Rostock | 22.–28. August 1992

Das Pogrom von Rostock-Lichtenhagen im August 1992

Im Zentrum des Schwarz-Weiß-Fotos stehen zwei geduckte Polizisten im Kampfmontur. Im Hintergrund brennt das Sonnenblumenhaus.
Zwei Polizisten vor dem brennenden Sonnenblumenhaus | Deutsche Fotothek / Martin Langer |

Einleitung

Der Angriff auf das "Sonnenblumenhaus" in Rostock-Lichtenhagen ging als das größte Pogrom in Deutschland nach 1945 in die Geschichte ein. Es erfuhr weltweit Aufmerksamkeit. Das Ereignis fiel in eine Welle rassistischer Gewalttaten, zu der unter anderem schwere Ausschreitungen in Hoyerswerda 1991 und Mannheim-Schönau im Frühjahr 1992 zählen. 

Im Folgenden wird der Versuch unternommen, den Ablauf des Pogroms zu rekonstruieren. Die Basis dafür bilden vor allem staatliche Überlieferungen, insbesondere die Unterlagen der beiden parlamentarischen Untersuchungsausschüsse. Diese Quellen geben aber nur zu Teilaspekten Auskunft. So bieten sie etwa keinen tieferen Einblick in die Situation der Betroffenen. Daher wurden hier auch Veröffentlichungen und Zeitzeugenberichte einbezogen.

Im Bildmittelpunkt des Schwarz-Weiß-Fotos steht die Parkanlage Lichtenhäger Brink, eingerahmt durch Plattenbauten. Im Vordergrund ist der Bauernbrunnen zu sehen, im Hintergrund rechts das Sonnenblumenhaus.
Rostock-Lichtenhagen zu DDR-Zeiten. Im Bildzentrum der Lichtenhäger Brink, im Hintergrund rechts das Sonnenblumenhaus, o.D. | BArch, MfS, BV Rostock, AKG, Nr. 847, Bl. 136 |

Hintergrund/Vorgeschichte

Seit den frühen 1980er Jahren wurden in Rostock Neonazigruppen, die hauptsächlich aus Jugendlichen bestanden, sichtbar. Oftmals erschienen sie im Dresscode der Skinhead-Bewegung mit engen Jeans, Bomberjacken, schweren Arbeitsstiefeln und kurzrasierten Haaren. Die SED-Diktatur und ihre Sicherheitsorgane, Volkspolizei und Ministerium für Staatssicherheit (MfS), unterschätzten lange das Phänomen. Es konnte nicht sein, was nicht sein durfte im selbsternannten „antifaschistischen Staat“. Das Auftreten von Neonazis schob man auf den „Einfluss des Klassenfeindes“ aus dem Westen (Wagner, Bernd: Vertuschte Gefahr: Die Stasi & Neonazis).

Erst nach dem Überfall von rechten Skinheads auf ein Konzert in der Zionskirche in Ost-Berlin im Herbst 1987 setzte in der SED und ihrem Sicherheitsapparat ein Umdenken ein. Das MfS versuchte relativ erfolglos, die wachsende neonazistische Szene unter Beobachtung zu halten und in ihr Inoffizielle Mitarbeiter (IM) als Spitzel anzuwerben. Ohne die Täter identifizieren zu können, musste die Staatssicherheit am 1. September 1989 zum Beispiel Graffiti mit dem Inhalt „Ausländer raus hier“, „Tod der Kirche“ und „Neue Nordfront“ nur wenige Kilometer vom Sonnenblumenhaus entfernt zwischen den Rostocker Stadtteilen Lütten Klein und Schmarl feststellen. Noch im selben Monat fasste die Auswertungs- und Kontrollgruppe der Staatssicherheit in einer „Information über Neofaschismus im Bezirk Rostock“ die Lage für die SED zusammen. Darin wird unter anderem ein deutlicher Anstieg von Ermittlungsverfahren im Zusammenhang mit neonazistischen und rassistischen Erscheinungen deutlich  (BArch, MfS, BV Rostock, AKG, Nr. 1100, Bl. 206–214 PDF).

1989 lebten in Rostock rund 4000 Menschen ohne DDR-Staatsbürgerschaft – etwa 1,6 Prozent der Gesamtbevölkerung von 250.000. Sie kamen vor allem im Rahmen bilateraler Vereinbarungen aus befreundeten sozialistischen Staaten als Arbeitskräfte oder zum Studium in die DDR. Die größte Gruppe stellten die aus Vietnam entsandten Beschäftigten.

Kontakte zwischen Deutschen und Arbeitsmigrant*innen außerhalb staatlicher Kontrolle oder gar feste Partnerschaften waren seitens des SED-Regimes oftmals unerwünscht, eine dauerhafte Bleibeperspektive meist ungewollt. So konnten Vorurteile schlecht abgebaut werden.

Kurz nach Gründung des neu entstandenen Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern (MV) fiel im Herbst 1990 durch die noch bestehende Bezirksverwaltungsbehörde Rostock die Entscheidung, eine Zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber (ZAst – teilweise auch als ZAST oder ZASt abgekürzt) in Rostock-Lichtenhagen einzurichten. Die Wahl fiel auf den Aufgang Hermann-Matern-Straße 18 im Sonnenblumenhaus (später Mecklenburger Allee 18). Das langgestreckte Hochhaus, benannt nach einem Mosaik an der Stirnseite im Osten, war Ende der 1970er Jahre als Teil eines dicht besiedelten Plattenbaugebietes entstanden. Es hat elf Geschosse und sieben Aufgänge. In den Hausnummern 18 und 19 am östlichen Ende des Blocks existierte zu DDR-Zeiten ein Wohnheim für ausländische Arbeitskräfte des Überseehafens. 1992 lebten nur noch in der Nr. 19 rund 100 Vietnames*innen. Eine Arbeitsgruppe aus Land und Kommune glaubte feststellen zu können, dass „die angrenzend wohnende Bevölkerung mit einem Nebeneinander von Deutschen und Ausländern vertraut war“ (Prenzel, Rostock-Lichtenhagen, S. 15).

Die ZAst stellte ein zentrales Durchgangsheim für Asylsuchende dar, bevor diese auf Kreise des Landes verteilt wurden. Die Kapazität lag bei 200 Personen. Mitte 1991 nahm die ZAst monatlich 70, gegen Ende des Jahres schon 500, von Januar bis Mai 1992 jedoch 800–900 und allein im Juni 1585 Personen auf. Viele von ihnen kamen aus Rumänien und gehörten der Minderheit der Roma an. Strukturelle Schwächen, wie langwierige bürokratische Abläufe, politischer Unwille, verwischte Kompetenzen zwischen Stadt und Land sowie nicht ausreichende, eilig geschaffene Notaufnahmekapazitäten führten dazu, dass Menschen tagelang gezwungen waren, ohne Essen, Geld, Nahrung und sanitäre Anlagen auf der Wiese vor der ZAst in einem dicht besiedelten Wohngebiet auszuharren.

Im Juni 1991 beschwerten sich Mieter*innen des Sonnenblumenhauses über chaotische Zustände im Block, die durch einheimische Jugendliche, die das Haus terrorisierten, verursacht seien. So würden sie dort randalieren, ihre Notdurft verrichten und „Sieg Heil“ grölen. Auch bemängelten die Autor*innen des Briefes Ordnung und Sauberkeit um die „Asylantenunterkunft“ (Brief, 19.6.1991. StA Rostock, 4.1.1., Nr. 834 unpag. PDF). Weitere Beschwerden aus dem Wohngebiet, jedoch mit Schwerpunkt auf die Asylsuchenende, folgten.

Schon im Juli 1991 hatte der Oberbürgermeister Rostocks, Dr. Klaus Kilimann (SPD), dem Innenminister des Landes schriftlich mitgeteilt (Ohne Titel, 26.7.1991. StA Rostock, 4.1.1. Nr. 834 unpag. PDF), „daß das Objekt Hermann-Matern-Straße als ZAST für Mecklenburg-Vorpommern denkbar ungeeignet ist.“ Daraufhin begann die Suche nach geeigneten Liegenschaften, wenn auch ohne den nötigen Nachdruck.

