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07.06.2021

Im Blickpunkt - Die Verreichlichung des Militärs im Jahr 1919

Von Archivportal-D

In der Rubrik „Im Blickpunkt“ präsentieren wir besondere Highlights aus Archiven, die im Archivportal-D vertreten sind. Diese ausgewählten Archivalien geben Einblick in die Bestände und bieten Rechercheanregungen für eine mögliche Suche im Archivportal-D oder im Themenportal „Weimarer Republik“. Wir freuen uns, in diesem Monat einen Beitrag des Hauptstaatsarchivs Bayern zur Verreichlichung des Militärs im Jahr 1919 präsentieren zu können.

 

Die Wahrung der Landesinteressen durch Bayern, Sachsen, Württemberg und Baden

Das Ende des Ersten Weltkriegs und der revolutionäre Umsturz von 1918/19 bedeuteten auch das Ende der Militärhoheit der deutschen Länder. Im Interesse der Einheitlichkeit eines künftigen deutschen Heerwesens verzichteten Preußen, Bayern, Sachsen, Württemberg und Baden auf ihre militärischen Reservatrechte zugunsten des Reiches. Die süddeutschen Länder Bayern, Sachsen, Württemberg und Baden verlangten jedoch im Gegenzug die Berücksichtigung einiger ihre Interessen wahrender „Grundsätze“ in dem neu zu gestaltenden Wehrgesetz.

In einer gemeinsam erarbeiteten Vereinbarung legten sie ihre Forderungen nieder. Dazu gehörte u.a., dass die Bestellung von Landeskommandanten durch den Reichspräsidenten auf Vorschlag der Landesregierungen erfolgen sollte. Diesen sollte innerhalb ihres Dienstbereichs die Wahrung der Interessen des jeweiligen Landes obliegen. Die von den Einzelstaaten gestellten militärischen Einheiten sollten auch in Zukunft einen landsmannschaftlich geschlossenen Verband bilden, als dessen Befehlshaber in Bayern der Landeskommandant vorgesehen war.

Vereinbarung der Länder über die künftige Gestaltung des Heeres, [1919]
Vereinbarung der Länder über die künftige Gestaltung des Heeres, [1919], Abdruck, 3 S., Maschinenschrift. Bayerisches Hauptstaatsarchiv, MKr [= Kriegsministerium] 14550_1.

Die landsmannschaftliche Zugehörigkeit sollte auch bei der Bezeichnung der Truppenteile (z.B. „7. (bayer.) Division“) und – äußerlich - durch die Berücksichtigung der Landesfarben etwa in Abzeichen wie den Kokarden an den Mützen zum Ausdruck kommen. Die Länderregierungen erwarteten darüber hinaus, im Bau-, Beschaffungs- und Lieferungswesen gehört zu werden.

Mit Schreiben vom 17. Juni 1919 wurde dem Bayerischen Militärbevollmächtigten Franz Sperr vom (preußischen) Kriegsministerium mitgeteilt, dass die Reichsregierung mit diesen Forderungen einverstanden sei und der Deutschen Nationalversammlung ein in diesem Sinne abgefasstes Reichswehrgesetz vorschlagen werde.

Bestätigung der Forderungen der Länder durch die Reichsregierung, 17. Juni 1919
Bestätigung der Forderungen der Länder durch die Reichsregierung, 17. Juni 1919. Or. Schreiben, 1 Bl., Maschinenschrift. Bayerisches Hauptstaatsarchiv, MKr [= Kriegsministerium] 14550_2.

Die von den Ländern gewünschten Punkte fanden dann auch tatsächlich Eingang in den II. Abschnitt „Landsmannschaft“ (§§ 12 – 17) des am 23. März 1921 erlassenen Wehrgesetzes (RGBl 1921, S. 329-341, hier: 331-333).

Wir danken dem Bayerischen Hauptstaatsarchiv für die Bereitstellung des Textes und der Archivalien.

 

Recherchemöglichkeiten

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