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09.11.2020

Im Blickpunkt - Systemwechsel

Von Archivportal-D

Wir starten heute an diesem geschichtsträchtigen Datum mit unserer Rubrik „Im Blickpunkt“. Hier präsentieren wir besondere Highlights aus Archiven, die im Archivportal-D vertreten sind. Diese ausgewählten Archivalien geben Einblick in die Bestände und bieten Rechercheanregungen für eine mögliche Suche im Archivportal-D oder im Themenportal „Weimarer Republik“. Das Themenportal „Weimarer Republik“ ist noch ganz frisch und so stellen wir hier erst einmal Archivalien zur Geschichte der Weimarer Republik vor und starten mit dem Beginn der Weimarer Republik. Wir freuen uns über Ihr Interesse und viele neue Nutzende im Archivportal-D.

Ausgelöst durch den Matrosenaufstand in Kiel in der Endphase des Ersten Weltkriegs breitete sich die revolutionäre Bewegung über ganz Deutschland aus und erreichte am 9. November 1918 die Reichshauptstadt Berlin. Dort verkündete am Mittag der Kanzler des Deutschen Kaiserreichs Max von Baden unautorisiert die Abdankung des Kaisers Wilhelm II. Gleichzeitig übertrug er sein Amt an Friedrich Ebert, den Führer der Mehrheitssozialdemokraten. Ebert versprach, eine Nationalversammlung wählen zu lassen, die über die künftige Verfassung des Reiches und über die Staatsform (Monarchie oder Republik) entscheiden sollte. Wie sich die Ereignisse auf Reichsebene und in einigen Bundesstaaten entwickelten, belegen unsere Quellen aus dem Landesarchiv Baden-Württemberg und dem Bundesarchiv.

 

22.11.1918 Die Urkunde über den Thronverzicht von Großherzog Friedrich II. von Baden

In Baden ereignete sich folgendes: Die Proklamation von Großherzog Friedrich II. von Baden am 9. November 1918, in der der Monarch eine Verfassungsreform versprach, war bereits am nächsten Tag überholt. In derselben Nacht wurde eine „vorläufige Volksregierung“ gebildet, die ihrerseits Wahlen zu einer verfassunggebenden Nationalversammlung ankündigte. Der Großherzog, der seine Residenz zwischenzeitlich fluchtartig verlassen hatte, akzeptierte dies nur widerwillig. Am 13. November ließ er sich nach einer nächtlichen Verhandlung mit der provisorischen Regierung zu einem vorläufigen Regierungsverzicht bewegen. Doch dem Mannheimer Arbeiter- und Soldatenrat und den Parteien ging dies nicht weit genug: Sie wollten die Republik. Am 22. November 1918 erklärte Friedrich II. den endgültigen Thronverzicht: „Ich will kein Hindernis sein derjenigen Neugestaltung der staatsrechtlichen Verhältnisse des badischen Landes. […] [Ich] entbinde die Beamten, Soldaten und Staatsbürger ihres Treueides und verzichte auf den Thron. […] Gott schütze mein liebes Badner Land!“

Thronverzicht des Großherzogs von Baden

Urkunde über den Thronverzicht Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs Friedrich und Seiner Großherzoglichen Hoheit des Prinzen Max von Baden (Landesarchiv BW, GLAK, 230 Nr. 154).

 

28.11.1918 Die Abdankung des Kaisers

Reichskanzler Max von Baden, Cousin des Großherzogs Friedrich II. von Baden und des Kaisers Wilhelm II., hatte am 9. November 1918 die Abdankung des seit 1888 herrschenden Kaisers aus dem Haus Hohenzollern bekannt gegeben, obwohl er dazu noch nicht berechtigt war. Er glaubte, dass die Monarchie mit dem Thronverzicht Wilhelms II. noch eine Chance hätte. Als am 11. November 1918 der Waffenstillstand von Compiègne unterzeichnet wurde, ging Kaiser Wilhelm II. in die Niederlande ins Exil. Erst am 28. November fertigte er eine offizielle Abdankungsurkunde aus und verzichtete darin auf die Kaiserwürde. Gleichzeitig legte er auch die preußische Krone nieder, was er lange zu vermeiden gehofft hatte. Alle "Beamten des Deutschen Reiches und Preußens sowie alle Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften der Marine des preußischen Heeres und Truppen der Bundeskontigente" ihres Treueeids zu ihm entbindend, ruft er im Rahmen seiner Abdankung abschließend dazu auf, dass diese "bis zur Neuordnung des Deutschen Reichs den Inhabern der tatsächlichen Gewalt (...) helfen, das deutsche Volk gegen die drohenden Gefahren der Anarchie, der Hungersnot und der Fremdherrschaft zu schützen".

Telegramm der Reichskanzlei vom 29. Juli 1919 mit dem Text der Abdankungserklärung Kaiser Wilhelms II.

Telegramm der Reichskanzlei vom 29. Juli 1919 mit dem Text der Abdankungserklärung Kaiser Wilhelms II. vom 28. November 1918, veröffentlicht im "Weltspiegel", einer Beilage des Berliner Tageblattes vom 8. Dezember 1918 (BArch, R 43 I/ 2204)

 

30.11.1918 Die Abdankung König Wilhelms II. von Württemberg

Am 30. November 1918 dankte der württembergische Monarch, König Wilhelm II., als einer der letzten Bundesfürsten mit einem sogenannten „Scheidegruß“ ab. Wilhelm wollte „niemals ein Hindernis sein für die freie Entwicklung der Verhältnisse des Landes und dessen Wohlergehen.“ Fortan nahm er den Titel eines Herzogs zu Württemberg an. Damit ermöglichte er der verfassungsgebenden Versammlung völlige Entscheidungsgewalt und gab mit dem Rückzug aus dem Staatsleben den Weg für die Volkssouveränität frei. Mit dem Ende der Monarchie war der revolutionäre Umbruch in Württemberg zu einem ersten Abschluss gekommen. Die Umgestaltung auf organisatorischer, verwaltungs- und staatsrechtlicher Ebene konnte beginnen.

Die Abdankung Wilhelm II. von Württemberg

Abdankungserklärung Wilhelms II. von Württemberg, 30. November 1918 (Landesarchiv BW, HStAS M 743/1 Bü 1 Nr. 10).

 

Quellen und Texte stammen aus dem Zeitstrahl des Online-Portals zur Weimarer Republik des Bundesarchivs und aus dem landeskundlichen Informationssystem des Landesarchivs Baden-Württemberg. Wir danken dem Bundesarchiv und dem landeskundlichen Portal LEO-BW für die Bereitstellung der Texte.

 

Links zu den Quellen im Themenportal

Thronverzicht von Großherzog Friedrich II. von Baden

Abdankung des Kaisers

Abdankung König Wilhelms II. von Württemberg

 

Recherchemöglichkeiten

Wenn Sie sich für weitere Quellen zu den Königshäusern im Deutschen Reich oder im deutschen Süden interessieren, wählen Sie über den A–Z Index "Monarchie" aus und kombinieren Sie dieses thematische Schlagwort mit den Geografika „Deutsches Reich“, "Republik Baden" oder "Volksstaat Württemberg".

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