Landesinnenminister Lothar Kupfer (CDU) kündigte im Juni 1992 in einer Pressemitteilung die Verlegung der ZAst für September an. Darin sprach er von einem „überdimensionierten Zugang von Asylbewerbern, vornehmlich rumänischer Herkunft“ (Presseinformation, 26.6.1992. StA Rostock, 4.1.1. Nr. 834 unpag. PDF). Auch andere Politiker befeuerten die Debatte um die „Asylflut“, wie vielfach zu lesen war. So erklärte der Rostocker Innensenator Peter Magdanz (SPD) vor der Bürgerschaft am 1. Juli 1992:

Die Hansestadt Rostock war und ist Ausländern gegenüber freundlich eingestellt. Durch die Konfrontation der Bürger unserer Stadt mit den Problemen bei der Anwendung des Asylrechts der Bundesrepublik Deutschland wird diese weltoffene Haltung jedoch stark belastet.
Es ist verständlich, wenn Bürger unserer Stadt ihren Unmut und ihre Sorge ob mit der Flut von Asylbewerbern verbundenen Folgen für die öffentliche Ordnung und Sicherheit artikulieren.
Peter Magdanz

Die regionale Ostsee-Zeitung zitierte Magdanz am 6. August mit den Worten (T.A.: „Schlepperbanden bringen bald die nächsten“ […], in: Ostsee-Zeitung, (Lokalausgabe für Rostock), 6.8.1992, S. 13.):

„Je besser wir die einen unterbringen, um so größer ist der Zuspruch neuer Asylbewerber am nächsten Tag.“

Zwei Tage später stand von ihm in derselben Zeitung zu lesen: „Daß Ladendiebstähle in Rostock oft durch rumänische Zigeuner erfolgen, ist kein Geheimnis.“ (T.A.: Lichtenhagen erlebt die Ohnmacht der Politiker gegenüber Asylproblem, in: Ostsee-Zeitung (Lokalausgabe für Rostock), 8.8.1992, S. 11).

Allgemein war eine antiziganistische Stimmung zu verzeichnen, die Teile der Bevölkerung erfasste und die durch Politik und Presse teilweise befeuert wurde. Berichtet wurde jedoch nicht über das menschliche Leid, dass die Asylsuchenden durchlitten und ihre Fluchtmotive. Ein Rumäne schilderte später im Film „The Truth lies in Rostock“ die Zustände in Lichtenhagen:

Alles war voll. Wir hatten tatsächlich keinen Platz zum Schlafen. Es war katastrophal. So viele Leute. Was ich da gesehen habe, war erschreckend. Und ich habe gefragt ‚Warum seid ihr alle draußen?‘ Mir wurde gesagt, dass sie kein Asyl mehr bekommen. Da waren Leute mit kranken Kindern. Wir wurden erniedrigt, wir hatten Hunger. Und wir waren schmutzig. Wir wollten etwas Wärme und einen Platz, wo wir mit unseren Kindern bleiben konnten.
"Stoyan"

Im Juni 1992 tauchten vermehrt ausländerfeindliche Flugblätter in der Stadt auf. Die rechtsradikale Hamburger Liste Ausländerstopp unter Führung des späteren Funktionärs der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD) Michael Andrejewski ließ angeblich mehr als 100.000 Stück mit Parolen wie „Widerstand gegen die Asylantenflut“ und der Warnung vor „westdeutschen Verhältnissen“ verteilten. Als Autorin trat die vermutlich fiktive Aktion Rostock bleibt deutsch auf (Prenzel, Rostock-Lichtenhagen, S. 15; Schmidt, Der Sündenfall).

Gewalttätige rassistisch motivierte Angriffe auf Unterkünfte von Ausländer*innen gab es in der Region bereits vor 1992. Schon bis Oktober 1991 hatte es vier Überfälle von Rechtsradikalen auf ein Wohnheim von rumänischen Arbeitern in Rostock-Schmarl gegeben. Im November 1991 überfielen Jugendliche ein für Ausländer vorgesehenes Heim im selben Stadtteil. Anwohnende bedrohten und beschimpften Menschen, die vor der ZAst warteten.

Ablauf

„Lichtenhäger Bürgerwehr will ZAST ‚aufräumen‘“ titelten am Mittwoch, den 19. August die Norddeutschen Neuesten Nachrichten. Grundlage des Artikels war ein anonymer Anruf in der Redaktion, der unter anderem ankündigte: „Wir schaffen Ordnung.“ Am Freitag berichtete das Lokalblatt von anstehenden Protesten am folgenden Tag – ähnlich die Ostsee-Zeitung. Bis dahin waren Polizei und Innenministerium nichts über geplante Demonstrationen oder Angriffe bekannt. Die meisten Führungskräfte auf Landes- und kommunaler Ebene, wie auch bei der Polizei, gingen in ihr Wochenende. Die Polizeidirektion Rostock orderte nur einen Zug Bereitschaftspolizei (26 Kräfte). Es folgten jedoch keine eindeutigen Stellungnahmen der Politik für die Bedrohten und keine Warnung an die Bevölkerung, sich fernzuhalten.

Am ersten Tag des Pogroms, am Sonnabend, den 22. August versammelten sich am Nachmittag mehrere hundert meist junge Menschen vor dem Sonnenblumenhaus. Die meisten vor der ZAst wartenden Asylsuchenden wurden nun ins Gebäude gelassen. Ab 18 Uhr begannen rund 200 Jugendliche mit Gewalttätigkeiten. Ab 21 Uhr flogen Steine und Brandsätze auf die ZAst und den Aufgang der vietnamesischen Bewohner*innen.  Die Scheiben in den unteren Etagen wurden zerstört und Balkone in Brand gesetzt. Die Feuerwehr wurde am Löschen gehindert und mit Steinen beworfen. Die angegriffenen Hausbewohner*innen wehrten sich, indem sie Gegenstände von den Balkonen warfen. Die Polizei versuchte kurzfristig, alle verfügbaren Beamten heranzuziehen. Meist ohne Schutzausrüstung sahen sie sich Schlägen und Tritten ausgesetzt. Zwei Streifenwagen brannten aus. Nur mit Mühe konnte durch die wenigen Polizisten und die im Haus lebenden Personen eine Erstürmung verhindert werden. Dazu hatten sich die Vietnames*innen verbarrikadiert und notdürftig bewaffnet. Einige Jugendliche aus dem Jugendalternativzentrum (JAZ) aus der Rostocker Innenstadt leisteten dabei Unterstützung.

Ein vermummter Jugendlicher im Jogginganzug holt aus, um einen Stein zu werfen. Im Hintergrund sind weitere Angreifer in der Nacht zu sehen.
Vermummte Jugendliche beim Werfen von Steinen. | Deutsche Fotothek / Martin Langer |

Rund 1000 Menschen wohnten den Ausschreitungen bei und unterstützen diese zum Teil durch Beifall. Sprechchöre wie „Deutschland den Deutschen! Ausländer raus!“ und Rufe wie „Sieg Heil!“ erschallten. Bürgermeister Wolfgang Zöllick, der als Stellvertreter des Oberbürgermeisters, der sich im Urlaub befand, vor Ort war, und der Bürgerschaftspräsident Christoph Kleemann versuchten, mit anderen couragierten Personen, die Randalierenden vergeblich zum Einlenken zu bewegen (Spiegel-TV, Die Krawalle von Rostock-Lichtenhagen, ca. 4:28).

Angreifende hörten den Polizeifunk ab, sodass sie sich auf die Polizeitaktik einstellen konnten. Erst um 22:34 Uhr schickte die Polizei Fahrer nach Schwerin, um zwei Wasserwerfer zu holen. Diese konnten erst um 2 Uhr am nächsten Morgen zum Einsatz gebracht werden, der jedoch wegen falscher Taktik scheiterte. Die Krawalle kamen gegen 5:30 Uhr wohl durch Müdigkeit der Angreifenden zum Erliegen. 13 verletzten Polizisten standen nur 10 Festgenommene gegenüber. Diese kamen jedoch am folgenden Tag wieder auf freien Fuß (Prenzel, Rostock-Lichtenhagen, S. 20).

