Rund 1000 Menschen wohnten den Ausschreitungen bei und unterstützen diese zum Teil durch Beifall. Sprechchöre wie „Deutschland den Deutschen! Ausländer raus!“ und Rufe wie „Sieg Heil!“ erschallten. Bürgermeister Wolfgang Zöllick, der als Stellvertreter des Oberbürgermeisters, der sich im Urlaub befand, vor Ort war, und der Bürgerschaftspräsident Christoph Kleemann versuchten, mit anderen couragierten Personen, die Randalierenden vergeblich zum Einlenken zu bewegen (Spiegel-TV, Die Krawalle von Rostock-Lichtenhagen, ca. 4:28).
Angreifende hörten den Polizeifunk ab, sodass sie sich auf die Polizeitaktik einstellen konnten. Erst um 22:34 Uhr schickte die Polizei Fahrer nach Schwerin, um zwei Wasserwerfer zu holen. Diese konnten erst um 2 Uhr am nächsten Morgen zum Einsatz gebracht werden, der jedoch wegen falscher Taktik scheiterte. Die Krawalle kamen gegen 5:30 Uhr wohl durch Müdigkeit der Angreifenden zum Erliegen. 13 verletzten Polizisten standen nur 10 Festgenommene gegenüber. Diese kamen jedoch am folgenden Tag wieder auf freien Fuß (Prenzel, Rostock-Lichtenhagen, S. 20).
Am Sonntag, den 23. August beauftragte der Leiter der Polizeidirektion Rostock Siegfried Kordus um 11 Uhr seinen herbeigeeilten Stellvertreter Jürgen Deckert mit der Einsatzleitung vor Ort. Gegen Mittag wurden weitere Kräfte angefordert, darunter zwei Hundertschaften des Bundesgrenzschutzes (BGS).
Von 16 bis 19 Uhr fand eine Lagebesprechung des Innenministers Kupfer, verschiedenen Rostocker Senator*innen sowie Siegfried Kordus statt. Beschlossen wurde die schrittweise Räumung der ZAst bis zum 1. September. Die Polizei schätzte die Lage als beherrschbar ein. Schon zuvor begannen neue Ausschreitungen. Kinder und Jugendliche warfen Steine gegen das Wohnheim. Die randalierende Menge wuchs auf 800 Personen an. Sie erhielt Zuspruch durch Tausende applaudierende Menschen. Straffällige tauchten schnell in deren Masse unter.
Bereits vor dem Pogrom vor Ort stehende Imbisswagen übernahmen die Versorgung der Menge, auch mit Alkohol. Um 17:45 Uhr fand ein offenbar koordinierter Angriff von zwei Seiten auf das Sonnenblumenhaus statt. Der Mob stürmte den Aufgang der Vietnames*innen. Der Wachmann des Gebäudes feuerte zweimal mit seiner Gaspistole auf die Hereinstürmenden, konnte sie jedoch nur kurz aufhalten. Nach 15 Minuten holte die Polizei die Angreifenden, die bis zum 6. Stock gekommen waren, wieder heraus. Ob auch Leute in die ZAst eindringen konnten, ist unklar. Gegen 20 Uhr fuhren drei Wasserwerfer auf.
Mit Einbrechen der Dunkelheit eskalierten die Angriffe nochmals. So wurden Steine und Molotowcocktails geworfen sowie Signalraketen und Feuerwerkskörper verschossen. Ein Polizist musste die Schusswaffe einsetzen, um für sich und einen zu Boden gegangenen Kollegen Lebensgefahr abzuwenden. Um 22:41 Uhr wurde für Mecklenburg-Vorpommern Polizeialarm ausgelöst.
Polizeikräfte aus allen Landesteilen sowie aus Schleswig-Holstein und Hamburg wurden herangeführt. Am Montag, um 2 Uhr morgens setzte sich eine Demonstration gegen das Pogrom mit rund 200 Teilnehmenden in Bewegung. Die Polizei löste sie jedoch im Gegensatz zum bisherigen Vorgehen gegenüber den rechten Randalierenden schnell auf und verhaftete 60 Personen.
