue historisch-biographisch-artistische Nachrichten von Gelehrten und Künstlern auch alten und neuen adelichen und bürgerlichen Familien aus der vormaligen Reichsstadt Ulm, Ulm 1829.
Titelblatt: Wappenbrief vom 22. Mai 1651 (E Schad Urkunden 2 Nr. 99)
Bestand
Angaben zum entzogenen Vermögen
Sonstige Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgte Person“ meint eine Person, die einen Entschädigungsanspruch für einen Schaden durch NS-Verfolgung geltend machte. Wenn der Antrag nicht von der verfolgten Person selbst, sondern von einer anderen Person gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ angegeben und ihre Beziehung zur verfolgten Person, soweit vorhanden, vermerkt. In den Quellen wird die verfolgte Person mitunter als „Geschädigter“, die antragstellende Person als „Anspruchsberechtigter“ bezeichnet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.