Am Sonntag, den 23. August beauftragte der Leiter der Polizeidirektion Rostock Siegfried Kordus um 11 Uhr seinen herbeigeeilten Stellvertreter Jürgen Deckert mit der Einsatzleitung vor Ort. Gegen Mittag wurden weitere Kräfte angefordert, darunter zwei Hundertschaften des Bundesgrenzschutzes (BGS).

Von 16 bis 19 Uhr fand eine Lagebesprechung des Innenministers Kupfer, verschiedenen Rostocker Senator*innen sowie Siegfried Kordus statt. Beschlossen wurde die schrittweise Räumung der ZAst bis zum 1. September. Die Polizei schätzte die Lage als beherrschbar ein. Schon zuvor begannen neue Ausschreitungen. Kinder und Jugendliche warfen Steine gegen das Wohnheim. Die randalierende Menge wuchs auf 800 Personen an. Sie erhielt Zuspruch durch Tausende applaudierende Menschen. Straffällige tauchten schnell in deren Masse unter.

Bereits vor dem Pogrom vor Ort stehende Imbisswagen übernahmen die Versorgung der Menge, auch mit Alkohol. Um 17:45 Uhr fand ein offenbar koordinierter Angriff von zwei Seiten auf das Sonnenblumenhaus statt. Der Mob stürmte den Aufgang der Vietnames*innen. Der Wachmann des Gebäudes feuerte zweimal mit seiner Gaspistole auf die Hereinstürmenden, konnte sie jedoch nur kurz aufhalten. Nach 15 Minuten holte die Polizei die Angreifenden, die bis zum 6. Stock gekommen waren, wieder heraus. Ob auch Leute in die ZAst eindringen konnten, ist unklar. Gegen 20 Uhr fuhren drei Wasserwerfer auf. 

Mit Einbrechen der Dunkelheit eskalierten die Angriffe nochmals. So wurden Steine und Molotowcocktails geworfen sowie Signalraketen und Feuerwerkskörper verschossen. Ein Polizist musste die Schusswaffe einsetzen, um für sich und einen zu Boden gegangenen Kollegen Lebensgefahr abzuwenden. Um 22:41 Uhr wurde für Mecklenburg-Vorpommern Polizeialarm ausgelöst.

Polizeikräfte aus allen Landesteilen sowie aus Schleswig-Holstein und Hamburg wurden herangeführt. Am Montag, um 2 Uhr morgens setzte sich eine Demonstration gegen das Pogrom mit rund 200 Teilnehmenden in Bewegung. Die Polizei löste sie jedoch im Gegensatz zum bisherigen Vorgehen gegenüber den rechten Randalierenden schnell auf und verhaftete 60 Personen.

Um 4 Uhr morgens löste sich der gewalttätige rechte Mob auf.

Vier Stunden später vereinbarten der Abteilungsleiter für Ausländerfragen im Innenministerium MV, Winfried Rusch, und die amtierende Leiterin der ZAst, Heike Buhrow, telefonisch die sofortige Räumung der Bewohner*innen der ZAst. Ein Teil war jedoch schon geflüchtet. Die neue ZAst war bereits am Vortag im ländlichen Rostocker Stadtteil Hinrichshagen eingerichtet worden.

Am Sonntagabend hatte Oberbürgermeister Kilimann die Ausschreitungen in den Nachrichten gesehen und brach seinen Urlaub in der Nacht ab. Um 10:15 Uhr kam es am Montag im Rostocker Rathaus zu einer Sondersitzung des Innenausschusses des Landtages mit ihm sowie Innenminister Kupfer und Polizeichef Kordus (Protokoll, 24.8.1992. StA Rostock, 4.1.1. Nr. 834 unpag. PDF). Dort beschlossen sie, bei einer schrittweisen Räumung der ZAst zu bleiben, waren also offenbar nicht über die Absprachen von Rusch und Buhrow informiert worden. Die Räumung konnte um 15 Uhr beendet werden (Aufnahmen von der Räumung: Tagesschau, 24.8.1992.

Am selben Tag fanden in Rostock auch Gespräche des Bundesinnenministers Rudolf Seiters mit dem Ministerpräsidenten Mecklenburg-Vorpommerns Berndt Seite, Innenminister Kupfer (alle CDU) sowie dessen Abteilungsleiter Olaf von Brevern, dem Inspekteur des BGS Fredi Hitz und Polizeichef Kordus statt. Im Anschluss hielten Seiters und Seite eine Pressekonferenz ab. In deren Mittelpunkt stand die Asylpolitik. Seiters prangerte einen „Mißbrauch des Asylrechts [an], der dazu geführt hat, daß wir einen unkontrollierten Zustrom in unser Land bekommen haben von Menschen, die aus wirtschaftlichen Gründen zu uns kommen, und nicht, weil sie politisch verfolgt sind.“ Berndt Seite sekundierte und kritisierte die SPD, die sich zu lange mit dem Problem Asylrecht aufgehalten habe. Er äußerte: „Daß das natürlich teilweise umschwappt, wenn man in der Menge ist, dafür habe ich auch Verständnis.“ (zitiert nach: Funke, Brandstifter, S. 161 f.).

Mit der Räumung, mehrfach in verschiedenen Medien kommuniziert, erwartete die Polizeiführung ein Ende der Proteste. Sie erlag der Fehleinschätzung, dass die Vietnames*innen in der Bevölkerung voll akzeptiert seien und daher kein Angriffsziel bilden würden. Oberbürgermeister Kilimann setzte seinen Urlaub fort.

Ab 14 Uhr begannen sich erneut Menschen vor dem Sonnenblumenhaus zu sammeln. Die Menge wurde größer als an den ersten beiden Tagen. Von den zahlreich erschienen Kamerateams, die zum Teil live übertrugen, fühlten sich die Angreifenden bestärkt. Die Aggressionen nahmen gegen Abend zu – vor allem gegen die Polizei.

Um 20 Uhr kam per Funk jedoch der Befehl, alle Polizeikräfte von der ZAst abzuziehen. Die Umstände des Befehls konnten nicht völlig aufgeklärt werden. Ein Mob aus ca. 1000 Personen griff abziehende BGS-Beamte an, woraufhin die Polizei den Rückzug abbrechen musste. Rund 3000 Schaulustige erschwerten die Lage und unterstützten die Randalierer. Mangels Führung handelten die Polizeieinheiten nun eigenständig und teils unkoordiniert. Dramatische Szenen spielten sich ab. Die Angreifer konnten die ungeschützten Eingänge Nr. 18 und 19 des Sonnenblumenhauses erstürmen und auch von Innen in Brand setzen.

Bei der Feuerwehr ging um 21:38 Uhr die erste Brandmeldung einer Anwohnerin ein. Die Menge hinderte die anrückende Feuerwehr jedoch am Löschen (Meldebuch der Feuerwehr [Auszug], 1992. StA Rostock 4.1.1. Nr. 834 unpag. PDF). Erst gegen halb elf erging bei der Polizei der Befehl zur Unterstützung. Für die rund 120 vietnamesischen Angegriffenen bestand Lebensgefahr, zumal Fluchttüren verschlossen waren. Es gelang ihnen, eine Tür aufzubrechen und sich zusammen mit einem Kamerateam des ZDF, einer Handvoll Unterstützer*innen und dem Ausländerbeauftragten der Hansestadt, Dr. Wolfgang Richter, aufs Dach zu retten. Von dort aus entkamen sie in einen anderen Hausaufgang, von wo aus sie später unter rassistischen Beschimpfungen evakuiert wurden. Erst um 23 Uhr gelang es der Feuerwehr mit polizeilicher Unterstützung, die Brandbekämpfung aufzunehmen.

Am Dienstag um 3 Uhr morgens trat eine Beruhigung der Lage vor Ort ein. Um die Mittagszeit übernahm der Leiter des Landespolizeiamtes Hans-Heinrich Heinsen die Einsatzführung, da die Lage durch die Polizeidirektion Rostock entgegen eigener Aussagen nicht unter Kontrolle war. Jürgen Deckert blieb noch bis zum Abend und damit insgesamt ohne Pausen über 60 Stunden im Dienst. Am selben Tag veranstaltete der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) um 17 Uhr in den Innenstadt eine Gegendemonstration, die von 800 Teilnehmenden besucht wurde (Schmidt, Politische Brandstiftung, S. 148; Parlamentarischer Untersuchungsausschuss: Beschlussempfehlung und Zwischenbericht, 16.6.1993, S. 36 und 73.)

