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02.11.2021

Im Blickpunkt - Frauenwahlrecht

Von Archivportal-D

In der Rubrik „Im Blickpunkt“ präsentieren wir besondere Highlights aus Archiven, die im Archivportal-D vertreten sind. Diese ausgewählten Archivalien geben Einblick in die Bestände und bieten Rechercheanregungen für eine mögliche Suche im Archivportal-D oder im Themenportal „Weimarer Republik“. Wir freuen uns, in diesem Monat einen Beitrag des Bundesarchivs zum Frauenwahlrecht präsentieren zu können. In den Angaben zu weiteren Recherchemöglichkeiten unten verweisen wir auf unsere Objektgalerie auf der Startseite des Themenportals, in der wir Ihnen weitere Quellen zu diesem Themenkomplex vorstellen.

Nach der Ausrufung der Republik und der Übertragung des Amtes des Reichskanzlers auf Friedrich Ebert veröffentlichte der neu eingesetzte Rat der Volksbeauftragten am 12. November 1918 einen „Aufruf an das deutsche Volk“. Mit einem darin enthaltenen Satz wurde der Grundstein für das am 30. November 1918 durch die Verordnung über die Wahl zur „Verfassunggebenden Deutschen Nationalversammlung“ garantierte Frauenwahlrecht gelegt:

"Alle Wahlen zu öffentlichen Körperschaften sind fortan nach dem gleichen, geheimen, direkten, allgemeinen Wahlrecht auf Grund des proportionalen Wahlsystems für alle mindestens 20 Jahre alten männlichen und weiblichen Personen zu vollziehen."

 

Textseite mit dem darin enthaltenen "Aufruf an das deutsche Volk"
Der "Aufruf an das deutsche Volk" aus der Reichsgesetzgebung im allgemeinen: Bd. 1, BArch R 43-I/1972.

Bei der Wahl zur Nationalversammlung am 19. Januar 1919 durften Frauen erstmals wählen und gewählt werden. Für dieses Recht, mit dem ein wichtiges Ziel auf dem Weg zur Gleichberechtigung erreicht worden war, kämpften Teile der Frauenbewegung bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts. Darüber hinaus war in der Verfassung die Gleichberechtigung in allen staatsbürgerlichen Angelegenheiten, im Beamtendienst und in der Ehe festgeschrieben.

In die Nationalversammlung wurden 423 Abgeordnete gewählt, 37 davon waren weiblich. Vier Frauen rückten später nach.

Die Wahlbeteiligung war mit 83 % insgesamt sehr hoch. Ca. 90 % der wahlberechtigten Frauen hatten sich an der Wahl beteiligt und damit von ihrem neuen Recht Gebrauch gemacht. Sie stellten aber lediglich 8,7 % der Abgeordneten. In späteren Parlamenten waren Frauen noch stärker unterrepräsentiert.

Die meisten Parlamentarierinnen (19) saßen für die SPD in der Nationalversammlung, allerdings hatte die SPD auch den größten Stimmenanteil bei der Wahl erhalten (37,9 %). Prozentual gesehen hatte die USPD mit 13,6 % die meisten weiblichen Abgeordneten (3) in ihrer Fraktion.

Wahlaufruf der Deutschen Demokratischen Partei an die "Badischen Frauen"
Die Parteien griffen das Recht der Frauen an der Teilhabe der Abstimmung zur Nationalversammlung unverzüglich auf und adressierten auch speziell Frauen in ihrem Wahlkampf. "Badische Frauen": Wahlaufruf der Deutschen Demokratischen Partei, Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Generallandesarchiv Karlsruhe, P Nr. 1067.

 

Gewählt hatten die Frauen allerdings überwiegend konservativ: Vom neuen Frauenwahlrecht hatten das Zentrum und die DNVP am meisten profitiert.

Folgende Frauen waren als erste Parlamentarierinnen in der Nationalversammlung vertreten:

  • Für die SPD: Lore Agnes, Anna Blos, Minna Bollmann, Wilhelmine Eichler, Frieda Hauke, Else Höfs, Marie Juchacz, Wilhelmine Kähler, Gertrud Lodahl, Frida Lührs, Ernestine Lutze, Toni Pfülf, Johanne Reitze, Elfriede Ryneck, Elisabeth Röhl, Minna Martha Schilling, Louise Schroeder, Clara Schuch, Anna Simon und Johanna Tesch. Nachrückerinnen waren Marie Behncke und Hedwig Kurt.
  • Für die USPD: Anna Hübler und Luise Zietz. Nachrückerin war Helene Grünberg.
  • Für die Deutsche Demokratische Partei: Marie Baum, Gertrud Bäumer, Elisabeth Brönner, Elise Ekke, und Katharina Kloss. Nachrückerin war Marie-Elisabeth Lüders.
  • Für die Deutsch-Nationale Volkspartei: Margarete Behm, Anna von Gierke, Käthe Schirmacher.
  • Für das Zentrum: Hedwig Dransfeld, Agnes Neuhaus, Maria Schmitz, Christine Teusch, Helene Weber und Marie Zettler.
  • Für die Deutsche Volkspartei: Clara Mende.

Quelle: „Zur Geschichte des Frauenwahlrechts in Deutschland“, AddF, Stiftung Archiv der deutschen Frauenbewegung

Auflistung der Mitglieder aus der Fraktion der Sozialdemokraten
Wer für die einzelnen Fraktionen im Parlament saß kann im Verzeichnis der Mitglieder der verfassungsgebenden deutschen Nationalversammlung nachgelesen werden, BArch R 43-I/565.

Viele dieser Frauen etablierten sich in der Politik und waren auch später im Reichstag oder in Landtagen vertreten. Ein prominentes Beispiel dafür war Christine Teusch, die 1947 Kultusministerin in Nordrhein-Westfalen wurde und als erste Frau eine Rede im Bundesrat hielt. Andere weibliche Abgeordnete, wie Anna Hübler oder Elise Ekke, waren nach Auflösung der Nationalversammlung nicht mehr öffentlich politisch tätig.

Ab 1933 hatten viele der Frauen unter Repressalien zu leiden und wurden von ihrer politischen Tätigkeit verdrängt. Einige wurden massiv von den Nationalsozialisten verfolgt. Die SPD-Abgeordnete Toni Pfülf, die im März 1933 als eine von 94 Abgeordneten gegen das Ermächtigungsgesetz gestimmt hatte, zerbrach an der Vergeblichkeit ihres Kampfes gegen die Nationalsozialisten und nahm sich im Juni 1933 das Leben.

Der Text stammt aus der Virtuellen Ausstellung zum Frauenwahlrecht im Online-Portal zur Weimarer Republik des Bundesarchivs. Wir danken dem Bundesarchiv herzlich für die Bereitstellung.

Links zu den Quellen im Themenportal

Rat der Volksbeauftragten: Aufruf an das deutsche Volk

Wahlplakat "Badische Frauen"

Mitgliederverzeichnis der verfassungsgebenden deutschen Nationalversammlung

 

Recherchemöglichkeiten

Wenn Sie sich für weitere Quellen zum Thema Völkerbund interessieren, wählen Sie über den A–Z Index Frauenwahlrecht“ aus und kombinieren Sie dieses thematische Schlagwort mit dem GeografikumDeutsches Reich“.

In der Objektgalerie unten auf der Startseite des Themenportals finden Sie weitere Quellen zu den Schlagwörtern „Frauenwahlrecht“ und „Frauenbewegung“.