Um 4 Uhr morgens löste sich der gewalttätige rechte Mob auf.
Vier Stunden später vereinbarten der Abteilungsleiter für Ausländerfragen im Innenministerium MV, Winfried Rusch, und die amtierende Leiterin der ZAst, Heike Buhrow, telefonisch die sofortige Räumung der Bewohner*innen der ZAst. Ein Teil war jedoch schon geflüchtet. Die neue ZAst war bereits am Vortag im ländlichen Rostocker Stadtteil Hinrichshagen eingerichtet worden.
Am Sonntagabend hatte Oberbürgermeister Kilimann die Ausschreitungen in den Nachrichten gesehen und brach seinen Urlaub in der Nacht ab. Um 10:15 Uhr kam es am Montag im Rostocker Rathaus zu einer Sondersitzung des Innenausschusses des Landtages mit ihm sowie Innenminister Kupfer und Polizeichef Kordus (Protokoll, 24.8.1992. StA Rostock, 4.1.1. Nr. 834 unpag. PDF). Dort beschlossen sie, bei einer schrittweisen Räumung der ZAst zu bleiben, waren also offenbar nicht über die Absprachen von Rusch und Buhrow informiert worden. Die Räumung konnte um 15 Uhr beendet werden (Aufnahmen von der Räumung: Tagesschau, 24.8.1992.
Am selben Tag fanden in Rostock auch Gespräche des Bundesinnenministers Rudolf Seiters mit dem Ministerpräsidenten Mecklenburg-Vorpommerns Berndt Seite, Innenminister Kupfer (alle CDU) sowie dessen Abteilungsleiter Olaf von Brevern, dem Inspekteur des BGS Fredi Hitz und Polizeichef Kordus statt. Im Anschluss hielten Seiters und Seite eine Pressekonferenz ab. In deren Mittelpunkt stand die Asylpolitik. Seiters prangerte einen „Mißbrauch des Asylrechts [an], der dazu geführt hat, daß wir einen unkontrollierten Zustrom in unser Land bekommen haben von Menschen, die aus wirtschaftlichen Gründen zu uns kommen, und nicht, weil sie politisch verfolgt sind.“ Berndt Seite sekundierte und kritisierte die SPD, die sich zu lange mit dem Problem Asylrecht aufgehalten habe. Er äußerte: „Daß das natürlich teilweise umschwappt, wenn man in der Menge ist, dafür habe ich auch Verständnis.“ (zitiert nach: Funke, Brandstifter, S. 161 f.).
Mit der Räumung, mehrfach in verschiedenen Medien kommuniziert, erwartete die Polizeiführung ein Ende der Proteste. Sie erlag der Fehleinschätzung, dass die Vietnames*innen in der Bevölkerung voll akzeptiert seien und daher kein Angriffsziel bilden würden. Oberbürgermeister Kilimann setzte seinen Urlaub fort.
Ab 14 Uhr begannen sich erneut Menschen vor dem Sonnenblumenhaus zu sammeln. Die Menge wurde größer als an den ersten beiden Tagen. Von den zahlreich erschienen Kamerateams, die zum Teil live übertrugen, fühlten sich die Angreifenden bestärkt. Die Aggressionen nahmen gegen Abend zu – vor allem gegen die Polizei.
Um 20 Uhr kam per Funk jedoch der Befehl, alle Polizeikräfte von der ZAst abzuziehen. Die Umstände des Befehls konnten nicht völlig aufgeklärt werden. Ein Mob aus ca. 1000 Personen griff abziehende BGS-Beamte an, woraufhin die Polizei den Rückzug abbrechen musste. Rund 3000 Schaulustige erschwerten die Lage und unterstützten die Randalierer. Mangels Führung handelten die Polizeieinheiten nun eigenständig und teils unkoordiniert. Dramatische Szenen spielten sich ab. Die Angreifer konnten die ungeschützten Eingänge Nr. 18 und 19 des Sonnenblumenhauses erstürmen und auch von Innen in Brand setzen.