Nach 22 Uhr begannen erneute Angriffe aus einer Gruppe von 300 bis 400 Personen mit Steinwürfen, Signalraketen und Molotowcocktails. Diese konzentrierten sich zunehmend mit großer Härte auf die Polizei. Die angreifende Menge vergrößerte sich auf 1000 Personen. Mehrere Fahrzeuge wurden in Brand gesteckt. Am Mittwoch gegen 3 Uhr gelang es der Polizei, u.a. mit Wasserwerfern, Ruhe herzustellen.

Damit kam das Pogrom nicht zum Erliegen. Noch bis Ende der Woche lieferten sich Neonazis allnächtliche Auseinandersetzungen mit der Polizei, errichteten Barrikaden und steckten Pkw in Brand. Damit verloren sie jedoch die Unterstützung in der Bevölkerung.

Im Zentrum des Schwarz-Weiß-Fotos stehen zwei geduckte Polizisten im Kampfmontur. Im Hintergrund brennt das Sonnenblumenhaus.
Zwei Polizisten vor dem brennenden Sonnenblumenhaus | Deutsche Fotothek / Martin Langer |
Polizeikette vor dem Sonnenblumenhaus in der Nacht. Die Polizisten tragen Helme und Schutzschilde.
Polizeikette vor dem Sonnenblumenhaus | Deutsche Fotothek / Martin Langer |

Betroffene

Im Mittelpunkt der Angriffe standen anfangs Asylsuchende, die sich in und vor der ZAst aufhielten – vor allem Roma aus Rumänien. Sie traf der Angriff völlig überraschend. Niemand hatte sie über die Geschehnisse informiert. Ioana Miclescu und Leonora Dumitru erinnern sich 2022 (Dok-Zentrum Lichtenhagen/LpB: „Wir entkamen auf eigene Faust“, S. 36, 109):

Ich weiß noch, nach ein paar Tagen [nach der Ankunft] wurden wir Zeugen eines Feuers, das aus heiterem Himmel ausgebrochen war. Ein paar Leute hatten ein Feuer gelegt, ich weiß nicht, wer sie waren. […] Sie steckten alles in Brand, inklusive unser[es] Gebäude[s].
Ioana Miclescu
Wir hatten uns kaum registrieren lassen, als eines Tages eine Gruppe maskierter Leute unseren Wohnblock stürmte. Wir sahen, dass sie Naziembleme trugen. Sie warfen mit Brandsätzen, um die komplette Etage in Brand zu stecken. Sie schlossen die Türen ab. Und wir steckten innen fest. Rostock stand in Flammen. Viele Männer aus unseren Gruppen, auch mein Mann, kamen uns zu Hilfe, sie traten die Türen ein. Das war unsere einzige Chance, nach draußen zu kommen. Auch die Polizei kam. Die Polizisten schauten in die Flammen, taten aber nicht allzu viel. Rostock stand in Flammen und wir versuchten zu entkommen. Wir wollten uns verstecken, aber wir hatten Angst, uns in der Menge aus den Augen zu verlieren.
Leonora Dumitru

Weitere Roma äußerten sich ähnlich. Unklar ist jedoch die Datierung des Feuers.

Weil ausreichender polizeilicher Schutz fehlte, mussten die im Aufgang Nr. 19 wohnenden Vietnames*innen zur Selbstverteidigung übergehen. Nur so konnten sie Schlimmeres verhindern.

Einer der Vietnamesen, die sich zum Zeitpunkt der Angriffe vor Ort befanden, war Nguyen Do Thinh, der als Betreuer und Dolmetscher im Sonnenblumenhaus arbeitete. Im Rückblick äußerte er (Protokoll der 9. Sitzung des Untersuchungsausschusses „ZAST“ am 16. November 1992. StA Rostock, Nr. 4.1.1., Nr. 835 unpag.):

Ein vietnamesischer Bewohner des Sonnenblumenhauses steht oben am Ende der Treppe und streckt die Hand Richtung Fotograf.
Ein vietnamesischer Bewohner des Sonnenblumenhauses Nr. 19 bringt sich und andere aufs Dach in Sicherheit, 24. August 1992. | Deutsche Fotothek / Martin Langer |
Ich kann nur aus meiner Sicht sagen, daß die Ausländerfeindlichkeit schon immer da war, aber das war nicht so offen gezeigt worden. Nach der Wende ist das gestiegen, die Aggressionen sind gestiegen und werden immer konkreter, aber nicht direkt gegen Vietnamesen oder Rumänen, sondern allgemein gegen Ausländer, die anders aussehen.
Nguyen Do Thinh

Über die Flucht auf das Dach am Montag des Pogroms berichtete er:

Ich weiß nicht, wie uns das gelingen konnte, denn es war eigentlich unmöglich, diese dicken Eisentüren mit so primitiven Mitteln wie Beil, Hammer und einem Hebel aufzubrechen. Von innen ist das unmöglich. Doch wie durch ein Wunder haben wir es geschafft. Als wir dann alle oben standen, haben ein paar von uns versucht, über die Dachränder zu gucken, die wurden gleich zurückgeholt. Meine Kollegin hatte gesagt: ‚Wenn sie uns hier oben entdecken, dann kommen sie hierher, und es wird Tote geben.‘
Nguyen Do Thinh

Während die Asylsuchenden aus der ZAst auf Sammelunterkünfte verteilt worden waren, mussten die Vietnames*innen nach ihrer Evakuierung zunächst noch drei Tage in der Sporthalle Marienehe und danach wochenlang in zwei Schullandheimen im Landkreis Rostock ausharren.

Unklar ist, wie viele Verletzte es bei den Angegriffenen gab.

Täter, Beteiligte, „Bystander“

Die Masse der aktiven Teilnehmenden am Pogrom waren augenscheinlich männliche Jugendliche. Die meisten kamen, zumindest zu Beginn, aus der Region. Schon am ersten Tag der Ausschreitungen stellte die Polizei aber ebenfalls Teilnehmer aus Lübeck, Berlin und anderen Gegenden fest.

Zeitgenössische Quellen aus der linken Szene sprachen von einer frühen Mobilisierung der Neonaziszene in ganz Deutschland. Demnach seien in Lichtenhagen vor allem ab dem zweiten Tag führende Kader wie Christian Worch, Christian Malcoci, Michael Büttner, Gerhard Andress, Erik Rundquist aus Schweden, Arnulf Priem und der Chef der damals wichtigsten rechtsextremen Partei Deutsche Volksunion (DVU), Gerhard Frey, und später auch Bela Ewald Althans gesichtet worden (Schmidt, Politische Brandstiftung, S. 33).

Über die Tage nahm die Polizei 370 vorläufige Festnahmen vor. Diese beinhalteten jedoch auch Gegendemonstrant*innen, die am 23. August festgenommen worden waren. 217 Tatverdächtige stammten aus Mecklenburg-Vorpommern, davon 147 aus Rostock. Die nächst größeren Gruppen kamen aus Berlin (41), Hamburg (29), Schleswig-Holstein (22), Sachsen-Anhalt (16), Brandenburg (13), Niedersachsen (9), Nordrhein-Westfalen (6), Thüringen (6), Bayern (4), Baden-Württemberg (3), Sachsen (2), Hessen (1) und Rheinland-Pfalz (1). Die Zahl der Angreifenden wird auf rund 1200 beziffert, was wahrscheinlich zu niedrig liegt, da das Pogrom über Tage anhielt und unter den Tätern ein Wechsel stattgefunden haben dürfte.

Von Beginn an unterstützten Anwohnende das Pogrom, so durch Beifallsbekundungen, aber auch aber auch durch den Schutz, den sie den Angreifenden durch das Abtauchen in der Masse gaben. Schon am ersten Tag kamen rund 1000 Schaulustige zusammen. Die Menge erhöhte sich in den folgenden Tagen auf rund 3000.

