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01.03.2021

Im Blickpunkt - Ein Pfarrer will zu Lebzeiten in den Himmel

Von Archivportal-D

In der Rubrik „Im Blickpunkt“ präsentieren wir besondere Highlights aus Archiven, die im Archivportal-D vertreten sind. Diese ausgewählten Archivalien geben Einblick in die Bestände und bieten Rechercheanregungen für eine mögliche Suche im Archivportal-D. In diesem Monat beteiligt sich das Archiv des Erzbistums Bamberg mit einem Artikel zu Erfindungen zur Flugtechnik Anfang des 20. Jahrhunderts. Wir danken dem Archiv des Erzbistums Bamberg herzlich für die Bereitstellung dieses spannenden Artikels!

 

Johann Barnickel (1870-1952) hatte während seiner Zeit als Seelsorger der kleinen Landpfarrei Thurndorf im oberpfälzischen Landkreis Neustadt a. d. Waldnaab ein außergewöhnliches Hobby: er interessierte sich für die Flugwissenschaft.

Überliefert ist diese Leidenschaft mit ca. 0,7 lfm Aktenmaterial und Büchern, u.a. Werke zur Flugtechnik aus den Jahren 1853 bis 1926. Barnickel stand mit zahlreichen Wissenschaftlern in regem Briefverkehr. Mit Modellversuchen zum Schraubenflug sowie dem Insekten- und Vogelflug setzte er theoretische Erkenntnisse in die Praxis um und verfasste mehrere Aufsätze zur Flugtechnik.

Die Skizzen eines pterodynamischen Rotationsflugzeuges sowie eines Dreh-Fallschirmes entwarf Barnickel nach dem Vorbild des natürlichen Vogelfluges: Die gewölbten, elastischen Flügel von Vögeln üben sog. "pterodynamische Wirkung" aus, d. h. es entsteht ein kreisender Luftstrom der unterhalb des Flügels einen Auftrieb, an der Flügelspitze einen Vorstoß oder Vortrieb bewirkt.

Skizze eines pterodynamischen Raotationsflugzeuges und eines Drehfallschirms
AEB, Rep. 70 NL 9 Nr. 30- Skizzen eines pterodynamischen Rotationsflugzeuges sowie eines Dreh-Fallschirmes, um 1914.

1914 schickte er den Entwurf zusammen mit dem Manuskript "Flugtafel oder Berechnung der Kilogrammziffern von 50 Vögeln" zur Begutachtung an Gustav Lilienthal (1849-1933), den Bruder des Flugpioniers Otto Lilienthal (1848-1896). Gustavs umfangreiche Antwort gipfelte in der Erkenntnis, dass Barnickel für die "Hubschrauben", die er für die Flügel verwenden will, "weit wirksamere Motore als wir [sie] bis jetzt zur Verfügung haben" brauche.

Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden in Europa und Amerika immer wieder neue "Hubschraubermodelle" entwickelt. Der erste voll betriebsfähige Hubschrauber wurde von Professor Henrich Focke (Bremen) entwickelt und konnte 1936 zu seinem Jungfernflug starten.

 

Wer gerne mehr über Johannes Barnickels Begeisterung für Flugtechnik erfahren möchte, kann im Archivportal im Bestand Barnickel, Johannes (1870-1952) des Archivs des Erzbistums Bamberg stöbern.