Tatmotiv/Ideologie

Das Pogrom von Lichtenhagen fiel 1992 in eine Welle rassistischer Gewalttaten. Die Berichterstattung über zuvor erfolgte Angriffe auf Sammelunterkünfte von Asylsuchenden dürfte motivierende Auswirkungen auf die Tatausübenden von Lichtenhagen gehabt haben. Bestärkende Wirkung hatte wahrscheinlich auch die intensive politische und mediale Asyldebatte und die dabei vielfach erhobenen Forderungen nach Einschränkung des Asylrechts in Deutschland. Medienberichte und Politikerstatements über Zuziehende aus Rumänien und Bulgarien bedienten und verbreiteten teilweise antiziganistische Klischees. Auch wurde immer wieder auf eine angeblich steigende Kriminalität hingewiesen, an der „Ausländer“ und insbesondere die Roma schuld seien – dies ist ebenfalls für Lichtenhagen belegt (Guski, Aufarbeitung, in: Prenzel, Rostock-Lichtenhagen, S. 34). Anzunehmen ist, dass Täter das vermeintliche Recht in die eigenen Hände nehmen, also Selbstjustiz ausüben und Ordnung (entsprechend Vigilantismus) wiederherstellen wollten.

Die wirtschaftliche und politische Transformation der untergegangenen DDR mit ihren Folgeerscheinungen wie grassierende Arbeitslosigkeit und Unzufriedenheit dürften die Proteste außerdem befeuert haben. So galt Lichtenhagen zu Beginn der 1990er Jahre als soziales Problemviertel.

Pogrome entwickeln oft eine Eigendynamik. Die große Menschenmenge in Lichtenhagen fungierte zum einen schützend, Applaus der Masse bei erfolgreichen Attacken zum anderen motivierend. Die unzureichende bis zeitweise fehlende polizeiliche Sicherung des Sonnenblumenhauses dürften Ansporn gewesen sein. Dunkelheit und Alkoholkonsum wirkten ebenfalls als Triebfedern.

Die Täter von Lichtenhagen folgten vor allem rassistischen und neonazistischen Beweggründen. Entsprechende Sprechchöre und Gesten wurden vielfach dokumentiert.

Ermittlungen und juristische Aufarbeitung

Während und nach dem Pogrom wurden 407 Ermittlungsverfahren, die Masse davon wegen Landfriedensbruchs (292), eingeleitet. Zwei Fälle beinhalteten Ermittlungen wegen versuchten Mordes. 44-mal ermittelte die Polizei wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz, 14-mal wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz, zehnmal wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte, fünfmal wegen Diebstahls, viermal wegen Raubes. Ein Ermittlungsverfahren richtete sich gegen mehrere unbekannte Täter wegen Brandstiftung. 35 Verfahren resultierten aus Anzeigen gegen Polizisten und Politiker (Bundestag: Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage, 8.10.1992. S. 5).

Von den 407 Ermittlungsverfahren lagen 215 (zu 257 Personen) beim Landgerichtsbezirk Rostock. Davon wurden 160 eingestellt aus Beweismangel, 13 wegen geringer Schuld. Neun Verfahren endeten mit einer Verwarnung. Erst 2003 wurde das letzte Urteil, medial intensiv begleitet, gegen Täter von Lichtenhagen rechtskräftig. Die Masse der Verfahren konnte jedoch schon zeitnah verhandelt werden. Das Landgericht Rostock fällte 44 Urteile. Elf Angeklagte erhielten nach Jugendstrafrecht Haftstrafen zwischen sieben Monaten und drei Jahren, davon sieben auf Bewährung. Die meisten Verfahren bezogen sich auf Taten, welche nur im Umfeld des Pogroms oder danach verübt worden waren. Dazu gehörten auch jene gegen Personen, die sich dem Pogrom entgegenstellen wollten. Nur in einem Gerichtsverfahren aus den 1990er Jahren wurden drei Personen wegen des direkten Angriffs verurteilt. Letztlich hatte sich die Polizei während des Pogroms auf den Objektschutz und auf den Schutz des eigenen Lebens konzentriert und die Beweissicherung vernachlässigt, was sich später rächte (Parlamentarischer Untersuchungsausschuss: Beschlussempfehlung und Zwischenbericht, 16.6.1993, S. 39–73). Hinzu kam, dass sich sowohl Polizei als auch Justiz nach der demokratischen Transformation erst im Aufbau befanden, was u.a. Unerfahrenheit, aber auch eine permanente Überlastung mit sich brachte.

Ermittlungen wegen des teilweise katastrophalen Polizeieinsatzes verliefen im Sande, so gegen den Rostocker Polizeichef Siegfried Kordus 2000. Das Ermittlungsverfahren gegen seinen damaligen Stellvertreter und Einsatzleiter vor Ort Jürgen Deckert wurde im selben Jahr eingestellt.

Reaktionen

Das Pogrom ist ohne die mediale Ankündigung und Begleitung in diesen Dimensionen kaum denkbar. Während der Ausschreitungen veröffentlichten Medien nicht nur Politikerstatements, sondern unwidersprochen Stimmungseindrücke aus der Bevölkerung, welche die Ereignisse guthießen. Vermummte protestierten gegen diese Berichterstattung in den lokalen Zeitungen und kippten Müll und blutrote Farbe auf Schreibtische in den Norddeutschen Neuesten Nachrichten. Diese wiederum mutmaßte über „Ausländer“ als Täter (Prenzel, Rostock-Lichtenhagen, S. 22 f.).

Auch überregionale Medien berichteten von Beginn an aus Lichtenhagen, so Spiegel-TV. Am zweiten Tag brachte auch die ARD-Hauptnachrichtensendung Tagesschau in ihrer Hauptausgabe als Spitzenmeldung „Krawalle gegen Ausländer“ mit bewegten Bildern vom Vorabend (Tagesschau vom 23. August 1992).

Die außerordentlichen Ereignisse und der kritische Blick aus einigen Ländern auf das wiedervereinigte Deutschland führten zu einem hohen internationalen Interesse. So berichteten mindestens am Montag z.B. internationale Kamerateams. Bilder vom Pogrom verbreiteten sich um die Welt. Ikonographisch wurde Martin Langers Foto des arbeitslosen Maschinisten Harald Ewert mit Hitlergruß, Deutschlandtrikot und benässter Jogginghose (Heinrich u.a., Kulturen des Verdrängens, S. 10).

Das Foto zeigt zwei stehende Männer in der Nacht. Der Mann links hält die Arme verschränkt und lacht dabei. Der Mann rechts hält den rechten Arm ausgestreckt zum Hitlergruß. Dabei trägt er ein Trikot der deutschen Fussballnationalmannschaft und eine Jogginghose, die im Schritt durchnässt ist. Sein Blick ist glasig.
Zuschauer des Pogroms in Lichtenhagen, rechts Harald Ewert. | Deutsche Fotothek / Martin Langer |

6000 Menschen fanden am Donnerstag, den 27. August 1992 in der Rostocker Innenstadt zu einem Schweigemarsch mit anschließenden Andachten unter dem Motto „Zündet Kerzen an und keine Häuser“ zusammen. Zwei Tage später, am Samstag, den 29. August, folgten 20.000 Menschen dem Demonstrationsaufruf „Stoppt die Pogrome!“, trotz der weiträumigen polizeilichen Abriegelung Rostocks (Tagesschau, 29.8.1992). Auch in anderen Städten kam es zu Protestmärschen gegen rechte Gewalt.

Dem Pogrom von Lichtenhagen folgten viele weitere Angriffe auf Unterkünfte von Asylsuchenden im gesamten Bundesgebiet. Es ist anzunehmen, dass Täter die Berichte über Lichtenhagen zum Anlass nahmen, selbst bei sich vor Ort in Aktion zu treten. Allein in der Nacht vom 28. auf den 29. August waren in zehn ostdeutschen Städten von Greifswald bis Cottbus Angriffe auf Asylunterkünfte zu verzeichnen (Tagesschau ab 3 min 15).

Von Beginn an wurde das Pogrom durch Diskussionen in Politik und Medien begleitet, in denen eine Verschärfung des Asylrechts gefordert wurde. An einem zu liberalen Asylrecht machten einige Politiker auch die Ursachen der Ereignisse fest, wie beispielsweise die erwähnte Pressekonferenz von Bundesinnenminister Seite und Ministerpräsident Seite zeigt. Rassismus wurde hingegen kaum thematisiert.

Politiker aus der CDU, so Lothar Kupfer, Berndt Seite und Generalsekretär Peter Hintze, behaupteten ein Zusammenspiel links- und rechtsradikaler Kräfte in Lichtenhagen (Schmidt, Politische Brandstiftung, S. 158, 180; Langer, Flächenbrand, S. 38).

Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) sprach die Ereignisse in einer Sitzung seines Kabinetts am Donnerstag, den 27. August 1992 an. Im Protokoll heißt es:

Von besonderer Bedeutung hält es der Bundeskanzler, daß in Rostock offensichtlich Rechts- und Linksradikale aufs engste kooperiert haben. Dies erinnere an Weimarer Verhältnisse. Nach den gestrigen Verhaftungen stelle sich weiterhin die Frage, inwieweit auch Stasi-Kräfte mitgewirkt hätten. Er neige dazu, daß ein stabsmäßiges Vorgehen, wie in Rostock erlebt, nicht von 15-jährigen Jugendlichen geplant werde. Daß die Polizei überrascht worden sei und vieles nicht funktioniert habe, sei auch offenkundig.
Helmut Kohl

Beweise für eine Kooperation von Links- und Rechtsradikalen, entsprechend einer Hufeisentheorie, fanden sich jedoch nicht, ebenso wenig für eine Steuerung durch ehemalige Stasi-Mitarbeiter, wie sie auch durch den innenpolitischen Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Erwin Marschewski, behauptet worden war (Langer, Flächenbrand, S. 38).

Am 30. August äußerte der Bundeskanzler in der ZDF-Sendung Kennzeichen D hinsichtlich der Ausschreitungen:

Ich glaube, das Wichtigste ist, dass wir gemeinsam zunächst einmal und über alle demokratische Parteien hinweg vor aller Welt deutlich machen, dass Fremdenhass völlig inakzeptabel ist, dass der Hass auf Fremde eine Schande für unser Land ist.
Helmut Kohl

Der Parteivorstand der SPD beschloss am Wochenende 21./22. August einen ersten Entwurf eines Sofortprogramms, der die Begrenzung und die Steuerung der Zuwanderung nach Deutschland befürwortete. Er signalisierte auch Verhandlungsbereitschaft zur Einschränkung des Asylrechts im Grundgesetz. In einem Spitzentreffen der Bundestagsfraktionen einigten sich CDU/CSU, FDP und SPD am 6./7. Dezember 1992 auf einen "Asylkompromiss". Im Mai 1993 beschloss der Bundestag, Artikel 16 des Grundgesetzes um die Drittstaatenregelung zu ergänzen. Zudem wurde unter anderem die Möglichkeit geschaffen, sichere Herkunftsstaaten zu benennen. Damit schränkte man insgesamt deutlich das Asylrecht in Deutschland ein (Poutrus, Umkämpftes Asyl, S. 168–198).

Auswirkungen/Untersuchungsausschüsse

Die beiden Untersuchungsausschüsse, eingesetzt durch den Landtag MV und die Rostocker Bürgerschaft, beschäftigten sich vor allem mit dem staatlichen und polizeilichen Versagen. Später nahmen zivilgesellschaftliche Initiativen die Betroffenen stärker in den Blick.

Der Untersuchungsausschuss „ZAST“ der Rostocker Bürgerschaft konstituierte sich am 14. September 1992. Als Auftrag wurde formuliert, zu klären „ob Pflichtverletzungen des Senates oder der Stadtverwaltung im Zusammenhang mit den Ereignissen an der ZAST in Rostock-Lichtenhagen vorliegen und was Senat und Bürgerschaft unternommen haben, um die Ereignisse zu verhindern.“

In seinem Abschlussbericht bescheinigte der Untersuchungsausschuss dem Oberbürgermeister Kilimann und seinen Senator*innen eklatante Defizite in ihrer Arbeit (Abschlussbericht, 13.10.1993. StA Rostock, 4.1.1. Nr. 835 unpag. PDF). Man hätte es an Verantwortung gegenüber der ZAst missen lassen, nicht angemessen auf die vielen Beschwerden zur Einrichtung reagiert und auch während der Ausschreitungen vor Ort wenig Verantwortung gezeigt. So gab es kaum Aktivitäten der Stadt und keinen Krisenstab während des Pogroms. Auch sah der Ausschuss Schuld beim Land. Im November 1993 trat Kilimann aufgrund anhaltender Kritik zurück.

Der Landtag Mecklenburg-Vorpommern setzte auf Initiative der mitregierenden FDP Ende August 1992 einen „Parlamentarischen Untersuchungsausschuss zu den Ereignissen um die ZAST“ ein. Er konstatierte in seinem Abschlussbericht im November 1993 klare Versäumnisse der Landesregierung und der Stadtverwaltung, die sich die Verantwortung für die katastrophalen Verhältnisse hin- und hergeschoben hätten. Die mangelhaften Zustände in Lichtenhagen habe man akzeptiert, so Innenminister Lothar Kupfer (CDU). Auf Druck der Opposition musste er im Februar 1993 zurücktreten. Der Abschlussbericht wurde nur durch die Regierungsfraktionen von CDU und FDP getragen. SPD und die Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS) kritisierten den Abschlussbericht scharf. So bemängelte die SPD in einem Votum die fehlende Einbeziehung von Erkenntnissen des Verfassungsschutzes und den mangelhaft aufgearbeiteten „verheerenden Polizeieinsatz“.

Den Roma, die sich in der ZAst aufhielten und schließlich evakuiert wurden, verweigerte Deutschland das Asyl. Im September 1992 schlossen Deutschland und Rumänien ein Rückübernahmeabkommen, sodass Roma ab Dezember ausgewiesen wurden.

Landesinnenminister Lothar Kupfer plädierte auch für eine Abschiebung der in Mecklenburg-Vorpommern wohnenden Vietnames*innen, da es im Land an „Akzeptanz“ für sie fehle (Funke, Brandstifter, S. 155, Schmidt, Politische Brandstiftung, S. 49–51). Im Gegensatz zu den Roma wurde in den folgenden Jahren allerdings ihr Bleiberecht unter Voraussetzungen festgeschrieben (Bundesstiftung Aufarbeitung: Arbeitsmigration in die DDR).

Die Betroffenen von Lichtenhagen erhielten weder Entschädigungen noch Anerkennung. Vielfach wurde ihnen indirekt eine Teilschuld am Pogrom zugeschoben, da ihre angebliche Lebensweise provoziert hätte. Das ließ außer Acht, dass sie durch staatliches Unvermögen in diese Lage gebracht wurden (Geelhaar/Marz/Prenzel, Rostock-Lichtenhagen, in: Prenzel, 20 Jahre Rostock-Lichtenhagen, S. 64 f.; Guski, Aufarbeitung, S. 35).

„Lichtenhagen“ und das „Sonnenblumenhaus“ wurden durch das Pogrom weltbekannt und haben über Jahrzehnte das Image der Hansestadt und der gesamten Region negativ beeinflusst (Heinrich u.a., Kulturen des Verdrängens, S. 7–9).

Gedenken und Erinnerungskultur

In direkter Auswirkung des Pogroms gründeten Vietnames*innen in Rostock den Verein Diên Hông – Gemeinsam unter einem Dach. Dieser sollte als Mittler zwischen Einheimischen und Zugezogenen dienen und wurde zu einem wichtigen Akteur in der Stadtgesellschaft.

Serge Klarsfeld, Historiker und Holocaustüberlebender und seine durch antifaschistische Aktionen bekannte Frau Beate Klarsfeld reisten mit weiteren französisch-jüdischen Aktivist*innen am 19. Oktober 1992 nach Rostock und brachten am Rathaus eine Tafel gegen die Abschiebung von Sinti und Roma an. Die Aktion wurde schließlich durch die Polizei unterbunden (Text der Gedenktafel, o.D. StA Rostock, 4.1.1., Nr. 42 unpag. PDF). Seit 2023 erinnert am Rostocker Rathaus eine Informationstafel an die Protestaktion (Guski, Aufarbeitung, S. 48 f.).

Spätestens ab dem zehnten Jahrestag des Pogroms wurden Veranstaltungen in Erinnerung der Ereignisse zu wiederkehrenden Meilensteinen des Erinnerns und der Aufarbeitung (Heinrich u.a., Kulturen des Verdrängens, S. 7–14).

2002 bat der Rostocker Oberbürgermeister Arno Pöker (SPD) erstmals die Betroffenen der Ereignisse auf einer Gedenkveranstaltung um Entschuldigung für die Fehler der Stadt (Heinrich, Kommunale Geschichtspolitik, in: Dies. u.a., Kulturen des Verdrängens, S. 56).

Zum 20. Jahrestag 2012 fanden ein großer Gedenkmarsch durch Lichtenhagen und eine Veranstaltung vor dem Sonnenblumenhaus statt.

Bühne vor dem Sonnenblumenhaus in Rostock-Lichtenhagen. Auf der Bühne spricht Bundespräsident Joachim Gauck anlässlich des 20. Jahrestages des Pogroms.
Bundespräsident Joachim Gauck bei der Gedenkveranstaltung vor dem Sonnenblumenhaus 2012. | BArch, B 145 Bild-00267358, Sandra Steins |

Der Verein Soziale Bildung (SoBi) hat seit 2015 das Dokumentationszentrum Lichtenhagen im Gedächtnis mit Förderung der Hansestadt Rostock aufgebaut. Das Zentrum beinhaltet ein Archiv und betreibt Bildungsarbeit zum Pogrom, zu Rassismus und rechter Gewalt.

2016 lobte die Hansestadt Rostock einen Kunstwettbewerb zur Gestaltung von Erinnerungszeichen aus.

Es gewann ein Entwurf der Gruppe Schaum mit fünf Erinnerungsorten. Die Bekanntheit der geschaffenen Kunstwerke blieb jedoch bisher gering, die Umsetzung war nicht frei von Kritik (Lernen aus der Geschichte: Orte des Gedenkens an rechtsradikale Gewalt).

Bundespräsident Steinmeier gibt eine Erklärung vor dem Sonnenblumenhaus ab. Vor ihm sind mehrere Mikrofone zu sehen, im Hintergrund die Fassade mit dem Relief der Sonnenblume, davor einen Sonnenblumenstrauß in einer hohen weißen Vase.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei der Gedenkveranstaltung zum 30. Jahrestag des Pogroms vor dem Sonnenblumenhaus 2022. | BArch, B 145 Bild-00500830, Sandra Steins |

In den Jahrzehnten nach dem Pogrom entstanden unter anderem Theaterprojekte und -stücke, Hörspiele, Spiel- und Dokumentarfilme und eine Graphic Novel zu den Ereignissen.

Von rechter Seite aus wurde das Pogrom immer wieder instrumentalisiert. So gibt es Lieder rechtsextremer Bands, die hierauf positiv Bezug nehmen. 1998 wollte die rechtsextreme NPD ihren Bundesparteitag in Lichtenhagen mit einer Demonstration durch den Ort beschließen, was Verwaltung und Gericht verhinderten. In der Folge gründete sich das Rostocker Bündnis Bunt statt braun, das seither unter anderem Gedenkveranstaltungen zum Pogrom organisiert und eine Wanderausstellung erarbeitet hat.

Kontroversen und Diskussionen

Seit 2022 verwendet die Hansestadt Rostock den Begriff Pogrom für die Ereignisse in Lichtenhagen. Schon über die Jahre zuvor hatten sich Aktivist*innen für die Verwendung des Begriffs stark gemacht. Werner Bergmann, Soziologe und Pogromforscher sieht die Ereignisse von Lichtenhagen als nicht-antisemitisches Pogrom. Auch der wissenschaftliche Dienst des Bundestages nennt Rostock-Lichtenhagen in einem Papier über Pogrome.

Der Rostocker Geschichtsdidaktiker Oliver Plessow hält den Begriff des Pogroms hier für diskussionswürdig, „da dies die Gefahr der Gleichsetzung mit anderen Pogromen beinhaltet.“ So spricht er von „pogromartigen Ausschreitungen/Gewalttaten.“ (Heinrich u.a., Kulturen des Verdrängens, S. 51).

Die wissenschaftlichen Stimmen von Stephan Geelhaar, Ulrike Marz, Thomas Prenzel argumentieren hingegen für den Begriff der konformistischen Revolte: „Während einer konformistischen Revolte glauben die ‚Rebellierenden’ im Sinne der ‚Herrschenden’ zu handeln. Die Aggression, die eigentlich an die Herrschenden adressiert ist, wird aber gegen Schwächere gerichtet.“ (Geelhaar, Rostock-Lichtenhagen, S. 56).

Leerstellen und offene Fragen

Trotz der Arbeit von zwei Untersuchungsausschüssen zum staatlichen Versagen und einer vergleichsweise relativ breiten Forschung zum Pogrom sind Lücken in der Aufarbeitung zu konstatieren. Das betrifft unter anderem mögliche geheimdienstliche Erkenntnisse zum Pogrom, zum Beispiel zur Beteiligung rechtsextremer Führungskader.

 

HM

(Erst-)Veröffentlicht am: 22.4.2026

Zuletzt redaktionell aktualisiert am: 22.4.2026

Weiterführende Informationen

Medien (Auswahl) 

Zeitzeugenberichte (Auswahl)

Literatur (Auswahl)

  • Dokumentationszentrum „Lichtenhagen im Gedächtnis“/Landeszentrale für politische Bildung Mecklenburg-Vorpommern (Hrsg.): „Wir entkamen auf eigene Faust“. Zeitzeug*innenberichte rumänischer Rom*nja vom Pogrom in Rostock-Lichtenhagen 1992, Schwerin 2024.
  • Funke, Hajo: Brandstifter. Deutschland zwischen Demokratie und völkischem Nationalismus, Göttingen 1993.
  • Heinrich, Gudrun u.a. (Hrsg.): Kulturen des Verdrängens und Erinnerns. Perspektiven auf die rassistische Gewalt in Rostock-Lichtenhagen 1992, Berlin 2024.
  • Langer, Hermann: Flächenbrand von rechts. Zum Rechtsextremismus im Bundesland Mecklenburg Vorpommern, Rostock 1993.
  • Poutrus, Patrice G.: Umkämpftes Asyl. Vom Nachkriegsdeutschland bis in die Gegenwart, Berlin 2019.
  • Prenzel, Thomas (Hrsg.): 20 Jahre Rostock-Lichtenhagen. Kontext, Dimension und Folgen der rassistischen Gewalt, Rostock 2012.
  • Schmidt, Jochen: Politische Brandstiftung. Warum 1992 in Rostock das Ausländerwohnheim in Flammen aufging, Berlin 2002.

Internetdarstellungen (Auswahl)

Zuordnungen

Rassismus Antiziganismus Hass auf den demokratischen Staat Selbstjustiz Mecklenburg-Vorpommern

Bestandsübersicht

Folgend finden Sie Archivbestände, ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Bundesarchiv

Bundesrepublik Deutschland



Bestandssignatur:
B 136
Archivaliennummern:
138515
Laufzeit:
1992
Inhalt:

55. Kabinettssitzung am Donnerstag, dem 27. August 1992

Enthält u.a.: Diskussion zur Sicherheitslage, v.a. zu Rostock-Lichtenhagen


Bestandssignatur:
B 106
Archivaliennummern:
301416; 380699
Laufzeit:
1992–1994
Inhalt:
  • Rückübernahmeabkommen mit Rumänien (380699);
  • Anschlag auf das Asylbewerberheim in Hoyerswerda (Eingaben), Enth. auch: Eingaben zu den Ereignissen von Rostock-Lichtenhagen und Antworten (301416)

Landesarchiv Mecklenburg-Vorpommern

Land Mecklenburg-Vorpommern ab 1990


Hinweis: Bestand derzeit wegen Umzugs nicht nutzbar.

Bestandssignatur:
8.11-215.30
Archivaliennummern:
14
Laufzeit:
1992–1994
Inhalt:

Ausschreitungen gegen Asylbewerber vor der ZASt M-V

Hinweis: Bestand derzeit wegen Umzugs nicht nutzbar.

Bestandssignatur:
8.21-1
Archivaliennummern:
241; 538; 570; 692; 737; 873; 1424
Laufzeit:
1992–2002
Inhalt:
  • Staatsschutz: Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit; Enthält u.a.: Reaktion eines bolivianischen Hochschullehrers auf Ausschreitungen […] in Rostock-Lichtenhagen (241)
  • Besondere Einsatzlagen (Landespolizei) (438)
  • Zuarbeiten zu öffentlichen Auftritten von Minister und Staatssekretär; Enthält u.a.: Teilnahme Minister am Jugendforum in Rostock-Lichtenhagen (538)
  • Untersuchungsausschuss zu den Ereignissen an der ZAST in Rostock-Lichtenhagen im August 1992 (570)
  • Personalangelegenheit; Enthält auch: Untersuchung der Ausschreitungen in Lichtenhagen (692)
  • Ausrüstungsstand; Enthält u.a.: Unzureichende Ausrüstung der Einsatzkräfte in Rostock-Lichtenhagen (737)
  • Staatschutz, Sonderkommission Extrem (in Reaktion auf Krawalle in Rostock-Lichtenhagen gebildet) (873)
  • Enthält u.a.: Presseschau 10 Jahre Lichtenhagen-Krawalle (1424)
Hinweis: Bestand derzeit wegen Umzugs nicht nutzbar.

Bestandssignatur:
8.22-5
Archivaliennummern:
263
Laufzeit:
1992–1993, 1996
Inhalt:

Einrichtung einer SPUDOK [Spurendokumentationskartei] beim BKA wegen fremdenfeindlicher Tathandlungen in Rostock-Lichtenhagen

Hinweis: Bestand derzeit wegen Umzugs nicht nutzbar.

Bestandssignatur:
8.22-7
Archivaliennummern:
62; 220; 224
Laufzeit:
1992
Inhalt:
  • Einsatzbefehle [...]; Enthält u.a.: Lichtenhagen (62)
  • Einsatz bei Ausschreitungen von Jugendlichen [in Rostock-Lichtenhagen] (220)
  • Abrechnung [...] Polizeikräfte aus NRW (224)
Hinweis: Bestand derzeit wegen Umzugs nicht nutzbar.

Bestandssignatur:
8.23-1/1
Archivaliennummern:
18
Laufzeit:
1992
Inhalt:

Polizeiliche Maßnahmen; Enthält u.a.: Auswirkungen des Einsatzes an der ZASt Rostock-Lichtenhagen

Hinweis: Bestand derzeit wegen Umzugs nicht nutzbar.

Bestandssignatur:
8.23-1/2
Archivaliennummern:
59; 87; 205; 212 Bd. 4; 247
Laufzeit:
1992–1993, 1998
Inhalt:
  • Demonstration gegen Rassismus und Ausländerfeindlichkeit am 28. August 1992 in Rostock-Lichtenhagen (59)
  • Presseberichterstattung über die Krawalle (87)
  • Kriminalitätslage im Umfeld der ZASt (205)
  • Sog. Belegfluss; Enthält: Programmankündigung […] Friedensfest am Sonnenblumenhaus […] 1998 (212 Bd. 4)
  • Bürgerschreiben an den Leiter der PD anlässlich des Geschehens um die ZASt […] 1992 (247)
Hinweis: Bestand derzeit wegen Umzugs nicht nutzbar.

Bestandssignatur:
8.23-1/2
Archivaliennummern:
197
Laufzeit:
1992
Inhalt:

Einsatz und Verwendung; Enthält u.a.: Polizeieinsatz in Rostock-Lichtenhagen 29. Aug. 1992

Hinweis: Bestand derzeit wegen Umzugs nicht nutzbar.

Bestandssignatur:
8.32-1
Archivaliennummern:
120
Laufzeit:
1992
Umfang:
Anregung für eine Sendung des NDR im Zusammenhang mit der juristischen Begleitung der Krawalle vor dem Asylbewerberheim in Rostock-Lichtenhagen 1992
Hinweis: Bestand derzeit wegen Umzugs nicht nutzbar.

Bestandssignatur:
8.33-6/2
Archivaliennummern:
5516a-s
Laufzeit:
1993–2011
Inhalt:

Landfriedensbruch – Überfall auf das Sonnenblumenhaus

Hinweis: Bestand derzeit wegen Umzugs nicht nutzbar.

Bestandssignatur:
8.10-1 2.1.2
Archivaliennummern:
1580–1602; Folgend ohne Nr.: 9 Disketten, 2 VHS-Kassetten; 2379
Laufzeit:
1992–1994
Inhalt:
  • Einsetzung eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses zu den Ereignissen um die ZAST (1580)
  • Geschäftsordnung des parlamentarischen Untersuchungsausschusses zu den Ereignissen um die ZAST (1581)
  • Beweisanträge […] Beweisbeschlüsse […] (1582)
  • Kurzprotokolle der nicht öffentlichen Ausschusssitzungen (1583)
  • Wortprotokolle (1584–1587)
  • Protokolle der Obleutebesprechungen (1588)
  • Protokolle des Innenausschusses des Landtages und des Innenausschusses des Bundestages (1589)
  • Mitarbeiter des Untersuchungsausschusses (1590)
  • Arbeit des U-Ausschusses (1591)
  • Zeugen, Ladung und sonstige Unterlagen (1592)
  • Sitzungen (1593)
  • Vorsitzender (Schriftverkehr) (1594)
  • Sekretär (Schriftverkehr) (1595)
  • Bürgerpost (1596)
  • Übergabe (Akten, Protokolle usw.) (1597)
  • Vorbereitende Unterlagen zu den Berichten (1598)
  • Berichtsfassungen (1599)
  • Originalfassungen des Zwischen- und Abschlussberichtes (1600)
  • Postein- und Postausgangsbuch (1601)
  • Ausschnitte aus dem Pressespiegel (1602)
  • Sitzungen und Berichte (9 unverzeichnete Disketten)
  • Fernsehaufzeichnungen (2 unverzeichnete VHS-Kassetten)
  • Namentliche Abstimmung über die Einsetzung eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses (2379)

Archiv des Dokumentationszentrums "Lichtenhagen im Gedächtnis"


Hinweis: Übersicht nur auf Anfrage beim Dok-Zentrum "Lichtenhagen im Gedächtnis"

Spectacle Archive

Videomaterial


Hinweis: Das Videomaterial floss im Film "The Truth Lie(s) In Rostock" ein.

Bestandssignatur:
TTLIR
Archivaliennummern:
0065; 0066; 00109; 0110; 0111; 0112; 0113; 0114
Laufzeit:
1992–1993
Inhalt:

Enthält u.a.: Filmaufnahmen vom Angriff auf das Sonnenblumenhaus und dessen Verteidigung, Interviews mit Roma nach dem Pogrom

Stadtarchiv Rostock



Bestandssignatur:
4.1.1.
Archivaliennummern:
37; 39; 42; 211; 834–836; 1240
Laufzeit:
1990–2001
Inhalt:
  • 36. Bürgerschaftssitzung am 1./2. Juli 1992; Enthält u.a.: Situation in und an der ZAST Lichtenhagen (37)
  • 37. Bürgerschaftssitzung am 2./3. September 1992; Enthält u.a.: Ereignisse ZAST Lichtenhagen (39)
  • 40. Bürgerschaftssitzung am 4. November 1992; Enthält u.a.: Anbringung Mahntafel des Ehepaars Klarsfeld am Rathaus (42)
  • 27. Bürgerschaftssitzung am 7. November 2001; Enthält u.a.: Ansehen der Hansestadt Rostock durch Ereignisse von Lichtenhagen (211)
  • ZAST Lichtenhagen; Enthält: Unterlagen Untersuchungsausschuss der Hansestadt Rostock (834)
  • Untersuchungsausschuss ZAST Lichtenhagen; Enthält: Unterlagen Untersuchungsausschuss der Hansestadt Rostock (835)
  • 20 Stereokassetten mit Befragungen des Untersuchungsausschusses zur ZAST Lichtenhagen; Enthält u.a.: Unterlagen Untersuchungsausschuss der Hansestadt Rostock (836)
  • Aktion von Beate und Serge Klarsfeld (1240)

Bestandssignatur:
4.1.2.1.
Archivaliennummern:
848
Laufzeit:
1992
Inhalt:

2 Tonkassetten Mitschnitte Einsatz der Feuerwehr in Lichtenhagen Aug. 1992

Letzte Aktualisierung: 04.05.2026